In dieser Arbeit werden die wichtigsten Kennzahlen, Probleme und Potentiale des Wassersektors in Russland dargestellt. Neben der wissenschaftlichen Fachliteratur wurden auch Datenbanken internationaler Organisationen herangezogen. Die angeführten Materialen wurden nach den im Inhaltsverzeichnis angegebenen Thematiken geordnet und werden kommentiert und interpretiert. Am Ende der Materialsammlung folgt eine Zusammenfassung, die die hydrologische Übersicht Russlands noch einmal kurz darstellt.
Die Russische Föderation verzeichnet eine Vielzahl von Gewässern. Vor allem der Waldgürtel der borealen Zone ist sehr Wasserreich. Dennoch verfügen 15% der russischen Bevölkerung über keinen konsequenten Wasserzugang bzw. Abwasserleitungen. Der Teil der Bevölkerung, der Zugang zum Wasser hat, muss mit den Problemen der Wasserverschmutzung kämpfen. Durch diese Verschmutzungen in den Oberflächengewässern wurden nicht nur eine Vielzahl von Gewässern zu biologisch tot erklärt – auch ist das Trinkwasser nur unzureichend genießbar und z. T. stark gesundheitsschädigend. Um die Problematik der Wasserwirtschaft zu beseitigen, wurde in internationaler Zusammenarbeit ein Wassermanagement-Plan entworfen. Dieser sieht nicht nur die Errichtung bzw. Sanierung der Trinkwasseraufbereitungsanlagen vor, sondern auch das enorme hydroenergetische Potential das Landes zu stärken.
In der Thematik Kriege um Wasser, gab es in Russland bis dato keinerlei kämpferische Auseinandersetzungen. Zwischen Russland und China besteht jedoch genügend Konfliktpotential, da China die Wasserentnahmevereinbarungen über das Wasser des Oberen Irtyschs nicht einhält.
Betrachtet man den prognostizierten Klimawandel und die Veränderungen auf Russland, sieht dieser äußerst positiv aus. Nicht nur, dass durch die Temperaturerhöhungen der Permafrostboden auftauen und somit mehr Landwirtschaftsfläche zur Verfügung stehen würde, vielmehr könnten die Grundwässer, befindlich in den Schichten des Permafrostbodens, gewonnen und zu Trinkwasser aufbereitet werden. Eine verbesserte Wasserinfrastruktur, vor allem im ruralen Raum, wäre ebenfalls denkbar. Russland würde in Sachen Klimaerwärmung deutlich als Gewinner hervortreten. Auch wäre es möglich, dass Russland das Trinkwasserpotential des Landes effizienter nutzt und das aufbereitete, qualitativ hochwertige Trinkwasser exportiert, um dem fortschreitenden Trinkwassermangel entgegenzuwirken.
Inhaltsverzeichnis
I. Länderkunde
II. Hydrologie
II.I Baikalsee
III. Wassernutzung in der Landwirtschaft
IV. Wasserverschmutzung/ -schutz, Ist-Zustand
V. Trinkwassergewinnung
VI. Wasserkonflikte
VII. Water Poverty Index
VIII. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die hydrologische Situation in Russland, analysiert die regionalen wasserwirtschaftlichen Probleme sowie das Potenzial des Landes als Süßwasserlieferant und betrachtet die Auswirkungen menschlicher Einflüsse auf die Wasserressourcen.
- Regionale hydrologische Gegebenheiten und Einfluss der Ökozonen
- Analyse der Wassernutzung in der russischen Landwirtschaft
- Zustand der Gewässerverunreinigung durch industrielle Altlasten
- Konfliktpotenziale und Nutzung der Wasserressourcen im internationalen Kontext
- Bewertung der Versorgungssituation mittels des Water Poverty Index
Auszug aus dem Buch
II.I Baikalsee
Wie schon im Kapitel „Hydrologie“ erwähnt, befinden sich im russischen Staatsgebiet mehr als 2 Mio. Seen. Dem Baikalsee, welcher als weltgrößter Süßwassersee gilt, wird eine besondere Bedeutung zugeschrieben. Der See befindet sich an der Südgrenze des Staates, in den Südsibirischen Gebirgen (Abbildung 1).
Mit einem Volumen von 23.600 km³ umfasst der See etwa 1/5 des weltweiten Süßwasservorkommens. Alle Flüsse dieser Erde benötigten circa 300 Tage um das leere Seebecken zu füllen. Dieses unterteilt sich in drei Becken. Aufgrund der in den Becken vorherrschenden Zirkulationssysteme verfügt das Wasser über einen besonders hohen Mineralgehalt (Abbildung 11).
