Die Bachelorarbeit beschäftigt sich mit der ökonomischen Analyse des Versicherungsbetrugs und geht im Anschluss auf die Betrugsabwehr in der Praxis ein.
Anfänglich wird auf die ökonomische Bedeutung von Versicherungsbetrug eingegangen. Der Begriff 'Versicherungsbetrug' wird definiert und in verschiedene Betrugsformen unterteilt. Determinanten von Versicherungsbetrug werden vorgestellt.
Die ökonomische Analyse des Versicherungsbetrugs erfolgt anhand von zwei versicherungsspezifischen Modellen. Bei den mikroökomischen Modellen handelt es sich um den Ansatz des Costly State Falsification und den Costly State Verification Ansatz. Mit dem Costly State Verfication Ansatz wird detailliert ein mikroökonomisches Modell aufgebaut, um das Verhalten des Versicherungsnehmers zunächst unter Annahme exogener Überwachungskosten zu analysieren und daraus Implikationen für die optimale Vertragsgestaltung abzuleiten. Im Anschluss wird dieses Modell durch die Annahme endogener Überwachungskosten erweitert, sodass hieraus weiterführende Handlungsempfehlungen zur optimalen Vertragsgestaltung gegeben werden können.
Nach der theoretischen Betrachung zur optimalen Vertragsgestaltung beschäftigt sich die Arbeit mit der Betrugsabwehr in der Praxis. Die Status-Quo Situation in Deutschland wird analysiert. Es wird dann ein unternehmensübergreifender Lösungsansatz für die Betrugsabwehr ausgearbeitet.
In einem Fazit werden die Ergebnisse zusammengefasst und ein Ausblick gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. EINFÜHRUNG
2. ÖKONOMISCHE BETRACHTUNG VON VERSICHERUNGSBETRUG
2.1 ÖKOMISCHE ANALYSE DER DETERMINANTEN VON VERSICHERUNGSBETRUG
2.2 COSTLY STATE VERIFICATION UND COSTLY STATE FALSIFICATION
3. ÖKONOMISCHE ANALYSE MIT DEM COSTLY STATE VERIFICATION MODELL
3.1 OPTIMALER VERSICHERUNGSVERTRAG UNTER CSV (EXOGENE ÜBERPRÜFUNGSKOSTEN)
3.2 OPTIMALER VERSICHERUNGSVERTRAG UNTER CSV (ENDOGENE ÜBERPRÜFUNGSKOSTEN)
4. BETRUGSABWEHR IN DER PRAXIS
4.1 PROBLEMATIK BEI DER BETRUGSABWEHR IN DEUTSCHLAND
4.2 EINE UNTERNEHMENSÜBERGREIFENDE INSTITUTION ALS LÖSUNGSANSATZ
5. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit verfolgt das Ziel, Versicherungsbetrug auf Basis ökonomischer Modelle zu analysieren und Implikationen für eine optimale Vertragsgestaltung abzuleiten, um betrügerische Anreize zu minimieren. Dabei wird insbesondere untersucht, wie Versicherer durch die Strukturierung von Prämien, Leistungen und Kontrollmechanismen Einfluss auf das Verhalten der Versicherungsnehmer nehmen können.
- Wirtschaftswissenschaftliche Analyse von Versicherungsbetrug mittels des Costly State Verification (CSV) Ansatzes.
- Unterscheidung zwischen exogenen und endogenen Überprüfungskosten innerhalb der Vertragsgestaltung.
- Evaluierung der Problematik bei der Betrugsabwehr und Strafverfolgung in Deutschland.
- Untersuchung von institutionellen Lösungsansätzen wie dem Insurance Fraud Bureau (IFB).
Auszug aus dem Buch
3.2 Optimaler Versicherungsvertrag unter CSV (endogene Überprüfungskosten)
Dieser Abschnitt zeigt die optimale Vertragsstruktur gegenüber der Annahme exogener Überprüfungskosten auf. Im Folgenden wird ein Beispiel herangezogen, was die Notwendigkeit der Erweiterung verdeutlichen soll:
Bei einem Autounfall widerfährt dem VN ein körperlicher Schaden x, dessen Ausmaß nur der VN selbst kennt. Die Kosten der Überprüfung der Schadenmeldung können davon abhängen, ob ein schwer überprüfbarer Schaden wie z.B. ein Schleudertrauma (ch) oder eine relativ einfach überprüfbare Verletzung wie z.B. eine Fraktur (cl) von einem Arzt diagnostiziert wird. Der VN mit einer Fraktur hat nur ein Interesse an einer Diagnose eines Schleudertraumas, falls dies eine entsprechend höhere Versicherungszahlung zur Folge hat. In diesem Fall hat der VN vereinfacht zwei Möglichkeiten. Er geht entweder zu seinem bekannten aufrichtigen Arzt (e0), der nur mit einer sehr geringen Wahrscheinlichkeit p0 die Fehldiagnose eines Schleudertraumas erteilt oder er findet durch kostenaufwendige Maßnahmen einen unaufrichtigen Arzt (e1), der die Diagnose des Schleudertraumas mit einer höheren Wahrscheinlichkeit p1 erteilt (Vgl. Bond/ Crocker (S. 248)).
