Sind die Errungenschaften Helmut Kohls aus heutiger Sicht positiv oder negativ anzusehen? Seine Außenpolitik und die deutsche Wiedervereinigung


Hausarbeit, 2010
22 Seiten, Note: 2,0
Tom Nachtigall (Autor)

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Die Beziehung zu den U.S.A

3 Kohls Verhältnis zur Sowjetunion

4 Kohl und die DDR

5 Der Zehn- Punkte- Plan

6 Der Zwei- Plus- Vier- Vertrag

7 Fazit und Ausblick

8 Abkürzungsverzeichnis

9 Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Helmut Kohl ist mit sechzehn Jahren Amtszeit der Bundeskanzler, der am längsten im Dienst war. Jedoch ist seine Person keinesfalls unumstritten und sie war es auch nicht während seiner aktiven Z eit al s P olitiker. S eine K arriere f and n ach H öhen u nd T iefen, alles i n al lem ei n unrühmliches Ende. Zum Schluss wurde ihm sogar sein Ehrenvorsitz in der CDU aberkannt. Als sein Vermächtnis hinterlässt er ein geeintes Deutschland und im Kontrast einen Berg von ungeklärten Fragen z um Thema S pendenaffäre u nd om inösen Geldsummen, di e s eine P artei und e r s elbst e mpfangen ha ben. Zu di esem T hema ha t e r s ich bi s h eute ni cht e indeutig geäußert. Man könnte behaupten, dass nur die Deutsche Einheit ihm die letzten neun Jahre an der M acht g esichert h abe, da er sich da vor l aut U mfrageergebnissen ke iner be sonderen Beliebtheit erfreuen konnte. „Im November 1990 hatte […] eine Mehrheit der Befragten eine positive Meinung vom amtierenden Bundeskanzler. Während 1988 nur etwa 4 P rozent Kohl als s tärkste Führungspersönlichkeit [ …] bezeichnete.“[1] Seine größte E rrungenschaft war der Zehn-Punkte-Plan, er war damals das richtige Mittel zur richtigen Zeit.

In meiner Arbeit soll es darum gehen, den Verlauf seiner außenpolitischen Tätigkeiten und di e da mit ve rknüpften A uswirkungen da rzustellen. Vorrangig s oll e s u m s eine V ision eines ve reinigten E uropas ge hen und um di e Nachwirkungen, di e bi s he ute i hre S puren hinterlassen ha ben. Ziel soll e s s ein, di e D eutsche E inheit, K ohls Lebenswerk, z u be werten. Sind s eine E rrungenschaften a us h eutiger S icht pos itiv ode r ne gativ anzusehen? S eine Außenpolitik soll darüber Aufschluss geben.

Im nächsten Abschnitt meiner Arbeit möchte ich zunächst die Beziehung zu den U.S.A. und ihren E influss a uf di e D eutsche E inheit nä her be trachten, d a K ohl z uerst i m W esten Anschluss g efunden ha t, be vor e r m it de n O stblockstaaten i n pe rsönlichen K ontakt ge treten ist und mit ihnen fruchtbare Ergebnisse, in Bezug auf seine Ziele, erarbeiten konnte.

