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Kleider machen Leute? Über das Kleidungsverhalten von Studenten

Titel: Kleider machen Leute? Über das Kleidungsverhalten von Studenten

Hausarbeit , 2013 , 20 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Daniel Armbrüster (Autor:in)

Ethnologie / Volkskunde
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Kleider machen Leute, diese These wird als zutreffend vorausgesetzt. Die Zweideutigkeit in dieser Aussage ist nicht ganz offensichtlich. In der vorliegenden Arbeit spielen allerdings beide Bedeutungen durchweg eine wichtige Rolle: die Selbstwahrnehmung zum einen, zum andern die Fremdwahrnehmung.

Die Wahrnehmung, die andere von mir haben und die Wahrnehmung, die nach meiner Ansicht die anderen von mir haben sowie die Wahrnehmung, wie ich mich selbst sehe, unterscheiden sich meist voneinander. Deswegen finden wir manchmal ein Bild von uns unschön, das unsere Freunde als sehr treffend beschreiben. Da wir im Alltag stets Menschen treffen, die wir nicht kennen, müssen wir sie möglichst schnell einschätzen. Wieso müssen wir sie überhaupt einschätzen? Dieser Beurteilungsprozess ist schon ziemlich alt und beruht im Kern wohl auf dem einfachen Trieb zu überleben. Stellt mein Gegenüber eine Gefahr dar oder ist er ein Freund? Ob Freund oder Feind muss so schnell wie möglich geklärt werden. Dieser Mechanismus ist so alt wie der Mensch selbst, hat aber in der heutigen Gesellschaft nicht mehr den ursprünglichen überlebensnotwendigen Sinn. Wir wissen bereits, dass unser Gegenüber uns nicht umbringen wird - es bleibt aber die Frage, ob er Freund oder Feind ist. Demnach versuchen wir zu überprüfen, ob er Gemeinsamkeiten mit uns teilt, ob wir der gleichen Gruppe angehören, wir versuchen zu kategorisieren. Jemand ist uns sympathisch, der uns ähnlich ist. Kommt jemand aus dem gleichen Ort wie man selbst, so ist er uns bereits sympathischer als eine Person, die wir vielleicht ebenso lange kennen, die aber woanders herkommt.

Was nun Kleider mit Leuten „machen“, ist von Individuum zu Individuum verschieden. Des Weiteren ist die Wahrnehmung abhängig von mindestens zwei Personen. Je nachdem wer, mit welchen Kleidern, wem gegenübertritt, weicht die Wirkung der Kleidung stark voneinander ab.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einführung

Die Macht der Kleidung

Exkurs: Stereotypisierung durch Induktion

„Habitus“ nach Norbert Elias und Pierre Bourdieu:

Fachspezifische Studentenkleidung?

Einführung in die Studie:

Stereotypen

Interviews

Geisteswissenschaften

Naturwissenschaften

Sport

Jura

Kunst

Psychologie

Medizin

BWL/VWL

Informatik/Physik

Ethnologie/Soziologie/Philosophie

Methodenreflexion

Schlusswort

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das verbreitete Phänomen, ob und inwieweit fachspezifische Kleiderordnungen bei Studenten existieren und wie stark gesellschaftlich verankerte Stereotypen die gegenseitige Wahrnehmung beeinflussen. Dabei wird insbesondere beleuchtet, wie Kleidung als Symbolik fungiert und inwiefern Selbst- und Fremdzuschreibungen die Identitätsbildung im studentischen Alltag prägen.

  • Analyse der Macht der Kleidung und ihrer kommunikativen Funktion
  • Untersuchung von Stereotypen in verschiedenen akademischen Fachrichtungen
  • Erforschung des reziproken Verhältnisses zwischen Identität und Kleiderwahl
  • Anwendung qualitativer Forschungsmethoden mittels narrativer Interviews
  • Diskussion des Konzepts des „Habitus“ nach Bourdieu und Elias

Auszug aus dem Buch

Einführung

Montagmorgen in Freiburg auf dem Weg zur Universität. An der Johanneskirche steigen einige Leute in die Bahn ein. Darunter eine junge Lady, geschätzte 20 Jahre, Perlenohrringe, pink-weiß gestreiftes Hemd von Ralph Lauren, eine RayBan Hornbrille und eine Longchamp Handtasche in der Armbeuge. „Guck mal, eine Jurette“, sagt ein Freund zu mir. Eine Jura Studentin, eindeutig.

