Seit dem Zusammenbruch des Eisernen Vorhangs entstanden im Ostseeraum eine Reihe von Kooperationen, die verschiedene Charakteristiken aufweisen. Ein Bündnis, in dem auch Russland ein Teil der Gemeinschaft ist, ist der Ostseerat. Im Wesentlichen koordiniert der Rat seit 1992 die Bemühungen der Regierungen, die Zusammenarbeit im Ostseeraum voranzubringen. In der Folge der EU-Osterweiterung 2004 verlor er jedoch an politischer Relevanz.
In dieser Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, warum der Ostseerat nach der EU-Osterweiterung 2004 noch besteht?
Um diese Frage zu beantworten ist diese Hausarbeit in folgende Kapitel unterteilt: Zunächst werden solche Begriffe definiert, die für die nachfolgenden Ausführungen relevant sind. Im folgenden Kapitel rückt die Europäische Union in den Fokus. Hier werden Grundzüge der Geschichte, die grundlegende Struktur sowie verschiedene Politik- und Handlungsfelder näher betrachtet. Um die Relevanz des Ostseerates gegenüber der Europäischen Union zu verdeutlichen, wird im Anschluss ein umfassenderer Überblick über dieses Bündnis gegeben. Dabei werden geschichtliche, strukturelle sowie handlungs- und sicherheitspolitische Aspekte thematisiert.
Der darauffolgende Gliederungspunkt gibt eine Übersicht über verschiedene Bündnisse im Ostseeraum, um anschließend die Verflechtung des Ostseerates mit anderen Organisationen detailliert darzustellen. Dabei werden zunächst Bündnisse betrachtet, die sich im Wesentlichen unabhängig von der Europäischen Union entwickelt haben, bevor anschließend die „Nordische Dimension“ der Europäischen Union und die EU-Ostseestrategie in den Mittelpunkt rücken.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmungen
3. Die Europäische Union
3.1 Geschichte der Europäischen Union
3.2 Die Grundstruktur der Europäischen Union
3.3 Politik- und Handlungsfelder der Europäischen Union
4. Der Ostseerat als regionalspezifischer Akteur in der Ostseeregion
4.1 Geschichte und Struktur des Ostseerates
4.2 Handlungsfelder und Ziele des Ostseerates
4.3 Der Ostseerat als Gremium zur Bearbeitung „weicher Sicherheitsprobleme“
5. Bündnisse im Ostseeraum
5.1 Überblick
5.2 Akteursbezogene Verflechtung
6. Die Zukunftsfähigkeit des Ostseerates
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die anhaltende Relevanz und Existenzberechtigung des Ostseerates im Kontext der zunehmenden Integration des Ostseeraums durch die Europäische Union, insbesondere nach der EU-Osterweiterung 2004.
- Regionale Kooperation im Ostseeraum
- Struktur und Rolle des Ostseerates als intergouvernementales Bündnis
- Die Europäische Union als dominanter Akteur in der Region
- Verhältnis zwischen Ostseerat, EU-Strategien und Russland
- Bedeutung von "weicher Sicherheit" und informellen Strukturen
Auszug aus dem Buch
4.3 Der Ostseerat als Gremium zur Bearbeitung „weicher Sicherheitsprobleme“
Der Ostseerat richtet ein besonderes Augenmerk auf weiche Sicherheitsaspekte. Deutlich wird dies beispielweise im Aktionsprogramm von 2008 unter den Punkten: Energiesicherheit und Bekämpfung der Strukturen der organisierten Kriminalität.
Besonders ist, dass der Ostseerat in einem Gefüge von Organisationen (z.B. NATO, EU) keine militärischen Probleme thematisiert. Somit kann keines der Mitglieder einen Führungsanspruch aufgrund militärischer Belange erheben. Daraus ergeben sich für die Ostseeregion einige Vorteile, denn es bietet die Chance gegenseitige Lernprozesse auf staatlichen wie nichtstaatlichen Ebenen anzustoßen und damit den „Wachstumsraum Ostsee“ weiterzuentwickeln. Der Ostseerat ist bis heute eine Organisation der „soft security“, die keine supranationalen Strukturen gegen erklärte Widerstände aufzubauen versucht.
Stattdessen favorisieren die Mitglieder eine flexible Umgebung und die Garantie jederzeit aus Gesprächen aussteigen zu können. Angesichts der schwierigen Vergangenheit mit Russland bietet der Rat die Möglichkeit an der früheren Nahstelle zwischen Ost und West anzusetzen und damit das friedliche Zusammenwachsen im Bereich der Ostsee zu fördern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Dynamik des Ostseeraums nach dem Kalten Krieg ein und definiert die zentrale Fragestellung nach der fortdauernden Bedeutung des Ostseerates nach der EU-Osterweiterung.
