Mit dem M.O.B.I.L.I.S.-Programm der Krankenkasse gegen Übergewicht und Adipositas


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Übergewicht und Adipositas
2.1 BMI – Body-Mass-Index
2.2 Definitionen
2.3 Übergewicht und Adipositas bei der deutschen Bevölkerung
2.4 Ursachen
2.5 Folgeerscheinungen

3 M.O.B.I.L.I.S. – das Schulungsprogramm für stark übergewichtige Erwachsene
3.1 Historie des M.O.B.I.L.I.S. – Programms
3.2 Organisationsstruktur und Partner
3.3 Programmablauf
3.4 Ergebnisse

4 M.O.B.I.L.I.S. Light

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einführung

„Jeder zweite Erwachsene in Deutschland hat Übergewicht“ titelt das Statistische Bundesamt in einer Pressemitteilung vom 05.11.2014 (Destatis 2014, o.S.). Die Aussage bezieht sich auf 2013 erhobene Daten. Vergleicht man die Zahlen von 1999 mit denen von 2013, so kann man feststellen, dass 1999 nur 56% der Männer und 40% der Frauen von Übergewicht betroffen waren. Das macht 48% der Bevölkerung Deutschlands in der Zeit aus. 2013 sind es schon 52% der Gesamtbevölkerung (62% der Männer und 43% der Frauen) (ebd.).

Dieser fortlaufende Trend wird begünstigt durch unsere Moderne Gesellschaft. Das Setting Schule beispielsweise ist geprägt von langem Sitzen und wenigen Bewegungspausen. Auch Menschen an Büroarbeitsplätzen leiden häufig an Bewegungsmangel. Unterstützt wird diese Minderbewegung durch eine Infrastruktur, die es uns ermöglicht kaum noch Wege zu Fuß gehen zu müssen. Viele Menschen benutzen täglich ihr Auto, um selbst kleine Wege zu erledigen. Neben den Bewegungsmangel, als ein Grund für das Übergewicht, spielt die Ernährung eine wichtige Rolle. Die Deutschen essen immer ungesünder, laut einer Forsa-Studie im Mai 2006 (Forsa Institut 2006). „Die Untersuchung zeigt, dass ein negativer Trend, der in Amerika etwa ein halbes Jahrhundert gebraucht hat, sich in Deutschland innerhalb kürzester Zeit ausbreitet“, so das Forsa Institut. Zwar gaben die meisten Befragten an, dass ihnen ihr Gewicht wichtig sei, jedoch ist die Verlockung nach einer schnellen Mahlzeit meist zu groß. Eine ausgewogene Ernährung wird mehr und mehr durch Fast Food verdrängt (ebd.).

Aus diesem negativen Trend der Entwicklung hin zum Übergewicht, ergeben sich weitreichende Folgen für das Gesundheitssystem. Die Krankenkassen haben eine Vielzahl von Programmen ins Leben gerufen um dem entgegenzuwirken. Nach dem Punkt 2, Übergewicht und Adipositas, soll auf das Programm mit dem Namen „M.O.B.I.L.I.S. – Das Schulungsprogramm für stark übergewichtige Erwachsene“ eingegangen werden.

2 Übergewicht und Adipositas

Übergewicht und Adipositas sind zwei Begriffe die im unterschiedlichen Ausmaße ein erhöhtes Körpergewicht bei Menschen bezeichnen.

2.1 BMI – Body-Mass-Index

Der Body-Mass-Index (BMI), zu Deutsch auch Körpermasseindex (KMI), bezeichnet das Verhältnis zwischen der Körpergröße und dem Körpergewicht. Der BMI wird berechnet, indem das Körpergewicht in Kilogramm durch die Körpergröße in Meter zum Quadrat geteilt wird (BMI = m/l²) (Lawrenz 2005) Dabei kann jedoch nicht zwischen Muskel- und Fettgewebe differenziert werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstellte eine Klassifikation zum BMI bei Erwachsenen. Dabei wird in Untergewicht, Normalgewicht, Übergewicht und Adipositas klassifiziert, welche teils Unterklassifizierungen enthalten, wie in der Abbildung X zu sehen ist. Mit zunehmenden BMI-Werten steigt auch das Risiko für Begleiterkrankungen (WHO 2008).

