Die RAF als Mythos und Pop-Phänomen


Hausarbeit, 2004
15 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Geschichte der RAF
2.1 Die erste Generation

3. Die RAF als Pop-Phänomen
3.1 Kleidung, Fotos, Fashion
3.2 Filme, Musik, Literatur

4. Mythos RAF
4.1 Mord oder Selbstmord?

5. Gründe für das Phänomen

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Wir haben die Konfrontation gegen die Macht gewollt. Wir sind Subjekt gewesen, uns vor 27 Jahren für die RAF zu entscheiden. Wir sind Subjekt geblieben, sie heute in die Geschichte zu entlassen.“[1]

Mit diesen Worten erklärte sich die Rote Armee Fraktion im März 1998 nach fast drei Jahrzehnten bewaffneten Kampfes für aufgelöst. Doch wirklich beendet und in die Geschichte entlassen scheint sie nicht zu sein. Die Anschläge gegen das System in Deutschland sind zwar vorbei, doch zumindest die Aufregung um das Thema RAF ist geblieben. Denn seit dem Jahr 2001 ist die ehemalige Terrororganisation präsenter denn je. In Filmen, Literatur und vor allem in Mode-Boutiquen feiert der Linksterrorismus eine schillernde Wiederkehr als Pop-Phänomen und hat einen regelrechten „RAF - Hype“ bei Jugendlichen, die zur aktiven Zeit der Roten Armee Fraktion teilweise noch gar nicht geboren waren, hervorgerufen.

Poster und Aufkleber des RAF-Emblems, Fahndungsplakate der ehemaligen Terroristen und weitere Fan - Artikel sind im Internet sehr gefragt. Slogans, wie „Prada Meinhof“ oder „RAF-Parade“ auf T-Shirts und anderen Kleidungsstücken, und Modefotos, auf denen Andreas Baader in seiner Blutlache liegend, als Fashion - Held betitelt wird, gelten in der Modeszene als Trend, sorgen hingegen bei der Generation, die den Terrorismus in Deutschland miterlebt hat, für Aufruhr und Empörung.

Und auch in den USA ist die RAF als Mode Erscheinung aktuell. Das amerikanischen Magazins „Eye Mag“ spekuliert derzeit darüber, ob bei BMW steigende Verkaufszahlen zu erwarten sind, da das Akronym Baader-Meinhof-Wagen bedeutet.[2]

„RAF goes Pop. Die Historisierung des bewaffneten revolutionären Kampfs mündet in seine postmoderne Ästhetisierung. Politik wird zum Zitat, Leidenschaft zur Coolness, Klassenkampf zum Kult: Mörder werden Mode. Der Mythos vom Kampf der ‚sechs gegen sechzig Millionen’ lebt. ‚Fetischisierung’ und ‚Verdinglichung’ waren die soziologischen Begriffe gewesen, mit denen die Revolutionäre von einst diesen bizarren‚ gesellschaftlichen Prozess’ bezeichnet hatten, der sie nun zu Comicfiguren macht.“[3]

Was die RAF war, was sie wollte, was sie tat, rückt in den Hintergrund.

Die Arbeit soll einerseits einen Überblick der Geschichte der Roten Armee Fraktion, von ihrer Entstehung 1970 bis zu ihrer Auflösung 1998, geben. Dieser Aspekt wird in Abschnitt 2 behandelt werden. Der Hauptteil jedoch – Kapitel 3 und 4 – wird sich mit der RAF als Modephänomen und Mythos im Zeitraum 1998 bis 2004 beschäftigen. Anhand von Zeitungsartikeln, Aufsätzen und gestellten Modefotos aus diversen Magazinen soll gezeigt werden, wie sich die RAF zum Pop-Phänomen entwickelt hat. In Kapitel 5 sollen die Gründe für das Phänomen beleuchtet, und die die Fragen beantwortet werden, wie und ob sich die Faszination für das Thema Terrorismus erklären lässt, und was zur Mythenbildung führte. Wie kann es sein, dass eine terroristische Organisation, die für den Tod zahlreicher Unschuldiger verantwortlich ist, plötzlich als Pop gilt?

Außerdem soll der Frage, ob sich der Terror-Kult nach dem 11. September 2001 verändert hat, nachgegangen werden.

Weiterhin soll untersucht werden, welche Rolle bei dem Thema die Medien spielen. Vermarkten sie die RAF? Wenn ja, wird Terrorismus durch diese Art von Vermarktung verharmlost? Ist Terror-Kult gefährlich?

Und schließlich soll beantwortet werden, ob der RAF-Trend noch etwas mit Politik zu tun hat.

Zunächst stellt sich allerdings die Frage, wer die Rote Armee Fraktion war und welche Ziele sie hatte.