Nach einem kurzen Gespräch jedoch stellte sich heraus, sie studiert Medizin. Doch wie kam es zu dem Trugschluss, sie würde Jura studieren? Ein Produkt von Stereotypisierung? Handelt es sich dabei um alltägliches Schubladendenken? Was gibt es für Klischees bezüglich Studentenkleidung? Wie tief sind diese Stereotypen in der Gesellschaft verankert?

Kleider machen Leute, diese These wird als zutreffend vorausgesetzt. Das Grundlagenverständnis für diese Aussage soll kurz näher gebracht werden:

Die Zweideutigkeit in dieser Aussage ist nicht ganz offensichtlich. In der folgenden Arbeit spielen allerdings beide Bedeutungen durchweg eine wichtige Rolle: die Selbstwahrnehmung zum einen, zum andern die Fremdwahrnehmung. Wenn ich einen Anzug trage, fühle ich mich anders, als wenn ich eine Jogginghose trage (Innensicht – Selbstwahrnehmung), zudem habe ich eine Vorstellung von dem, wie die anderen mich wahrnehmen (ebenfalls Innensicht – Selbstwahrnehmung). Die Wahrnehmung, die andere von mir haben und die Wahrnehmung, die nach meiner Ansicht die anderen von mir haben sowie die Wahrnehmung, wie ich mich selbst sehe, unterscheiden sich meist voneinander. Deswegen finden wir manchmal ein Bild von uns unschön, das unsere Freunde als sehr treffend beschreiben.

Zusammenfassung der Kapitel

Einführung: Der Abschnitt führt in die Thematik der Kleidung als soziales Kommunikationsmittel ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Existenz fachspezifischer Studentenkleidung.

Die Macht der Kleidung: Es wird die gesellschaftliche Bedeutung von Kleidung analysiert und der kognitionswissenschaftliche Hintergrund der Stereotypisierung durch Induktionsprozesse erläutert.

„Habitus“ nach Norbert Elias und Pierre Bourdieu: Das Kapitel verknüpft die soziologischen Begriffe der Distinktion und des Habitus mit dem Erscheinungsbild und der Identität von Individuen.

Fachspezifische Studentenkleidung?: Hier werden die Hypothesen der Arbeit formuliert und das Wechselspiel zwischen Kleiderwahl und Identitätszuschreibung in der studentischen Welt hinterfragt.

Interviews: Dieser Abschnitt beschreibt das methodische Vorgehen bei der Datenerhebung anhand narrativer Interviews mit Studenten verschiedener Fachrichtungen.

Stereotypen: Eine zusammenfassende Einleitung zu den folgenden Analysen der jeweiligen Fachbereiche, die betont, dass keine starren Richtlinien existieren.

Geisteswissenschaften: Das Kapitel charakterisiert Geisteswissenschaftler als Gruppe ohne spezifisches Berufsfeldzwang, was Raum für individuelle Entfaltung lässt.

Naturwissenschaften: Die Untersuchung zeigt auf, wie das Studium aus reinem Interesse oder mit Hinblick auf den Lehrberuf die Kleiderwahl beeinflusst.

Sport: Der Sportstudent wird als lässig und funktional gekleidet beschrieben, wobei die Jogginghose als quasi-uniformes Erkennungsmerkmal dient.

Jura: Juristen gelten als Paradebeispiel für ein klassisches Stereotyp, geprägt durch formelle Kleidung wie Anzüge und Hemden, bedingt durch den Wunsch nach Seriosität im späteren Berufsfeld.

Kunst: Hier steht die Individualität im Vordergrund; die Kleiderwahl dient der bewussten Abgrenzung und dem Ausdruck von Kreativität.

Psychologie: Die Psychologiestudenten bilden eine heterogene Gruppe, bei der das eigene Wohlbefinden und die fachspezifische Rolle als „Menschenkenner“ thematisiert werden.

