De Narratio de Primordiis Ordinis Teutonici Narratio, eine Erzählung – genau das ist der Bericht über die Anfangszeit des Deutschen
Ordens. Nicht ungewöhnlich also, dass mit dieser Erzählung eine Erzählabsicht verbunden werden muss. Stellenweise sicherlich idealisiert und wenn vielleicht auch nur durch nicht vollständige Erzählung instrumentalisiert, erscheint die Narratio de Primodiis Ordinis Teutonici aus der Sicht des Deutschen Ordens als Gründungs- beziehungsweise Entstehungsbericht desselben. Sollte sie einen möglichen Zusammenhang des Deutschen Hauses in Jerusalem abstreiten oder herunterspielen, um dem neuen Spital vor Akkon die Unterstellung unter die Johanniter zu ersparen? Ausgangslage der Orden im Heiligen Lande Zur Zeit der ersten Kreuzzüge wurde eine Unzahl von geistlichen Gemeinschaften im Heiligen Lande gegründet, von denen so manche bald wieder verschwand, viele ein kümmerliches Dasein fristeten – im Schatten der großen Drei, dem Templerorden, dem Johanniterorden und schließlich dem Deutschen Orden. Umstrittener Vorgänger des Deutschen Ordens? Eine dieser vielen Neugründungen und auch eine der frühen war das Deutsche Haus in Jerusalem, das von einem „honestus et religiosus vir“ gegründet worden war. Genau festlegen lässt sich das Gründungsdatum nicht, da die Quellenlage zu diesem Spital sowieso äußerst dürftig ist und erst im Jahre 1143 damit beginnt, dass das Deutsche Haus in Jerusalem von Coelestin II. dem Johanniterorden in zwei Urkunden vom 9. Dezember 1143 unterstellt wird. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Ausgangslage der Orden im Heiligen Lande:
2. Umstrittener Vorgänger Des Deutschen Ordens?:
3. Die Narratio – ein kritischer Blick:
4. Verfassungszeit – Verfassungsmotiv – Schlussbetrachtung:
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Glaubwürdigkeit der "Narratio de Primordiis Ordinis Teutonici" als Gründungsbericht des Deutschen Ordens. Dabei wird analysiert, inwieweit dieser Bericht als ideologisch motivierte Abwehrschrift gegenüber den Expansionsbestrebungen des Johanniterordens fungierte und welche historischen Fakten zur Frühphase des Deutschen Hauses in Jerusalem und dem Spital vor Akkon kritisch hinterfragt werden müssen.
- Frühgeschichte des Deutschen Ordens und des Deutschen Hauses in Jerusalem
- Konfliktlinien und Konkurrenzverhältnis zum Johanniterorden
- Analyse des Gründungsberichts (Narratio) auf ideologische Verzerrungen
- Entstehungskontext und Verfassungszeit der Narratio im 13. Jahrhundert
Auszug aus dem Buch
Die Narratio – ein kritischer Blick
Als Erzählung, die schlicht und einfach die Frühgeschichte des Deutschen Orden angeht und somit nicht nur ein punktuelles Ereignis behandelt, sich auch nicht nur über einige Tage, Wochen oder gar Monate, sondern über mehrere Jahre erstreckt, macht die Narratio ihrem Namen alle Ehre. Sie beginnt damit, dass ein Spital von Bremer und Lübecker Bürgern unter Verwendung eines Koggensegels vor Akkon errichtet wird. Klaus Militzer zieht daraus den Schluss, dass es sich bei den Spitalgründern um einen oder mehrere Schiffsführer gehandelt haben müsse, da nur sie über die Möglichkeit und die Befugnis verfügten, das Segel einer Kogge für ein solches Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Die Narratio nennt als Gründungsdatum das Jahr 1190, als das Kreuzfahrerheer des dritten Kreuzzuges vor ebendieser Stadt, Akkon, liegt. Die Neugründung lässt sich auch ohne diese Angabe relativ genau datieren: Sie muss zwischen Belagerungsbeginn am 29. August 1189 und September 1190 entstanden sein.
