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Jan Hus zwischen Dogma und Reformation. Inwiefern beeinflusste Hussens Kirchenkritik die revolutionäre Bewegung in Böhmen?

Titel: Jan Hus zwischen Dogma und Reformation. Inwiefern beeinflusste Hussens Kirchenkritik die revolutionäre Bewegung in Böhmen?

Studienarbeit , 2012 , 19 Seiten

Autor:in: Alexander Winter (Autor:in)

Theologie - Biblische Theologie
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Zusammenfassung Leseprobe Details

War Jan Hus dogmatischer Katholik oder ist er eher der Reformationsbewegung zuzuordnen? Vorliegende Hausarbeit untersucht, inwiefern die Ekklesiologie sowie die Soteriologie von Jan Hus im 14. und 15. Jahrhundert "revolutionären" Charakter besitzen und wieso er in Böhmen zum „Märtyrer für seine Ideen“ wurde, als er 1415 am Scheiterhaufen hingerichtet wurde.

In wesentlichen Teilen gleicht Jan Hussens Kirchenkritik stark der seines englischen Vorgängers John Wyclif. Hus hat große Teile seines englischen Vorgängers wortwörtlich übernommen und so erscheint es auf den ersten Blick, als trage Hus zu Unrecht einen bekannten Namen und habe nur wenig mehr zur revolutionären Stimmung in Böhmen beigetragen, als althergebrachte Gedankengänge zu kopieren.

In der Forschungsgeschichte um die Rezeption seines Werkes waren bald nach Hussens Tod Stimmen zu hören, die darum bemüht waren, seine Originalität herauszustellen. Dabei wurde häufig auf tschechische Vorläufer Hussens hingewiesen, wie Konrad Waldauser oder Militsch von Kremsier; dass Jan Hus sich in ihrer Tradition sah, ist jedoch nicht belegt. Auch eine Überinterpretation einzelner Textstellen, die Hus eigene Schwerpunkte zuschreiben, wäre nicht wissenschaftlich, ebensowenig aber die Anklage, es handele sich bei den Werken Hussens um bloße Plagiate.

Tatsächlich hat Hus die Kirchenkritik Wyclifs auf die historischen und politischen Geschehnisse seiner eigenen Zeit angewandt, ohne entscheidende neue Thesen einzubringen. Das schmälert seinen Wirkungskreis allerdings keineswegs. Die Gegebenheiten des 13. und 14.Jahrhunderts haben die Kirchenkritik Wyclifs vieler Orten gleichzeitig herausgefordert, wenn auch in modifizierter Weise.

Zudem ist Jan Hus durchaus als geistig selbstständig einzuschätzen. Er übernahm große Gedankenstrecken Wyclifs Wort für Wort, selektierte dabei aber merklich und ordnete die Sequenzen in seinem Sinne an. Im Übrigen darf nicht von einem Plagiat nach heutigen Vorstellungen gesprochen werden, da dieses Vorgehen zur mittelalterlichen Gegenwart Hussens durchaus üblich war.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. John Wyclif und Jan Hus

2. Die Ekklesiologie und Soteriologie von Jan Hus

2.1 Die Entstehung von „de ecclesia“

2.2 Hussens Kirchenverständnis

2.2.1 Laien und Kleriker im „corpus christi“: Die Prädestinationslehre

2.2.2 Gläubige „in ecclesia“ und „de ecclesia“

2.2.3 Menschliches und göttliches Urteil: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“

2.3 Zu Schriftverständnis, Tradition und Gesellschaftsordnung

2.3.1 Das Papsttum und der Gehorsam gegenüber dem Lex Dei

2.3.2 Die Ablassfrage

2.3.3 „Sola Scriptura“ und Traditionsverständnis

2.3.4 Hus Haltung zum Eucharistieverständnis Wyclifs

2.3.5 Geistliche und weltliche Gewalt und Strafverfolgung bei Jan Hus

3 Jan Hus: katholisch oder reformatorisch?

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Wirken und die Theologie von Jan Hus im Kontext seiner Abhängigkeit von John Wyclif sowie seine spezifische ekklesiologische Position. Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit Hus trotz der Übernahme wyclifschen Gedankenguts eine eigenständige, moralisch-humanistisch geprägte Kirchenkritik formulierte, die ihn sowohl als katholisch im Dogma als auch als reformatorisch im Ansatz erscheinen lässt.

