Die Bedeutung der Europäischen Zentralbank und des Hauptrefinanzierungssatzes für eine wirtschaftliche Stabilität in Europa


Hausarbeit, 2014

18 Seiten, Note: 14

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Anhang

Quellenverzeichnis

Internetquellen

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

1 Die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion

2 Die EZB und ihre Aufgaben
2.1 Das Europäische System der Zentralbanken (ESZB)
2.2 Das Eurosystem
2.3 Aufgaben der ESZB

3 Preisstabilisierung durch die EZB
3.1 Messung des Preisniveaus
3.2 Gründe für die Preisstabilisierung
3.3 Instrumente der Europäischen Zentralbank zur Preisstabilisierung

4 Der Hauptrefinanzierungssatz

5 Folgen der Leitzinsveränderung

6 Fazit

Einleitung

Der 5. Juni 2014 ist für den europäischen Wirtschaftsraum in finanziel- ler Hinsicht von historischer Bedeutung. Der durch die Europäische Zentralbank (EZB) festgelegte Leitzins wurde auf eine Rekordmarke von 0,15 Prozent gesenkt. Im Zuge dessen wurde der Einlagezins für Banken auf minus 0,10 Prozent reduziert. Dies bedeutet für die Banken, dass sie künftig einen Strafzins zahlen müssen, wenn sie bei der EZB Geld hinterlegen. Diese Herabstufung des Zinssatzes ist das Ergebnis einer lang anhaltenden Wirtschaftskrise innerhalb Europas.

Dieser Leistungsnachweis befasst sich im Folgendem mit der Europäi- schen Zentralbank und einer ihr übertragenen Hauptaufgabe, die Stabi- lisierung des Preisniveaus innerhalb Europas. Weiter soll das zur Stabi- lisierung eingesetzte Instrument der EZB, der Hauptrefinanzierungs- zinssatz dargestellt werden. Welche Veränderungen dieser Zinssatz in den vergangenen Jahren erfahren hat und welche Konsequenzen die erneute Senkung für Europa und den Euro als Währung haben, soll ebenfalls erläutert werden.

1 Die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion

Die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrem Sitz in Frankfurt am Main nahm am 1. Juli 1998 ihre Tätigkeit auf. Eine ihrer Hauptaufgaben ist die Verwaltung des Euro, der einheitlichen Währung in der Europäi- schen Union. Die EZB ist somit für einen Teil der Umsetzung der Wirt- schafts- und Währungsunion (WWU) innerhalb Europas verantwortlich. Die WWU ist ein zentraler Baustein für ein vereintes Europa und ist auf den Vertrag von Maastricht vom Dezember 1992 zurückzuführen. In diesem, vom Europäischen Rat gefassten Vertrag, wurden Vereinba- rung bezüglich der Wirtschafts- und Steuerpolitik der Mitgliedsstaaten getroffen. Weiter wurde darin die Einführung einer einheitlichen Wäh- rung im Europäischen Wirtschaftsraum beschlossen. Diese Währung sollte von nun an „ Euro “ genannt werden. Der Euro als Währung wurde im Gegensatz zur Wirtschaftsunion allerdings nicht in allen der EU an- gehörigen Nationen eingeführt. So nutzen diese einheitliche Währung nur 18 der 28 EU-Mitgliedsstaaten. Lettland hat 2014 als aktuell letztes Land den Euro eingeführt.1

Die Anfänge der WWU liegen in der Geschichte aber noch viel weiter zurück. Bereits nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gab es die Ab- sicht, einen solchen Krieg nie wieder zu ermöglichen. Man strebte eine internationale Zusammenarbeit an, die unter anderem eine erneute kriegerische Auseinandersetzung erschweren sollte. Im Jahr 1949 wur- den die Vereinten Nationen auf internationaler Ebene gegründet. Auf der Ebene Europas erfolgten kurze Zeit später wichtige Verhandlungen, bei denen der Grundstein für ein vereintes Europa in drei wichtigen Ver- trägen gelegt wurde.

Diese Verträge sind:

I. Vertrag über die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) von 1951

und

II. die Römischen Verträge:

a. der Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschafts- gemeinschaft (EWG) von 1957,
b. der Vertrag über die Europäische Atomgemeinschaft (EURATOM) von 1957.

