Sektion tierischer Organe im Biologieunterricht. Wie beeinflussen die Emotionen der Lehrkraft die Unterrichtsmethode?


Examensarbeit, 2014

114 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Faszination und Ekel
2.1 Gefühle und Emotionen
2.2. Entstehung und Einflüsse
2.3. Bisherige Forschungen zu Emotionen

3. Unterrichtsmethoden
3.1 Sozial- und Arbeitsformen
3.2 Vor- und Nachteile der jeweiligen Methode

4. Hypothesen
4.1 Zu erwartende Ergebnisse aufgrund der Hypothesen
4.2 Bisherige spezifische Forschungen zu Ekel

5. Umfrage
5.1 Auswahl der Fragen
5.2 Probanden

6. Durchführung
6.1 Fragebogen
6.2 Datenerhebung

7. Ergebnisse
7.1 Tabellarische Auswertung
7.2 Schriftliche Auswertung

8. Ergebnisse und Diskussion der Ergebnisse im Hinblick auf die Hypothesen
8.1.Ergebnisse
8.2 Diskussion der Ergebnisse

9. Mögliche Alternativen

10. Anhang

Abbildungen der einzelnen Fragen im Vergleich Gruppe 1 zu Gruppe 2

Standardabweichung, Mittelwert und Median der einzelnen Fragen

11. Quellenangabe

Bücher

Artikel

Abbildungen

1. Einleitung

Das Sezieren zählt zu den gängigen Methoden für das Studium der Humanbiologie. Es dient den Studenten sich mit anatomischen und funktionalen Wissensinhalten näher auseinander zu setzen und durch das praktische Arbeiten eine Vertiefung des Gelernten zu erreichen. Die Humanbiologie macht wiederum, den größten Teil der Gesundheitserziehung an den Schulen aus und ist somit nicht aus der Schulpraxis weg zu denken. Um die Gesundheit und Lebensqualität von Schülern zu steigern, ist eine adäquate Gesundheitserziehung unverzichtbar. Wieso ist das Sezieren, dann keine gängige Methode in der Schulpraxis? Mit dieser Frage beschäftigt sich die folgende wissenschaftliche Hausarbeit. Dafür wurde eine schriftliche Umfrage mit Studenten der pädagogischen Hochschule Heidelberg durchgeführt. Es gilt heraus zu finden, ob die angehenden Lehrer und Lehrerinnen, durch bestimmte Einflüsse, abgeneigt sind, in ihren späteren Unterrichtsstunden das Sezieren als Arbeitsform durchzuführen. Es ist vorstellbar, dass ein Lehrer es meidet am tierischen Original zu arbeiten, wenn er selbst demgegenüber kritisch eingestellt ist. Seine Einstellung wiederum kann durch Vorerfahrungen oder selbst gewählter Ernährungsweise beeinflusst sein. Die Vorerfahrungen sind entweder negativ oder positiv emotional belastet und prägen die Einstellung der Person zur Arbeit mit Organen im Original dauerhaft.

Die hier untersuchten Einflüsse sind Vegetarismus und die spezifischen Emotionen Ekel und Faszination. Gefühle und Lernen, ist kein neues Themengebiet in der Pädagogik.

Schon Johann Heinrich Pestalozzi ging, in seinem Credo zum ganzheitlichen Lernen „ mit Kopf, Herz und Hand“ darauf ein, dass Gefühle ernst genommen und in einen Lernprozess mit einbezogen werden sollten. Auch Jean Jaque Rousseau erkannte, dass Gefühle wünschenswert für das Bildungsgeschehen sind. (vgl. Huber, 2013, S.50)

Nun soll hier, aber nicht untersucht werden, welche Gefühle wünschenswert während einer Sezierung sind und hervorgerufen werden sollen, sondern ob Gefühle einen starken Einfluss darauf haben, dass angehende Lehrer bei einer bestimmten Arbeitsform abweisend reagieren. Wie diese Gefühle und Emotionen entstehen und in wie weit sie prägend oder lernhemmend wirken können, wird in den Eingangskapiteln beschrieben. In dieser Arbeit wird nicht ausdrücklich das Empfinden von Schülern während einer Sezierung thematisiert und genauer untersucht. Dennoch müssen bei emotionsbelastenden Arbeitsweisen (wie z.B. dem Umgang mit toten Tieren), immer das Wohlergehen der Schüler von der Lehrperson berücksichtigt werden. Eine Unterrichtsstunde sollte niemals eine traumatisierende Wirkung auf die Schüler haben, auch wenn diese dann länger in Erinnerung bleibt. So ist der Lernerfolg doch fraglich, ebenso wie die anschließenden Reaktionen der Schüler und Eltern.

Es gibt natürlich noch weit mehr Arbeitsformen, die für humanbiologische Lerninhalte in Frage kommen, daher werden hier auch auf diese eingegangen und die jeweiligen Vor- und Nachteile genauer betrachtet. Für die genauere Auseinandersetzung mit den hemmenden Einflüssen gegenüber dem Sezieren, sind in dieser Arbeit fünf Hypothesen aufgestellt worden. Auf diese wird nach der allgemeinen Auswertung des Umfragebogens, genauer eingegangen.

Die Auswahl der spezifischen Emotionen Faszination und Ekel, erschließt sich aus der Unterrichtspraxis. Da diese beiden Gefühlszustände bei einer Sezierung am wahrscheinlichsten zu erwarten sind. Es ist eher weniger anzunehmen, dass die Emotionen Wut, Trauer, Neid, Begierde oder Hass, um eine Auswahl zu nennen, beim Anblick von tierischen Organen bei Lehrern oder Schülern wahrzunehmen sind. Es ist eher zu beobachten, dass Personen fasziniert, desinteressiert oder angeekelt, bei einer derartigen Arbeitsweise reagieren.

Als Verfasserin dieser Arbeit interessiert es mich besonders herauszufinden, warum manche meiner Kommilitonen, eine so für mich faszinierende Art zu unterrichten, schon während des Studiums ablehnen oder es in ihrer späteren Lehrerlaufbahn nicht in Betracht ziehen werden diese einzusetzen. Als mehrfache Tutorin in den Seminaren Humanbiologie eins und zwei an der pädagogischen Hochschule Heidelberg, konnte ich die verschiedensten Reaktionen bei den Studenten beobachten, wenn Ihnen fast allwöchentlich Organe zum Sezieren vorgelegt wurden. Vorher war ich der Auffassung, wenn sich eine Person für das Studium der Biologie entscheidet, sie auch Begeisterung für das Sezieren hegt. Doch diese unterschiedlichen emotionalen Reaktionen, die ich beobachtet habe, lassen mich meine Meinung überdenken. Das Sezieren, als Lernarbeitsform für die Anatomie und Gesundheitsbildung im humanbiologischen Unterricht, ist für mich eine logische und nicht weg zu denkende Methode im Schulalltag. Auch wenn ich in meiner eigenen Schullaufbahn, nie in den Kontakt mit Organen im Original gekommen bin, so hat mir dies mein Studium und meine Tätigkeit als Tutorin doch sehr deutlich gemacht. Daher ist es mir ein Anliegen die Ursachen und Zusammenhänge für das Einsetzen dieser Unterrichtsform herauszufinden.

