Darstellungsvergleich der Hinrichtung von Jan Hus in den Augenzeugenberichten von Peter Mladoniowitz und Poggio Braccioloni


Hausarbeit, 2015

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Ein Ereignis - Zwei Berichte

1. Die Vorgeschichte - Jan Hus Weg auf das Konstanzer Konzil

2. Peter Mladoniowitz
2.1 Beziehung zu Jan Hus
2.2 Entstehung des Berichts und Überlieferung
2.3 Verfasserabsichten

3. Poggio Bracciolini
3.1 Beziehung zu Jan Hus
3.2 Entstehung der Briefe und Überlieferung
3.3 Verfasserabsichten

4. Darstellungsvergleich der Hinrichtung

Fazit und eigene Meinung

Appendix

5. Bibliographie

6. Abkürzungsverzeichnis

Ein Ereignis - Zwei Berichte

2015 ist Jan Hus nicht nur in Tschechien in aller Munde. Auch in Konstanz, der Stadt in welcher er vor genau 600 Jahren vor den Stadttoren auf dem Scheiterhaufen bei lebendigem Leib verbrannt wurde, wird seiner, im Zuge des Konziljubiläums, gedacht. Sein Stellenwert wird besonders dadurch deutlich, dass das Jahr 2015 mit dem „ Jahr der Gerechtigkeit1 ganz im Zeichen seines Prozesses und seiner Hinrichtung steht. Die Popularität dieses Themas wird auch im Forschungsstand deutlich, da in den letzten Jahren zahlreiche Werke hierzu verfasst wurden. Die aktuelle Forschung zeichnet ein positives Bild von Hus. Dieses wird nicht mehr so stark vom tschechischen Nationaldenken geprägt, sondern ist deutlich moderner, personenbezogener und ereignisgeschichtlicher ausgerichtet.

Einem Ereignis, welches fünf Jahrhunderte zurückliegt, zu gedenken, bedeutet gleichermaßen, sich mit den zeitgenössischen Quellen auseinanderzusetzen. Die Tatsache, dass wir so viel über die damaligen Vorfälle wissen, ist verschiedenen Chroniken, Reiseberichten und Tagebucheinträgen geschuldet, welche bis heute überliefert sind. Verschiedene Berichte werden aus unterschiedlichen Gründen verfasst und jeder Autor hat eine andere Absicht, gesehene und erlebte Ereignisse darzustellen. Aus diesem Grund ist es sehr spannend, zu sehen, wie eine gleiche Begebenheit von verschiedenen Autoren niedergeschrieben wird. Wie kann das gleiche Ereignis unterschiedlich dargestellt werden? Wie können wir trotz unterschiedlicher Verfasserintentionen rekonstruieren, was damals geschehen ist?

Die vorliegende Hausarbeit soll deshalb die Darstellung der Hinrichtung von Jan Hus in Konstanz untersuchen und vergleichen, wie diese aus der Sicht von zwei unterschiedlichen Autoren beschrieben wird. Auf der einen Seite wird dabei der Augenzeugenbericht von Peter Mladoniowitz stehen, auf der anderen die Briefe von Poggio Bracciolini. Beide Quellen beinhalten mehr als nur die Hinrichtung des Jan Hus, doch für die vorliegende Hausarbeit soll nur die unterschiedliche Beschreibung dieses Ereignisses in den Vordergrund rücken. Gründe für die Verurteilung, sowie der Prozess gegen Jan Hus auf dem Konzil, spielen keine Rolle.

Um die unterschiedliche Darstellungsweise herausarbeiten zu können, wird zunächst die Vorgeschichte des Konzils und der Weg von Jan Hus nach Konstanz kurz umrissen. Im Anschluss daran werden die beiden Autoren der Quellen vorgestellt und deren Beziehung zu Jan Hus näher beleuchtet. Darauf folgend wird erörtert, wie die jeweiligen Quellen entstanden sind, welche Überlieferungsgeschichte vorliegt und welche Intentionen die Autoren bei der Verfassung ihres Berichtes bzw. ihres Briefes bewegen. Diese Vorarbeit ist nötig, um schließlich die beiden Auszüge miteinander vergleichen zu können. Ein Fazit, sowie meine eigene Meinung, soll am Ende der Arbeit stehen und diese nochmals zusammenfassen und bewerten.

1. Die Vorgeschichte - Jan Hus Weg auf das Konstanzer Konzil

Gegen Ende des 14. Jahrhunderts, der Hauptwirkungszeit von Jan Hus, sieht sich die katholische Kirche mit vielen Problemen konfrontiert. Einer dieser Krisenherde ist der Ausbruch des abendländischen Schismas, durch welches seid 1378 drei Päpste Anspruch auf den Stuhl Petri erheben.2 Des Weiteren begannen sich mehrere Gelehrte mit theologischen Fragen auseinanderzusetzen und in Folge dessen, das soziale Gefälle zwischen Adel, Klerus sowie dem normalen Bürgertum zu hinterfragen.3 Angeführt von John Wycliff bildete sich in England eine radikale Bewegung, welche die Bibel ins Zentrum der Lehre rückt und die Notwendigkeit eines Papstes ablehnt. In Folge der Pestepidemie, für dessen Ausbruch die Kirche keine Erklärungen liefern kann, fallen die neuen Denkweisen vor allem beim einfachen Volk auf fruchtbaren Boden. Selbstverständlich wird jedoch dadurch auch die kirchlichen Autorität in Frage gestellt, wodurch Wycliffs Lehren später als Häresie verurteilt wurden.4

