„Van der hilliger Stat van Coellen“. Ein Vergleich der Kölner Stadtansichten vom 15. - 16. Jahrhundert


Hausarbeit, 2014
29 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Annäherung an eine Stadt, die es nie gegeben hat

2 Annäherung aus historischer Perspektive
2.1. Die verschiedenen Gründungsmythen: Coelln oder Aggrippina?
2.2. Die Stadt der vielen Gesichter? - Die religiösen Darstellungen
2.3. Die weltlichen Gesichter Kölns
2.4. Köln aus der Luft

3. Zusammenfassung: Die Stadt der vielen (traditionellen) Gesichter
3.1 Das heilige Image
3.2 Das weltliche Image

4. Literatur- und Quellenverzeichnis

5. Anhang

1. Einleitung: Annäherung an eine Stadt, die es nie gegeben hat

„Alda enmitten in der statt syht man den schönsten vnd doch nochmals nit gar außgepawen tempel. den sie den hohstifft nennen. daselbst sind der heyligen dreyer konig leichnam. (...) Diss ist ein freyhe vnd namhaftige ertzbischofliche hawbstatt. Der ertzbischoff daselbst ist ein curfürst des heiligen römische reichs vnd ein weler yezuzeiten eins römischen konigs. Daselbst haben vil menschen an kunst vnnd heiligkeit geleuechet. (...) so hat sand Vrsula mit den aylfftausent iunckfrawen. vnnd etliche andere daselbst die kron der marter verdient. aber sich ist zuerwundern der burgerlichen syttlichkeit.“1

Mit diesem Zitat aus einer der berühmtesten Weltchroniken vom Übergang des Spätmittelal- ters zur Frühen Neuzeit - der Schedelschen Weltchronik in der deutschen Fassung von 1500 - wird der Versuch unternommen, sich der Stadt Köln aus der Sicht eines Zeitzeugen zu nähern. Die wiedergegebenen Zeilen stammen aus der Stadtbeschreibung eines mittelalterlichen Kölns aus der genannten Weltchronik. Köln hob sich durch dessen hohe Anzahl an Heiligen und Reliquien von anderen deutschen Städten ab. Der zu Schedels Lebzeiten unfertige Dom, hier als „hohstifft“ bezeichnet, dominierte 300 Jahre lang die Silhouette dieser „getreuen Tochter Roms.“2 3 Doch wie erfolgte in dieser Arbeit die Annäherung an diese mittelalterli- che Metropole?

Gerade die Fixierung auf den Dom und die weiteren zahlreichen Kirchen wie St. Severin und St. Kunibert (um nur einige zu nennen) prägten im 14. - 16. Jahrhundert die Stadtansichten. In der vorliegenden Arbeit wird der Versuch unternommen, einen Vergleich verschiedener Stadtansichten Kölns im genannten Zeitraum zu vollziehen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf den Druckerzeugnissen sowie Malereien. Die Auflistung der Ansichten erfolgt in chronologischer Reihenfolge, wobei „Das Martyrium der Heiligen Ursula von der Stadt Köln“ vom Meister der kleinen Passion um 1411 den Anfang bereitet.4 Desweiteren dienten als Quellen die „Koelhoffsche Chronik“ von 1499, die Cosmographia des Sebastian Münster von in der Ausgabe von 1545 sowie der „Fasciculus temporum“ des Kartäusermönchs Werner Rolevinck von 1474. Im Rahmen dieser Arbeit werden insgesamt 10 verschiedene Stadtan- sichten aufgelistet und analysiert, wobei die Abbildungen in den Text zur besseren Übersicht integriert wurden. Gleichzeitig wurde auf eine Teiluntergliederung bei der Auflistung der Bil- der weitgehend verzichtet.