Tab. 1: Gewichtsklassifikationen bei Erwachsenen nach der WHO (Stand 2008)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Definitionen

Übergewicht und Adipositas lassen sich als einen übermäßigen Fettanteil der Körpermasse definieren und beginnen oft schon im Kindes- und Jugendalter. Dabei ist zu vermerken, dass diese beiden Begriffe nicht gleichgestellt sind. Übergewichtige haben einen etwas geringeren Fettanteil als adipöse Menschen. Adipöse Menschen besitzen einen Fettanteil im verstärkten Ausmaße. Übergewicht und Adipositas werden über den Body-Mass-Index diagnostiziert. Personen die übergewichtig sind wird ein BMI von 25 – 30kg/m² zugeordnet, wohingegen adipöse Erwachsene Body-Mass-Index 30 – 40 kg/m² haben, wie der Tabelle 1 entnommen werden kann (Berg, 2014a, S. 212f.).

2.3 Übergewicht und Adipositas bei der deutschen Bevölkerung

Das Robert Koch Institut veröffentlicht jährlich eine Gesundheitsberichterstattung. Dafür werden meist über 20.000 Deutsche über 18 Jahre, zu differenzierten gesundheitsspezifischen Themen befragt (Robert Koch Institut, 2013).

Im Jahr 2009 führte das Institut eine Gesundheitsstudie durch, worin unter anderem das Übergewicht und die Adiposität der Bevölkerung untersucht wurden. Demnach leiden mehr Männer an Übergewicht (43,4%) als Frauen (29,2%). Die Häufigkeit der Adipositas unterscheidet sich zwischen den Geschlechtern nicht (Männer: 16,3% - Frauen 15,7%). Demnach sind 60% der Männer und 45% Frauen übergewichtig oder adipös. Mit steigendem Alter nimmt die Häufigkeit, davon betroffen zu sein zu. Vergleicht man die Ergebnisse nach Regionen, ist bei den Frauen in Thüringen und Sachsen-Anhalt eine signifikant hohe Betroffenheit bzgl. Adipositas, im Gegensatz zum restlichen Land, zu vermerken. Wobei es bei Männern keine signifikanten Unterschiede gibt (Robert Koch Institut, 2009, S. 100ff.).

2.4 Ursachen

Unterschiedliche Faktoren spielen dabei eine Rolle. Der primäre Fundus liegt hierbei meist am Lebensstil und am Ernährungsverhalten. Übergewichtige oder adipöse Menschen haben nicht nur eine erhöhte Energiezufuhr aufgrund der Menge der Nahrungszunahme, vor allem ist die Energiedichte von Relevanz. Fettreiche Nahrungsmittel besitzen eine deutlich höhere Energiedichte. In Kombination mit verstärkter Inaktivität führt dies zu einer positiven Energiebilanz, welche langfristig schon bei 1-2% über dem täglichen Bedarfs zur Adipositas führen (Zwiauer 1998). Dies führt zur enormen Einlagerungen von Fettgewebe. Dessen Ausmaße unterliegen weiteren unterschiedlichsten Einflussfaktoren, wie Genetik, Umwelt, familiäres Umfeld und dem Freizeitverhalten (Lawrenz, 2005, S. 12f.).

2.5 Folgeerscheinungen

Übergewicht und Adipositas gelten als sogenannte Risikofaktoren. Diese werden als „spezifische Verhaltensweisen, Umwelteinflüsse und Körpermerkmale, die krankmachend auf den menschlichen Organismus einwirken“ (Weineck, 2010, S. 636) bezeichnet. Die beiden genannten Risikofaktoren stehen jedoch nicht im direkten Zusammenhang mit einer erhöhten Sterblichkeitsrate, ziehen jedoch gewisse Folgeerscheinungen mit sich. Nichtsdestotrotz zählen Übergewicht und Adipositas als Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes mellitus (Hurrelmann et al., 2010).

Bei dem Typ-2-Diabetes produziert die Bauchspeicheldrüse ausreichend Insulin, der von den Körperzellen jedoch nicht wahrgenommen wird, der Zucker gelangt nicht in die Zellen. Die Bauchspeicheldrüse produziert zum Ausgleich bis zur Erschöpfung Insulin (Kardionet, o.J.).

