Warum riskierte Großbritannien durch ein bilaterales Flottenbegrenzungs-Abkommen mit dem Vertragsbrecher Hitler die Stresa-Front zu spalten? Das Deutsch-Britische Flottenabkommen, auch bekannt unter seinem englischen Akronym AGNA (Anglo-German Naval Agreement) sorgte im Sommer 1935 für einige Verwirrung auf der Bühne der internationalen Diplomatie.
Deshalb ist ein Exkurs über die Flottenverträge im Zeitraum von 1922 bis 1938 nötig, wie auch der technischen Gegebenheiten des damaligen Kriegsschiffbaus, wobei aber im Rahmen der Zielsetzung dieser Arbeit auf allzu genaue Details in diesem Feld getrost verzichtet werden kann. Das Kapitel ist sozusagen eine erweiterte Einleitung, und dient vor allem als Überblick über die Abkommen und strategischen Planspiele der beteiligten Großmächte, wie auch des Beginns der deutschen Wiederaufrüstung zur See.
Des weiteren wird über das diplomatische Vorspiel des Flottenabkommens und die internationale Gemengelage im Krisenjahr 1935 zu sprechen sein, denn dieses markiert den Vorlauf des großen Krieges, mit einem kaum noch zu stoppenden Rüstungswettlauf, der sich in den Folgemonaten bereits mit dem Abessinienkrieg, dem Ausbruch des spanischen Bürgerkrieges, und dem Bruch von Locarno durch die Remilitarisierung des Rheinlands, ankündigte. Auf die hochkomplexen Details der diplomatischen Ränke zwischen Italien, Frankreich und England bezüglich Abessinien und später, muss im Rahmen dieser Arbeit aber leider verzichtet werden, denn es würde den Rahmen völlig sprengen.
Auf das Kapitel über den Abschluss des AGNA folgt eine Betrachtung der mittelbaren Folgen des Abkommens, sowie seiner graduellen Auflösung, und eine Schlussbetrachtung, in der nochmals diskutiert wird, ob die erhofften strategischen Vorteile die diplomatische Verwirrung wert waren.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Flottenbegrenzungsabkommen seit 1922
III. Die politische Gemengelage 1935
IV. Der Abschluss des Abkommens
V. Folgen des Abkommens
VI. Fazit
VII. Quellen und Literatur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die diplomatischen und strategischen Hintergründe des Deutsch-Britischen Flottenabkommens von 1935 (AGNA). Ziel ist es, die Beweggründe beider Seiten zu analysieren und zu bewerten, inwieweit das Abkommen als diplomatisches Instrument oder militärische Notwendigkeit innerhalb der angespannten internationalen Lage der 1930er Jahre betrachtet werden kann.
- Historische Einordnung der Flottenbegrenzungsverträge seit 1922
- Analyse der politischen Gemengelage im Krisenjahr 1935
- Untersuchung der britischen Interessen und der Rolle der Admiralität
- Bewertung des deutsch-britischen Verhandlungsprozesses und der Folgen des AGNA
- Reflektion über die langfristigen strategischen Auswirkungen für die Kriegsmarine
Auszug aus dem Buch
II. Flottenbegrenzungsabkommen seit 1922
Im Vorlauf des ersten Weltkrieges hatten alle Großmächte eine enorme Werftkapazität für den Flottenbau errichtet. Groß-Britannien verfügte über die größte Schlachtflotte der Welt, auch weil seine Verluste an Großkampfschiffen im Krieg relativ gering blieben, jedoch waren diese überwiegend im Dreadnought-Design, und damit nach 1918 bereits schon wieder technisch veraltet, während Japan hingegen sein ambitioniertes 8:8 Programm auflegte, darunter 8 moderne schnelle Schlachtkreuzer, allerdings zu volkswirtschaftlich langfristig untragbaren Kosten.
Um ein weiteres Wettrüsten zur See zu verhindern, die annähernd 200 Linienschiffe weltweit waren schließlich immens teuer gewesen, aber nur äußerst selten zum Einsatz gekommen, einigten sich die Siegermächte 1922 in Washington auf ein weitreichendes Abkommen zur internationalen Flottenbegrenzung.
Deutschland war nicht geladen, aber durch Artikel V des Versailler Vertrages bereits zwangsweise entwaffnet worden, bis auf eine Restflottille aus minderwertigen Schiffen zum Küstenschutz. Die Sowjetunion hatte zu dem Zeitpunkt keine ernstzunehmende Marinekapazität.