2. Faszination und Ekel

2.1 Gefühle und Emotionen

Befasst man sich mit dem Thema Ekel und Faszination, ist es sinnvoll die Unterschiede zwischen Emotionen, Affekten und Gefühlen vorab zu klären. So schreiben Dehner-Rau und Reddemann in „ Gefühle besser verstehen“ folgende Erläuterungen.

„Eine Emotion ist eine plötzliche Reaktion unseres gesamten Organismus. Sie enthält verschiedene Komponenten: Die physiologische, die kognitive und die Verhaltenskomponente. Eine Emotion hält in der Regel nur kurz an und kann relativ schnell in eine andere Emotion wechseln. Im Gegensatz zu Affekten, sind Emotionen meist milder in ihrer Intensität und deutlicher von Lernen und Erfahrung beeinflusst.“

Werden Handlungen ausgelöst, die nicht oder in geringem Maße kontrollierbar sind, spricht man von Affekten oder Affekthandlungen. Affekte sind die einschießenden, heftigen Gefühle, die körperlich deutlich erlebbar sind, mit hoher psychischer Erregung einhergehen und meistens eine soziale Reaktion hervorrufen. „Sie sind das Ergebnis unbewusster affektiver Verarbeitungsprozesse, je nach Bewertung fallen sie positiv oder negativ aus. Oft werden Affekte als diffuse Zustände erlebt, die sich in körperlichen Reaktionen zeigen können. Ein bewusster Zugang zu Auslösereizen besteht bei Affekten im Gegensatz zu den Emotionen nicht. Bei den Emotionen sind nicht nur affektive, sondern auch kognitive Verarbeitungsprozesse beteiligt, was sie dem Bewusstsein zugänglicher macht.“

Unter einem Gefühl versteht man die subjektive Wahrnehmung einer Emotion. Die Fähigkeit, Gefühle zu haben, erfordert ein Bewusstsein seiner selbst und des eigenen Verhältnisses zur Umwelt. Gefühle können also nur als solche erlebt werden, wenn das Gehirn neben einem Überlebenssystem auch die Fähigkeit zum Bewusstsein besitzt. Gefühle können wir benennen oder über Bilder ausdrücken. Wir können sie aber auch verstecken. Im Gegensatz zu Emotionen, sind Gefühle einer Person nicht immer an zu sehen. Gefühle sind spezifischer und immer auf bestimmte Gegebenheiten bezogen. Sie sind beeinflusst von unserem Denken, unserer Weltanschauung und Vorerfahrungen. Welche Gefühle wir haben, hängt von unserer eigenen Art der Auffassung ab (vgl. Dehner-Rau, Reedemann, 2011, S. 16-19).

Im Gegensatz zum Ekel, kann die Faszination zu den Gefühlen gezählt werden, da sie keinen direkten Auslöser braucht und beliebig oft abrufbar ist. Auch kann Faszination über einen längeren Zeitraum hinaus, wenn das betroffene Objekt oder der Auslöser nicht anwesend sind, hervorgerufen werden. Faszination ist immer an einen auslösenden Faktor in Form einer Handlung oder einem Objekt verbunden.

Es sollte noch erwähnt werden, dass Ekel leider oft mit Angst verwechselt wird, obwohl diese zu den Gefühlen zählt und nicht situationsabhängig ist. So kann man sich vor etwas ängstigen dass im Moment nicht da ist (wie z.B. das Monster im Schrank, oder Angst vor Schlangen zu haben), aber Ekel nur empfinden wenn der Auslöser direkten Einfluss hat.

Ekel zählt zu den Basisemotionen, deren Anzahl je nachdem welche Quellen heran gezogen werden, zwischen fünf und 15 beträgt. Wobei Ekel immer bei den elementaren Emotionen hinzu gezählt wird, ebenso wie Furcht, Zorn und Freude. Charakteristisch für eine Basisemotion ist, der weltweit für eine Emotion gleich geltende Gesichtsausdruck, der schon bei kleinen Kindern zu beobachten ist. Kennzeichnend für Basisemotionen ist auch die Tatsache, dass sie plötzlich eintreten, von kurzer Dauer sind, sich deutlich von anderen Emotionen unterscheiden und durch eine spezifische körperliche Reaktion gekennzeichnet werden.

Die körperlichen Reaktionen bei Ekel werden durch olfaktorische und gustatorische Reize ausgelöst (Geruch und Geschmack) und sind gekennzeichnet durch eine bestimmte Bewegung der Lippen und rümpfen der Nase (vgl. Rizzolatti, Sinigaglia, 2014, S. 178).

Typische Gesichtsausdrücke der Basisemotionen:

Zorn:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.1.1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.1.2

Freude:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.1.3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.1.4

Furcht:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.1.5

Ekel:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.1.6

Auf den Abbildungen sind die typischen Gesichtsausdrücke für die vier hier aufgezählten Basisemotionen zu sehen.

Bei Zorn in Abb. 2.1.1 und 2.1.2 erkennt man gut die zusammengezogenen Augenbrauen, mit der gerunzelten Stirn und den kleingekniffenen Augen. Ob der Mund offen oder klein zusammengezogen ist, kommt darauf an, ob die zornige Person ihrer Wut lauthals Ausdruck verleiht, wie auf beiden Bildern, oder stillen Zorn ausübt.

Die Freude in Abb. 2.1.3 und 2.1.4 ist gekennzeichnet durch ein breites Lächeln, mit nach oben gezogenen Mundwinkeln und großen offenen Augen. Die Augenbrauen sind hochgezogen und stehen weit auseinander.

Die Furcht zeichnet sich im Gesicht durch starre Züge ab, indem nur die Augen eine vergrößerte Form annehmen und die restlichen Gesichtszüge keinerlei Regung zeigen. In Abb. 2.1.5 ist der charakteristisch leicht geöffnete Mund zu sehen, der aber auch geschlossen sein kann. Bei kleineren Kindern steigert sich Furcht meist in Weinen und kann durch zitternde Lippen und hängende Mundwinkel beobachtet werden.

Die Abbildung 2.1.6 zeigt typische Gesichtszüge für die Emotion Ekel. So ist die Nase gerümpft, die Stirn zusammengezogen und das Kinn leicht vorgestreckt. Auf dem Bild ist die zum Gaumendach hin gewölbte Zunge nicht zu erkennen, die, wie Paul Ekman beschreibt, wohl schon in Erwartung steht, eine Substanz aus der Mundhöhle auszuwerfen um den Körper zu schützen (vgl. Gerrig, Zimbardo, Psychologie, S. 456).

