"Relativismus". Auf der Suche nach Wahrheit in Texten von Edmund Husserl und Joseph Kardinal Ratzinger


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

10 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitende Gedanken

2. Husserl und seine Zeit: Philosophiegeschichtlicher Hintergrund

3. Der Psychologismus als skeptischer Relativismus

4. Analyse und Diskussion

5. Joseph Ratzinger: Zur Lage von Glaube und Theologie heute

6. Analyse und Diskussion

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitende Gedanken

„Quid est veritas?“[1], wird Jesus bei seinem Strafprozess von seinem Peiniger, Pontius Pilatus gefragt. Was ist Wahrheit? Diese Frage beschäftigt uns seit Jahrhunderten. In der geschichtlichen Entwicklung der Erkenntnistheorie ist das Wort „Relativismus“ beinahe schon zu einem Kampfbegriff innerhalb der Philosophie, noch mehr aber in der Theologie geworden. Die Frage nach der objektiven Wahrheit ist essentiell für die Geisteswissenschaften, weil mit der objektiven und absoluten Wahrheit auch absolute und objektive Gewissheit einhergeht, nach der sich viele Menschen durchaus sehnen. Innertheologisch eng damit verknüpft ist auch die Frage nach dem Seelenheil. Dass dies nicht nur eine moderne Fragestellung ist, die uns heutige Menschen beschäftigt, zeigt schon ein neutestamentlicher Befund[2].

Mit Joseph Kardinal Ratzinger und Edmund Husserl werden in dieser Seminararbeit die Texte zweier Personen untersucht, die in ihrem Leben die Wahrheit gesucht haben. Zunächst wird auf den jeweiligen Text eingegangen, anschließend wird er analysiert und kritisch untersucht, um zum Schluss ein Fazit über einige Facetten des großen Themas „Relativismus“ ziehen zu können.

2. Husserl und seine Zeit: Philosophiegeschichtlicher Hintergrund

Edmund Husserl lebte Anfang des 20. Jahrhunderts und war Professor der Philosophie in Freiburg, wo er auch 1938 verstarb. Um 1900 war in der Erkenntnistheorie vor allem der Psychologismus[3] und der Historismus[4] vorherrschend, die Husserl als Begründer der Phänomenologie entschieden ablehnte (vgl. Brinkhoff 2009; Rath 2009). Ziel Husserls war es, die Philosophie wieder zur „strengen Wissenschaft“ zu machen, das heißt in seinem Sinne, sie wieder als reale Wissenschaft zu etablieren. Das heißt, das die Philosophie, nach Husserl, durchaus in der Lage ist und sein soll, objektiv gültige Aussagen zu treffen.

3. Der Psychologismus als skeptischer Relativismus

Im von uns zu untersuchenden Text beschäftigt sich Husserl hauptsächlich mit dem Psychologismus. Wir werden den Text mit seinen Argumenten zunächst vorstellen und anschließend werden wir den Text eingehend analysieren.

Husserl greift in seinem Text zunächst die Frage auf, was die Voraussetzungen für eine Theorie überhaupt sein können. Er nennt hier zwei zentrale Bedingungen: einerseits die noetischen Bedingungen (vgl. Husserl 1975, S. 119) und andererseits die logischen Bedingungen (vgl. Husserl 1975, S. 119 f.). Vereinfacht ausgedrückt sagt Husserl, dass man für eine objektive Theorie die geistige Fähigkeit benötigt, eine evidentes Urteil vom Vorurteil oder der Behauptung zu unterscheiden[5]. Die logischen Bedingungen hingegen referieren direkt auf die Voraussetzungen einer Theorie selbst. Diese braucht ihrerseits nämlich Begriffe, um überhaupt Theorie zu sein. „Die Leugnung dieser Gesetze ist also gleichbedeutend (äquivalent) mit der Behauptung, all die fraglichen Termini: Theorie, Wahrheit, Gegenstand, Beschaffenheit usw. entbehrten eines konsistenten Sinnes. Eine Theorie hebt sich in dieser objektiv-logischen Hinsicht auf, wenn sie in ihrem Inhalt gegen

die Gesetze verstößt, ohne welche Theorie überhaupt keinen „vernünftigen" (konsistenten) Sinn hätte.“ (Husserl 1975, S. 119f.)

