Das individuelle Smartphone für jeden? Ein Essay zur funktionellen und symbolischen Bedeutung von Smartphones


Essay, 2013

9 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Das individuelle Smartphone für jeden

Fazit

Literatur

Institut für Volkskunde

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Mobile Alltagstechnologien, - Umgang mit tragbaren Geräten WS 2012/

Verfasser: Daniel Armbrüster

Das individuelle Smartphone für jeden

Dienstagmorgen: ich sitze in der Straßenbahn in Freiburg Richtung Universität. Ein lauter, schriller Klingelton reißt mich aus meinen Gedanken. Die junge Frau mir gegenüber nimmt ab, sie ist stolze Besitzerin eines Samsung S2, ein Smartphone. Nachdem das Telefonat beendet ist, wissen nun circa fünf wildfremde Menschen einiges mehr über Marie und ihre Freundin Co- rinna. Die nächsten 12 Minuten Bahnfahrt verbringt Marie vor ihrem hochauflösenden Alles- könner. Ich selbst bin auch mit dem Strom der Entwicklung geflossen und besitze solch ein Mo- bilgerät. Überall und immer erreichbar sein, alles googlen können, Wikipedia immer griffbereit, sämtliche Übersetzungs-Apps und unvorstellbar viele Alltagshelfer stets parat zu haben ist ein enormer Fortschritt. Und meine Emails beantworte ich auch während der Bahnfahrt, anstatt mich mit dem Sitznachbar zu unterhalten. Doch sollen die beigelieferten Einschränkungen und Erwei- terungen des sozialen Lebens in dieser Arbeit nur angeschnitten werden.

Vielmehr soll es um das Individuum und den individuellen Umgang mit der Persönlichkeitser- weiterung Smartphone gehen. Man könnte die aufkommende Frage nach Individualisierbarkeit plump ungefähr so formulieren: „In wie weit gestatten einem Smartphone-Hersteller, in das vor- definierte System einzugreifen und dem Gerät eine individuelle, sprich einzigartige, Note zu verleihen?“.

Ein Smartphone ist der ständige Begleiter im heutigen Alltag. Etwas so Gewohntes, Allgegen- wärtiges trägt zweifelsohne auch zur Identitätsbildung bei. Betrachten wir das Medium nach McLuhan als „Erweiterung von uns selbst“1. Da beispielsweise unser Gehirn nicht in der Lage ist, sich die Fülle an anstehenden Terminen zu merken, externalisieren wir, das heißt wir nehmen unseren Gedanken - sei es zum Beispiel ein Termin - aus dem Gehirn heraus und „stecken“ ihn quasi in eine Kalender-App. Dabei wird das Gehirn entlastet. Bei dieser Betrachtung wird klar, wieso diesen Geräten eine so große Rolle beigemessen wird: Niemand will gerne auf eine positi- ve Erweiterung, sprich Verbesserung, verzichten, wieso auch? Einige Aspekte, die weniger of- fenkundig sind, werden dabei allerdings außer Acht gelassen. Darauf komme ich im Folgenden unter dem Stichwort „digitale Demenz“ zurück.

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit möchte ich versuchen, anhand einer qualitativ orientierten Forschung von drei Versuchspersonen eine Quantifizierung herauszuarbeiten und somit aufbauend auf meinen Erfahrungen in einem hermeneutischen Verfahren einige Benutzertypen oder Kategorien zu definieren.

Wie wird das Smartphone benutzt? Zu welchem Zweck? Von wem? Wie viele Möglichkeiten stehen dem Einzelnen zur Verfügung? Auf diese Leitfragen möchte ich näher eingehen.

Die Literatur zu Smartphones nimmt täglich zu. Ein aktuelles, noch nicht durchdrungenes The- ma. So beschäftigen sich viele mit dem Thema der Mediendemenz, da unter den vielen Vorteilen der Begleiter meist die Nachteile oder negativen Aspekte ignoriert werden: Werden zu viele Dinge, mit denen wir vorher ohne „Helfer“ zurechtkamen, über eine größere Dauer nur noch mit dem Hilfsmedium getätigt, so stumpft das Gehirn ab. Man könnte sagen es funktioniert nach einem Faulheitsprinzip, das heißt es arbeitet immer nur so viel, wie es muss. Bei dem Abstumpfen von Funktionen durch zu starke Entlastung spricht Manfred Spitzer von Digitaler Demenz2. Desweiteren wird der Umgang mit und in in der Gesellschaft als zentraler Aspekt bearbeitet. Wie ändert sich das soziale Verhalten der Kinder, Jugendlichen, Erwachse- nen? Durch die Vielfältigkeit an Benutzungsmöglichkeiten sind sämtliche Altersgruppen betrof- fen. So sprechen die einen davon, dass es einen Verlust des sozialen Verhaltens gäbe, da selbst in kleineren Freundeskreisen - beim gemütlichen Beisammensein, dem Besuch in der Kneipe, dem gemeinsamen Mittagessen - stets das Smartphone dabei ist, ja teilweise sogar auf dem Tisch liegt, Facebook nebenher „gecheckt“ wird, ob es Neuigkeiten gibt, Emails und SMS beantwortet werden und so weiter. In der Straßenbahn ist kaum jemand ansprechbar, da jeder auf sein 4 Zoll Display starrt. So zeigen viele Umfragen, dass sich im Schnitt nur sehr wenige trauen, jemanden anzusprechen, der gerade mit seinem Smartphone beschäftigt ist. Es könnte immerhin etwas Wichtiges sein, und dabei möchte man ja niemanden unterbrechen.