Der auf dem Gebiet der Gesichtsausdrücke führende Forscher Paul Ekman fand heraus, dass diese universellen Mimiken ein evolutionäres Erbgut der Menschheit sind. Durch verschiedene Studien zeigte er, dass bereits Säuglinge weltweit bestimmte Emotionen zeigen und erkennen können. Diese Gesichtsausdrücke sind angeboren und dienen der sozialen Kommunikation. Es gibt jedoch leichte kulturelle Unterschiede im Lesen der Mimik, da es in manchen Kulturen unüblich ist Emotionen offen zu zeigen und dadurch leichte Schwierigkeiten in der direkten Zuordnung des Ausdrucks zur Emotion auftreten können. Bei einer Studie mit einem analphabetisierten Fore-Stamm in Neu-Guinea zeigte sich, dass sie einen fast identischen Ausdruck für Überraschung und Furcht haben, da diese Personen sehr furchtsam sind, wenn sie eine Überraschung erleben ( vgl. Gerrig, Zimbardo, Psychologie, S. 456).

2.2. Entstehung und Einflüsse

Emotionen erfüllen verschiedene Funktionen, diese können im motivationalen, sozialen oder kognitiven Bereich liegen. Doch vorab gilt es zu klären wie sie entstehen und was sie beeinflussen kann.

Gehirn

Die Lokalisation der Gefühlsentstehung und Empfindung liegt im menschlichen Gehirn, in einer Region die das limbische System einschließt. Das limbische System setzt sich zusammen aus Amygdala, Hippocampus und ein Teil des Thalamus, ihnen lässt sich keine Einzelfunktion zuordnen, sondern vielmehr ein wechselseitiges Zusammenspiel. „Vielmehr übernehmen die Strukturen im limbischen System zahlreiche Aufgaben und spielen für Emotion, Motivation, Geruchswahrnehmung (Olfaktion), Verhalten und Gedächtnis eine wichtige Rolle“ (Campbell, 2009, S. 1448).

Aber auch sensorische Areale des Großhirns sind beteiligt, wenn es sich bei einem Gefühlsausdruck um beispielsweise Lachen oder Weinen handelt. Dann interagiert das limbische System mit den sensorischen Arealen des Großhirns. Für die überlebenswichtigen Emotionen, wie z.B. Nahrungs- oder Sexualtrieb, ist dieses Wechselverhältnis zwischen Strukturen im Vorderhirn und limbischen System zu beobachten (bei Probanden im fMRT nachgewiesen). Weiter schreibt Campbell, das die Amygdala (Mandelkern) als emotionales Gedächtnis gilt, da Situationen mit starken Emotionen in ihr abgespeichert werden und somit nicht explizit abrufbar sind, sondern nur wenn der emotionale Reiz erneut auftritt.

Gerrig beschreibt im Buch Psychologie die Vorgänge im Körper während einer Emotion. Das autonome Nervensystem bereitet durch Aktivierung des sympathischen und parasympathischen Nervensysthems den Körper auf emotionale Reaktionen vor, wobei es auf die Intensität der Emotion ankommt, welcher Teil stärker aktiv wird. Bei leicht angenehmer Stimulation, der parasymphatische und bei leicht unangenehmer Stimulation, der symphatische Teil. In Abb. 2.2.1 aus dem Buch Psychologie von Gerrig und Zimbardo, sind alle drei Systeme abgebildet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.2.1 (oben links: parasympathisches Nervensystem, oben rechts: sympathisches Nervensystem, unten: limbisches System)

Bei äußerst starken Emotionen, wie in Notfallsituationen wird der Körper auf eine schnelle Reaktion vorbereitet. Indem das sympathische Nervensystem die Ausschüttung der Hormone Adrenalin und Noradrenalin aus den Nebennieren anregt und diese wiederum die inneren Organe veranlassen Blutzucker abzugeben, den Blutdruck zu erhöhen, Schwitzen und Speichelproduktion anzuregen. Das parasympathische System hemmt nach der emotionalen Situation die weitere Ausschüttung der aktivierenden Hormone. Dennoch kann man durch den Restgehalt an Hormonen im Blut, nach der Situation immer noch leicht erregt sein, bis diese abgebaut sind (vgl. Gerrig,2008, S. 459).

Einflüsse

„Emotionen sind die Prüfsteine menschlicher Erfahrung. Sie bereichern unsere Interaktionen mit Mensch und Natur und verleihen unseren Erinnerungen Bedeutung.“ ( Gerrig, Zimbardo, 2008, S. 454).

Erinnert man sich an bestimmte Situationen oder Personen, so ist diese Erinnerung immer mit einem Gefühl verbunden. Entstanden durch die Abspeicherung im Gehirn unter damals gefühlten Emotionen. Der Forscher Gordon Bower setzte sich als erster mit diesem Phänomen auseinander. Durch Untersuchungen mit seinen Studenten, stellte er fest, dass dieser Kontext von Situation und Emotion gleichbleibend im Gehirn abgespeichert und wieder abrufbar ist. „Hinzu kommt, dass die Auslöser – also die Reize, die Emotionen verursachen- keineswegs biologisch vorprogrammiert sind, sondern völlig unabhängig passieren, keine zeitliche Konstanz aufweisen und darüber hinaus in ihrer Vielzahl unendlich sind.“ (Huber, 2013, S. 63).

Es gibt also nicht die eine Situation oder den bestimmten Reiz, der bei allen Personen eine bestimmte Reaktion auslöst. Jedes Individuum reagiert anders und in seiner eigenen Intensität auf bestimmte Situationen. Doch wie entstehen die Emotionen in diesen Situationen?

Dass jede Emotion durch einen bestimmten Gesichtsausdruck gekennzeichnet ist, wurde schon in Kapitel 2.1 erklärt, aber Emotionen treten nicht nur in der Gesichtsmuskulatur zu Tage, sondern sie lösen mehrere körperliche Reaktionen aus (z.B. Schweiß, Herzklopfen, Temperaturanstieg). Diese physischen Reaktionen, sollen den Körper in Bereitschaft setzen, sich mit dem Auslöser der Emotion auseinander setzen zu können.

Das Zusammenspiel zwischen Emotion und Körper findet nicht nur im Gehirn statt. Das sympathische und das parasympathische Nervensystem durchlaufen den gesamten Körper und reagiert auf bestimmte Reize um den Körper in Ruhe- oder Fluchtmodus zu versetzen. Das limbische System im Gehirn, ist der Sitz der Emotionsverarbeitung und dient unter anderem auch dem Langzeitgedächtnis für die Abspeicherung von Wissensinhalten und Situationen.

In dieser Hausarbeit wird ausschließlich auf die Entstehung von Ekel und Faszination eingegangen, da die Fülle an Informationen über alle Emotionen und Gefühle den Rahmen sprengen würden und für die anschließende Untersuchung nicht relevant sind.