Die häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind Herzinsuffizienz, koronare Herzkrankheit (KHK) und Herzinfarkte. Im selben Atemzug mit der koronaren Herzkrankheit, muss das metabolische Syndrom genannt werden, welches auch als das „tödliche Quartett“ bezeichnet wird. Charakterisiert wird es durch folgende Faktoren (Hermann et al., 2010, S. 37):

- Bluthochdruck
- Zuckerstoffwechsel – Typ-2-Diabetes
- Fettleibigkeit (Bauchfett)
- Fettstoffwechselstörung (Erhöhung der Very Low Density Lipoproteins bei gleichzeitiger Erniedrigung der HDL-Lipoproteine)

Ohne eine Lebensstilveränderung sind die Ursachen und Erkrankungen ein Kreislauf der sich mit der Zeit verstärkt.

Die folgende Tabelle stellt Krankeheiten dar, die mit Übergewicht und Adipositas in Verbindung gebracht werden.

Tab.2: Krankheiten die mit Übergewicht und Adipositas assoziiert werden (Hurrelmann et al. 2010)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3 M.O.B.I.L.I.S. – das Schulungsprogramm für stark übergewichtige Erwachsene

Aus den oben genannten Punkten wird deutlich, dass ein dringender Handlungsbedarf in Bezug auf das Übergewicht der deutschen Bevölkerung besteht. Desweiteren ist die ambulante Adipositasprävention und -therapie im Sozialgesetzbuch unter dem §20 und dem §43 Abs. 1 Nr. 2 festgeschrieben. Damit verpflichten sich Krankenkassen diesem Problem anzunehmen.

Auf dieser Basis entstand auch das Schulungsprogramm für stark übergewichtige Erwachsene - M.O.B.I.L.I.S.. Ausgeschrieben steht M.O.B.I.L.I.S. für M ultizentrisch O rganisierte B ewegungsorientierte I nitiative zur L ebensstiländerung I n S elbstverantwortung. Das Programm wurde speziell für eine Zielgruppe von Menschen mit einem Bodenmaßindex zwischen 30-40 kg/m² entworfen. Außerdem müssen diese älter als 18 Jahre alt sein und einen Adipositas assoziierten Risikofaktor, wie Diabetes Typ 2, Fettstoffwechselstörungen oder Bluthochdruck, aufweisen. Ausschlusskriterien für die Teilnahme am Programm sind:

- allgemeingültige Kontraindikatoren gegen körperliche Belastung
- Diabetes Typ 1
- Leber- und Nierenschaden mit Indikation zur Eiweißrestriktion
- Einnahme von Psychopharmaka, Abmagerungsmitteln und Appetitzüglern
- Magenband, Magenbypass etc.
- bösartige Tumorerkrankungen mit krankheitsfreiem Zustand weniger als 5 Jahre (Berg, 2014b)

Die Teilnehmer werden von qualifizierten und geschulten Fachkräften über ein Jahr begleitet. Dabei ist „Bewegung und Sport“ nur einer der vier Kompetenzbereiche des Programmes. Desweiteren geht es um die Kompetenzen: „Psychologie und Pädagogik“, „Ernährung“ und „Medizin und Gesundheit“ (ebd.).