Gewisse Redundanzen bei der Analyse der Ansichten ließen sich bei wiederkehrender Sym- bolik nicht verhindern. Im Hintergrund historischer Empirie wird dabei auf die Geschichte der Stadt Köln und ihr Gründungshintergrund eingegangen. Die letzte gezeigte Ansicht wurde von Franz Hogenberg 1572 entworfen. Die Auflistung endet absichtlich im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts, da eine gewisse Entwicklung der Wahrnehmung sowie der Perspektivierung der Stadt bis dahin nachzuvollziehen ist. Trotz der zahlreichen Bildquellen erhebt diese Kompilation keinen Anspruch auf Vollständigkeit und die beschreibenden Textquellen sollen hierbei eine ergänzende Funktion im Bezug auf die Gründungsmythen einnehmen. Auf die Wirkung des Städtelobs wird am Rande eingegangen.

Neben den Quellen, die vielfältig in digitalisierter Form im Internet einsehbar sind, wurde bei der Erarbeitung des Themas umfangreiche Forschungs- und Sekundärliteratur aus der Mediävistik und Geschichtswissenschaft genutzt.

Besondere Fragestellungen, die für jede Abbildung gelten, sind: Inwieweit wird hier ein authentisches Bild der Stadt gegeben? Welchen Hintergrund hat der Verfasser bzw. Auftraggeber des Werkes? Überwiegen religiöse Ansichten, oder wird hier das Bild einer blühenden weltlichen Handelsmetropole am Rhein überliefert? Finden sich Motive sowie Symbole, die sich über die drei Jahrhunderte der Betrachtung vergleichen lassen? Letztlich stellt sich die Frage, inwieweit sich Köln einem Vergleich mit den anderen berühmten Städten der mittelalterlichen Welt Jerusalem und Rom unterzieht.

2. Annäherung aus historischer Perspektive

Kölns Sonderstellung innerhalb des Deutschen Reiches beruhte bis zum 14. Jh. nicht nur auf den Reliquien und unzähligen Stadtheiligen. Vielmehr wurde sie bereits bei Gottfried von Viterbos Weltchronik, dem sog. „Pantheon“, Ende des 12. Jahrhunderts lobend als Krönungsstadt für Bischöfe erwähnt.5 Kölns Fläche umfasste innerhalb des Mauerrings ca. 400ha und es lebten knapp 40.000 Menschen dort. Im Vergleich zu anderen Städten wie Nürnberg (um 1430 ca. 22.800 Einwohner) oder sogar London (30.000 Einwohner) können wir von den Ausmaßen einer mittelalterlichen „Großstadt“ sprechen.6 Desweiteren lag sie an zwei Fernhandelsrouten, wobei der meiste Handel über den Rhein bis nach Frankfurt vollzogen wurde. Dieser Faktor war von enormer Bedeutung für die Buchproduktion.

Der Buchdruck ist für Köln ab dem Jahr 1465 nachweisbar durch Ulrich Zell, der noch zu Lebzeiten Gutenbergs produzierte. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts wurde Köln mit mehr als 1200 produzierten Titeln zur produktivsten Druckerstätte des Deutschen Reiches.7 Vornehmlich wurde in lateinischer Sprache für die 1388 gegründete Universität gedruckt.8 Die Bedeutung nimmt zu, wenn man sich vor Augen hält, dass ausgerechnet aus Köln der Buchdruck nach England gelangte.9

2.1. Die verschiedenen Gründungsmythen: Coelln oder Aggrippina?

Bei den Gründungsmythen der Stadt widersprechen sich die Weltchroniken teilweise mit der historischen Realität. Aber oftmals nur dann, wenn ein Versuch unternommen wurde, eine Gründungslinie mit Troja aufzubauen. Städte des Mittelalters versuchten sich ein Image aufzubauen, bei denen eine lange Kontinuität oder edle Vorfahren bzw. Gründer einen hohen Stellenwert im Selbstwertgefühl erzeugen sollten.10 Ein Beispiel dafür bietet ein Textauszug aus der Schedelschen Weltchronik:

„Agrippa oder Colonia. das ist Cöln. auff der lingken seyten amm Rheyn ist nit allain der gegent vnnd des gelegers. sunder auch des fluss vnnd volcks halben ein höhberümbte vnd achpare statt in nidern tetschen landen gelegen. die hat (...) zu den zeiten Enee des Troyaners. von einem Troyanischen Colonus genant den anfang genomen. vnd ist darnach auß gehaiß vnd gescheft Claydij des römischen kaysers. der dann ein gemahel der frawen Agrippine was. als das volck Vbij genannt von den schwaben veriagd wardt. geauffet vnd besteüret. vnd von derselben frawen auß irem geslecht herkomen Agrippa genant worden“.11

