Der türkische Historiker Prof. Dr. Ilber Ortayli beschreibt in seinem türkischsprachigen Werk "Imparatorlugun En Uzun Yüzyili" die letzten "atemzüge" eines Weltreiches, die des Osmanischen Reiches, das über 600 Jahre existiert hat.
Trotz des republikanischen Reformeifers haben einige osmanische Institutionen den Untergang des Imperiums überlebt und leben, wenn auch in anderer Form, in der jungen türkischen Republik weiter.
Die radikalsten Reformen waren mit Sicherheit die Abschaffung des weltlichen Sultanats und des religiösen Kalifats.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Beweggründe und Anfänge der Modernisierung
III. Die Bab-i ali-Bürokraten der Tanzimat-Periode
IV. Religion und Laizismus
V. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit analysiert das Werk „Imparatorlugun En Uzun Yüzyili“ von Ilber Ortayli, um einen Überblick über die komplexen politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Transformationsprozesse während der osmanischen Modernisierung im letzten Jahrhundert des Imperiums zu geben.
- Untersuchung der Beweggründe und Anfänge der osmanischen Modernisierung.
- Analyse der Rolle der Bab-i ali-Bürokraten in der Tanzimat-Periode.
- Erörterung des Spannungsfeldes zwischen Religion und Laizismus im Osmanischen Reich.
- Betrachtung der strukturellen Herausforderungen und der Balancepolitik des Imperiums.
Auszug aus dem Buch
II. Beweggründe und Anfänge der Modernisierung
Die osmanische Modernisierung darf nicht auf die Tanzimat-Periode (Reorganisierungsperiode) reduziert werden; sie ist ein Phänomen, was auf frühere Zeiten zurückzuführen ist. Das Modernisierungsphänomen hat bewirkt, daß innerhalb der osmanischen Welt die dominierende Religion zum Diskussionsgegenstand wurde und die ihm zugeschriebenen Institutionen und Regeln erschüttert, bzw. verändert wurden. Das Leben und die Gesinnung außerhalb der Religion, das aktive wirken europäischer Sprachen und der Wissenschaft, die Erschütterung traditioneller Formen sowohl im öffentlichen, als auch im familiärem Bereich, läßt sich, bevor dies in der Türkei zu spüren war, auch unter den Muslimen des zaristischen Rußland, zu erkennen. Die Modernisierung erfolgte im Osmanischen Reich nicht nur deshalb, weil es durch den Zwang der sich ändernden Außenwelt angetieben wurde. Das Zerbrechen vorhandener Lebensmuster ist nicht nur ein Werk der Industriealisierung.
Die Neuzeit bewirkte in Europa ein Bewußtsein über die Überlegenheit ihres Lebensstils. Besonders das 18. Jh. war ein Jahrhundert, in dem die Osmanen Europa und Rußland mal mit naiven, mal mit realistischen Ansätzen betrachteten.
Der Begriff „Verwestlichung“ (Batililasma), der Anfang der Tanzimat-Periode keine Verwendung hatte, jedoch im laufe dieser Zeit erwähnt wurde, beschäftigt seit fast einem Jahrhundert die historischen und politischen Gedanken der Türkei. Das Verwestlichungsphänomen und die Veränderungen im Osmanischen Reich können nicht begriffen werden, wenn nur die Bab-i ali (die Hohe Pforte) und die anatolische Halbinsel in betracht genommen wird. Es war öffensichtlich, daß die Militärreformen sich nicht auf die Kasernen begrenzen würden, sondern auch in jede Abteilung der Verwaltung und des Rechtswesens überspringen würden. Die osmanische Verwestlichung bevorzugte den Westen nicht aus Bewunderung, sondern aus Gründen der Zwangsläufigkeit. Sie war mehr ein Resultat einer internen Entscheidung, als eines externen Zwanges.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung stellt das analysierte Buch von Ilber Ortayli vor und erläutert die Zielsetzung sowie die methodische Herangehensweise der Hausarbeit.
II. Beweggründe und Anfänge der Modernisierung: Dieses Kapitel arbeitet heraus, dass Modernisierung im Osmanischen Reich ein langfristiger Prozess war, der weit vor der Tanzimat-Periode begann und durch interne wie externe Faktoren beeinflusst wurde.
III. Die Bab-i ali-Bürokraten der Tanzimat-Periode: Hier wird die Rolle der Bürokratie bei der Zentralisierung des Staates sowie die Bedeutung der Reformerlasse für den gesellschaftlichen Wandel untersucht.
IV. Religion und Laizismus: Das Kapitel befasst sich mit der dualen Struktur des Rechts- und Gesellschaftswesens und erörtert, inwieweit das Osmanische Reich als Staat der Scheria zu verstehen ist oder bereits säkulare Tendenzen aufwies.
V. Fazit: Das Fazit fasst die ökonomischen Abhängigkeiten des Imperiums zusammen und ordnet das Erbe der Tanzimat-Periode für die spätere türkische Republik ein.
Schlüsselwörter
Osmanisches Reich, Modernisierung, Tanzimat-Periode, Ilber Ortayli, Verwestlichung, Bab-i ali, Laizismus, Reformen, Transformationsprozesse, Scheria, Bürokratie, Balancepolitik, Autokratie, Millet-System, Türkische Geschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine zusammenfassende Analyse der osmanischen Modernisierung im 19. Jahrhundert auf Basis des Werkes von Ilber Ortayli.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Ursprüngen der Modernisierung, dem Einfluss der Bürokratie, der Rolle der Religion und der wirtschaftlichen sowie politischen Transformation des Reiches.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die verborgenen Phasen und komplexen Entwicklungsprozesse des Osmanischen Reiches unter einem objektiven Gesichtswinkel historisch einzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine inhaltsanalytische Methode, bei der zentrale Begriffe und Thesen des Autors Ilber Ortayli reflektiert und in einen historischen Kontext übertragen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Modernisierungsanfänge, die Rolle der Bab-i ali-Bürokraten sowie die Analyse der gesellschaftlichen Struktur hinsichtlich Religion und Laizismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Osmanisches Reich, Modernisierung, Tanzimat, Verwestlichung und Laizismus.
Was versteht der Autor unter dem Begriff "Verwestlichung" in diesem Kontext?
Er beschreibt Verwestlichung als ein Resultat interner Notwendigkeiten und Zwangsläufigkeiten, das über bloße militärische Reformen hinausging und die gesamte Verwaltung erfasste.
Inwiefern hat das Millet-System die Gesellschaft des Reiches geprägt?
Das System unterteilte die Bevölkerung primär nach religiöser Zugehörigkeit, wobei Ethnien und Sprachen zweitrangig für die gesellschaftliche Organisation waren.
- Quote paper
- Ercan Tamer (Author), 1998, "Das längste Jahrhundert des Imperiums" von Ilber Ortayli. Eine kurze Zusammenfassung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3164