Was ist Ekel?

Professor Paul Rozin von der Universität Pennsylvania definiert den Begriff folgendermaßen: „ Disgust is a fear of incorporating an offending substance into once body.” (Pinker,1999, S. 379). Ekel wird hauptsächlich durch Lebensmittel, Körperausscheidungen oder bestimmte Tiere hervorgerufen. Dies lässt sich durch Rozins Definition durchaus erklären, da die Angst seinem eigenen Körper Schaden zufügen zu können, meist durch verdorbene oder giftige Lebensmittel, gefährliche Tiere oder durch Ansteckung mit einer Krankheit durch Verunreinigung, eintreten kann. Diese Reaktion des Körpers kann soweit gehen, dass selbst Dinge die mit dem ekelerregenden Auslöser in Berührung kommen, für abstoßend angesehen werden.

„A disgusting objekt contaminates everything it touches, no matter how brief the contact, or how invisible the effects. (Pinker,1999, S. 380)“

Welche Lebensmittel oder Tiere dieses Empfinden verursachen, ist jedoch von Kultur zu Kultur und selbst innerhalb Familien unterschiedlich. Der Ekel vor Körperausscheidungen ist jedoch weltweit verbreitet und kann sich mehr oder weniger stark zeigen. Dieser begründet sich durch Angst vor Krankheiten, die durch eine Kontamination mit der Ausscheidung und dem eigenen Körper, eine Ansteckung verursachen könnte. Reize die eine Ekelreaktion auslösen, sind entweder haptisch, olfaktorisch oder gustatorisch wahrzunehmen.

Wie entsteht Faszination?

Faszination wird auch als euphorisches Interesse verstanden. Euphorie zählt zur Emotion Freude mit dazu und diese entsteht ebenfalls im limbischen System des Gehirns. Beim Empfinden von Freude ist das Belohnungssystem im Gehirn aktiv, dieses kann durch mehrere Faktoren beeinflusst werden. Der Sitz des Belohnungssystems ist im Mittelhirn, als Teil des limbischen Systems, man spricht auch vom mesolimbischen Belohnungssystem. Der Botenstoff des mesolimbischen Systems ist Dopamin. „Das Belohnungssystem ist also aktiv, wenn eine Belohnung erwartet wird. Es ist aktiver, wenn eine Belohnung besser ist als erwartet. Durch das Belohnungssystem wird Lernen gefördert und das erlernte Verhalten verstärkt.“ (Dehner-Rau, 2011, S. 52). In welcher Form eine Belohnung als diese gewertet wird, ist wiederum abhängig von der Vorerfahrung einer Person. Ist es jemand gewohnt, für geringe Leistung z.B. immer einen Geldbetrag oder Anerkennung zu bekommen, so wird die Dopaminausschüttung bei einer Belohnung dieser Art geringer ausfallen, als bei einer Person für die, dies eine Ausnahme darstellt. Nicht nur materielle oder physische Bestätigung, regen die Dopaminproduktion an, sondern auch außergewöhnliche Situationen oder Überraschungen. Dies kann zum Beispiel ein Witz, eine Begegnung mit freundlichen Personen, ein Urlaub oder ein gutes Essen sein. Auch hier liegt die Prägung, was als positiv gewertet wird in der Vorerfahrung der einzelnen Personen. Anders als der Ekel, wirkt die Freude ansteckend auf anwesende Personen, daher zählen auch die Heiterkeit, Zufriedenheit, Glück, Liebe, Begeisterung bis hin zur Ekstase zur Freude dazu.

Die Funktionen von den hier behandelten Emotionen Ekel und Freude sind somit in allen drei Teilbereichen der Motivation, der Sozialisation und der Kognition wiederzufinden. Die Motivation einer Person liegt unter der starken Beeinflussung, ob die Aufgabe eine Belohnung verspricht und somit Freude auslöst. Ekel kann Eigenmotivation stark hemmen. Ebenso beeinflusst die Freude und der Ekel die Sozialisation, durch das jeweilige Empfinden gegenüber einer Person. Wirkt diese abstoßend wird die Interaktion wohl nicht länger als nötig ablaufen, im Gegensatz zum Treffen mit einer freundlich wirkenden Person, bei der die Freude ansteckend wirkt. Die Kognition unterliegt den Emotionen, da mit Hilfe des limbischen Systems, die im Langzeitgedächtnis abgespeicherten Informationen immer mit einem spezifischen Gefühlszustand gekoppelt sind. Beim Wiedererleben oder abrufen einer bestimmten Situation, wird die damals prägende Emotion wieder neu durchlebt.

2.3. Bisherige Forschungen zu Emotionen

In diesem Kapitel der Hausarbeit sind verschiedene Untersuchungen über das Wie und Wo Emotionen entstehen aufgelistet. Das Gebiet der expliziten Emotionsforschung ist relativ jung, auch wenn es schon erste Theorien zwischen Emotionen und Lernen bei Platon, Aristoteles, Pestalozzi, Rousseau und Herbert zu finden sind, so betreffen diese meist mehr den Einsatz von Emotionen im pädagogischen Umgang mit Schülern, als die Erforschung von Emotionen im Spezifischen.

Der erste bekannte Fall bei dem eine deutliche Persönlichkeitsänderung und Emotionslosigkeit festgestellt wurde, liegt gerade mal 165 Jahre zurück.

Lage der Emotionen im Gehirn

Im Jahr 1849 hatte der Bauarbeiter Phineas Gage einen Unfall, bei dem ein Stahlrohr seinen Schädel durchbohrte. Dabei wurden große Teile seines Frontallappens zerstört. Er überlebte, doch seine Persönlichkeit änderte sich stark. Campbell schreibt, er wurde emotional verschlossen, ungeduldig und launisch. Durch diesen Fall und weitere Untersuchungen in späteren Jahrzehnten, bei Patienten mit einer Lobotomie (Durchtrennung der Verbindung von präfrontalem Cortex und limbischen System), konnte festgestellt werden, dass bei Verletzungen in diesen Bereichen des Gehirns, Intellekt und Gedächtnis intakt bleiben, aber Entscheidungsfindung und emotionale Reaktionen stark beeinträchtigt werden (vgl. Campbell, 2009, S. 1449).