Andere hingegen, diese Ansicht teile ich, sehen das Medium als Erweiterung des sozialen Um- feldes. So ist man nicht mehr lokal auf die Umgebenden angewiesen, sondern kann problemlos mit mehreren Freunden gleichzeitig in Amerika sowie auch in Indien kommunizieren. Letztend- lich ist es das Internet, das aus dem Mobilteil einen Alleskönner formt. Ist es also ein sozialer Verlust, wenn man in der Bahn nicht angesprochen wird, weil man mit dem Handy beschäftigt ist? Oder ist das soziale Umfeld einfach nur in Maßen erweitert, an die wir uns erst noch gewöh- nen müssen? Meiner Ansicht nach tritt der bekannte Slogan „connecting people“ voll in Kraft. In der Theorie ist jeder Besitzer eines Smartphones überall mit jedem anderen Besitzer eines inter- netfähigen Handys verbunden. Durch diese globale Verbindungsschnittstelle Internet entsteht eine große Gemeinschaft. Also kann man dies nicht schlichtweg als Verlust von sozialer Integri- tät abwerten.

Viele Aspekte bezüglich der Smartphone-Technologie wurden bereits ausgiebig behandelt. Diese Arbeit soll sich der Identitätsbildung bzw. der Individualisierung von Smartphones widmen. Was macht ein Smartphone zu einem Einzelstück? Abgesehen von der visuellen und der auditiven Ebene soll ebenfalls die symbolische Dimension behandelt werden.

Vorab möchte ich jedoch einige Fachbegriffe erläutern:

OS: Das OS, Operating System (= Betriebssystem), bezeichnet den Kern der Benutzeroberfläche. Die bekanntesten und am weitesten verbreitetsten sind Android von Google, iOS von Apple und Windows Phone 8 von Microsoft. Dieser Kern ist erweiterbar durch Apps. Apps: Als App, Application (= Anwendung), werden die Programme bezeichnet, die auf einem Smartphone laufen. Ein Programm auf einem herkömmlichen PC ist nichts anderes. Diese Apps werden in das Betriebssystem integriert und können nach der Installation ausgeführt werden. Apps kann man sich hauptsächlich in dem App-Store herunterladen. Manche davon sind kostenlos, für andere werden relativ kleine Beträge verlangt.

Widget: Viele Apps stellen ein dazugehöriges Widget zur Verfügung. Man könnte diese als eine Art spezifische Kompaktversion der App erklären. Ein Widget kann auf dem Homescreen, dem Desktop, abgelegt werden. Ein Beispiel: Ich lade mir die DB-App aus dem App-Store herunter und installiere sie. Wenn ich nun die App ausführe, so kann ich meinen Start- und Zielort einge- ben und die schnellste Verbindung der Bahn suchen. Mithilfe eines Widgets kann ich nun eine bekannte Strecke, beispielsweise von der Straßenbahnhaltestelle vor meiner Tür in die Stadtmit- te, herunterladen und offline zur Verfügung stellen. Nun setze ich diese Verbindung auf meinen Homescreen. So sehe ich nun jederzeit auf einen Blick, ohne die App zu öffnen, wann die nächs- te Bahn fährt.

Durch eine Anordnung von Apps und Widgets formt sich nach und nach der Homescreen. Bei Android werden standardmäßig fünf Homescreens zur Verfügung gestellt, was eine enorme Vielfalt an Belegungen ermöglicht.

Um einen stärkeren Fokus auf den Kern dieser Arbeit zu setzen, werde ich nicht jedes Betriebssystem gleichermaßen behandeln, sondern nur grob einige Unterschiede aufzeigen.

Da jetzt die Grundbegriffe geklärt sind, sollen nun die Anpassungsmöglichkeiten bzw. Individualisierungsfreiheiten auf der auditiven Ebene behandelt werden:

[...]


1 Nach McLuhan

2 Nach Manfred Spitzer

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Das individuelle Smartphone für jeden? Ein Essay zur funktionellen und symbolischen Bedeutung von Smartphones
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Institut für Volkskunde)
Veranstaltung
Seminar aus dem Bereich Medienkulturen: Mobile Alltagstechnologien - Unterwegs mit tragbaren Geräten
Autor
Jahr
2013
Seiten
9
Katalognummer
V316802
ISBN (eBook)
9783668161535
ISBN (Buch)
9783668161542
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
smartphone, essay, bedeutung, smartphones
Arbeit zitieren
Daniel Armbrüster (Autor), 2013, Das individuelle Smartphone für jeden? Ein Essay zur funktionellen und symbolischen Bedeutung von Smartphones, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316802

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