Hierbei vermischen sich historische Forschung und Fiktion. Der keltisch - germanische Stamm der Ubier am rechten Rheinufer ist wissenschaftlich für die Zeit Julius Caesars belegt. Auf dem linksrheinischen Kölner Stadtgebiet lebten zuvor die von den Römern in einem Rachefeldzug vernichteten Eburonen. Etwa 50 v.Chr. siedelten sich die Ubier von den Römern geduldet auf dem freigewordenen Gebiet an. Die dort entstandene Siedlung wurde unter dem Namen „Oppidum Urbiorum“ gegründet. 37 n.Chr. erhielt die Siedlung das römische Stadtrecht unter der im Oppidum geborenen Gemahlin des Kaisers Claudius Agrippina.12 Der Name „Coelln“ leitete sich von der Bezeichnung „Colonia“ ab. Colonia waren Bezeichnungen für geplante Siedlungen außerhalb Roms im römischen Reich.

Schedel gibt in Auszügen eine historisch belegte Gründungsgeschichte wieder. Fiktiv wird die Beschreibung erst bei der Annahme, ein Trojaner namens Ene hätte der Stadt den Namen „Colonus“ verliehen. Also der Versuch, eine Verbindungslinie mit dem untergegangenen Tro- ja und eine Gründungszeit vor Rom herzuleiten. Auf eine solche Herleitung verzichtet bei- spielsweise Sebastian Münster in dessen Cosmographia, auch wenn dieser historische Fakten nennt:

Die volcker so vor Christ geburt bey diser statt gewont / haben Vbijge heissen / vnd ist Cöln ir hauptstatt gewe- sen / wie wol sie disen namen noch nit zu der selbigen zeit hat gehabt sunder man nennet sie der Vbiern haupt- statt / oder das haupt der Vbiern. (...) Dise statt Cöln nach dem sie von den Vbiern ein anfang hat genomme / ist sie darnach Agrippina von Marco Agrippa irem auffrichter genat worden /der des Keysers Augusti tochter man was.13

Diese Beschreibung weist Parallelen zur Schedelschen Weltchronik auf. Es werden der Selbe germanische Stamm sowie die Überleitung zu Agrippina, einer der Stadtpatroninnen, hergestellt. Ob Münster den Trojabezug absichtlich weggelassen hat, oder dieser außerhalb seines Wissenstandes war, geht aus der 2,5 seitigen Beschreibung in seiner Chronik nicht hervor. Anders schreibt dann wiederrum Johann Koelhoff der Jüngere in der Koelhoffschen Chronik zur Stadtgeschichte Kölns, indem er einleitet:

„An dem anfanck der Stat Agrippine zo schrijuen vynden ich macherley meynungen ind opinien. (...)den ouspronck der Stat van rome. Der römpre (?) historien schrijuer Salusti us eyn ratsman van rome schrijfft alsus Die Stat va (von) rome. als ich gehoert haue. die hauen gebuwet ind bewoent zom aller eyrsten die van Troien ind yz nackomelinge.“14

Koelhoff bezieht sich auf den römischen Geschichtsschreiber Sallust, der eine Verbindung von Köln, hier als „Stat Agrippine“ bezeichnet, zu Rom aufbaut und dabei noch dessen An- fänge von den Nachkommen Trojas ableitet. Auch wenn hier abweichend von den vorigen Quellen die Stadtgeschichte beschrieben wird, ist die Verbindung Köln - Rom - Troja gege- ben. Diese Verbindungslinien sind keineswegs nur mittelalterliche Vorstellungen, wie ein letzter Vergleich mit der „Topographia“ des Matthäus Merian aus dem 17. Jh. beweist:

„Daher diese Stadt Cölln / von denen dahin gesezten Römern / und ihr / der Kayserin / Name / Colonia Aggrippinensis, und die obgedachte UBII, selbsten nachmals Agrippinenses seyn genanntworden. Und daher vergleicht sich noch dieser des heiligen Römischen Reichs und Germaniae Secundae Hauptstatt / Regiment / in vielen Stücken / mit dem vorzeiten wol angestellten / und gewesten Römischen;“15

Wie es scheint, veränderten sich die Stadtbeschreibungen auf textlicher Ebene nur geringfügig und weisen eine Kontinuität vor. Im Folgenden werden die Bildbeschreibungen auf Merkmale der Kontinuität oder Veränderung untersucht.