Emotion-Reiz-Theorien

Es gibt verschiedene Theorien in welchem Einklang Emotionen und Körper stehen. So vertritt die James-Lange-Theorie den Ansatz, dass wir fühlen nachdem der Körper auf einen Reiz reagiert hat. „Nach dieser Theorie verursacht die Wahrnehmung eines Stimulus autonome Erregung und andere Körperreaktionen, die zum Erleben einer bestimmten Emotion führen.“ (Gehrig, 2008, S. 460). Auch die Forschungen von Richard Lazarus und Stanley Schachter unterstützen die kognitive Theorie, dass der Körper eine erste Reaktion auf einen Reiz zeigt und dann vom Verstand einer Emotion zugeordnet zu werden, die der Situation angemessen ist. Lazarus geht noch einen Schritt weiter und sagt, dass diese kognitive Bewertung starken Umwelt- und Erfahrungswerten unterliegt, so dass ähnliche Situationen mit ähnlichen Gefühlen bewertet werden. Dem gegenüber steht die Cannon-Bard-Theorie, welche durch Untersuchungen an Versuchstieren herausfand, dass diese selbst nach einer operativen Durchtrennung des viszeralen Systems vom zentralen Nervensystem, immer noch Emotionen zeigten. Diese Theorie besagt, dass ein Stimulus zwei gleichzeitige Reaktionen hervorruft (körperlich und emotional), welche sich aber nicht gegenseitig bedingen

(vgl. Gerrig, 2008, S. 460-461).

Emotionen und Bewusstsein

Beschäftigt man sich mit dem Themengebiet Emotionen und Gefühle, stößt man in der Fachliteratur fast immer auf den Namen Antonio Damasio. Er ist Neurowissenschaftler und beschäftigt sich seit mindestens 25 Jahren mit diesem Gebiet. Er ist der Erste, der eine ganzheitliche Theorie zu Emotion und Bewusstsein entwickelt hat. 2001 schrieb er das Buch Descartes- Irrtum und formulierte die These zu Cognito ergo sum von Descartes (Ich denke also bin ich) neu. Damasio wiederspricht Descartes nicht direkt, aber verweist darauf hin, dass es mehrere Wechselverhältnisse zu beachten gibt, als nur das zwischen Gehirn und Körper um einen Menschen zu kennzeichnen. Gehirn und Körper bilden einen unauflöslichen Organismus und dieser, steht wiederum im Wechselverhältnis zur Umwelt und nur durch beide Wechselverhältnisse entstammen die physiologischen Phänomene die als Geist bezeichnet werden. Dieser Austausch mit der Umwelt sind Emotionen und Gefühle und heben uns so von der einfachen Homöostase (Reiz-Reaktion-Verhalten) von z.B. einer Amöbe ab (vgl. Huber, 2013, S. 57-58). Er verdeutlicht außerdem, dass es kein Gefühl ohne vorrangegangene Emotion gibt und nur so in unser Bewusstsein aufgenommen werden kann. Nur durch körperliche Reaktionen können diese drei Faktoren (Emotion, Gefühl, Bewusstsein) entstehen, sie sind auf körperliche Reaktionen angewiesen (vgl. Huber, 2013, S. 77).

Anthropologische Forschung

Noch jünger als die Emotionsforschung im Allgemeinen ist die spezifische Emotionsforschung. Hier soll nicht auf jede einzelne Emotion eingegangen werden, sondern nur auf den für diese Arbeit relevanten Ekel und die Faszination.

Wie schon unter 2.2 erklärt, ist Ekel fast ausschließlich bei Lebensmitteln, Körperausscheidungen und Tieren zu finden. Die als nächstes aufgeführten Studien haben sich vor allem mit diesen Aspekten befasst.

Paul Rozin untersuchte in den letzten 25 Jahren, das Essverhalten von Menschen. Er entdeckte, dass es nur wenige Ausnahmen an Lebensmitteln gibt, die weltweit nicht als ekelerregend angesehen werden. Er stellte die Hypothese auf, dass das Essverhalten sich bei Kindern im Alter ab ca. elf Jahren (middle school age) festlegt. In diesem Alter schauen Kinder sich ihr Verhalten bei ihren Eltern ab und lernen so, was gut und was schlecht schmeckt und was man nicht essen sollte, da es einen eventuell krank macht. Das Empfinden von Ekel würde ebenfalls durch das gespiegelte Verhalten der Eltern erlernt werden, wenn diese ein betreffendes Objekt sehen.

Dieser Hypothese wiederspricht die Anthropologin Elisabeth Cashdan, die an der Universität Utah doziert und sich unter anderem mit dem menschlichen Verhalten im Laufe der Evolution befasst. Sie schreibt, dass die ersten zwei Jahre prägend für den späteren Geschmack eines Menschen sind, da nach dem dritten Geburtstag sich der Geschmack deutlich vermindert und bis in das Erwachsenenalter relativ gleich bleibend ist. Somit ist es sinnvoll den Kleinkindern eine möglichst abwechslungsreiche Ernährung anzubieten um sie später nicht zu Kostverächtern heran zu ziehen.

Steven Pinker, der in seinem Buch How the mind works, beide oben genannten Forscher und ihre Werke beschreibt, ist einer ähnlichen Auffassung wie Cashdan. Er widerspricht Rozin, da Kinder ab dem Krabbelalter ihre Eltern imitieren und nicht erst mit elf Jahren. Er entdeckte nur einen leichten Unterschied in der Ekelempfindung zwischen Kindern und Erwachsenen, der darin liegt, dass Erwachsene nicht mit „kontaminierten“ Objekten in Kontakt treten wollen, es aber Kindern nichts ausmacht diese zu berühren oder zu essen. Sein Beispiel war ein Getränk in dem vorher ein Grashüpfer getaucht wurde. Die Erwachsenen wollten nichts davon trinken, den Kindern war es egal (vgl. Pinker, 1999,S. 381).

Gesundheitserziehung

Bei der Auflistung von bisherigen Untersuchungen, sollte in diesem Rahmen die Arbeit von Antonovsky nicht fehlen. Er prägte den Begriff Salutogenese als Gegenstück zur bisher bekannten Pathogenese. Die Salutogenese beschäftigt sich damit, was einen Menschen gesund erhält, dagegen steht die Pathogenese für alles was einen krank machen kann. Für die Gesundheitsbildung in der Schulpraxis sind die Theorien zur Salutogenese äußerst wichtig und werden hauptsächlich im humanbiologischen Unterricht eingesetzt um Präventionsmöglichkeiten und einen gesunden Lebensstil den Schülern nahe zu bringen. Für das Verstehen des eigenen Körpers ist es unumgänglich sich mit der Anatomie auseinander zusetzen (vgl. Huber, 2009,S. 85).

Freude am Lernen

Schlägt man im Duden das Wort Faszination nach, bekommt man die Erläuterung: „ anziehende, fesselnde Wirkung; bezaubernde Ausstrahlung, Anziehungskraft“ (Duden online, 17.08.2014). Da Faszination zu den Gefühlen, welche aus Emotionen entstehen (siehe 2.1), zählt, gibt es keine relevante Forschung speziell zu ihr. Die positiven Emotionen die jedoch Faszination begründen, sind wie auch der Ekel, durch Vorerfahrungen und Situationsgebundenheit geprägt. Zur Emotion Freude gibt es aber Studien, von denen eine einen speziellen Bezug zum Lernen herstellt.