  • Rezeption und Weiterentwicklung der Kirchenkritik John Wyclifs durch Jan Hus
  • Die Ekklesiologie und Prädestinationslehre als Grundlage kirchlicher Reformforderungen
  • Das Verhältnis von Schriftverständnis, Tradition und göttlichem Gesetz (Lex Dei)
  • Die Rolle von Geistlichkeit und weltlicher Macht im Rahmen eines theokratischen Gesellschaftsentwurfs
  • Die Einordnung der Person Jan Hus zwischen mittelalterlicher Tradition und reformatorischem Aufbruch

Auszug aus dem Buch

2.2.3 Menschliches und göttliches Urteil: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“

Welche Konsequenz aber ziehen die Vorreformatoren aus diesem eigentlich in sich abgeschlossenen Gedankenkonstrukt? Diese Ekklesiologie allein hätte keine Auswirkungen auf die Realität gehabt und keine Notwendigkeit für Veränderung geboten. An dieser Stelle aber bauen Wyclif und Hus einen logischen Fehler in ihr an und für sich abgeschlossenes System ein. Sowie sie von der Allwissenheit Gottes und dessen alleinigem Urteil über Gut und Böse ausgehen, berufen sie sich im selben Atemzug auf die gottgegebene menschliche Fähigkeit zur Erkenntnis: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“ (Mt 7,16). Denn nachdem dem Menschen von Gott diese Empfehlung gegeben ist, könne er an den äußeren Taten eines Menschen den wahren Christen erkennen und dürfe sich eben doch ein Urteil erlauben. In der Folge ist ihre ekklesiologische Idee wieder als Kirchenkritik anwendbar.

Es ist auffällig, wie sehr hier die eine These die andere unterwassert. Es handelt sich dabei zweifellos um einen groben, aber beabsichtigten Fehler. Man kann davon ausgehen, dass Wyclif und Hus dieser Bruch bewusst war; er war aber notwendig, um eine Rechtfertigung zu schaffen, warum eben doch eine Veränderung der Verhältnisse geboten ist. Das Ziel der Vorreformatoren war es nicht, sich mit einer weiteren schlüssigen Philosophie im Kreis zu drehen, die zwar in sich stimmig, aber nicht von Bedeutung ist; es war vielmehr ein schon bekannter geistiger Grundsatz als Rechtfertigung notwendig, um neues Land betreten zu können, auch wenn dieser Grundsatz so gar nicht zu den bisherigen Thesen passen wollte. In dem Drang, Kritik an den herrschenden Verhältnissen äußern zu müssen und einen Umsturz provozieren zu wollen, erschien ihnen der logische Fehler als billiges Mittel zum Zweck.

Zusammenfassung der Kapitel

1. John Wyclif und Jan Hus: Das Kapitel beleuchtet die starke Abhängigkeit von Jan Hus gegenüber John Wyclif und klärt das Missverständnis auf, Hus sei lediglich ein Plagiator gewesen, während seine historische Wirkungsgeschichte hervorgehoben wird.

2. Die Ekklesiologie und Soteriologie von Jan Hus: Hier wird das Kernstück der Lehre von Hus dargelegt, insbesondere die Entstehung seines Hauptwerkes „de ecclesia“ und die theoretische Fundierung seines Kirchenverständnisses.

2.1 Die Entstehung von „de ecclesia“: Es wird beschrieben, wie das Werk „de ecclesia“ als Reaktion auf die Unterdrückung der wyclifschen Lehre in Prag und die persönliche Ausgrenzung von Hus entstand.

2.2 Hussens Kirchenverständnis: Dieses Kapitel analysiert das dualistische Weltbild von Hus, das zwischen Gut und Böse, dem „corpus Christi“ und dem „Antichristen“ unterscheidet.

2.2.1 Laien und Kleriker im „corpus christi“: Die Prädestinationslehre: Fokus auf die Prädestinationslehre und die Einteilung der Gläubigen nach ihrer göttlichen Vorherbestimmung.

2.2.2 Gläubige „in ecclesia“ und „de ecclesia“: Untersuchung der systematischen Unterteilung in Gläubige, die faktisch zur Kirche gehören, und solche, die trotz Zugehörigkeit nicht Teil des „corpus Christi“ sind.

2.2.3 Menschliches und göttliches Urteil: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“: Darstellung des logischen Bruchs in der Lehre, der es Gläubigen erlaubt, den Klerus aufgrund moralischer Taten zu beurteilen.

2.3 Zu Schriftverständnis, Tradition und Gesellschaftsordnung: Dieses Kapitel behandelt die Autoritätsfrage, das Verhältnis zum Papsttum und das Sola-Scriptura-Prinzip bei Jan Hus.

