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Aspekte eines quellenkritischen Analyserahmens für die Darstellung der Tugend- und Güterlehre in „de finibus bonorum et malorum“

Titel: Aspekte eines quellenkritischen Analyserahmens für die Darstellung der Tugend- und Güterlehre in „de finibus bonorum et malorum“

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2013 , 28 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Christoph Kehl (Autor:in)

Latinistik - Mittel- und Neulatein
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Obgleich die Frage nach der Suffizienz der Tugend eine der zentralen Thematiken in Ciceros philosophischem Werke ist, scheint er zu keiner zufriedenstellenden Antwort zu kommen. In seinem Werk "de finibus bonorum et malorum" widmet sich der antike Staatsmann, Redner und Philosoph den einzelnen Schulen der hellenistischen Philosophie. Geradezu schematisch bearbeitet er zunächst den Epikureismus, daran anschließend die Stoa und schließlich die Lehre der Akademie und des Peripatos. Cicero geht dabei stets ähnlich vor: Nach einer zumeist ausführlichen Darlegung der Lehre folgt eine kritische Stellungnahme.

Das Buch V nimmt im gesamten Werk eine Sonderstellung ein. Nicht nur, dass es sich um das letzte Buch des Werkes handelt, in dem der Leser eine Antwort auf die Fragen nach dem finis bonorum et malorum erwartet, auch der Aufbau wirkt anders, der Schematismus der vorangegangenen Bücher durchbrochen. Ausgangslage und Szenerie unterscheiden sich bereits zum Vorangegangenen. Den inhaltlichen Schwerpunkt bildet Pisos Darstellung der peripatetisch-akademischen Ethik in der Tradition des Antiochos von Askalon, bei welchem er genau wie Cicero mehrere Monate gehört hatte.

Aufbau und Inhalt von de finibus sind in der Philosophie wie Philologie vielfach analysiert worden. Interessant und selten näher beleuchtet ist hingegen die Frage, welche Einflüsse zu einer solchen Darstellung der Thematik führten, woher seine Kenntnisse darüber stammen und in welchem Maße das Werk eine Eigenleistung Ciceros oder möglicherweise zu großen Teilen auf seine Quellen zurückzuführen ist. Im Folgenden soll anhand einer exemplarischen Untersuchung der Darstellung der peripatetisch-akademischen Tugend- und Güterlehre gezeigt werden, welche Ergebnisse eine quellenkritische Annäherung an den Text liefern kann. Es geht dabei nicht um eine erschöpfende Darstellung einzelner Quellen oder philosophischer Fragen von ihrem ersten Aufkommen bis zum Aufgreifen Ciceros. Vielmehr soll versucht werden, einzelne Positionen und Einflüsse herauszuarbeiten und gegebenenfalls zuzuordnen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Darstellung der peripatetisch-akademischen Güterlehre in de finibus V

3 Quellenkritische Analyse

3.1 Philosophiegeschichtlicher Hintergrund

3.1.1 Philon von Larisa und die akademische Skepsis

3.1.2 Antiochos von Askalon und die Alte Akademie

3.2 Ideengeschichtliche Analyse

3.3 Strukturelle und methodische Einflüsse

3.4 Ciceros literarische und philosophische Eigenleistung

4 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht quellenkritisch die Darstellung der peripatetisch-akademischen Tugend- und Güterlehre im fünften Buch von Ciceros De finibus bonorum et malorum, um den Einfluss antiker Quellen sowie Ciceros eigene philosophische und methodische Gestaltung des Werkes herauszuarbeiten.

  • Analyse der philosophiegeschichtlichen Einflüsse durch Philon von Larisa und Antiochos von Askalon
  • Untersuchung der ideengeschichtlichen Grundlagen der peripatetisch-akademischen Güterlehre
  • Erörterung der strukturellen und methodischen Vorgehensweise Ciceros
  • Reflektion über Ciceros literarische und philosophische Eigenleistung im Kontext eines multiperspektivischen Analyserahmens

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Philon von Larisa und die akademische Skepsis

Nach Platons Tod im Jahre 347 vor Christus übernimmt Speusippos die Leitung der Akademie. Er und seine Nachfolger versuchen die platonische, zu großen Teilen immer noch mündlich tradierte Lehre zu systematisieren. Diese dogmatische Ältere Akademie erstreckt sich bis circa 268/263 vor Christus und basiert auf einem strikten Wahrheitsideal.

Mit Arkesilaos beginnt in den folgenden Jahren die mittlere, stark aporetisch geprägte Akademie. Anknüpfend an die sokratischen Aporien, für die an dieser Stelle exemplarisch nur der Aphorismus „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ angeführt werden soll, bestreiten ihre Vertreter die Möglichkeit sicherer Erkenntnis. Häufig wird dieser Kurswechsel innerhalb der platonischen Tradition mit der Auseinandersetzung mit der Stoa in Verbindung gebracht. Die Urteilsenthaltung, die ἐποχή, stellt eine bewusste Entscheidung dar und dient der Vermeidung von ihrer Ansicht nach unausschließbaren Fehlurteilen.