Csikszentmihalyi beschreibt in seinem Buch „Flow. Das Geheimnis des Glücks (2003)“, den spezifischen Gefühls- und Verhaltenszustand, der erreicht wird, wenn man völlig in einer Aufgabe aufgeht. Typisch für ein Flow-Empfinden (dt. fliesen) ist das Vergessen von Zeit und Raum während der fesselnden Aufgabe. Man verspürt kein Zeitempfinden mehr und registriert nicht was um einen herum geschieht. Es ist ein völliges Aufgehen in einer faszinierenden Aufgabe, die den gesamten Fokus der Person erhält.

Daraus lässt sich schließen, dass das Lernen, welches mit Motivation und Gedächtnisleistung verbunden ist, auch im Wechselverhältnis zu Emotionen steht. Diese Emotionen sind wiederum stark geprägt durch das Lernen am meist elterlichen Model in der frühen Kindheit. Welcher Auslöser für Ekel oder Faszination gilt, ist von Individuum zu Individuum verschieden und können durch Vorerfahrungen in bestimmten ähnlichen Situationen wieder erlebt werden. Für eine umfangreiche Gesundheitserziehung in der Schule, hat das Fach Biologie den größten Stellenwert, da hier humanbiologische Lerninhalte unterrichtet werden. Um den menschlichen Körper verstehen zu können, muss die Anatomie gelehrt werden. Inwieweit diese Unterrichtsmethode gestaltet wird, ist in den Abschnitten 3.1 und 3.2 beschrieben.

3. Unterrichtsmethoden

3.1 Sozial- und Arbeitsformen

Es gibt verschiedene Sozial- und Arbeitsformen um die Lerninhalte von humanbiologischen Unterrichtseinheiten zu vermitteln. Die Auswahl der jeweiligen Form unterliegt der Lehrperson und ist abhängig von unterschiedlichen Aspekten. So kann die Auswahl, durch Zeitmanagement, Stand der Klasse, Budgetbeträge, vorhandene Materialien und natürlich der persönlichen Vorliebe der Lehrperson für eine bestimmte Arbeitsweise beeinflusst werden. Wurden bereits positive Lernerfahrungen mit einer bestimmten Sozial- oder Arbeitsform gemacht, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie wieder angewendet wird.

Es gibt verschiedene Sozialformen, wie eine Unterrichtsstunde gestaltet werden kann. So schreibt Staeck (1995, S. 235): „ (…) die Konfrontation der Schüler mit denselben biologischen Frage- und Problemstellungen in unterschiedlichen Sozialformen ablaufen kann, wobei der Begriff Sozialformen in diesem Zusammenhang die Verteilung der Aktivitäten von Lehrer und Schülern sowie der Schüler untereinander meint “. Zu diesen Sozialformen gehören der Frontalunterricht, die Einzelarbeit und die Partner- oder Gruppenarbeit.

Frontalunterricht: Unter dem Begriff Frontalunterricht wird meist der Lehrervortrag verstanden, der sich als erklärende und aufzeigende Person vor der Klasse dem Thema widmet. Aber auch ein dialogisch fragend- entwickelnder Unterricht kann frontal stattfinden, wenn der Lehrer das Klassengespräch anleitet und zu einem bestimmten Ziel führt.

Einzelarbeit: Die Einzelarbeit wird durch eine Aufgabenstellung vorgegeben. Diese kann über ein Arbeitsblatt, eine Buchaufgabe oder eine frontale Anweisung erfolgen. Die Ergebnisse müssen wiederum überprüft werden, was entweder durch den Lehrer oder den Schüler in Eigenverantwortung geschehen kann.

Partner- oder Gruppenarbeit: Auch die Partnerarbeit erfordert eine Aufgabenstellung. Diese kann wie bei der Einzelarbeit auch, durch ein Arbeitsblatt, das Lehrbuch oder den Lehrer geschehen. Eine Ergebnisüberprüfung ist durch Selbst- oder Fremdüberprüfung möglich. Bei der Partner- oder Gruppenarbeit ist die Lautstärke im Klassenzimmer lauter, als bei Frontalunterricht oder Einzelarbeit. Bei der Gruppenarbeit empfiehlt sich eine Gruppengröße von nicht mehr als vier Personen, da sonst nicht mehr gewährleistet ist, dass sich alle Schüler einer Gruppe aktiv beteiligen.

Laut Staeck (1995, S.307) gibt dabei die Sozialform an, in welcher Organisationsform die Interaktionen ablaufen sollen.

Ist die Auswahl einer Sozialform für die Unterrichtsgestaltung entschieden worden, muss noch die geeignete Arbeitsform für die Erkenntnisgewinnung ausgesucht werden. Es stehen auch hierfür wieder verschiedene Arbeitsformen zur Auswahl. Da, in dieser Hausarbeit, das Thema humanbiologische Lerninhalte, durch das Lernen am Modell ist, wurden nur die Methoden ausgewählt die sich dafür eignen. Es wird nicht näher auf die Arbeitsform Praktikum, Exkursion oder Kurs eingegangen, da diese relativ untypisch für die Arbeitsform Sezieren und humanbiologische Lerninhalte sind. Zur Auswahl für humanbiologische Lerninhalte stehen die folgenden Arbeitsformen zur Verfügung: Das Arbeitsblatt, das Tafelbild oder der Overheadprojektor, das realgetreue Modell, das Buch oder das Sezieren.

Arbeitsblatt: Ein Arbeitsblatt sollte immer eine Frage- oder Problemstellung beinhalten, die es mit Hilfe der Angabe des Buches oder anderen, den Schülern zugänglichen Quellen, zu lösen gilt. Ein Arbeitsblatt wird meist in Einzel- oder Partnerarbeit gelöst. Die Gestaltung obliegt dem Lehrer. Anatomische Darstellungen sind zweidimensional und können zusätzliche Beschriftungen, sowie nachlesbare Erläuterungen beinhalten. Ein Arbeitsblatt bietet den Schülern eine dauerhafte Informationsquelle zum Nachlesen der Lerninhalte. Es kann auch zur Überprüfung von bereits gewonnenen Lerninhalten dienen.

Tafelbild oder Overheadprojektor: Anhand eines gutstrukturierten Tafelbildes können durch die Lehrperson bestimmte Wissensinhalte dargestellt werden. Entweder spricht das Tafelbild für sich oder es Bedarf einer Erläuterung. Das Tafelbild wird vom Lehrer entworfen und kann durch Schülerbeiträge ergänzt werden. Es bedarf aber einer Übertragung in das Arbeitsheft der Schüler um einen dauerhaften Nachweis für die Schüler zu erhalten. Folien für den Overheadprojektor können von bestimmten Verlagen vorgefertigt sein oder in Eigenarbeit vom Lehrer entworfen werden. Entweder sind sie ähnlich aufgebaut wie Arbeitsblätter oder sie beinhalten nur eine bestimmte Abbildung zur Demonstration. Auch hier ist für eine Festigung der Lerninhalte eine Übertragung der Aufschriebe oder Abbildungen von Vorteil. Die Darstellungen sind zweidimensional und können vergrößert präsentiert werden. Eine Interaktion mit der Lehrperson findet in diesem Fall, durch Frontalunterricht statt.

