Der Sklave in der plautinischen Komödie. Eine Betrachtung des Stücks "Epidikus"


Hausarbeit, 2015

10 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Plautus‘ „ fabula palliata

3. Plautus Einstellung zur Sklaverei
3.1. Der plautinische Bühnensklave
3.2. Die geforderte Freilassung

4. Plautus‘ Epidikus
4.1. Die Akropolis -Intrige
4.2. Die Miles -Intrige
4.3. Die Fidicina -Intrige

5. Conclusio

6. Bibliographie
6.1. Quelle
6.2. Literatur

1. Einleitung

Bevor irgendeine Aussage über Plautus und seine Stücke getroffen werden kann, ist zu betonen und deutlich hervor zu heben, wie wenig über ihn wirklich gesichert ist. So gut wie alles an und um Plautus ist umstritten. Weder über seinen Namen Titus Maccius Plautus, Lebensdaten (geb. um 250-184 v. Chr. in Sarsina)1, Bestand der Stücke (nicht weniger als 130 Komödien), Textüberlieferungen und seinen Umgang mit griechischen Originalen haben wir gesicherte Angaben, zu wenig ist durch direkte Zeugnisse überliefert worden und abgestützt.2

2. Plautus‘ „ fabula palliata “

Mit Sicherheit kann man sagen, dass Plautus einer der Hauptvertreter der fabula palliata war, d. h. dem Übertragen von griechischen Komödien in lateinische Stücke, die in griechischem Gewand, dem pallium, aufgeführt wurden und die Schauspieler an Stelle der Masken nur mehr Perücken trugen.3

Plautus ging recht freizügig mit den Vorbildern aus der Neuen Komödie der Griechen um. Zum einen versuchte er Form und Inhalt teilweise beibehalten, schnitt diese aber auf sein römisches Publikum zu, wollte er ihm doch gefallen und es zum Lachen bringen. Dies will er mit der Einführung neuer Szenen und Intrigen und der Erweiterung oder Verkürzung der griechischen Vorbilder erreichen.4

So „[…] lacht die plautinische Komödie lauthals und oft reichlich grob“5 gerne über die Graeculi, die Griechlein, waren die Griechen für die meisten doch die etwas albernen Leute. Plautus schrieb über Dinge, die dem römischen Publikum zumeist recht fern lagen, machte sich lächerlich und riss Witze über eine ‚Phantasiewelt‘, die nicht jene der Zuschauer war.6

3. Plautus Einstellung zur Sklaverei

Wenn man nun auf die Frage eingeht, wie Plautus‘ Sicht auf die Sklaverei war und wie diese seine Werke beeinflusst hat, kann man aufgrund mangelnder Informationen kaum Bezug auf sein Leben nehmen. Die wichtigste Quelle zu Plautus stellt Aulus Gellius‘ „ Noctes Atticae “ (Attische Nacht) dar. Gellius schreibt hier, Plautus‘ habe durch Arbeiten beim Theater Geld erworben, dieses aber anscheinend bei Handelsunternehmen eingebüßt. Deshalb musste er als Müllersknecht schwere Arbeit leisten, wo er dennoch nebenbei drei seiner Stücke geschrieben hat.7 „Diese Erzählung ist seit langem [aber] Gegenstand heftiger Kontroversen.“8

Als gesichert nimmt man zwar an,

„[…] daß Plautus der unteren städtischen Gesellschaftsschicht angehörte, keinen einflußreichen patronus hatte und gezwungen war, seinen Lebensunterhalt durch literarische Arbeit zu verdienen […]“9.

Daraus und aus anderen Einzelheiten des Lebens des Dichters, wie aus seiner angeblichen Arbeit in der Mühle, „[…] sichere Schlüsse auf seine Stellungnahme zur Sklaverei abzuleiten“10, erscheint aber zu dürftig. Deshalb verzichtet beispielsweise Peter Spranger in seinem Werk „ Historische Untersuchungen zu den Sklavenfiguren des Plautus und Terenz “ darauf, orientiert an Plautus‘ Lebensschicksal, Vermutungen über seine Einstellung zur Sklaverei anzustellen, sondern hält sich rein an die Werke des Autors, da alleine diese sicheren Aufschluss in dieser Frage gewährleisten.11

3.1. Der plautinische Bühnensklave

So fällt auf, dass der Bühnensklave bei Plautus, als servus callidus (schlauer, kluger, verschlagener Sklave) auftritt und oftmals der eigentliche Held des Stückes ist. Dies ist speziell dann der Fall, „[…] wenn er wie ein ‚deus ex machina‘ [(Gott der List)] in den verwickelten Gang der Handlung eingreift und als der vielgewandte ‚architectus doli‘ [(Baumeister der Täuschung)] alle Fäden der Intrige in seiner Hand vereinigt […].“12

Zum Teil wird in der Literatur dieses gewitzte und teilweise betrügerische Verhalten des plautinischen Sklaven fälschlicherweise auf Armut und schlechte Behandlung zurückgeführt. Es ist aber zu berücksichtigen, dass im Bühnensklaven kein Vertreter des armen Volkes zu sehen ist. Dieser hat im Normalfall nämlich nicht Hunger leiden müssen oder Mangel an Kleidung zu beklagen gehabt, vielmehr versteht er sich gut darauf sein peculium (Privatvermögen) auf erlaubte und unerlaubte Weise zu vermehren. Spranger schreibt hierzu, dass in Wirklichkeit andere Beweggründe dem Verhalten des Sklaven zu Grunde liegen. Demgemäß sollen vor allem „[…] Furcht vor Bestrafung, Absicht zu helfen und spontane Freude am listigen Anschlag“13 das Handeln des Sklaven leiten.14