2.2. Die Stadt der vielen Gesichter? - Die religiösen Darstellungen

Abb. 1: Das Martyrium der Heili- gen Ursula vor der Stadt Köln (1411); Leinwand 60 x 179 cm; Bildausschnitt linker Teil 16

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dieses Gemälde stellt die älteste Stadtansicht der Stadt Köln überhaupt dar. Sie wurde vom Meister der kleinen Passion angefertigt. Die Perspektive erfolgt von einem erhöhten Augpunkt, der eine relative Draufsicht in den städtischen Raum bietet. Das Bild wurde wie unzählige nachfolgende Bilder vom Ostufer des Rheins aus gezeichnet. Eine prägende Funk- tion nimmt ebenso die Aneinanderreihung der Gebäude ein. Am linken Bildrand befindet sich der sog. Bayernturm. Von links nach rechts befinden sich die Kirchen St. Severin, Kartäuser- kirche, St. Pantaleon, Antoniterkirche sowie am rechten Bildrand der Palast des Erzbischofs. Die St. Severin Kirche ist eine der zwölf romanischen Kirchenbauten im Kölner Stadtbild.

Das Bauwerk wurde 1230 - 37 errichtet, wobei auf dem Selben Baugrund seit dem 4. Jh. ein römisches Gräberfeld nachzuweisen ist mit kleiner Kapelle. Seit 804 wurden dort die Gebeine des heiligen Kölner Bischofs St. Severin gebettet und dieser zum Schutzpatron ernannt.17 Zu weiteren Patronen zählen die Hl. Ursula sowie die Heiligen drei Könige. Diese Gebäude und mehr noch die im gotischen Stil errichteten, zeichnen sich durch Ihre markanten und über die Stadtmauer reichenden Türme aus. Diese sind charakteristisch für die Untermalung der „Heiligkeit“ Kölns und sehr detailliert dargestellt.

Weltlich betrachtet wird Köln als blühende und durch die Mauer, „die grois nuwe muir umb die stat Coellen“18, samt Befestigungsanalgen als sichere Stadt dargestellt. Der Maler legte besonderen Wert auf den Fischreichtum des Rheins. Sowohl der Fluss als auch die Fischer- netze sind reichlich mit Fischen gekennzeichnet. Desweiteren befinden sich charakteristische Strommühlen sowie die Kähne. Zusätzlich befinden sich Passanten am Ufer auf dem Weg zur Stadt durch die geöffneten Tore. Das Rathaus, welches sich bei exakter Angabe am rechten Bildrand befinden müsste, wurde noch nicht in das Bild aufgenommen, da es erst 1414 fertig- gestellt wurde, was eine deutliche Ortskenntnis sowie den Willen eine Momentaufnahme zu erstellen, wiedergibt.19

Abb. 2: Die Ankunft der Hl. Ursula in Köln und ihr Martyrium (1450 - 60); auf Eichenholz 54 x 135 cm

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

zigartig quer dargestellt wurde. Die Verbindung Rhein - Köln zieht sich seither wie ein roter Faden durch die Abbildungen.61