Realgetreues Modell: Für die genauere Betrachtung von anatomischen Zusammenhängen gibt es diverse Modelle aus Plastik oder Kunststoff. Auch selbstgebaute Modelle können die Funktionen des menschlichen Körpers veranschaulichen. Sie können vorgefertigt sein oder in Eigenleistung der Schüler gebaut werden. Dies geschieht meist in Partner- oder Gruppenarbeit. Bei der Betrachtung eines Modells können die verschiedenen Funktionen und Zusammenhänge in dreidimensionaler Optik dargestellt und erkundet werden. Die Herstellung eines Modells ermöglicht es sich schrittweise in die verschiedenen Bestandteile eines biologischen Sachverhaltes ein zu denken. Dies kann zu einer Vertiefung der Lerninhalte führen.

Buch: Das Lernen aus einem Buch ist nur in Einzel- oder Partnerarbeit sinnvoll. Die vorgegebenen Abbildungen sind immer zweidimensional und bedürfen bei Fragen, einer Erläuterung durch den Lehrer. Aufgabenstellungen sind im Unterricht oder als Hausaufgabe zu lösen, wobei die Antworten im dazugehörigen Text des Buches zu finden sein müssen. Es gibt auch die Möglichkeit eine Aufgabenstellung durch die Lehrperson zu erhalten und die Lösung in anderen, nicht für den Unterricht gestalteten Schulbüchern, also Fachbüchern zu suchen. Eine Sicherung der Ergebnisse muss durch die Lehrperson geschehen. Dies kann im Plenum, durch Einzelüberprüfung der Leistungen oder durch Selbstüberprüfung der Schüler mit bereitgestellten Lösungsblättern erfolgen.

Sezieren: Um den Schülern beim Sezieren eine gewisse Erkenntnisgewinnung zu gewährleisten, ist eine problemorientierte Aufgabenstellung notwendig. Vorab müssen Hygiene- und Unfallvorschriften erläutert werden. Das Sezieren im Unterricht findet ausschließlich an tierischen Organen statt und ist eine zeitintensive Arbeitsform.

Für das Lernen von anatomischen Zusammenhängen und Begriffen ist jede dieser Arbeitsformen denkbar. In dieser Arbeit liegt der Schwerpunkt jedoch auf dem Sezieren. Auffällig ist, dass in keinem der drei Biologiedidaktikbüchern (Staeck, Auer, Spörhase), welche an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg eingesetzt werden, ein Abschnitt über das Sezieren als Arbeitsform zu finden ist. Dies lässt darauf schließen, dass diese Arbeitsform in der Anwendung an Schulen nicht sehr weit verbreitet zu sein scheint und als neue Unterrichtsmethode anzusehen ist.

3.2 Vor- und Nachteile der jeweiligen Methode

Für die Auswahl einer bestimmten Arbeitsform zur Unterrichtsgestaltung, müssen die Vor- und Nachteile jeweils abgewogen werden. Diese können, je nach Thematik die im Unterricht behandelt werden soll, variieren. In dieser Hausarbeit werden die Vor- und Nachteile explizit am Thema Anatomie analysiert. Es können auch mehrere Arbeitsformen kombiniert werden, um eine gelungene Unterrichtseinheit zu gestalten.

Arbeitsblatt

Vorteile: Ein hoher Anteil an vorgefertigten Abbildungen und Skizzen zeichnet das Arbeitsblatt aus, so ist dieses zu jedem Zeitpunkt für die Schüler zum Nachlesen der erwünschten Informationen parat und in ihrem eigenen Lernmaterialbestand enthalten. Dies ermöglicht es ihnen, auch zu Hause Wissen aufzubereiten. Arbeitsblätter lassen sich schnell in großer Anzahl durch kopieren vervielfachen und bieten eine große Zeitersparnis, da in der Regel nur Lückentexte auszufüllen oder Einzelwörter durch die Schüler einzutragen sind. Dies ermöglicht eine schnelle Überprüfung der Ergebnisse. Auer (2009, S. 180) schreibt: „Die didaktische Funktion von Arbeitsblättern geht aber über die Sicherung hinaus und umfasst zusätzlich Information, Übung und Lernerfolgskontrolle.“ So können beim Thema Anatomie spezielle Abbildungen von Organen integriert und hervorgehoben werden. Spezielle Sachtexte können zur Informationsquelle werden und Beschriftungspfeile zum Beispiel eingefügt sein, die zur Überprüfung des Gelernten ergänzt werden müssen.

Nachteile: Die starke Reduzierung auf einfache Arbeitsweisen wie Ankreuzen, Unterstreichen und Ausfüllen, kann laut Auer auch negativ gewertet werden, da es die Individualität und Kreativität der Schüler hemmt und das Erlernen von anderen Arbeitsweisen zu kurz kommen lässt.

Tafelbild oder Overheadprojektor

Vorteile: Der Tafeleinsatz im Unterricht erweist sich in einigen Punkten als vorteilhaft im Vergleich zum Overheadprojektor. Das Abdunkeln des Raumes, die Stromversorgung und die längere Vorbereitungszeit fallen weg (außer es handelt sich um aufwendige Skizzen). Schüler können an der Gestaltung des Tafelbildes mitwirken. Generell entsteht ein Tafelbild über die gesamte Unterrichtsspanne und ist somit individuell an alle jeweiligen Fragen anpassbar. Probleme können Schritt-für-Schritt erklärt und gelöst werden. In der Regel sind zwei aufklappbare Seitentafeln vorhanden, auf denen z.B. weitere Erläuterungen oder Aufgabenstellungen angebracht werden können. Die meisten Tafeln sind magnetisch, dadurch können beschriebene Karten oder Modele aus Karton angebracht werden.

Auch der Overheadprojektor bietet viele Vorteile. So ist die Darstellungsgröße als auch die Helligkeitsstufe, je nach Bedarf verstellbar. In Biologieunterricht heute von Auer (vgl. 2009, S. 176) heißt es, dass sich die Lehrperson durch die Projektion einer Aufgabenstellung an die Wand einen besseren Rundumblick während der Erarbeitungsphase über die Klasse verschaffen kann. Es wird keine lange Vorbereitungszeit für die Erstellung der Folien benötigt und diese sind nach Belieben oft einsetzbar, sofern es sich um permanente Overheadfolien handelt. Die Schüler können für alle Klassenkameraden sichtbar und eigenständig Lösungen oder Ergänzungen eintragen. Durch die Reduzierung auf einen Aspekt oder ein Organ ist eine genauere und definierte Beobachtung und Erklärung möglich.