2.3.1 Das Papsttum und der Gehorsam gegenüber dem Lex Dei: Analyse der Kritik am Primatsanspruch des Papstes und der Forderung, das Gesetz Gottes (Lex Dei) über menschliche Autoritäten zu stellen.

2.3.2 Die Ablassfrage: Untersuchung der ablehnenden Haltung von Hus gegenüber der Ablasspraxis, die er als überflüssig und moralisch zweifelhaft bewertet.

2.3.3 „Sola Scriptura“ und Traditionsverständnis: Erörterung der Bibel als alleinige Grundlage der Gewissensentscheidung und das Ziel, kirchliche Traditionen am Evangelium zu messen.

2.3.4 Hus Haltung zum Eucharistieverständnis Wyclifs: Klärung, dass Hus die Remanenzlehre Wyclifs nicht übernahm und in der Eucharistiefrage formal innerhalb der kirchlichen Doktrin blieb.

2.3.5 Geistliche und weltliche Gewalt und Strafverfolgung bei Jan Hus: Analyse der hierarchischen Strukturen und der Rolle des Königs im theokratischen System von Jan Hus.

3 Jan Hus: katholisch oder reformatorisch?: Synthese der Arbeit, die zu dem Schluss kommt, dass Hus sowohl katholische Dogmatik als auch reformatorische Ansätze in einer humanistischen Philosophie vereinte.

Schlüsselwörter

Jan Hus, John Wyclif, Ekklesiologie, Lex Dei, Prädestinationslehre, Kirchenkritik, Papsttum, Sola Scriptura, Ablassfrage, Abendland, Reformatorische Bewegung, Eucharistie, Mittelalter, Corpus Christi, Gehorsam

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das theologische Werk und die Kirchenkritik von Jan Hus und beleuchtet dabei insbesondere die Abhängigkeit sowie die eigenständige Weiterentwicklung der Lehren John Wyclifs.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Ekklesiologie, der Prädestinationslehre, dem Verhältnis zur kirchlichen Autorität und Tradition sowie dem spezifischen Einfluss des Gesetzes Gottes auf die gesellschaftliche Ordnung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist die Klärung, inwieweit Hus eine eigenständige Rolle zwischen dem traditionellen mittelalterlichen Katholizismus und den kommenden reformatorischen Entwicklungen einnimmt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theologiehistorische und textkritische Analyse, die primär auf den Traktaten von Jan Hus sowie der entsprechenden Fachliteratur zur Hussitenzeit basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die ekklesiologischen Grundlagen, die Kritik am Papsttum und Ablasswesen sowie die detaillierte Darstellung von Hus' Verständnis des Lex Dei und der gesellschaftlichen Hierarchien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlüsselbegriffe sind Ekklesiologie, Lex Dei, Prädestination, Kirchenkritik, Corpus Christi und das Sola-Scriptura-Prinzip.

Wie bewertet Hus die Bedeutung der Ablasspraxis seiner Zeit?

Hus lehnt die Ablasspraxis ab; er argumentiert, dass diese nicht heilsnotwendig ist, da kein Priester die Gewissheit über die göttliche Vergebung besitzen könne.

Inwiefern lässt sich Hus als „katholisch und reformatorisch zugleich“ bezeichnen?

Er bleibt katholisch in seinen dogmatischen Grundlagen, nutzt diese aber, um eine moralisch-humanistische Kritik an der bestehenden kirchlichen Hierarchie und dem Feudalismus zu formulieren.

Wie unterscheidet sich Hus' Haltung zur Eucharistie von der Wyclifs?

Im Gegensatz zu Wyclif, der die Remanenzlehre vertrat, hielt Hus an der kirchlichen Doktrin der Wandlung der Hostie fest.

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Details

Titel
Jan Hus zwischen Dogma und Reformation. Inwiefern beeinflusste Hussens Kirchenkritik die revolutionäre Bewegung in Böhmen?
Hochschule
Universität Augsburg
Autor
Alexander Winter (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V316417
ISBN (eBook)
9783668159792
ISBN (Buch)
9783668159808
Sprache
Deutsch
Schlagworte
dogma reformation inwiefern hussens kirchenkritik bewegung böhmen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Alexander Winter (Autor:in), 2012, Jan Hus zwischen Dogma und Reformation. Inwiefern beeinflusste Hussens Kirchenkritik die revolutionäre Bewegung in Böhmen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316417
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  19  Seiten
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