Medizin: Mediziner fallen durch Markenkleidung und Accessoires auf, wobei ein Trend zur „Hipster“-Ästhetik bei gleichzeitigem Bewusstsein für den sozialen Status erkennbar ist.

BWL/VWL: In diesem Bereich finden sich Parallelen zu den Juristen, da die Wirtschaftsfächer das Thema Geld und Macht symbolisch widerspiegeln.

Informatik/Physik: Das Kapitel analysiert das „Nerd“-Stereotyp, seine Transformation durch Medien wie die „Big Bang Theory“ und die Abkehr von der Klischeebildung nach dem Studium.

Ethnologie/Soziologie/Philosophie: Diese Gruppe wird als „Alternative“ identifiziert, die sich bewusst vom Konsumsystem und dem Erscheinungsbild klassischer Berufsgruppen distanziert.

Methodenreflexion: Der Autor kritisiert das eigene Vorgehen, reflektiert suggestive Fragestellungen und bewertet die Qualität der erhobenen Daten.

Schlusswort: Zusammenfassend wird festgestellt, dass es keine eindeutigen „typischen“ Studenten gibt, sondern lediglich Tendenzen, während Kleidung weiterhin als essenzielles Symbol für Identität fungiert.

Schlüsselwörter

Studentenkleidung, Stereotypisierung, Habitus, Identität, Selbstwahrnehmung, Fremdwahrnehmung, qualitative Forschung, soziale Distinktion, Fachkultur, Symbolik, Akademisches Milieu, Kleiderordnung, Prestige, Soziologie, Kognition

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Kleidungsverhalten von Studenten und der Frage, ob sich bestimmte Studienfächer durch spezifische Kleidungsstile charakterisieren lassen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind die soziale Funktion von Kleidung, der Einfluss von Stereotypen auf unsere Wahrnehmung sowie die Identitätskonstruktion in akademischen Milieus.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, ob es eine unausgesprochene, fachspezifische Kleiderordnung gibt und inwieweit die Identität eines Studenten durch Fremdzuschreibungen in Form von Kleider-Klischees geprägt wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Der Autor nutzt die Methode des narrativen Interviews nach Mayring, um subjektive Sichtweisen von Studenten verschiedener Fachrichtungen in ihrem alltäglichen Umfeld (der Bibliothek) zu erfassen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse spezifischer Fachrichtungen (u.a. Jura, Sport, Informatik, Medizin) und deren jeweilige Klischees sowie eine methodische Reflexion der Forschungsarbeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Studentenkleidung, Stereotypisierung, Identität, Habitus, soziale Distinktion und die Symbolik von Kleidung im Kontext von Selbst- und Fremdwahrnehmung.

Warum wird im Buch zwischen „Berufssituation“ und „Freizeit“ unterschieden?

Diese Unterscheidung wird als methodischer Ansatz genutzt, um zu prüfen, ob die Kleiderwahl in Abhängigkeit vom Kontext (Uni-Campus vs. Freizeit/Bibliothek) variiert und wie sich dies auf die stereotype Einordnung auswirkt.

Welche Rolle spielt der Begriff „Nerd“ in der Informatik-Analyse?

Der „Nerd“ dient als Paradebeispiel für ein stark klischeebehaftetes Bild, das durch populärkulturelle Einflüsse wie „The Big Bang Theory“ jedoch eine zunehmende positive Umdeutung erfährt.

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Details

Titel
Kleider machen Leute? Über das Kleidungsverhalten von Studenten
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Institut für Volkskunde)
Veranstaltung
Seminar aus dem Bereich Grundbedürfnisse: Leute machen Kleider/Kleider machen Leute - Textilmarkt und Modebranche im Fokus der Kulturanalyse
Note
1,3
Autor
Daniel Armbrüster (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V316793
ISBN (eBook)
9783668163553
ISBN (Buch)
9783668163560
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kleider Kleidung Kleider machen Leute Studenten Mode Kleidungsverhalten Gesellschaftsanalyse
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Daniel Armbrüster (Autor:in), 2013, Kleider machen Leute? Über das Kleidungsverhalten von Studenten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316793
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  20  Seiten
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