Nachteile: Die Tafel dient zur allgemeinen zweidimensionalen Darstellung für die eine leserliche Handschrift und klar erkennbare Zeichnungen benötigt werden. Damit der Tafelanschrieb für die Schüler als eine, permanente, nachlesbare Wissensquelle gilt, müssen die neugewonnenen Erkenntnisse in das Schülerheft genau übertragen werden. Dies bedarf eventuell einer weiteren zeitlichen Überprüfung durch die Lehrperson. Außerdem befindet sich die Lehrperson während der Erstellung des Tafelbildes überwiegend mit dem Rücken der Klasse zugewandt.

Der Inhalt der Overheadfolie muss ebenfalls in das Heft übertragen werden. Damit eine Übersichtlichkeit gewährleistet ist, sollte der inhaltliche Stoff auf ein Minimum, wie bei einem Arbeitsblatt, reduziert werden. Längere Erläuterungen sind für einen Abschrieb zeitlich im Unterricht nicht umsetzbar.

Beide Varianten bieten für die Schüler keine haptischen oder olfaktorischen Eindrücke, durch das zu betrachtende Organ. Hier werden Funktionen und Zusammenhänge auf das Wesentliche reduziert und nur schematisch dargestellt. Nur selten werden bei der Folie reale Aufnahmen eines Organs gezeigt.

Realgetreues Modell

Vorteile: Bei einem realgetreuen Modell ist es möglich das zu betrachtende Organ vergrößert oder verkleinert darzustellen. Es ist dreidimensional und bietet somit eine präzise Darstellung für das Verständnis. Auch die Funktionsweise von Organen kann modellhaft dargestellt werden, um so für die Schüler eine Überleitung zu bereits bekanntem Wissen aus dem Alltag zu gewährleisten. Auch die eigenständige Herstellung eines Modells während der Unterrichtseinheit durch die Schüler selbst ist eine mögliche Option und bietet daher eine schrittweise Erkenntnisgewinnung.

Nachteile: Organmodelle aus dem Handel sind teuer und nicht für alle Organe und in allen Schulen verfügbar. Für die Selbstherstellung ist ein nicht geringer Zeitaufwand nötig. Dies kann durch die Lehrperson in Heimarbeit geschehen oder durch die Schüler im Unterricht. Wenn eine Unterrichtsstunde für den Modellbau genutzt wird, bleibt keine Zeit mehr für weitere Erklärungen von Funktionen oder ähnlichem.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3.2.3 Realgetreues Model

In der Abbildung ist ein Polypenstumpf im Dünndarm zu sehen. Das Originalmodell stand zur Ausstellung in der Innenstadt von Schwäbisch Hall durch die Deutsche Darmkrebsforschungsgesellschaft (2011) und hatte eine Größe von zwei Metern Höhe und sechs Metern Länge. Die Passanten konnten somit durch einen vergrößerten aus Kunststoff bestehenden Dünndarmabschnitt in Röhrenform spazieren und mehrere krankhafte Wucherungen des Dünndarms besichtigen. Die eindrucksvolle Größe des Modells war verlockend für Passanten sich genauer über das Thema Darmkrebs zu informieren. Es ist denkbar für den Unterricht bei Vereinen oder Organisationen, die solche riesigen Modelle besitzen, für eine Besichtigung eine Anfrage zu stellen.

Buch

Vorteile: Ein Schulbuch beinhaltet laut Auer (vgl. 2009, S.178) jahrgangsstufengemäße Sachtexte, die auch zum Wiederholen und Nachschlagen geeignet sind, sowie reichhaltiges Anschauungsmaterial in Form von Abbildungen, Schemata und Skizzen. Ebenso sind zahlreiche Aufgaben, Anleitungen, Vorschläge zum praktischen Arbeiten im Freiland vorhanden und Zusammenfassungen der grundlegenden Begriffe und Erkenntnisse. Die Schüler einer Klasse besitzen in der Regel ein einheitliches Schulbuch, welches sie in jeder Stunde dabei haben. Es kann beliebig oft eingesetzt werden und eignet sich auch gut für die Hausaufgabenstellung. Die Lehrperson muss sich nur die gewünschten Aufgaben aussuchen ohne persönlichen Aufwand zu betreiben. Ein Schulbuch ist dem Lehrplan angepasst und bietet eine lernzielumfassende Nachschlagequelle. Die Aufgaben sind so gestellt, dass im dazugehörigen Text die Antwort zu finden sein muss.

Nachteile: Die Texte und Abbildungen sind vorgegeben und können nicht ausgetauscht werden. Das Buch ist meist nur in Einzelarbeit einsetzbar. Gelöste Aufgaben müssen im Plenum oder durch Einzelansicht kontrolliert werden. Die Aufgabenlösung erfordert kaum kreative oder kognitive Eigenleistung, da es sich meist um Abschreibarbeit handelt. Transferierende Aufgaben müssen durch die Lehrperson meistens ergänzt werden. Ob die Erläuterungen im Fließtext eines Buches, von allen Schülern verstanden worden sind, muss extra abgefragt werden.

Sezieren

Vorteile: Beim Sezieren gelangen die Schüler in direkten Kontakt mit den zu untersuchenden Organen und sehen diese in ihrer jeweiligen anatomischen Lage. Es ist eine Erfahrung die fast alle Sinne der Schüler beansprucht und dadurch eine bessere Merkfähigkeit gewährleistet. Durch den Einsatz von tierischen Organen kann Transferverstehen zur Anatomie von Säugetieren im Allgemeinen gebildet werden. Es dient der Erkenntnisgewinnung von Aufbau, Form und Funktion der Organe und wird meist in Partner- oder Gruppenarbeit durchgeführt, was den Dialog über die Untersuchung und den Austausch an Wissen fördert.

Nachteile: Die zu untersuchenden Organe müssen beschafft, gelagert und wieder entsorgt werden. Dies erfordert eine gute Organisation. Eine einführende Hygieneaufklärung für die Schüler ist unerlässlich. Eine Sicherung der Ergebnisse muss extra durchgeführt werden. Haben Schüler Ekel vor dieser Methode ist ein Lernerfolg fraglich. Auch sollten die Schüler vorab gefragt werden, ob eine Allergie gegenüber bestimmten Tierarten vorliegt.

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Ende der Leseprobe aus 114 Seiten

Details

Titel
Sektion tierischer Organe im Biologieunterricht. Wie beeinflussen die Emotionen der Lehrkraft die Unterrichtsmethode?
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
114
Katalognummer
V316495
ISBN (eBook)
9783668187801
ISBN (Buch)
9783946458579
Dateigröße
1710 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Organpräparate, Biologieunterricht, Sezieren von Organen, Humanbiologie, Sezieren als Unterrichtsmerhode, Lehreremotionen, Ekel, Furcht, Tierische Organe
Arbeit zitieren
Cora Schuppel (Autor), 2014, Sektion tierischer Organe im Biologieunterricht. Wie beeinflussen die Emotionen der Lehrkraft die Unterrichtsmethode?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316495

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