3.1. Das heilige Image

Trotz der vielen unterschiedlichen Darstellungen und deren verschiedenen Gestaltungsmög- lichkeiten wird deutlich, dass sich die erwähnten Traditionen auf ein gewisses einseitiges Image der „Heiligkeit“ Kölns reduzieren lassen können. Dies kann einerseits an der subjektiv ausgewählten Anzahl der Stadtansichten liegen, oder der Mehrheit mittelalterlicher Wahr- nehmung entsprechen. Fest steht, dass der Stadt Köln durchaus bewusst war, wie sehr sie mit der Beherbergung wertvoller Reliquien Geschäfte machen konnte. Die weitreichenden Heili- genkulte etablierten Köln als berühmten Wallfahrtsort auch noch nach der Reformation. Diese Zuordnung schlug sich auch in den Abbildungen nieder, wo Pilger an den Hafenanlagen in die Stadt zu gelangen versuchen (Abb. 1, 4 und 6). Pilger prägten selbst bei Johann Haselbergs „lobspruch der Keyserlichen freiystath Coellen“ von 1531, also 14 Jahre nach Beginn der Reformation das Stadtbild. Das Lobgedicht selbst ist in erster Linie als Stadtwanderung ver- fasst, nimmt sich jedoch im Anschluss im gleichen Textumfang die Sage der Heiligen Drei Könige zum Thema.62

Bei der religiösen Betrachtung darf der Dom, der in seinem unfertigen Bauzustand unzählige Darstellungen bestimmte, nicht fehlen. Die Wirkung des Doms auf Betrachter fasste Hasel- berg folgendermaßen zusammen, dass es keiner weiteren Beschreibung bedarf: „Der tempel was ser wunderlich, / Nit mer ersach ich des gleich, (...) / Were der Dum im baw verpacht, / Schoenner Kierch wer nie gemacht: Gottes tempel sol schoen gebawen sein Für christenleuth, nit fur die schwein, (...).“63

Ein weiterer Beleg stellt die Beschreibung durch den Nürnberger Humanisten Johann Cochlaeus von 1512 dar. Bei ihm erfolgt eine Auflistung aller Stadtpatrone der Rheinmetropole sowie die Behauptung, dass in diesem „himmlischen Jerusalem“ mehr Heilige untergebracht seien, als in jeder anderen deutschen Stadt.64

Nach einer Legende kamen die Gebeine der Heiligen Drei Könige unter dem Kölner Erzbi- schof Rainald von Dassel bereits 1162 nach Köln als Geschenk Friedrich Barabarossas. Seit jeher wurde versucht, das Heiligenimage der Stadt erfolgreich weiter aufzubauen, festigte aber auch in Glaubensfragen die Bewohner in Richtung der Altkirche.65

Mit dieser eindeutigen Positionierung grenzte sich Köln während der Reformation nahezu völlig vom Protestantismus ab, obwohl sie großen Nutzen aus der Zuwanderung jener aus den spanischen Niederlanden ziehen konnte. Zum Teil wurde den Zugezogenen der Weg zu Äm- tern verwehrt, insgesamt wurden sie aber in der Stadt geduldet. Auf der einen Seite standen protestantische Schriften innerhalb Kölns unter Zensur und Verbot, was jedoch flächende- ckend bei der Masse an Druckereien nicht vollständig unter Kontrolle gebracht werden konn- te. Auf der Anderen beanspruchte die Katholische Kirche lediglich Texte für sich, wobei Il- lustrationen hingegen von Jedermann gedruckt werden konnten. Somit etablierten sich bis zum 17. Jh. viele qualitativ hochwertige Kunstwerke und die sog. „Kölner Schule der Atlas- kartographie.“66

3.2. Das weltliche Image

Auf die weltlichen Aspekte eingehend, fallen die Darstellungen der Stadtmauer sowie der Hafenanlagen auf. Bei den Vorstellungen der Mauer erfolgte auf den Bildern eine semanti- sche Zuordnung der Sicherheit. Oftmals wurde sie höher als in der Realität abgebildet, jedoch immer mit wehrhaften Türmen und Torburgen. Bei der künstlerischen Umsetzung umschloss die Mauer stets komplett das Stadtbild und begrenzte den Bildrand links und rechts. In der Geschichte wurde Köln während des Dreißigjährigen Krieges kaum bedroht, wodurch sich sowohl das Image der „Sicherheit“, als auch mehr als in jeder anderen deutschen Stadt sich Druckereien erhalten konnten. Auch diesem Fakt verdankt Köln seine durchgehende Stadt- bildtradition.67