3.2. Die geforderte Freilassung

Teilweise findet sich in der Literatur die These, der plautinische Sklave richte sein ganzes Handeln rein auf das Ziel der Freilassung hin aus, was aber als unhaltbar zurück gewiesen werden kann. So sind in der plautinischen Komödie „das Streben nach Freiheit und die schließliche Freilassung durchaus nicht der Regelfall“15 und am Ende keines Stückes werden die Worte der Freilassung: „Und frei erklär‘ ich alle meine Knechte“16 gesprochen. Es handelt sich stets um eine Ausnahmesituation, eine besondere Belohnung einzelner Sklaven. Ebenso spricht gegen die These des Strebens nach Freilassung, dass nicht in jedem Stück die gebotene Freiheit angenommen wird.17

In den plautinischen Komödien ist zu beobachten, dass die Verdienste des Sklaven zu bewerten sind, immerhin helfen sie ihrem Herren ganz aus eigener Kraft aus einer ausweglosen Situation. Auf Grund der besonders verdienten Dankbarkeit, scheint die Freilassung des Sklaven nun als angemessene Belohnung. Spranger schreibt hier zu, dass die gewitzte Charaktereigenschaft des plautinischen Sklaven hohe Wertschätzung von Seiten des Publikums erfährt, gönnte dieses dem vielgewandte Ganoven den Erfolg. Es forderte eine befriedigende Art der Anerkennung, was die Freilassung des Sklaven war. Weitere Charaktereigenschaften wie die stark ausgeprägte Willenskraft und Zielstrebigkeit, welche verhindert, dass er in die „[…] Rolle des Intriganten wider Willen gedrängt wird[.]“18 Auf jeden Fall „[…] hätten es die Zuschauer als unbillig empfunden, wenn ‚der Hauptlieferant von komischen Situationen, Verwickelung und Späßen‘ am Ende ohne Belohnung ausgegangen wäre. In jedem Fall aber sicherte die Freilassung des Sklaven einen wirkungsvollen Abschluß der Komödie.“19

4. Plautus‘ Epidikus

Zu Recht ist das ganze Stück nach dem Sklaven Epidikus, welche die Hauptrolle übernimmt, benannt, so bezieht dieses seinen Witz und seine spritzige Handlungsführung aus den wendigen Taten dieses Dieners. Nahezu das gesamte Stück scheint dazu ausgelegt zu seine die Schläue und Findigkeit Epidikus ‘ zu demonstrieren, sind es doch zwei Hauptintrigen, von Epidikus getragen, die die Handlung des Stückes bestimmen. Beides Mal geht es darum Stratippokles, dem Sohn Epidikus ‘ Herren Periphanes, den Kaufpreis für ein Mädchen zu beschaffen, in welches er verliebt ist. Dies gelingt Epidikus beide Male auf Kosten seines Herren und Stratippokles ‘ Vater Periphanes.20

4.1. Die Akropolis -Intrige

Stratippokles hatte sich, bevor er in den Krieg gegen Theben ziehen musste, in eine Lautenspielerin namens Akropolis verliebt. Mit Briefen wies er Epidikus dazu an, Geld aufzutreiben und diese zu kaufen, damit der verliebte Soldat nach der Rückkehr mit ihr zusammen sein kann. Dies gelingt dem Diener auch, und zwar indem er sie seinem Herren Periphanes als leibliche Tochter, welche er wirklich hatte, unterschob.21

[...]


1 Karl-Heinz Bareiß, Comoedia. Die Entwicklung der Komödiendiskussion von Aristoteles bis Ben Jonson, Frankfurt a. M. 1982, S.149.

2 Gregor Maurach, Kleine Geschichte der antiken Komödie, Darmstadt 2005, S. 62ff.

3 Maurach, Kleine Geschichte, S. 63.; Bareiß, Comoedia, S. 146.

4 Bareiß, Comoedia, S. 149f.

5 Maurach, Kleine Geschichte, S. 63.

6 Ebd.

7 Maurach, Kleine Geschichte, S. 62f.; Peter P. Spranger, Histsorische Untersuchung zu Sklavenfiguren des Plautus und Terenz (Abhandlunden der geistes- und sozialwissenschaftlichen Klasse, Nr. 8), Mainz 1961, S. 90f.

8 Spranger, Sklavenfiguren, S: 91.

9 Ebd.

10 Ebd.

11 Ebd.

12 Ebd., S. 92.

13 Spranger, Sklavenfiguren, S. 95.

14 Ebd.

15 Ebd.

16 Ebd., S. 96.

17 Ebd.

18 Ebd., S. 97.

19 Spranger, Sklavenfiguren, S. 97f.

20 Thomas Baier, Griechisches und Römisches im Plautinischen Epidicus, in: Studien zu Plautus‘ Epidicus, hrsg. v. Ulrike Auhagen, Tübingen 2001, S. 15f.

21 Ebd., S. 16.

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Details

Titel
Der Sklave in der plautinischen Komödie. Eine Betrachtung des Stücks "Epidikus"
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Alte Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar Alte Geschichte
Note
2
Autor
Jahr
2015
Seiten
10
Katalognummer
V316626
ISBN (eBook)
9783668165892
ISBN (Buch)
9783668165908
Dateigröße
636 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sklave, Sklaverei, Plautus, Epidikus, Alte Geschichte, Commedia dell'Arte
Arbeit zitieren
Claudia Zocchi (Autor:in), 2015, Der Sklave in der plautinischen Komödie. Eine Betrachtung des Stücks "Epidikus", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316626

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