Der aus Böhmen stammende Jan Hus kam mit Wycliffs Schriften im Zuge seines Theologiestudiums an der Karlsuniversität in Prag in Kontakt. Mit seiner Ernennung zum Rektor der Bethlehemskapelle im Jahr 1402 beginnt er vorwiegend auf tschechisch zum einfachen Volk zu predigen.5 Thematisch kritisiert Hus in seinen Predigten in Anlehnung an Wycliff unter anderem die Struktur der Kirche, sowie den Ablasshandel und stellt die Bibel in den Mittelpunkt. Dies steigert nicht nur seinen Bekanntheitsgrad innerhalb der einfachen Bevölkerung in Prag, sondern rückt ihn auch bald ins Augenlicht der katholischen Kirche und den Leitern der Universität, da diese der Kirche unterstellt war.6 Mit der Wahl zum Rektor der Universität 1409 steigt Hus in die Spitze der Prager Reformbewegung auf, welche sich gegen eine Verurteilung der Wyclifschen Lehre aussprach und somit gegen die Kirche in Rom stellte. Diese Konfrontation erreicht 1410 ihren Höhepunkt, als Hus das durch den Prager Erzbischof verbreitete Verbot, Wyclifs Lehren zu verbreiten, ignorierte und die darauf folgenden Bücherverbrennungen von Wyclifs Werken verurteilte.7 Der anschließenden Aufforderung, sich der Kurie in Rom aufgrund dieser Angelegenheit zu stellen, kam Hus nicht nach, wodurch er exkommuniziert wurde und Prag verlassen musste. Daraufhin begab er sich 1412 ins Exil nach Südböhmen, wo er weiterhin auf tschechisch predigte und auch die Bibel in diese Sprache übersetzt.8

Am 11. Oktober 1414 reist Hus auf Drängen von König Sigismund und unter Zusicherung von freiem Geleit zum Konzil nach Konstanz, um sich dort für seine Lehren zu verantworten und seine Rechtgläubigkeit zu verteidigen. Kurz nach seiner Ankunft in Konstanz Anfang November 1414, wird Hus jedoch das erste Mal verhaftet und im Haus eines Domherren festgesetzt.9 Diese Haftbedingungen werden am 06. Dezember 1414 nochmals verschärft, als Hus ins Verlies des Dominikanerklosters verlegt wird. Erst im Juni des darauffolgenden Jahres wird Hus Angelegenheit vor dem Konzil diskutiert und angehört. Hier wird Hus mehrmals verhört, verweigert jedoch seine Lehren zu widerrufen, woraufhin er am 06. Juli 1415 als Ketzer verurteilt und vor dem Toren der Stadt bei lebendigem Leib verbrannt wird. Als Folge dieser Hinrichtung kämpfen in den darauffolgenden Jahren in Böhmen die Hussiten für die Freiheit und Unabhängigkeit der Kirche. Fünf Kreuzzüge wird gegen sie ausgerufen und das östliche Mittelmeer mit Krieg überzogen.10

2. Peter Mladoniowitz

Peter Mladoniowitz wurde 1390 in Mladonovice, einer Stadt in Nordmähren geboren. Ebenso wie Hus studierte er an der Prager Karlsuniversität, wo er 1409 sein Studium abschloss und in das Hedwigskolleg eintrat. Hier kommt er 1411 das erste Mal in Kontakt mit Hus und wird im Laufe der Zeit einer seiner engsten Vertrauten.

[...]


1 Vgl.: http://www.konstanzer-konzil.de/de/jahr-der-gerechtigkeit (Informationen zum Jahr der Gerechtigkeit der Konzilstadt Konstanz), Stand 04.08.2015.

2 Vgl.: Brandmüller, Walter, Das Konzil von Konstanz 1414 - 1418. Band 1: Bis zur Abreise Sigismunds nach Narbonne, Paderborn 1991, S. 3ff.

3 Vgl.: Lambert, Malcom, Häresie im Mittelalter. Von den Katharern bis zu den Hussiten, Darmstadt 2001, S. 234ff.

4 Vgl.: Tatnall, Edith C., Die Verurteilung John Wyclifs auf dem Konzil zu Konstanz, in: Remigius Bäume (Hrsg.), Das Konstanzer Konzil, Darmstadt 1977, S. 284 ff.

5 Vgl.: Soukup, Pavel, Jan Hus, Stuttgart 2014, S. 15.

6 Vgl.: Ebd., S. 95.

7 Vgl.: Hruza, Karel: Die Causa Jan Hus auf dem Konzil. Einem „Ketzer“ wird der Prozess gemacht, in: Badisches Landesmuseum (Hrsg), Weltereignis des Mittelalters 1414-1418. Das Konstanzer Konzil. Katalog, Darmstadt 2014, S. 270-271.

8 Vgl.: Soukup, Hus (wie Anm. 5), S. 175 ff.

9 Vgl.: Ebd., S. 191.

10 Vgl.: Dachsel, Joachim, Jan Hus. Ein Bild seines Lebens und Wirkens. Seine Briefe vom Herbst 1414 bis Juli 1415, Berlin 1964, S. 133-134.

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Details

Titel
Darstellungsvergleich der Hinrichtung von Jan Hus in den Augenzeugenberichten von Peter Mladoniowitz und Poggio Braccioloni
Hochschule
Universität Konstanz
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V316206
ISBN (eBook)
9783668151390
ISBN (Buch)
9783668151406
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte, Mittelalter, Konstanzer Konzil
Arbeit zitieren
Tina Walz (Autor), 2015, Darstellungsvergleich der Hinrichtung von Jan Hus in den Augenzeugenberichten von Peter Mladoniowitz und Poggio Braccioloni, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316206

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