2. Begriffsbestimmungen: Hier werden theoretische Grundlagen wie „Region“, „Internationale Region“ und „Supranationalität“ definiert, um das wissenschaftliche Verständnis der behandelten Strukturen zu schärfen.
3. Die Europäische Union: Dieses Kapitel analysiert die historische Genese, die institutionelle Struktur und die sicherheitspolitischen Handlungsfelder der Europäischen Union im europäischen Integrationsprozess.
3.1 Geschichte der Europäischen Union: Darstellung der historischen Motive und vertraglichen Meilensteine der europäischen Integration seit 1951.
3.2 Die Grundstruktur der Europäischen Union: Analyse der Rechtspersönlichkeit und der institutionellen Architektur der EU sowie der Auswirkungen des Lissabon-Vertrags.
3.3 Politik- und Handlungsfelder der Europäischen Union: Überblick über die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) und die Herausforderungen durch Interessendifferenzen zwischen den Mitgliedsstaaten.
4. Der Ostseerat als regionalspezifischer Akteur in der Ostseeregion: Untersuchung des Ostseerates als intergouvernementales Forum und seiner Entwicklung in einem sich wandelnden europäischen Umfeld.
4.1 Geschichte und Struktur des Ostseerates: Beleuchtung der Gründung auf Basis der Kopenhagener Erklärung und der informellen, konsensbasierten Arbeitsweise.
4.2 Handlungsfelder und Ziele des Ostseerates: Identifikation der Schwerpunkte wie Umweltschutz, Bildung und die Stabilisierung der Region durch Kooperation.
4.3 Der Ostseerat als Gremium zur Bearbeitung „weicher Sicherheitsprobleme“: Diskussion der Rolle des Rates bei der Bearbeitung nicht-militärischer Sicherheitsaspekte und der Funktion als "soft security"-Organisation.
5. Bündnisse im Ostseeraum: Analyse der Vielzahl an regionalen Akteuren und Netzwerken, die neben dem Ostseerat existieren und mit diesem interagieren.
5.1 Überblick: Einordnung der verschiedenen Kooperationsformen und Interessengemeinschaften wie BSSSC oder UBC im Zeitraum von 1989 bis 2009.
5.2 Akteursbezogene Verflechtung: Darstellung der Vernetzung des Ostseerates mit subnationalen und nicht-staatlichen Akteuren sowie größeren EU-Initiativen wie der Nordischen Dimension.
6. Die Zukunftsfähigkeit des Ostseerates: Synthese der Ergebnisse hinsichtlich der Relevanz des Ostseerates als komplementäres, flexibles Gremium zur EU-Struktur.
Schlüsselwörter
Ostseerat, Ostseeraum, Europäische Union, Regionale Kooperation, Intergouvernementalismus, Soft Security, EU-Osterweiterung, Integration, Russland, Nordische Dimension, Baltic Sea States, Subregionale Zusammenarbeit, Sicherheitspolitik, Institutioneller Rahmen, Nachhaltige Entwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle und die fortbestehende politische Relevanz des Ostseerates innerhalb einer durch die Europäische Union zunehmend integrierten Region.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die regionale Kooperationsstruktur, die Einbindung Russlands sowie die Abgrenzung und Zusammenarbeit zwischen dem Ostseerat und den Institutionen der Europäischen Union.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet: Warum existiert der Ostseerat auch nach der großen EU-Osterweiterung im Jahr 2004, die einen Großteil der Anrainerstaaten in die EU integrierte, weiterhin?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die Monografien, wissenschaftliche Sammelwerke, Fachzeitschriften und relevante Online-Dokumente zu regionalen Studien und europäischen Institutionen auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der EU-Strukturen, eine detaillierte Betrachtung des Ostseerates als Akteur sowie einen Überblick über weitere Bündnisnetzwerke im Ostseeraum.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Ostseerat, Regionale Kooperation, Intergouvernementalismus, Soft Security, EU-Osterweiterung und Nordische Dimension.
Wie unterscheidet sich der Ostseerat strukturell von der Europäischen Union?
Der Ostseerat ist ein eher schwach institutionalisiertes, intergouvernementales Forum ohne völkerrechtlichen Vertrag und supranationale Machtbefugnisse, während die EU als hochgradig institutionalisierte supranationale Organisation mit verbindlichen Rechtsgrundlagen agiert.
Welche besondere Rolle spielt Russland innerhalb des Ostseerates?
Russland ist als einziger Ostseeanrainer, der kein EU-Mitglied ist, ein vollwertiges Mitglied im Ostseerat, was dem Gremium eine strategische Funktion bei der Kooperation zwischen der EU und Russland verleiht.
- Citar trabajo
- Sebastian Schäfer (Autor), 2015, Der Ostseerat im Kontext des Ostseeraumes. Entstehung, Handlungsfelder und Relevanz des Bündnisses, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316435