Diese Wasserqualität existierte jedoch nicht immer. Bis zur Schließung eines ansässigen Zellulose-Kombinats 1988 wurden jährlich 86 Mio. m³ ungereinigtes Brauchwasser in den See eingeleitet. Erst durch die Schließung und ein umfassendes Monitoring konnte die Wasserqualität aufgewertet und deutlich verbessert werden. Zuflüsse des Baikalsees sind Selenga, Obere Angara und Bargusin. Die Angara stellt den einzigen Abfluss des Sees dar (POLZ 1999). Die Fläche des Sees umfasst 31.492 km². Somit zählt der See zu den weltgrößten der Erde (Abbildung 14).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Länderkunde: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über die Staatsfläche Russlands und die ungleiche Verteilung der Bevölkerung unter Berücksichtigung der vorherrschenden Ökozonen.
II. Hydrologie: Der Abschnitt erläutert die hydrologischen Grundlagen Russlands, stellt die wichtigsten Flusssysteme vor und beschreibt die Bedeutung des nivalen Regimes.
II.I Baikalsee: Hier wird die besondere Bedeutung des Baikalsees als weltgrößtes Süßwasserreservoir sowie dessen historische und aktuelle wasserwirtschaftliche Bedeutung dargelegt.
III. Wassernutzung in der Landwirtschaft: Es wird analysiert, warum die landwirtschaftliche Nutzung trotz enormer Fläche begrenzt ist und wie sich dies auf den Frischwasserbedarf auswirkt.
IV. Wasserverschmutzung/ -schutz, Ist-Zustand: Dieses Kapitel behandelt das Erbe der Sowjetunion bezüglich der Gewässerverschmutzung und die Bemühungen um einen aktiven Gewässerschutz.
V. Trinkwassergewinnung: Fokus liegt auf der Qualitätssteigerung der Trinkwasserversorgung und den potenziellen neuen Quellen durch den Klimawandel.
VI. Wasserkonflikte: Hier werden nationale Infrastrukturprobleme sowie internationale Spannungen, etwa bezüglich der gemeinsamen Wassernutzung mit China, thematisiert.
VII. Water Poverty Index: Dieser Teil ordnet Russland in einem internationalen Ranking zur Wasserarmut ein und analysiert die Gründe für die mittelmäßige Platzierung.
VIII. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse und einem Ausblick auf Russlands Rolle als potenzieller Gewinner des Klimawandels im Bereich Wasser.
Schlüsselwörter
Russland, Hydrologie, Wasserressourcen, Baikalsee, Wassernutzung, Wasserverschmutzung, Trinkwassergewinnung, Klimawandel, Permafrostboden, Wasserkonflikte, Landwirtschaft, Wasserinfrastruktur, Water Poverty Index, Gewässerschutz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit bietet eine hydrologische Übersicht Russlands, die den Zustand der Wasserressourcen, deren Nutzung und die damit verbundenen Umwelt- sowie Infrastrukturprobleme beleuchtet.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten zählen die natürliche Wasserverteilung, die industrielle Wassernutzung, die Verschmutzung durch Umwelteinflüsse, das Potenzial des Baikalsees und der strategische Wert von Trinkwasser.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Kennzahlen und Probleme des russischen Wassersektors darzustellen und das Spannungsfeld zwischen vorhandenen Ressourcen und ineffizientem Management aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Materialsammlung, die wissenschaftliche Fachliteratur sowie Datenbanken internationaler Organisationen analysiert und interpretierend zusammenfasst.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zu geografischen Grundlagen, spezifischen Gewässern, landwirtschaftlicher Wassernutzung, Umweltbelastungen, Trinkwasserstrategien und internationalen Konfliktpotenzialen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Wasserknappheit, Permafrost, industrielle Abwasserbelastung, Trinkwasserqualität und internationales Ressourcenmanagement.
Welche Rolle spielt der Baikalsee für die russische Wasserwirtschaft?
Er fungiert als bedeutendes Süßwasserreservoir, dessen Wasserqualität durch ein Monitoring-Programm nach der Schließung eines Zellulose-Kombinats signifikant verbessert werden konnte.
Wie bewertet die Autorin die Auswirkungen des Klimawandels auf Russland?
Die Autorin sieht Russland als potenziellen Gewinner, da durch das Auftauen von Permafrostböden neue Grundwasserquellen erschlossen werden könnten, sofern eine adäquate Infrastruktur geschaffen wird.
Warum gibt es Wasserkonflikte zwischen Russland und China?
Konflikte entstehen primär durch die Uneinigkeit über die tatsächlichen Wasserentnahmemengen am Oberen Irtysch, was das Vertrauen zwischen den Staaten belastet.
- Arbeit zitieren
- Friederike Schnitter (Autor:in), 2013, Die hydrologische Übersicht Russlands. Kennzahlen, Probleme und Potentiale des Wassersektors, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316322