2. Die Geschichte der RAF

Die sechziger und siebziger Jahre in der Bundesrepublik Deutschland waren geprägt von Protestaktionen - überwiegend von Studenten - gegen den Staat. Die Forderungen begannen mit hochschulpolitischen Themen, weiteten sich jedoch mehr und mehr aus und mündeten in den Ruf nach einer radikalen Umgestaltung der bestehenden Verhältnisse. Die in den Nachkriegsjahren groß gewordene Generation kritisierte aus neomarxistischer Sicht die bürgerliche Demokratie und die kapitalistische Warenwelt. Diskussionen über die Legitimität des Widerstandes und der Gewalt schlossen sich an, zumal diese auch in anderen westlichen Industriegesellschaften geführt wurden. Damit wurde der Idee des gewaltsamen Aufbegehrens gegen die bestehende Ordnung ihr Tabucharakter genommen und gewann an allgemeiner Akzeptanz. Viele fühlten sich zum bewaffneten Widerstand gegen den Unrechtsstaat geradezu verpflichtet.[4]

Die anfangs noch harmlosen Studentendemonstrationen führten 1968 zur Bildung einer linksextremistischen militanten Terrororganisation: Der Roten Armee Fraktion (RAF). Für diese galt der Staat als Klassenfeind, der die Bevölkerung unterdrückt und ausbeutet. Um der Ungerechtigkeit entgegenzutreten, sah die RAF keine andere Möglichkeit, als Gewalt einzusetzen. Die Empörung über das verhasste System, die Nazi-Vergangenheit vieler Politiker und Wirtschaftsführer sowie die Duldung der Grausamkeiten des Vietnamkriegs seitens der Bundesregierung führten von 1970 an zu zahlreichen Gewaltakten in Form von Attentaten, Entführungen und Überfällen. Die RAF entwickelte das „Konzept Stadtguerilla“, ein Plan zum Befreiungskampf:

„Stadtguerilla zielt darauf, den staatlichen Herrschafts-apparat an einzelnen Punkten zu destruieren, stellenweise außer Kraft zu setzen, den Mythos von der Allgegenwart des Systems und seiner Unverletzlichkeit zu zerstören.“[5]

Nach der Verhaftung der Gründungsmitglieder der Roten Armee Fraktion im Jahre 1972 konzentrierte sich der Kampf hauptsächlich auf Aktionen zur Freipressung der Inhaftierten. So wurde unter anderem der Berliner Kammergerichts-präsident Günter von Drenkmann ermordet und der CDU-Politiker Peter Lorenz entführt. Außerdem überfiel eine Gruppe von RAF-Anhängern die deutsche Botschaft in Stockholm. Dabei starben zwei Botschaftsangehörige und zwei Terroristen.

Den Höhepunkt der Terrorwelle bildete der so genannte Deutsche Herbst im Jahr 1977. In diesem Jahr wurden Generalbundesanwalt Siegfried Buback und der Vorstandsvorsitzende der Dresdner Bank, Jürgen Ponto von Terroristen ermordet. Auch Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer wurde von einem Kommando der RAF gekidnappt. Außerdem entführten palästinensische Terroristen, die mit der Roten Armee Fraktion verbündet waren, ein Lufthansa-Flugzeug auf dem Weg von Mallorca nach Frankfurt mit 82 deutschen Urlaubern und 5 Besatzungsmitgliedern an Bord. Der Flugkapitän wurde von einem der Entführer getötet, die restlichen Passagiere jedoch nach vier Tagen befreit. Dabei starben drei der vier Terroristen.

Auf Grund der gescheiterten Flugzeugentführung begingen die Gründer der Baader-Meinhof-Bande in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim kollektiven Selbstmord. Sie hatten sich, trotz des eigens zur Terrorbekämpfung eingeführten Kontaktsperregesetztes, verständigen können und es geschafft, Waffen in ihre Zellen einzuschmuggeln.

Daraufhin wurde auch Schleyer, der mittlerweile 43 Tage Gefangener der RAF war, hingerichtet.

Zwar wird der Deutsche Herbst als Hochphase des deutschen Terrorismus bezeichnet, doch gab es auch in den nachfolgenden Jahren zahlreiche schwerwiegende Anschläge, Entführungen und Ermordungen - so unter anderem die Tötung des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, 1989, und des Treuhandchefs Detlev Karsten Rohwedder, 1991. Der letzte Anschlag der Roten Armee Fraktion galt der Justizvollzugsanstalt Weiterstadt im März 1993. Durch 200kg Sprengstoff wurde das gerade neu errichtete Gebäude zerstört; Der Sachschaden betrug 100 Millionen DM.

Im Jahr 1998 ging schließlich ein achtseitiges Schreiben bei der Nachrichtenagentur Reuters ein, in dem die RAF ihre endgültige Auflösung verkündete.

2.1 Die erste Generation

Zu den Gründern der Roten Armee Fraktion gehörten unter anderem der 1943 in München geborene Andreas Baader, die Hamburger Journalistin Ulrike Meinhof und die Pfarrerstochter Gudrun Ensslin. Obwohl die RAF insgesamt über 100 Mitglieder zählte, gehören sie auch noch fast 30 Jahre nach ihrem Tod zu den Hauptpersonen, wenn es um das Thema Terrorismus in Deutschland geht.

[...]


[1] [http://autox.nadir.org/archiv/raf/raf_ende.html], ([20.08.04]).

[2] [http://www.eyemag.com/]

[3] [Reinhard] [Mohr]: „[Die Prada-Meinhof-Bande]“, [Spiegel Online] ([27.02.02]).

[4] Vgl. [Peter] [Waldmann]: [Terrorismus]. [Provokation der Macht], [Bonn] [1998], [S.77].

[5] [Stefan] [Aust]: [Der Baader Meinhof Komplex]. [München] [1998], [S. 647].

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die RAF als Mythos und Pop-Phänomen
Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V31659
ISBN (eBook)
9783638325868
ISBN (Buch)
9783638865968
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mythos, Pop-Phänomen
Arbeit zitieren
Annika Hoffmann (Autor), 2004, Die RAF als Mythos und Pop-Phänomen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31659

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