Japanische Frauen zur Zeit des Asiatisch-Pazifischen Krieges. Passive Opferbereitschaft oder aktive Kampfbereitschaft?


Essay, 2015
5 Seiten

Leseprobe

Japanische Frauen zur Zeit des Asiatisch-Pazifischen Krieges: Passive Opferbereitschaft oder aktive Kampfbereitschaft?

Elvira Bachmaier

Dieses Jahr gedenken wir des Weltkriegsendes vor 70 Jahren. Auch für Japan endete der Zweite Weltkrieg, oder besser der Asiatisch-Pazifischen Krieg im Jahr 1945.

Der Krieg an sich wird oft als „Krieg der Männer“ angesehen. Dass dies im modernen Krieg des 20. Jahrhunderts nicht oder nicht mehr der Fall war, steht außer Frage. In jeder kriegsbeteiligten Nation des Zweiten Weltkrieges wurde die Zivilbevölkerung mit ins Kriegsgeschehen verwickelt und für die so genannte „Heimatfront“ wurden häufig auch die Frauen mobilisiert.

Wie gestaltete sich dies in Japan?

Musste jede Frau in der Kriegsindustrie arbeiten? Wie wurde die japanische Frau in der Propaganda dargestellt? Als schützenswertes, reines Wesen in der Heimat, das die neue Generation großzog? Oder gar als Kämpferin gegen den Feind? Und wie gingen die Frauen selbst mit diesen Bildern um? Versuchten sie, dem propagiertem Frauenbild zu folgen oder widersetzten sie sich ihm?

Im Folgenden wird gezeigt, inwiefern die Japanerinnen zur Zeit Asiatisch-Pazifischen Krieges sich als aktive Kämpferinnen darstellten und dargestellt wurden und wo sie die passive Opferrolle ausfüllten.

Als „Soldatin zum Kindergebären“ und als „Kämpferin an der Heimatfront“ sprachen die Medien die japanische Frau zur Zeit des Asiatisch-Pazifischen Krieges (1931-1945) an und sogar deren Kinder wurden als „Kriegsressourcen“ bezeichnet. Die „Kämpferinnen im Generalmobilisierungskrieg“ [1] sollten sich mit Zuspitzung der Lage im Pazifik bald schon nicht nur an der Heimatfront als fleißige Arbeiterinnen einsetzen, die die kämpfenden Männer mit Lebensmittel, Munition und Motivation versorgten, sondern auch ihren Patriotismus mit Bambusspeeren und eisernen Werkzeugen aktiv unter Beweis stellen. Denn mit der zunehmenden Drohung einer amerikanischen Invasion auf die japanischen Hauptinseln, wollte die Regierung eine zweite „Front“ bestehend aus Zivilisten (und damit vorwiegend aus Frauen) aufstellen, die den GIs mit unterlegenen Waffen aber eisernen Kampfeswillen entgegentreten sollte.

Besonders im letzten Kriegsjahr, in dem der so genannte „Ehrentod“ hunderter japanischer Soldaten allgegenwärtig war, die sich in einem Himmelfahrtskommando in die Schusslinie der Amerikaner warfen oder sich als Teil der „Spezialangriffstruppen“ (tokubetsu kōgekitai 特別攻撃隊 auch abgekürzt als: tokkōtai 特攻隊 In westlichen Medien in der Regel als „Kamikaze“ bezeichnet) mit Bomben an U-Booten oder Flugzeugen in feindliche Schiffe und somit in den Tod stürzten, war das Motto „lieber sterben als kapitulieren“ auch im Alltag zu spüren. Es kam zu einer regelrechten „Kamikazifikation der Heimatfront“ (kamikaze/shinpū ni ka suru 神風に化する), [2] die schließlich auch auf das Rollenbild der Frau übergriff, welche traditionell eigentlich als erduldend und passiv angesehen wurde.

Opferbereitschaft als weibliche Tugend

Noch in den 1930er und 1940er Jahren gehörte zu den „weiblichen Tugenden“ der Japanerin „Gehorsam, Liebeswürdigkeit, Treue, Duldsamkeit und Dienstbereitschaft“.[3] Die Haupterwartung gegenüber den Frauen lag auf einer gewissen Passivität und Opferbereitschaft.