Jedoch kam ihr ebenso eine abgrenzende Funktion gegenüber dem Umland zu. In der Vor- stellung des Mittelalters wurde das Umland nicht in den Wirtschaftsraum Stadt integriert, der sich auf den städtischen Raum beschränkte. Diese Wahrnehmung setzte sich in vielen Darstel- lungen fest, indem das Umland vernachlässigt oder in der Freiheit des Künstlers (wie in etwa in der Schedelschen Weltchronik) ohne Realitätsbezug gezeichnet wurde. Erst mit der umfas- senden Stadtansicht aus der Vogelperspektive wurde das Umland in das Gesamtkonzept der Darstellung integriert.68 Erst in Abbildung neun und zehn wurden die Umrisse der für Kölns Umland bekannten Hopfenanbauflächen zur Bierbrauerei deutlich. In der Realität fungierten Stadt und Umland als einheitlicher Wirtschaftsraum, wobei von der Stadt getätigte Investitionen in umliegende Gewerbe erst den Durchbruch aus dem klassischen Zunftsystem ermöglichten und den Reichtum Kölns als Fernhandelsknotenpunkt untermalten.69

Ein in allen Darstellungen gleichermaßen zur Geltung kommendes Thema ist der Rhein im Verhältnis zur Stadt. Die künstlerischen Umsetzungen verdeutlichen sowohl im weltlichen, als auch religiösen die Wichtigkeit dieser „Lebensader“. Auf der einen Seite erreichte auf dem Fluss die Heilige Ursula ihren Ort des Martyriums und auf der Anderen zeugten die abgebil- deten Fischkähne und Handelskoggen, wie sehr der Fluss den Reichtum Kölns vorantrieb.

Die Fülle an Abbildungen mit ihrer Jahrhunderte langen Bildtradition sowie die Bedeutung Kölns als Handelsknoten seit der Römerzeit lassen verstehen, wieso diese Stadt Zeitzeugen, Maler sowie Kartographen gleichermaßen anzog und den Titel „Coellen eyn croyn - boven allen steden schoyn“ verdient.70

4. Literatur- und Quellenverzeichnis

Forschungs- und Sekundärliteratur

Rücker, Elisabeth: Die Schedelsche Weltchronik. Das größte Buchunternehmen der DürerZeit, in: Grote. Ludwig (Hg.): Bibliothek des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg zur deutschen Kunst- und Kulturgeschichte, Bd. 33, München 1973.

Kugler, Hartmut: Die Vorstellung der Stadt in der Literatur des deutschen Mittelalters, München 1986.

Classen, Carl Joachim: Die Stadt im Spiegel der Descriptiones und Laudes urbium in der an- tiken und mittelalterlichen Literatur bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts, in: Bleicken, Jochen (u.a.) (Hgg.): Beiträge zur Altertumswissenschaft, Bd. 2, Georg Olms Verlag, Hildes- heim (u.a.) 1986.

Schmitz, Wolfgang: 500 Jahre Buchtradition in Köln. Von der Koelhoffschen Chronik bis zu den Neuen Medien, Köln 1999.

Ennen, Edith: Die europäische Stadt des Mittelalters, 4. Aufl., Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1987.

Lobeck, Helmut; Welters, Hans: Kleine illustrierte Geschichte der Stadt Köln, 7. Aufl., J.P. Bachem Verlag, Köln 1986.

Herkommer, Hubert (u.a.): Deutsche Weltchroniken des Mittelalters. Handschriften aus den Beständen der Bayerischen Staatsbibliothek München und die Sächsische Weltchronik der Forschungs- und Landesbibliothek Gotha, Bayerische Staatsbibliothek München, München 1996.

Leiverkus, Yvonne: Köln. Bilder einer spätmittelalterlichen Stadt, Böhlau Verlag, Köln (u.a.) 2005.

Borger, Hugo; Zehnder, Frank Günter: Köln. Die Stadt als Kunstwerk. Stadtansichten vom 15. bis 20. Jahrhundert, Greven Verlag, Köln 1982.