2 Die Beziehung zu den U.S.A.

Kohl strebte schon am Anfang seiner Karriere ein gutes Verhältnis zu den Vereinigten Staaten an. Er bekannte sich zur europäischen, als auch zur atlantischen Zusammenarbeit. Ein erster Höhepunkt seiner Außenpolitik war die Reise zum Weltwirtschaftsgipfel nach Williamsburg im M ai 1983, hi er konnte er e rste K ontakte z um a mtierenden S taatsmann de r U .S.A. aufbauen. J edoch brachte ihn di ese V erknüpfung z unächst e inmal i n Schwierigkeiten. I m Zuge d es k alten K rieges w urde s chon u nter Helmut S chmidts H errschafft d er NATODoppelbeschluss ausgearbeitet, e r s ah di e S tationierung von U.S. M ittelstreckenraketen i n Deutschland vor . A m 2 2. N ovember 1983 s timmte K ohl di eser F orderung z u und l ieß di e Raketen in der BRD stationieren. Da es im Großen und Ganzen Verhandlungen zwischen der UdSSR und de n Amerikanern waren, hatte diese Entscheidung natürlich negative Folgen für die d eutsch- sowjetische B eziehung. Die S owjetunion be endet nä mlich e inen T ag s päter d ie Verhandlungen in Genf und stuft Kohls Entscheidung als feindlich ein. Kohl hatte zwar schon vorher ve rsucht, e ine p olitische B eziehung z ur U dSSR he rzustellen, a ber di ese s tagnierte momentan und s chlug durch de n N ATO- Doppelbeschluss e rstmals in s N egative u m. E r konnte a ber du rchaus d en g uten K ontakt z ur U .S.A. a ufrechterhalten u nd w ollte i m J ahre 1985 de r Ö ffentlichkeit die de utsch- amerikanische F reundschaft p räsentieren. D ieser P lan ging aber nicht reibungslos von statten und bildete eine von vielen Pannen in Kohls Karriere. Er w ollte a m 5. M ai 1985 m it de m a merikanischen P räsidenten R onald R eagan de n Soldatenfriedhof in Bitburg besuchen. Im Vorfeld drang aber durch die Medien die Tatsache an d ie Ö ffentlichkeit, d ass M itglieder d er W affen- SS a uf di esem F riedhof l agen. D as schmälerte K ohls A nsehen i n de r B evölkerung, t rotzdem l ieß e r s ich von s einem V orhaben nicht abbringen. Es wird vermutet, dass er dies nur mit Hinblick auf die rechte Wählerschaft nicht ä ndern w ollte. G anz i m G egenteil, e r na hm a ls m ildernden K ontrast e inen B esuch i m Konzentrationslager Bergen- Belsen mit in das Programm auf. Zwar verlor Kohl durch diese Aktion i nnerhalb D eutschlands et was S ympathie, ab er es b eeinträchtigte k einesfalls s eine Beziehungen z u de n V ereinigten S taaten. A ls e r R eagan i m J ahre 198 6 be sucht, e rkennt dieser d as al s S ymbol f ür F reundschaft u nd Kameradschaft an . D ie amerikanische F ührung war von d er Loyalität Kohls übe rzeugt und ve rtraute s einen W erten und seiner Zielsetzung. Auch heute noch genießt er eine hohe Geltung in den U.S.A., so rechnet Henry Kissinger ihm an, dass Helmut Kohl sein „[…] Land durch die Untiefen des Kalten Krieges gesteuert […]“[2] hat. Reagan engagiert sich in den folgenden Jahren zusammen mit Kohl für die innerdeutsche Politik und g eht dabei manchmal zu beherzt vor. So kommt es im Jahre 1987 zum Eklat, als er d en Generalsekretär d er S owjetunion M ichail G orbatschow au ffordert: „ > M r. Gorbatschow, r eißen s ie d iese M auer n ieder! < “ .[3] Dies wurde von de r UdSSR natürlich als eindeutige P rovokation a ufgefasst und w ar ni cht g erade f örderlich, u m da s a ngespannte Verhältnis z wischen Kohl und G orbatschow z u l ockern. A lso ka nn m an s agen, da ss z ur Regierungszeit Reagans, er und Kohl als Gegenspieler der Sowjetunion anzusehen waren und die A uflösung d er i nnerdeutschen Grenze noc h weit e ntfernt s chien. S owohl K ohl a ls a uch Reagan w aren V isionäre und s o ve rfasste de r amerikanische P räsident 1987 di e „ Berlin Initiative“.[4] Diese b einhaltete d ie S chaffung ei nes i nternationalen Luftkreuzes i n B erlin und das dort die Olympischen Spiele ausgetragen werden sollten. Aber die Geschichte hat gezeigt, dass die Olympischen Sommerspiele seit diesem Zeitpunkt bis heute nicht dort stattgefunden haben. Im selben Jahr verhielt sich Kohl diplomatisch äußerst ungeschickt. Gorbatschow hatte Reagan 1986 di e „ doppelte N ull- Lösung“[5] vorgeschlagen, da rin w urde f estgelegt, d ass di e Mittelstreckenraketen k omplett a bgebaut werden s ollten. K ohl und sein A ußenminister Wörner w ollen j edoch n icht, da ss „ […] di e 72 i n de r Bundesrepublik s tationierten P ershing 1A- Raketen […] in das geplante Abkommen [ …] einbezogen werden.“[6] In dieser Situation kam e s Kohl j edoch z u Gute, da ss 1987 da s INF A bkommen unt erzeichnet w urde und i hm seine A ußenpolitik e rleichterte, da nun a lle n uklearen M ittelstreckenraketen v ernichtet werden sollten. Das war auch ein großer Schritt in Richtung: Ende des Kalten Krieges.

Ein B eispiel da für, da ss K ohls B eziehungen z u a nderen S taatsmännern ni cht nur politischer Natur waren, zeigt die folgende Begebenheit. Kohl besuchte vor seiner Wahl zum Bundeskanzler de n Auerbachs K eller i n Leipzig, dor t t raf e r a uf S tudenten di e i hm s agten, dass er Bundeskanzler werden sollte. Er verbrachte einen gemütlichen Abend mit ihnen und als e r 1982 di e W ahl gewonnen h atte, s chickten s ie ih m e ine P ostkarte mit a ll ih ren Unterschriften. J ene P ostkarte s chenkte K ohl R eagan und e rklärte i hm de n H intergrund. E r soll sich sehr gefreut haben und gerührt gewesen sein.[7]