Skeptizismus ist nach Husserls Definition jene Richtung, die von einer erheblichen Einschränkung der Erkenntnisfähigkeit ausgeht, vor allem im Bereich von Ethik und Metaphysik, aber auch von Naturwissenschaft (vgl. Husserl 1975, S. 120). Er beschreibt diese Form des Skeptizismus als „ unechte Form“ (Husserl 1975, S. 121), und ordnet den Psychologismus eben unter dieser Richtung des Denkens ein[6]. Richten wir unseren Augenmerk nun auf den Relativismus wie Husserl ihn versteht. Das Postulat des Relativismus definiert er wie folgt: „Alle Wahrheit ist relativ – relativ zu dem zufällig urteilenden Subjekt“ (Husserl 1975, S. 122) . Er unterscheidet ferner zwischen individuellem und spezifischen Relativismus (vgl. Ebd.)

[...]


[1] Joh 18,38

[2] Vgl. 1. Kor 15,13;32

[3] Psychologismus ist die Vorstellung, dass Wahrheit eine subjektive Wahrnehmung ist, die in den Gefühlen eines Menschen entsteht – so wird eine objektive Wahrheit, die unabhängig ist vom wahrnehmenden Subjekt, innerhalb dieser Theorie abgelehnt.

[4] Historismus vertritt die erkenntnistheoretische Ansicht, dass Wahrheit immer geschichtlich ist, daher kann sich die Wahrheit von logischen Aussagen durchaus mit der Zeit ändern – auch hier wird objektive Wahrheit abgelehnt, sie findet sich jeweils in der geschichtlichen Epoche.

[5] „[…] fehlte ihm bei allen Urteilen die Evidenz, die sie von blinden Vorurteilen unterscheidet, und die ihm die lichtvolle Gewißheit [sic!] gibt, nicht bloß für wahr zu halten, sondern die Wahrheit selbst zu habe — so wäre bei ihm von einer vernünftigen Aufstellung und Begründung der Erkenntnis, es wäre von Theorie und Wissenschaft keine Rede.“ Husserl 1975, S. 119 .

[6] „Aus dem Satze: ‚Alle Erkenntnis ist subjektiv‘ wird nun die total neue Behauptung: ‚Alle Erkenntnis als Bewußtseinserscheinung [sic!] untersteht den r Gesetzen menschlichen Bewußtsein [sic!] was wir Formen und Gesetze der Erkenntnis nennen, sind nichts weiter als ‚Funktionsformen des Bewußtseins [sic!]‘ bzw. Gesetzmäßigkeiten dieser Funktionsformen psychologische Gesetze.‘“ (Ebd.)

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Details

Titel
"Relativismus". Auf der Suche nach Wahrheit in Texten von Edmund Husserl und Joseph Kardinal Ratzinger
Hochschule
Universität Salzburg  (Systematische Theologie)
Veranstaltung
15STV0102: Dogmatische Wissensformen in Geschichte und Gegenwart (Was ist Relativismus?)
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
10
Katalognummer
V316529
ISBN (eBook)
9783668160064
ISBN (Buch)
9783668160071
Dateigröße
741 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Joseph Kardinal Ratzinger, Husserl, Ratzinger, Wahrheit, objektiv, Relativisums, innertheologisch, Philosophie, Theologie
Arbeit zitieren
Simon Löschke (Autor), 2016, "Relativismus". Auf der Suche nach Wahrheit in Texten von Edmund Husserl und Joseph Kardinal Ratzinger, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316529

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