Das Unterzeichnungsdatum der zuvor genannten Römischen Verträge, der 25. März 1957, gilt als Gründungsdatum der Europäischen Union (EU).2 Die Absicht der Vertragsparteien lag darin, eine wirtschaftspolitische Integration in Europa voranzutreiben. Vertragsinhalte der EWG beschränkten sich seinerzeit auf die Gründung einer Zollunion und die Schaffung eines gemeinsamen Agrarmarktes. Die Schaffung einer einheitlichen Währung innerhalb Europas war zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht vorgesehen.3

Die Unterzeichnerstaaten der Römischen Verträge nutzten zu dieser Zeit das sogenannte Bretton-Woods-System und sahen damit keine Veranlassung zur Einführung einer neuen Währungspolitik. Das Bret- ton-Woods-System wurde nach dem Ende des zweiten Weltkrieges eingeführt und war für die wichtigsten Handelsnationen eine neue Wäh- rungsordnung. Es beinhaltete die Festlegung von relativ festen Wech- selkursen der Währungen. Alle teilnehmenden Währungen sollten sich an einer Basiswährung, dem US-Dollar orientieren, dieser wiederum orientierte sich am Gold. Das Bretton-Woods-System funktionierte aber nur solange, wie der US-Dollar auch eine starke Währung war. Dies war 1973 nicht mehr der Fall. Versuche, diese Währungspolitik zu ret- ten, waren gescheitert.4

Aber schon vor dem endgültigen Aus des Bretton-Woods-Systems gab es bereits im Jahr 1969 eine Konferenz der Staats- und Regierungs- chefs in Den Haag bei der ein neues Ziel für Europa definiert wurde, die Wirtschafts- und Währungsunion für Europa. 1970 wurde ein Ab- schlussbericht vorgelegt, welcher ein mehrstufiges Vorgehen zur Errei- chung des Zieles innerhalb von zehn Jahren vorschlug. Das abschlie- ßende Ziel war es, den Kapitalverkehr zu liberalisieren und eine Ein- heitswährung in Europa einzuführen. Bis zur Realisierung der WWU war es aber noch ein weiter Weg. Auf diesem Weg wurde 1988 das Vorhaben der WWU in einem Ausschuss einer erneuten Prüfung unter- zogen. Diesem Ausschuss gehörten unter anderem die Chefs der nati- onalen Zentralbanken an. Sie festigten so ihre Belange in einer Wäh- rungsunion. Dem abschließenden Bericht des Ausschusses war zu ent- nehmen, dass eine Verwirklichung der WWU in drei Stufen angegangen werden sollte. Hierfür sollten die Koordinierung der wirtschaftlichen Be- lange verbessert und eine Regelung für die Haushaltsdefizite der Mit- gliedsstaaten getroffen werden. Weiter sollte eine komplett unabhängi- ge Institution gegründet werden, das bedeutet, diese Institution musste frei von politischen Weisungen und Eingriffen sein, egal von welcher Seite sie auch kommen mochten. Dieses Institut sollte sich fortan mit der Währungsunion befassen: Die Europäische Zentralbank (EZB).

Die EZB sollte das zentrale Element des Europäischen Systems der Zentralbanken werden. Mit der Einigung und der Einführung einer ein- heitlichen Währung haben sich die EU-Mitgliedsstaaten, welche seiner Zeit dem Euro-Währungsgebiet angehörten, darauf verständigt, ihre geldpolitische Souveränität aufzugeben und die Verantwortung auf die Europäische Zentralbank zu übertragen. Im Dezember 1989 wurde auf einer Tagung des Europäischen Rats über die Realisierung der WWU und der damit erforderlichen Vertragsänderungen zwischen den Mit- gliedsstaaten und der Europäischen Gemeinschaft gesprochen. Die Gespräche führten dann 1992 zu dem Vertrag über die Europäische Gemeinschaft, dem Vertrag von Maastricht. Die Verwirklichung der WWU sollte demnach in drei Stufen erfolgen, welche Folgendes bein- haltete:

I. Abbau von Beschränkungen des freien Waren-, Personen-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehrs zwischen den EUMitgliedsstaaten,
II. Errichtung des Europäischen Währungsinstituts (EWI) als Vorgänger der EZB; technische Vorarbeiten zur Schaffung der Währungsunion, herstellen von Haushaltsdisziplin inner- halb der Mitgliedsstaaten und eine verstärkte Konvergenz der WWU sowie die
III. schrittweise Einführung der Einheitswährung „Euro“ und die Durchführung einer gemeinsamen Geldpolitik unter der Verantwortung der EZB.

