Die Vorratsintensität als Anteil der Vorräte am Gesamtvermögen lag bei deutschen Unternehmen 2006 im Durchschnitt bei 12,6 %. Sie ist für viele Unternehmen ein ganz wesentlicher Punkt, da Kauf, Produktion, Verarbeitung und Verkauf der Vorräte einen erheblichen Einfluss auf die Bilanz und GuV haben. Diese Abhandlung beschäftigt sich mit Ansatz sowie Erst- und Folgebewertung von Vorräten nach IFRS, sowie ausgewählten Sonderfragen.
Auch auf Fertigungsaufträge (IAS 11) wird in Abgrenzung zu den Vorräten eingegangen, da diese nach eigenen Maßstäben bilanziert werden. Die Bereiche Immobilien (IAS 40), biologische Vermögenswerte in Zusammenhang mit landwirtschaftlicher Tätigkeit zum Zeitpunkt der Ernte (IAS 41) sowie Exploration und Evaluation von mineralischen Ressourcen (IFRS 6) sollen hier ausgeblendet bleiben.
Die Zielsetzung dieses Standards ist es, die Behandlung von Vorräten unter Beachtung des Anschaffungskostenprinzips zu regeln. IAS 2 gibt praktische Anleitungen für die Ermittlung der Anschaffungs- oder Herstellungskosten (Erstbewertung) und deren nachfolgende Erfassung als Aufwand einschließlich (in der Folgebewertung) etwaiger Abwertungen auf den Nettoveräußerungswert bis bei deren Abgang/Verbrauch die entsprechenden Erlöse realisiert sind. Er enthält außerdem Anleitungen hinsichtlich der Verfahren, nach denen die Anschaffungs- oder Herstellungskosten den Vorräten zugeordnet werden. IAS 2 wird derzeit durch keine Interpretationen des International Financial Reporting Interpretations Comittee (IFRIC) ergänzt.
Das Buch Vorratsvermögen nach IFRS gibt eine bündige Übersicht über den IAS 2 Vorräte und illustriert diesen anhand zahlreicher Beispiele.
Inhaltsverzeichnis
II. Grundlagen
III. Bilanzierung dem Grunde nach
IV. Bilanzierung der Höhe nach (Bewertung)
1. Erstbewertung
1.a Retrograde Methode zur Ermittlung der Anschaffungskosten
1.b Gemeinkostenbehandlung
1.c Fremdkapitalkosten (IAS 2 i. V. m. IAS 23)
2. Folgebewertung
2.a Nettoveräußerungswert:
2.b Gängigkeitsabschlag:
V. Weitere Einzelfragen
1. Behandlung von Leerkosten
2. Teilweises Aktivierungsverbot für Kosten der allgemeinen Verwaltung
3. Zulässigkeit von Verfahren der Bewertungsvereinfachung
3.a Bewertungsverfahren als Bewertungsvereinfachungen (IAS 2.21-22)
3.b Zuordnungsverfahren (IAS 2.23 – 27)
4. Latente Steuern
5. Relevanter Markt im Rahmen der Folgebewertung
6. Fertigungsaufträge
6.1 Zielsetzung und Einordnung von IAS 11, Verhältnis zu IAS 18 (Erträge) und IAS 2
6.2 Bilanzausweis
6.3 GuV-Ausweis
7. weitere Spezialfragen zu den Anschaffungskosten
7.1 Fremdwährungsdifferenzen
7.2 Zinskomponenten
VI. Angaben im Anhang
VII. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit der Bilanzierung sowie der Erst- und Folgebewertung von Vorräten nach IFRS auseinander und beleuchtet dabei insbesondere die praktischen Anwendungsbereiche sowie Abgrenzungsfragen im Vergleich zum deutschen Handelsrecht. Zentral ist die Frage, wie Vorratsbestände nach internationalen Standards korrekt bewertet werden, um eine aussagekräftige Bilanzierung zu gewährleisten, während gleichzeitig spezifische Problemfelder wie Leerkosten, Fremdkapitalkosten und Fertigungsaufträge untersucht werden.
- Grundlagen der Vorratsbilanzierung und Erstbewertung nach IFRS
- Methoden der Folgebewertung und Wertminderungstests
- Behandlung von Leerkosten und Verwaltungsgemeinkosten
- Bilanzierung komplexer Sachverhalte wie Fertigungsaufträge
Auszug aus dem Buch
1.b Gemeinkostenbehandlung
Anschaffungskosten werden nur berücksichtigt, soweit sie dem Erwerb der Vorräte direkt zurechenbar sind (IAS 2.11). Dass es sich hierbei um Einzelkosten handelt ist nach h. M. keine Voraussetzung. Damit fallen lediglich fixe Gemeinkosten nicht unter die Anschaffungskosten. Allerdings können jene Gemeinkosten als Anschaffungsnebenkosten aktiviert werden, wenn sie durch den Anschaffungsvorgang veranlasst sind; diese sind durch einen geeigneten Schlüssel entsprechend hinzuzurechnen.