Auch z um N achfolger von R eagan s chafft Kohl e s, i m J ahre 1989 e ine gut funktionierende Zusammenarbeit herzustellen. Eine Methode Kohls sind lange Telefonate, bei der d ie R egierungschefs s ich i n i hrer ei genen S prache v erständigen. E in an wesender Dolmetscher ü bersetzt d ann d ie getätigten Ä ußerungen d es Gesprächspartners. M it d er Unterzeichnung de r INF- Verträge ha t R eagan zwar s chon e inen e ntscheidenden T eil z ur europäischen Einigung beigetragen, aber erst unter George H. W. Bush kam es zu effektiven Verhandlungen z wischen de n V ereinigten S taaten und d er S owjetunion. Z wischen Gorbatschow und R eagan hat es menschlich nicht gestimmt und a ls Bush an die Macht kam, war selbst Raissa Gorbatschow von „ Mrs. Bush“ begeistert.[8] Also wurde durch diese beiden Politiker e in G rundstein ge legt, da di e U dSSR und de r de utsche Kanzler n un ei nen gemeinsamen „ Freund“ h atten. Zeitweise n ahm B ush s ogar e ine P osition a ls V ermittler zwischen di esen be iden S taaten e in. S omit s ind B ush und G orbatschow W egbereiter d er Deutschen E inheit. E in Streitpunkt de r be iden Großmächte w ar di e B ündniszugehörigkeit eines vereinten Deutschlands. Es ging um den Beitritt zum Warschauer Pakt oder, ob man wie die BRD i n d er NATO bleibt. Bush bezog eine klare S tellung i n di eser Hinsicht, er w ar für eine s tarke E G u nd ei ne s tarke N ATO. E r er mutigte K ohl i m Zuge eu ropäischer Veränderungen, e inen W andel i n O steuropa he rbeizuführen. D er P räsident e rkannte da s Verlangen de r D eutschen na ch E inheit und Freiheit und unt erstützte K ohl i n s einer Vorgehensweise. A m 02. D ezember 1989 f and da s G ipfeltreffen z wischen B ush und Gorbatschow auf M alta statt. V orher ba t er K ohl noc h da rum, i hm s eine A nliegen f ür d en sowjetischen G eneralsekretär m itzuteilen. E ine w eitere f reundschaftliche G este u nd ein Zeichen, dass er ernsthaft bestrebt ist, eine friedliche Einigung mit der UdSSR zu erreichen. Außerdem beriet er sich mit Kohl wie er Gorbatschow am besten seine Hilfe anbieten kann, ohne dabei seinen russischen stolz zu verletzen. Die Sowjetunion litt nämlich seit dem Anfang der 1980e r J ahre unt er massiven w irtschaftlichen Engpässen. W obei da s P roblem ni cht da s Vorhandensein von G ütern war, sondern wie die Güter zur Bevölkerung transportiert werden sollen. E in f rüh e intretender W inter ve rschlimmerte di e Lage noc h. Zusätzlich m usste Gorbatschow noc h erkennen, da ss di e S owjetunion z war e ine militä rische W eltmacht w ar, aber f inanziell w aren s ie b estenfalls ei ne M ittelmacht. K ohl u nd B ush l egten f est, d ass d as vereinte D eutschland z ur N ATO dazugehören s oll. Im J ahre 1990 t raf s ich K ohl e rneut m it dem P räsidenten i n C amp D avid, do rt w urde d ie l etzte F rage n ach d er d eutsch- polnischen Grenze g eklärt. A merika f orderte, d ass Deutschland z u d iesem T hema eine k lare S tellung beziehen muss. Letztendlich wurde die Oder- Neiße- Linie als Begrenzung festgesetzt und die Forderung der Polen nach zusätzlichen Reparationszahlungen wurde abgewehrt.[9]

Nachdem geklärt i st, w ie di e B eziehung K ohls z u de n V ereinigten S taaten w ar, möchte ich in meinem nächsten Abschnitt auf die Haltung zur Sowjetunion eingehen. Hierbei stehen au ch w ieder d ie A kteure i m V ordergrund und i hr Einfluss a uf di e de utsche Wiedervereinigung. D ie w ichtigste R olle a uf S eiten d er U dSSR n immt h ier M ichail Gorbatschow ein, der 1985 Generalsekretär wurde.

[...]


[1] Niclauß, Karlheinz: Kanzlerdemokratie. Paderborn 2004, S.267.

[2] Kissinger, Henry: Amerika und Deutschland. P olitik unter Freunden. In: Vogel, Bernhard: Helmut Kohl- ein Leben für Deutschland und Europa, Stationen seines Lebens. Berlin 2005, S.35.

[3] Kohl, Helmut: Ich wollte Deutschlands Einheit. Berlin 1996, S.104.

[4] Ebenda, S.201.

[5] Niclauß, S.256.

[6] Ebenda.

[7] Kohl, S. 392.

[8] Kohl, S. 49 f.

[9] Kohl, S.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Sind die Errungenschaften Helmut Kohls aus heutiger Sicht positiv oder negativ anzusehen? Seine Außenpolitik und die deutsche Wiedervereinigung
Hochschule
Universität Rostock  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Modernisierung, wirtschaftlicher und sozialer Wandel in Westdeutschland
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V316159
ISBN (eBook)
9783668149458
ISBN (Buch)
9783668149465
Dateigröße
598 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
BRD, Helmut Kohl, Wiedervereinigung, Außenpolitik
Arbeit zitieren
Tom Nachtigall (Autor), 2010, Sind die Errungenschaften Helmut Kohls aus heutiger Sicht positiv oder negativ anzusehen? Seine Außenpolitik und die deutsche Wiedervereinigung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316159

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