In jenem Abkommen, welches auf Druck der isolationistisch agierenden Harding-Administration zu Stande kam, und natürlich auch aufgrund der allgemeinen finanziellen Schwäche der anderen Beteiligten, also Groß-Britannien, Japan, Frankreich und Italien, wurden eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, welche ein Wettrüsten zur See auf mittlere Sicht unterbinden sollten.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Deutsch-Britische Flottenabkommen von 1935 ein, thematisiert die diplomatische Ausgangslage durch die einseitige Aufkündigung der Versailler Vertragsbestimmungen durch Deutschland und skizziert die internationale Perzeption des AGNA.
II. Flottenbegrenzungsabkommen seit 1922: Der Abschnitt bietet einen Überblick über die internationale Flottenpolitik der Zwischenkriegszeit, angefangen beim Washingtoner Abkommen bis hin zur technischen Situation und den Rüstungszwängen der großen Seemächte.
III. Die politische Gemengelage 1935: Dieses Kapitel beleuchtet die fragile europäische Situation im Jahr 1935, charakterisiert durch die isolierte Stellung Deutschlands, die Ambitionen der Kriegsmarine und die strategische Neuausrichtung Großbritanniens.
IV. Der Abschluss des Abkommens: Hier werden die Verhandlungen im Sommer 1935 detailliert dargestellt, insbesondere das Auftreten von Joachim v. Ribbentrop und die entscheidende Rolle der britischen Admiralität bei der Durchsetzung ihrer Bedingungen.
V. Folgen des Abkommens: Dieser Teil analysiert die unmittelbaren diplomatischen Auswirkungen des AGNA auf das europäische Machtgefüge, insbesondere die Verstimmung Frankreichs und die langfristige strategische Entwertung des Abkommens.
VI. Fazit: Das Kapitel schließt mit einer Bewertung des Abkommens und diskutiert, ob die militärischen Vorteile für Großbritannien die diplomatischen Verwerfungen innerhalb der europäischen Bündnislandschaft rechtfertigten.
VII. Quellen und Literatur: Dieses Verzeichnis listet sämtliche verwendeten Zeitungen, Zeitschriften, Internetquellen sowie die zugrunde liegende Fachliteratur und Monographien auf.
Schlüsselwörter
Deutsch-Britische Flottenabkommen, AGNA, Flottenbegrenzung, Kriegsmarine, Versailler Vertrag, Stresa-Front, Washington Naval Treaty, Admiral Raeder, Balanced Fleet, Aufrüstung, Diplomatie, Seekriegsführung, Zwischenkriegszeit, Schlachtschiffe, Großmächte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Zustandekommen und die strategischen sowie politischen Auswirkungen des Deutsch-Britischen Flottenabkommens (AGNA) von 1935 in der Ära des Nationalsozialismus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die internationale Rüstungspolitik zur See zwischen den Weltkriegen, die diplomatischen Strategien Großbritanniens und Deutschlands sowie die Auswirkungen des Abkommens auf die europäische Bündnispolitik.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die kritische Prüfung, ob das AGNA aus britischer Sicht als erfolgreiches Mittel zur Steuerung der deutschen Marinerüstung oder als diplomatisches Risiko einzustufen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Quellenanalyse von diplomatischen Noten, zeitgenössischen Berichten und wissenschaftlicher Fachliteratur zur Marinegeschichte und Aufrüstungspolitik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Entwicklung der Flottenverträge ab 1922, den politischen Spannungen im Jahr 1935, den konkreten Verhandlungsabläufen in London und den mittelbaren Folgen für die internationale Diplomatie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem AGNA, Seekriegsstrategie, Rüstungswettlauf, Versailler Vertrag, Balanced Fleet und die Rolle Großbritanniens als impartial mediator.
Warum war das AGNA für Frankreich von so großer Bedeutung?
Das Abkommen wurde von Frankreich als Affront empfunden, da es die Versailler Bestimmungen einseitig aufhob und Frankreich zwang, seine maritime Schlagkraft zwischen Nordsee und Mittelmeer aufzuteilen.
Welche Rolle spielte die britische Admiralität beim Abschluss des Abkommens?
Die britische Admiralität trieb die Verhandlungen aktiv voran, um die deutsche Flottenrüstung in eine für Großbritannien vorteilhafte, konventionelle Richtung („Balanced Fleet“) zu lenken und damit "Freak-Designs" zu verhindern.
- Arbeit zitieren
- Philipp-Henning v. Bruchhausen (Autor:in), 2015, Das Deutsch-Britische Flottenabkommen von 1935, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316230