Gegen die Herkunft der Spitalbegründer und die einfache Art und Weise lassen sich keine Einwände vorbringen, wenngleich denkbar wäre, dass, wie es zum Beispiel für die Kontinuitätstheorie notwendig wäre, Brüder des alten Deutschen Hauses in Jerusalem an der Neugründung teilgenommen hätten. Über diese jedenfalls schweigt sich die Narratio aus, ob es sie gegeben hat oder nicht. Zweifellos ist es naheliegender, dass die Narratio an dieser Stelle schlicht und einfach die Wahrheit berichtet und keine ehemaligen Brüder des alten Deutschen Hauses aus Jerusalem mit von der Partie waren.
Zusammenfassung der Kapitel
Ausgangslage der Orden im Heiligen Lande: Dieses Kapitel skizziert das Umfeld der zahlreichen geistlichen Neugründungen während der ersten Kreuzzüge im Schatten der mächtigen Templer, Johanniter und des Deutschen Ordens.
Umstrittener Vorgänger Des Deutschen Ordens?: Hier wird die schwierige Quellenlage um das Deutsche Haus in Jerusalem beleuchtet, das 1143 den Johannitern unterstellt wurde, und die Frage nach dessen tatsächlicher Kontinuität zum späteren Deutschen Orden gestellt.
Die Narratio – ein kritischer Blick: Dieses Kapitel unterzieht den Gründungsbericht einer detaillierten historischen Prüfung, insbesondere hinsichtlich der Spitalgründung vor Akkon, der Rolle der frühen Meister und der symbolträchtigen Mantelverleihung.
Verfassungszeit – Verfassungsmotiv – Schlussbetrachtung: Hier werden verschiedene wissenschaftliche Thesen zur Datierung und den Beweggründen für die Abfassung der Narratio diskutiert, wobei insbesondere der Konflikt mit den Johannitern im Vordergrund steht.
Schlüsselwörter
Deutscher Orden, Narratio de Primordiis Ordinis Teutonici, Johanniterorden, Akkon, Jerusalem, Kreuzzüge, Spitalwesen, Gründungsbericht, Ordensgeschichte, Mantelstreit, Quellenkritik, Mittelalter, Templerorden, Kontinuitätstheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die "Narratio de Primordiis Ordinis Teutonici", einen zentralen Quellentext zur Entstehungsgeschichte des Deutschen Ordens, auf ihren Wahrheitsgehalt und ihre erzählerischen Absichten.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Frühgeschichte des Deutschen Hauses in Jerusalem, der Rolle des Ordens im Heiligen Land und den diplomatischen sowie rechtlichen Auseinandersetzungen mit den Johannitern.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, inwieweit der Gründungsbericht als objektive Geschichtsschreibung oder als politisch motiviertes Dokument zur Abwehr von fremden Ansprüchen zu verstehen ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine historisch-kritische Quellenanalyse angewandt, die den Text der Narratio mit zeitgenössischen Urkunden und der bestehenden Forschungsliteratur abgleicht.
Welche zentralen Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Gründung vor Akkon, der Identität der frühen Meister (z.B. Sibrand, Walpot), der strittigen Mantelverleihung und der Frage der Rechtsnachfolge des Deutschen Hauses.
Was charakterisiert die Arbeit inhaltlich?
Die Arbeit zeichnet sich durch eine kritische Distanz zur Narratio aus und reflektiert intensiv über die Motivation des mittelalterlichen Verfassers, die Ordensgeschichte zu idealisieren.
Wie bewertet der Autor den vermeintlichen "Mantelstreit"?
Der Autor sieht im Streit um die weißen Mäntel ein wesentliches Indiz für die Entstehungsmotivation der Narratio, die den Orden legitimieren und gegenüber den Templern und Johannitern rechtlich absichern sollte.
Welche Rolle spielt das Deutsche Haus in Jerusalem für die Argumentation?
Das Deutsche Haus dient als Ankerpunkt für die Identität des Ordens; der Autor untersucht, wie der Verfasser der Narratio versucht, eine direkte Traditionslinie zu konstruieren, um Ansprüche auf Grundbesitz und Autonomie zu stützen.
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- Andreas Wünsch (Author), 2002, Die Gründung des Deutschen Ritterordens - Der Gründungsbericht aus Ordenssicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31629