Schmid, Wolfgang: Heilige Städte, alte Städte, Kaufmannsstädte. Zum Image deutscher Metropolen um 1500, in: Johanek, Peter (Hg.): Bild und Wahrnehmung der Stadt, Böhlau Verlag, Köln (u.a.) 2012, S. 121 - 151.

Irsigler, Franz: Stadt und Umland im Spätmittelalter. Zur zentralitätsfördernden Kraft von Fernhandel und Exportgewerbe, in: Meynen, Emil (Hg.): Zentralität als Problem der mittelalterlichen Stadtgeschichtsforschung, Böhlau Verlag, Köln (u.a.) 1979, S. 1 - 14.

Ennen, Edith: Stufen der Zentralität im kirchlich - organisatorischen und kultischen Bereich. Eine Fallskizz. Köln, in: Zentralität als Problem der mittelalterlichen Stadtgeschichtsforschung, Böhlau Verlag, Köln (u.a.) 1979, S. 15 - 21.

Brincken, Anna - Dorothee von den: „... Ut describeretur universus orbis“. Zur Universalkartographie des Mittelalters, in: Zimmermann, Albert (Hg.): Methoden in Wissenschaft und Kunst des Mittelalters, Bd. 7, Walter de Gruyter & Co., Berlin 1970, S. 248 - 278.

Kugler, Hartmut (u.a.): Europa im Weltbild des Mittelalters. Kartographische Konzepte, in: Goetz, Hans - Werner (u.a.) (Hgg.): Vorstellungswelten des Mittelalters, Bd. 10, Akademie Verlag, Berlin 2008, S. 45 - 61.

Quellen und Weltchroniken

Schedel, Hartmann; Wolgemut, Michael: Liber chronicarum, Nürnberg 1493.

Münster, Sebastian: Cosmographia - das ist die Beschreibung aller Länder durch Sebastian

Münster, in welcher alle Völker, Herrschaften, Städte, Bräuche, die Rechtsordnung, der Glauben und der Umgang damit in der ganzen Welt und besonders in der Deutschen Nation. Dazu alles, was in jedem Land an Besonderem vorkommt und was darin geschehen ist. Das alles mit Bilder und schönen Landkarten erklärt, und dem Auge dargeboten. Gedruckt in Basel durch Heinrich Petri, Basel 1545.

Merian, Matthäus: Topographia Archiepiscopatuum Moguntinensis Trevirensis et

Coloniensis. Das ist Beschreibung der Vornembsten Stätt und Plätz in denen Ertzbistümen Maynz, Trier und Cöln, Frankfurt am Main 1646.

Koelhoff, Johann (Hg.): Die Cronica van der hiliger Stat va[n] Coelle[n], Köln 1499. Haselberg, Johann: Lobspruch der Keyserlichen freiystath Coellen, Köln 1531.

Internetverzeichnis

Gesamtbild der Ansicht von Köln von Anton Woensam (1531):

http://www.zeno.org/Kunstwerke/B/Woensam,+Anton%3A+Ansicht+von+K%C3%B6ln

(Stand 23.07.2014)

5. Anhang

- es folgt eine detaillierte Ansicht des Kupferstiches Anton Woensams von 1531(Abb. 8) von links nach rechts in acht Bildern

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 zit. n.: Schedel, Hartmann: Liber chronicarum, Augsburg 1500, Blatt XCI.

2 Lobeck, Helmut; Welters, Hans: Kleine illustrierte Geschichte der Stadt Köln, 7. Aufl., J.P. Bachem Verlag, Köln 1986, S. 90.

3 Schmid, Wolfgang: Heilige Städte, alte Städte, Kaufmannsstädte. Zum Image deutscher Metropolen um 1500, in: Johanek, Peter (Hg.): Bild und Wahrnehmung der Stadt, Böhlau Verlag, Köln (u.a.) 2012, S. 124.

4 Borger, Hugo; Zehnder, Frank Günter: Köln. Die Stadt als Kunstwerk. Stadtansichten vom 15. bis 20. Jahrhundert, Greven Verlag, Köln 1982, S. 66 - 68.