3.1 Historie des M.O.B.I.L.I.S. – Programms

Das M.O.B.I.L.I.S.- Programm ging einer ersten Ideensammlung verbunden mit sportmedizinischen Ansätzen, im September 2001, voraus. Im Mai 2002 konkretisierten sich die vorangehenden Grundvorstellungen und es kam zur Bildung einer Projektgruppe. Diese setzte sich aus dem Universitätsklinikum Freiburg, Abteilung Rehabilitative und Präventive Sportmedizin (vertreten durch Prof. Dr. Aloys Berg) und der Deutschen Sporthochschule Köln, Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin (vertreten durch Univ.-Prof. Dr. Hans-Georg Predel) zusammen. Gemeinsam erarbeiteten sie eine Formulierung des Konzepts. Demnach gilt das Jahr 2002 als Gründungsjahr des M.O.B.I.L.I.S. - Programms. Im Jahr darauf wurden Expertenteams gebildet, welche sich mit der ersten Erarbeitung von Schulungsmodulen auseinandersetzten. Damit das Programm finanziell realisierbar ist, wurde im Oktober 2003 eine Rahmenvereinbarung mit der BARMER (hieß damals noch nicht BARMER GEK) getroffen. Nachdem das inhaltliche und wirtschaftliche Fundament gelegt wurde, starteten im Januar 2004 die ersten Modellgruppen in Freiburg (Breisgau) und Ratingen. Nachdem diese Modellgruppen das einjährige Programm beendeten, wurde der Ablauf reflektiert und Ende des Jahres in der 1. M.O.B.I.L.I.S.-Schulung in Freiburg verbessert. Sodass zu Beginn des Jahres 2005 bundesweit Gruppen mit dem M.O.B.I.L.I.S.- Programm für stark übergewichtige Erwachsene teilnahmen (Berg, 2014b, S. 10). Anderthalb Jahre später erfuhr das Programm erste Anerkennung und wurde mit der Auszeichnung „RUFZEICHEN GESUNDHEIT!“ geehrt (Stiftung Rufzeichen Gesundheit, o.J.). Die Stiftung Rufzeichen Gesundheit verfolgt den Gedanken, das Bewusstsein der Menschen für die Gefahren des Metabolischen Syndroms (das Zusammentreffen von Übergewicht, Bluthochdruck sowie Fett- und Zuckerstoffwechselstörungen, ausgelöst durch Überernährung und mangelnde Bewegung) zu sensibilisieren. Nach den jüngsten Erfolgen wurde 2007 eine Konzeption entwickelt, dessen Zielgruppe auf leicht übergewichtige Erwachsene aufbaut. Das M.O.B.I.L.I.S. light beruht dabei auf den wesentlichen Kernzielen des fest etablierten sportmedizinischen Schulungsprogramm M.O.B.I.L.I.S.. Aufgrund der gesamten Entwicklung verlängerte die BARMER ihre Zusammenarbeit im selben Jahr. Im Jahr 2011 beendete man die Kooperation mit Prof. Dr. Aloys Berg (Sportmedizin, Uniklinik Freiburg) und führte stattdessen eine Kooperationsstudie mit der Universität Konstanz und der BARMER GEK durch. 2013 fand die Gründung des Deutschen Netzwerks Adipositas (D.N.A.) statt (Berg, 2014b, S. 10).

3.2 Organisationsstruktur und Partner

Das Programm M.O.B.I.L.I.S. läuft unter der Obhut eines gemeinnützigen Vereins (M.O.B.I.L.I.S. e.V.). Neben der M.O.B.I.L.I.S. – Zentrale mit dem Sitz in Freiburg gibt es noch etwa 90 weitere Standorte in Deutschland, die eine optimale Betreuung der Teilnehmer garantieren sollen. Insgesamt wird das Programm jedoch zentral koordiniert und organisiert. Neben Sponsoren und weiteren Fachverbänden gibt es auch über 70 M.O.B.I.L.I.S. – Paten, zumeist Bundestags- oder Europaabgeordnete bzw. Landesminister etc. (Berg, 2014b).

Da das Programm nichtkommerziell sein soll, steht ihm auf Seiten der Krankenkassen die BARMER GEK zur Seite. Daraus ergibt sich, dass die Kursgebühr zu großen Teilen erstattbar ist. Ohne Unterstützung durch die Krankenkasse belaufen sich die Kosten für das einjährige Programm auf insgesamt 785,00 Euro. Bei einer regelmäßigen Teilnahme von mindestens 75 Prozent werden jedoch 685,00 Euro erstattet, wodurch lediglich 100,00 Euro Eigenbeteiligung entstehen. Die Krankenkasse zahlt allerdings nur, wenn auch eine ärztliche Notwendigkeitsbescheinigung vorliegt (ebd.).

3.3 Programmablauf

Das M.O.B.I.L.I.S. – Programm erstreckt sich in der Regel über 12 Monate. Wie in der Abbildung X, dem musterhaften Terminkalender für 2015, zu sehen ist kann sich je nach der Lage der Feiertage das Programm auf 12,5 Monate strecken. Dieser Zeitraum ist in drei Phasen gegliedert. Jede Phase besteht aus:

- Arztvisiten,
- Bewegungseinheiten (begleitend durch Sportwissenschaftler oder Sportlehrer),
- Gruppensitzungen (begleitend durch Diplom Psychologen oder Diplom Pädagogen)
- und Aufgaben für Zuhause.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Mit dem M.O.B.I.L.I.S.-Programm der Krankenkasse gegen Übergewicht und Adipositas
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V316799
ISBN (eBook)
9783668160200
ISBN (Buch)
9783668160217
Dateigröße
854 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Adipositas, Übergewicht, M.O.B.I.L.I.S., MOBILIS, BMI, Bodey-Mass-Index, Ursachen Übergewicht, Folgen von Übergewicht
Arbeit zitieren
David Till (Autor), 2015, Mit dem M.O.B.I.L.I.S.-Programm der Krankenkasse gegen Übergewicht und Adipositas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316799

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