Erst Karneades liefert mit dem πιθανόν, dem Wahrscheinlichen, einen Ausweg aus dieser Aporie und leitet damit wohl um 150 vor Christus die Phase der Neuen Akademie ein. Um seine Person ranken sich viele Anekdoten. Bei seiner Teilnahme an der Philosophengesandtschaft nach Rom 155 vor Christus soll er an einem Tag für und am anderen gegen die Gerechtigkeit gesprochen haben. Diese Methode des in utramque partem dicere ist charakteristisch für die neue, skeptische Akademie, die das Wissen zu relativieren sucht und die Ansätze der negativen Dialektik des Arkesiloas fortführt. In ihrer Tradition steht auch Philon von Larisa, zu dessen Schülern unter anderen Cicero und Antiochos von Askalon gehören.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet Ciceros Auseinandersetzung mit der antiken Philosophie und stellt die Forschungsfrage nach den Quellen und der Eigenleistung Ciceros im fünften Buch von De finibus.

2 Die Darstellung der peripatetisch-akademischen Güterlehre in de finibus V: Dieses Kapitel analysiert die Gesprächssituation und die Charakterisierung Pisos, der als Vermittler der antiocheischen Lehre fungiert.

3 Quellenkritische Analyse: In diesem Hauptteil werden der philosophische Hintergrund (Philon und Antiochos), ideengeschichtliche Kontexte, methodische Vorgehensweisen und Ciceros schöpferische Arbeit systematisch untersucht.

4 Fazit: Das Fazit resümiert, dass Cicero durch die gewählte Gesprächskonstellation und einen multiperspektivischen Ansatz eine eigenständige und konstruktive philosophische Darstellung erreicht hat.

Schlüsselwörter

Cicero, De finibus, Antiochos von Askalon, Philon von Larisa, peripatetisch-akademische Güterlehre, Eudaimonie, Skeptizismus, Neue Akademie, Stoa, Quellenkritik, philosophische Methode, summum bonum, Tugendlehre, Synkretismus, Rhetorik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die philosophischen Grundlagen und die quellenkritische Einordnung der Darstellung der Tugend- und Güterlehre im fünften Buch von Ciceros Werk De finibus bonorum et malorum.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Lehren des Antiochos von Askalon und Philon von Larisa, die verschiedenen Ausprägungen der Akademie sowie die Verbindung von Rhetorik und Philosophie bei Cicero.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit Ciceros Darstellung auf seine Quellen zurückzuführen ist und in welchem Maße sie eine eigenständige, philosophisch-rhetorische Gestaltung darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein multiperspektivischer, quellenkritischer Analyserahmen angewandt, der ideengeschichtliche, philologische und strukturelle Aspekte kombiniert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert den philosophiegeschichtlichen Hintergrund, die ideengeschichtliche Entwicklung der Güterlehre, die methodischen Einflüsse auf Cicero sowie dessen literarische und philosophische Eigenleistung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Neben Cicero und seinem Werk De finibus stehen Begriffe wie Antiochos von Askalon, Eudaimonie, Skeptizismus, Quellenkritik und der Synkretismus der hellenistischen Schulen im Fokus.

Warum spielt das Buch V eine Sonderrolle?

Das fünfte Buch nimmt eine Sonderstellung ein, da es den Abschluss des Werkes bildet, den Schematismus der Vorgängerbücher durchbricht und Piso als Sprecher für die peripatetisch-akademische Ethik einführt.

Wie erklärt die Arbeit den Widerspruch zur Notwendigkeit körperlicher Güter?

Die Arbeit diskutiert, ob dieser Widerspruch auf Vorlagen des Antiochos zurückzuführen ist oder durch Ciceros eigene bewusste künstlerische oder pädagogische Gestaltung entstand.

Welche Bedeutung hat der Skeptizismus für Ciceros Methode?

Cicero nutzt eine "konstruktive Dialektik" bzw. den Skeptizismus der Neuen Akademie, um verschiedene Lehrmeinungen in in utramque partem disserere gegenüberzustellen, ohne sich dogmatisch festzulegen.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Aspekte eines quellenkritischen Analyserahmens für die Darstellung der Tugend- und Güterlehre in „de finibus bonorum et malorum“
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Altertumswissenschaften)
Veranstaltung
Cicero. De finibus bonorum et malorum
Note
1,0
Autor
Christoph Kehl (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
28
Katalognummer
V316354
ISBN (eBook)
9783668152960
ISBN (Buch)
9783668152977
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aspekte analyserahmens darstellung tugend- güterlehre Cicero de finibus
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Christoph Kehl (Autor:in), 2013, Aspekte eines quellenkritischen Analyserahmens für die Darstellung der Tugend- und Güterlehre in „de finibus bonorum et malorum“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316354
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  28  Seiten
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