Der entscheidende Unterschied des endogenen Modells gegenüber dem exogenen, ist die mögliche Einflussnahme des VN auf die Überprüfungskosten des Versicherers. In Bond und Crockers Arbeit wird bei der Ableitung des optimalen Vertrags in dieser speziellen Konstellation des CSV Modells eine Moral Hazard Dimension unterstellt, weil die Auszahlungsstruktur des Versicherungsvertrags Einfluss auf die Attraktivität der abweichenden bzw. betrügerischen Handlung hat. Gemäß dieser Einordnung umfasst die Moral Hazard Definition auch die Verhaltensänderung, die eine illegale Handlung zum Resultat hat (Vgl. C. Hoh/ I. Hanekamp (S 12).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINFÜHRUNG: Einleitung in die Problematik des Versicherungsbetrugs sowie Definition der zentralen Begriffe und Täter-Typen.
2. ÖKONOMISCHE BETRACHTUNG VON VERSICHERUNGSBETRUG: Theoretische Herleitung der Determinanten von Versicherungsbetrug sowie Einführung der Modelle CSV und CSF.
3. ÖKONOMISCHE ANALYSE MIT DEM COSTLY STATE VERIFICATION MODELL: Detaillierte mathematische Analyse und Ableitung des optimalen Versicherungsvertrags unter der Annahme exogener und endogener Überprüfungskosten.
4. BETRUGSABWEHR IN DER PRAXIS: Analyse der Probleme bei der Betrugsabwehr in Deutschland und Vorstellung institutioneller Lösungsansätze nach dem Vorbild des IFB.
5. FAZIT: Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse aus der ökonomischen Modellierung und der praktischen Problemanalyse.
Schlüsselwörter
Versicherungsbetrug, Costly State Verification, CSV, Moral Hazard, Versicherungsvertrag, Betrugsabwehr, Vertragsgestaltung, Überprüfungskosten, Versicherungswirtschaft, Sanktionierung, Schadenmeldung, Risikoaversion, Insurance Fraud Bureau.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der ökonomischen Analyse von Versicherungsbetrug. Dabei wird untersucht, wie Versicherungsunternehmen durch eine optimale Vertragsgestaltung den Anreiz zu betrügerischen Handlungen seitens der Versicherungsnehmer minimieren können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die vertragstheoretische Modellierung (insbesondere CSV), die ökonomische Wirkung von Anreizen bei Schadenmeldungen sowie die Herausforderungen bei der praktischen Bekämpfung von Betrug in Deutschland.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aus dem vertragstheoretischen Modell Costly State Verification (CSV) Implikationen für Versicherer abzuleiten, um betrügerisches Verhalten – wie Übertreibung oder Fingierung von Schäden – ökonomisch effizient zu unterbinden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt schwerpunktmäßig vertragstheoretische Ansätze, insbesondere das Costly State Verification (CSV) Modell, das mathematisch hergeleitet und durch Vergleichsanalysen (exogene vs. endogene Überprüfungskosten) ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie sich unterschiedliche Vertragsformen auf das Verhalten des Versicherungsnehmers auswirken, wenn dieser die Überprüfungskosten durch sein Handeln beeinflussen kann.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Versicherungsbetrug, Moral Hazard, CSV-Modell, Vertragsgestaltung und Betrugsabwehr.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen exogenen und endogenen Überprüfungskosten eine so wichtige Rolle?
Die Unterscheidung ist entscheidend, da sie aufzeigt, dass der Versicherungsnehmer den Versicherer aktiv dazu verleiten kann, hohe Überprüfungskosten zu verursachen. Das Modell zeigt, dass dies in der Vertragsgestaltung durch spezifische Auszahlungsstrukturen (Über- oder Unterkompensation) berücksichtigt werden muss.
Welche Rolle spielt das Insurance Fraud Bureau in der Argumentation?
Das IFB dient als konkretes Beispiel für eine erfolgreiche institutionelle Lösung. Es zeigt, wie durch unternehmensübergreifende Zusammenarbeit und konsequentes Durchgreifen die Hemmschwelle für Betrüger signifikant erhöht werden kann.
- Arbeit zitieren
- Artur Engel (Autor:in), 2014, Ökonomische Analyse des Versicherungsbetrugs. Motive und Gegenmaßnahmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316810