Sie sollten die nachfolgende Generation sichern, das heißt die zukünftigen Subjekte des Kaiserreiches zur Welt bringen. Diese Rolle wurde stark von der Regierung ideologisiert, um über mehr gesundes „Menschenmaterial“ für den Krieg und die Besiedelung der eroberten Gebiete zu verfügen. Gegenüber dem aktiv kämpfenden Mann sollte sich die propagierte Frau als Unterstützerin zeigen. Ihr Einsatz galt der Familie, den eigenen Kindern, den Ehemann und dem Staat einsetzen. [4]

Die Japanologin Petra Buchholz untersuchte die Erinnerungen von Zeitzeugen an die Shōwa-Zeit (1929-1989) und machte zwei Arten der Opferrolle jener Frauen fest: Einmal die bereits erwähnte Selbstaufopferung für Familie und Staat und andererseits die Rolle des Opfers männlicher Gewalt. Auch viele Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs schildern viele Zeitzeugen das Leben der Frau zu jener Zeit als mühsam und voller aufopferungsvoll.[5]

Doch erscheinen diese Schilderungen, wie Buchholz feststellt, oft nicht als hingenommenes Schicksal; es wird vielmehr der aktive Part der Frauen betont „sowohl bei der Sorge um die Angehörigen als auch bei der Abwehr der Gewalt von Siegersoldaten.“[6]

[...]


[1] „‚Ganken na kokkaku’ Senchū no bijin (「頑健な骨格」戦中の美人)”, in: Yomiuri Shinbun (Yomiuri online): Kateimen no isseiki. Josei to sensō (家庭面の一世紀 女性と戦争), Vol. 1 vom 21. Juli 2010. http://www.yomiuri.co.jp/komachi/feature/20100723-OYT8T00333.htm (Stand: 12.3.11) Übersetzung der Verfasserin aus dem Japanischen.

[2] Nach Earhart, David C. (2008): Certain victory : images of World War II in the Japanese media. Armonk, NY [u.a.]: Sharpe, S. 409

[3] Yoshimi Kaneko (吉見周子) (1977): „Nihon fashizumu to josei (日本ファシズムと女性)“, Tōkyō: Gōdō Shuppan, S. 149. Zitiert nach Neuss-Kaneko S.92

[4] Das Ideal der Duldsamkeit ist alt hergebracht und kommt zu einem großen Teil wohl aus den patriarchalen Strukturen der Meiji-Zeit. So schreibt beispielsweise die japanische Feministin Ishimoto (Katō) Shizue 1935 über ihre eigene Mutter: „Nobody ever saw her in a relaxed manner: she is alwasy erect, wearing her kimono thightly with her heavy sash folded on her back. … ‚Endurance’ and ‚repression’ are her greatest ideals. She says to me, ‚Endurance a woman should cultivate more than anything else. If you endure well in any circumstances, you will achieve happiness.’” (Ishimoto, Shidzue (1935): Facing two ways: The story of my life. New York: Farrar & Rinehart. Zitiert nach: Paulson, S.16)

[5] s. auch: Nagahara, Kazuko (永原和子) (1989): „Josei wa naze sensō ni kyōryoku shitaka? (女性はなぜ戦争に協力したか?)". In: Fujiwara, Akira et al (Hrsg.) nihon kindai no kyozō to jitsuzō, Tōkyō: Yūhikaku, S. 179

[6] Buchholz, Petra (2003): Schreiben und Erinnern : über Selbstzeugnisse japanischer Kriegsteilnehmer, Iaponia insula. München: Iudicium, S. 254

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Details

Titel
Japanische Frauen zur Zeit des Asiatisch-Pazifischen Krieges. Passive Opferbereitschaft oder aktive Kampfbereitschaft?
Autor
Jahr
2015
Seiten
5
Katalognummer
V315913
ISBN (eBook)
9783668152076
Dateigröße
683 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
japanische, frauen, zeit, asiatisch-pazifischen, krieges, passive, opferbereitschaft, kampfbereitschaft
Arbeit zitieren
Elvira Yoshioka Bachmaier (Autor), 2015, Japanische Frauen zur Zeit des Asiatisch-Pazifischen Krieges. Passive Opferbereitschaft oder aktive Kampfbereitschaft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315913

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