Die Stufen eins und zwei sind offiziell abgeschlossen. Die dritte und letzte Stufe, die Währungsunion, begann am 1. Januar 1999 mit der Einführung des Euros als Buchwährung.5 Mit dem Euro wurde der ECU (European Currency Unit) als Vorgängerwährung offiziell abgelöst.

Der ECU war eine Korbwährung und wichtiger Bestandteil des Europäi- schen Währungssystems (EWS). Der ECU wurde bereits im Jahr 1979 u.a. Währung zur Errechnung der Wechselkurse unter den damaligen 12 Mitgliedsstaaten eingeführt. Allerdings war er keine offizielle Währung. Auch der gesamte Haushalt der EU wurde nicht in der landestypischen Währung, sondern in ECU erstellt.6

Nach dem 1. Januar 1999 wurde dem Eurosystem auch die Zuständig- keit für die Geldpolitik in Europa übertragen. Im Januar 2002 wurde dann der Euro als Einheitswährung für Europa im Bargeldverkehr ein- geführt. Die dritte Stufe ist seit dem fortlaufend im Gang, bis alle Mit- gliedsstaaten der EU den Euro als einheitliche Währung eingeführt ha- ben.

2 Die EZB und ihre Aufgaben

Wie bereits erwähnt wurde die Europäische Zentralbank im Laufe der WWU geschaffen und ist ein Organ der Europäischen Union.7 Rechtsgrundlage ihrer Entstehung ist Artikel 8 des Vertrags zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft (EGV).

Aber nicht alle EU-Mitgliedsstaaten haben im Januar 2002 den Euro als einheitliche Währung eingeführt. So haben Dänemark und das Verei- nigte Königreich einen dauerhaften Sonderstatus inne. Ihnen wird es freigestellt, ob sie die dritte Stufe der WWU, die Einführung des Euro, umsetzen. Diese Entscheidung haben sie allerdings bis zum heutigen Tag ausgeschlossen. Weiter erfüllen einige Mitgliedsstaaten die verein- barten wirtschaftlichen und rechtlichen Konvergenzkriterien zur Euro- einführung nicht vollständig. Diese Staaten werden alle zwei Jahre durch den EU-Rat auf den Prüfstand gestellt. Diese Situationen führte zur Schaffung zweier unterschiedlicher Systeme, in denen die EZB eine wichtige Rolle spielt.8

2.1 Das Europäische System der Zentralbanken (ESZB)

Das erste angesprochene System ist das ESZB. Geleitet wird das ESZB gemäß Artikel 129 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union von dem Beschlussorgan der EZB, dem Rat der Europäischen Zentralbank und dem Direktorium. Ebenso gehören dem ESZB die nationalen Zentralbanken aller 28 EUMitgliedsstaaten an, ungeachtet dessen, ob sie den Euro als Währung eingeführt haben oder nicht.

Die EU-Mitgliedsstaaten, welche die Währungsunion noch nicht um- gesetzt haben, bleiben weiterhin innerhalb ihrer Währungspolitik souverän. In diesen Ländern treffen die nationalen Zentralbanken weiterhin eigene geldpolitische Entscheidungen. Die Präsidenten dieser nationalen Zentralbanken werden nicht automatisch Mitglieder des EZB-Rates, was bei einer Umsetzung der Währungsunion der Fall wäre. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die Mitgliedsstaa- ten ohne Euro als Währung auch nicht direkt an der Durchführung der Geldpolitik für das Eurogebiet beteiligt werden können. Dennoch verpflichten sie sich, auf die geldpolitischen Grundsätze, welche auf die Preisstabilität innerhalb des Euro-Raums gerichtet sind, Rück- sicht zu nehmen. Das ESZB ist gemäß dem Vertrag über die Ar- beitsweise der Europäischen Union mit der Durchführung der Zent- ralbankaufgaben betraut. Daran mitwirken dürfen allerdings nur die euroführenden Länder. Da die Umsetzung der dritten Stufe aber noch nicht abgeschlossen ist, musste eine Unterscheidung getroffen werden. So wurde der Begriff Eurosystem geprägt.

2.2 Das Eurosystem

Das Eurosystem wird von der EZB als solche und den nationalen Zentralbanken, welche bereits den Euro als Währung eingeführt ha- ben, gebildet. Dieser Begriff hat sich im Laufe der Zeit eingebürgert, da eine wesentliche Unterscheidung bezüglich der euroführenden und nicht euroführenden Länder getroffen werden musste. Die Unterscheidung ist deshalb von Bedeutung, da nur die euroführenden Länder innerhalb der Europäischen Union die Währungspolitik überwachen und mitgestalten dürfen.