Sonstige Kosten werden nur insoweit in die Anschaffungskosten der Vorräte einbezogen, als sie anfallen, um die Vorräte an ihren derzeitigen Ort und in ihren derzeitigen Zustand zu versetzen (IAS 2.15) Hierunter fallen bspw. unternehmensinterne Speditionsleistungen. Allerdings dürfte eine entsprechende Aufschlüsselung hierbei problematisch sein; soweit es sich hierbei um unwesentliche Kosten handelt, kann auf eine Aufschlüsselung verzichtet werden.
Die Herstellkosten vom Vorratsvermögen setzen sich aus folgenden Pflichtbestandteilen zusammen (IAS 2.13 und 2.15):
Zusammenfassung der Kapitel
II. Grundlagen: Einführung in die Zielsetzung des Standards IAS 2 unter Berücksichtigung des Anschaffungskostenprinzips und der Erfassung als Aufwand.
III. Bilanzierung dem Grunde nach: Erläuterung der Gliederungsklassen von Vorräten und die Definition, unter welchen Voraussetzungen Vermögenswerte als Vorratsvermögen gelten.
IV. Bilanzierung der Höhe nach (Bewertung): Detaillierte Darstellung der Erstbewertung sowie der Folgebewertungslogik mittels Nettoveräußerungswert und Gängigkeitsabschlägen.
V. Weitere Einzelfragen: Analyse spezifischer Probleme wie der Behandlung von Leerkosten, Aktivierungsverboten, Bewertungsvereinfachungen, latenten Steuern und Fertigungsaufträgen.
VI. Angaben im Anhang: Überblick über die im Jahresabschluss erforderlichen Anhangsangaben gemäß IAS 2.36 bis 2.39.
VII. Schlussbemerkungen: Zusammenfassender Vergleich der IFRS-Bilanzierungsregeln für Vorräte mit den entsprechenden Regelungen nach dem deutschen HGB.
Schlüsselwörter
IFRS, IAS 2, Vorratsvermögen, Anschaffungskosten, Herstellungskosten, Erstbewertung, Folgebewertung, Nettoveräußerungswert, Leerkosten, Bewertungsvereinfachung, Fertigungsaufträge, Wertminderung, Fremdkapitalkosten, Bilanzierung, Rechnungslegung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die systematische Bilanzierung und Bewertung von Vorräten gemäß den internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS).
Welches ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Vermittlung einer praktischen Anleitung zur Bewertung von Vorräten, insbesondere der Unterscheidung zwischen Anschaffungs- und Herstellungskosten sowie der Behandlung von Sonderfällen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Schwerpunkte bilden die Ermittlung der Anschaffungskosten, die Werthaltigkeitsprüfung, der Umgang mit Leerkosten sowie die Besonderheiten bei Fertigungsaufträgen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Analyse der relevanten IAS-Standards und zieht zum Vergleich die nationalen deutschen Bilanzierungsvorschriften (HGB) heran.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bereiche Erst- und Folgebewertung, die Behandlung von Gemeinkosten, Spezialfragen zu Fremdkapitalkosten und die Bewertung komplexer Aufträge.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Vorratsbewertung, IAS 2, Herstellungskosten, Nettoveräußerungswert und Bewertungsvereinfachungsverfahren.
Warum sind Leerkosten bei der Vorratsbewertung relevant?
Leerkosten stellen nicht genutzte Produktionskapazitäten dar und dürfen gemäß IFRS nicht als Bestandteil der Herstellungskosten aktiviert werden, um eine Überbewertung des Vorratsvermögens zu verhindern.
Wie unterscheiden sich IFRS und HGB bei der Bewertung von Vorräten?
Während IFRS ein sehr enges Regelwerk vorgibt und beispielsweise das Lifo-Verfahren seit 2005 ausschließt, bietet das HGB teilweise Bewertungswahlrechte und unterschiedliche Handhabungen bei der Aktivierung von Gemeinkosten.
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- Marcus Lotz (Author), 2010, Vorratsvermögen nach IFRS. Grundlagen, Bilanzierung und weitere Einzelfragen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316421