5 Classen, Carl Joachim: Die Stadt im Spiegel der Descriptiones und Laudes urbium in der antiken und mittelalterlichen Literatur bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts, in Bleicken, Jochen (u.a.) (Hgg.): Beiträge zur Altertumswissenschaft, Bd. 2, Georg Olms Verlag, Hildesheim (u.a.) 1986, S. 60.

6 Ennen, Edith: Die europäische Stadt des Mittelalters, 4. Aufl., Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1987, S. 227 - 228.

7 Schmitz, Wolfgang: 500 Jahre Buchtradition in Köln. Von der Koelhoffschen Chronik bis zu den Neuen Medien, Köln 1999, S. 14.

8 Leiverkus, Yvonne: Köln. Bilder einer spätmittelalterlichen Stadt, Böhlau Verlag, Köln (u.a.) 2005, S. 50.

9 Ennen 1987, S. 259.

10 Schmid 2012, S. 146.

11 zit. n.: Schedel 1500, Blatt XCI.

12 Lobeck 1986, S. 15 - 17.

13 Münster, Sebastian: Cosmographia - das ist die Beschreibung aller Länder durch Sebastian Münster, in welcher alle Völker, Herrschaften, Städte, Bräuche, die Rechtsordnung, der Glauben und der Umgang damit in der ganzen Welt und besonders in der Deutschen Nation. Dazu alles, was in jedem Land an Besonderem vorkommt und was darin geschehen ist. Das alles mit Bilder und schönen Landkarten erklärt, und dem Auge dargeboten. Gedruckt in Basel durch Heinrich Petri, Basel 1545, Seite 535.

14 Koelhoff, Johann (Hg.): Die Chronica van der hilliger Stat va Coelle, Köln 1499, S. 84.

15 Merian, Matthäus: Topographia Archiepiscopatuum Moguntinensis Treveirensis et Coloniensis. Das ist Beschreibung der Vornembsten Stätt und Plätz in denen Ertzbistümen Maynz, Trier und Cöln, Bd. 1, Frankfurt am Main 1646, S. 169.

16 Abb. 1 in: Leiverkus 2005, S. 208 ff.

17 Leiverkus 2005, S. 50 - 51.

18 zit. n.: Koelhoff 1499, S. 519.

19 Borger 1982, S. 66.

61 Kugler, Hartmut (u.a.): Europa im Weltbild des Mittelalters. Kartographische Konzepte, in: Goetz, Hans-Werner (u.a.) (Hgg.): Vorstellungswelten des Mittelalters, Bd. 10., Akademie Verlag, Berlin 2008, S. 56.

62 Schmid 2012, S. 121 - 122.

63 zit. n.: Leiverkus 2005, S. 46.

64 Schmid 2012, S. 125.

65 Ennen, Edith: Stufen der Zentralität im kirchlich-organisatorischen und kultischen Bereich. Eine Fallskizze Köln, in: Zentralität als Problem der mittelalterlichen Stadtgeschichtsforschung, Böhlau Verlag, Köln (u.a.) 1979, S. 16 - 20.

66 Schmitz 1999, S. 25.

67 Schmitz 1999, S. 27.

68 Irsigler, Franz: Stadt und Umland im Spätmittelalter. Zur zentralitätsfördernden Kraft von Fernhandel und Exportgewerbe, in: Meynen, Emil (Hg.): Zentralität als Problem mittelalterlichen Stadtgeschichtsforschung, Böhlau Verlag, Köln (u.a.) 1979, S. 1.

69 Irsigler 1979, S. 7 - 8.

70 Lobeck 1986, S. 90.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
„Van der hilliger Stat van Coellen“. Ein Vergleich der Kölner Stadtansichten vom 15. - 16. Jahrhundert
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
29
Katalognummer
V316438
ISBN (eBook)
9783668161122
ISBN (Buch)
9783668161139
Dateigröße
5050 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Köln, Stadtansicht, Bildbeschreibung, Mittelalter, Frühe Neuzeit
Arbeit zitieren
Gregor Grohmann (Autor), 2014, „Van der hilliger Stat van Coellen“. Ein Vergleich der Kölner Stadtansichten vom 15. - 16. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316438

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