Somit lässt sich sagen, dass das Eurosystem ein System innerhalb der ESZB ist und deren einzige Unterscheidung sich in der Landeswährung widerspiegelt. Weiterhin wird das Eurosystem nur so lange von Bedeutung sein, bis alle EU-Mitgliedsstaaten den Euro als Landeswährung eingeführt haben.

2.3 Aufgaben der ESZB

Die Aufgaben und Ziele der ESZB werde in Artikel 127 Abs. 1 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union genannt. So heißt es sinngemäß, dass das ESZB eine Preisstabilität in Europa gewährleistet. Dies ist das vorrangige Ziel des ESZB. Weiter soll die allgemeine Wirtschaftspolitik in der Union unterstützt werden, aber nur dann, wenn keine Beeinträchtigung des vorrangigen Ziels des ESZB stattfindet. In Absatz 2 des o.g. Artikels werden weitere Aufga- ben genannt. Diese Aufgaben sind:

- Festlegung und Ausführung der Geldpolitik,
- Durchführung von Devisengeschäften,
- das Vorhalten und Verwalten von Währungsreserven der Mit- gliedsstaaten und
- Förderung der reibungslosen Funktion des Zahlungssystems.

Mit diesen, der EZB übertragenen Aufgaben, soll Artikel 3 des EUVertrages realisiert und umgesetzt werden.9

Bei einem großen Gebilde wie der Europäischen Union mit aktuell 28 Mitgliedsstaaten (Stand Juli 2014) und einem so groß definierten Ziel einer gemeinsamen Wirtschafts- und Währungsunion ist eine Zentra- lisierung der Entscheidungsebene mehr als notwendig. Sie muss dauerhafter Natur sein, da täglich wichtige geldpolitische Entschei- dungen, welche die gesamte Europäische Union betreffen, gefällt werden müssen. Aber die zentrale Kernaufgabe bleibt die Preisstabi- lisierung und die Stabilisierung des Euro als Unionswährung. Mit an- deren Worten, das ESZB soll eine Inflation beziehungsweise Deflati- on im EU-Raum verhindern. Hierfür hat das ESZB verschiedene In- strumente zur Verfügung gestellt bekommen.

3 Preisstabilisierung durch die EZB

Zunächst muss geklärt werden, was eine Preisstabilität im Sinne der EZB ist. Der damalige Präsident der Europäischen Zentralbank, Dr. Willem F. Duisenberg hielt am 9. Februar 1999 einen Vortrag an der Universität Hohenheim. In diesem Vortrag nannte er eine klare Grenze der Preisstabilität. So sagte Dr. Duisenberg:

[...]


1 EZB, Karte des Euroraums, Zugriff am 16.06.2014, vgl. Anhang, Abbildung 1

2 Vgl. Deutscher Bundestag, 2014, Zugriff am 24.09.2014

3 Vgl. Scheller, 2004, S. 15

4 Vgl. Deutsche Bundesbank, 2013, Zugriff am 25.06.2014

5 Vgl. Bergman und Mickel, 2005, S. 202 ff

6 Vgl. Bergman und Mickel, a.a.O., S. 265 f

7 Vgl. EZB, Zusammenarbeit in Europa, Zugriff am 24.09.2014

8 Vgl. EZB, 2013, Zugriff am 25.06.2014

9 Vgl. EZB, Aufgaben der EZB, Zugriff am 25.06.2014

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung der Europäischen Zentralbank und des Hauptrefinanzierungssatzes für eine wirtschaftliche Stabilität in Europa
Hochschule
Fachhochschule für Verwaltung Saarland; Saarbrücken
Note
14
Jahr
2014
Seiten
18
Katalognummer
V315914
ISBN (eBook)
9783668200128
ISBN (Buch)
9783668200135
Dateigröße
876 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, europäischen, zentralbank, hauptrefinanzierungssatzes, stabilität, europa
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Die Bedeutung der Europäischen Zentralbank und des Hauptrefinanzierungssatzes für eine wirtschaftliche Stabilität in Europa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315914

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Bedeutung der Europäischen Zentralbank und des Hauptrefinanzierungssatzes für eine wirtschaftliche Stabilität in Europa



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden