Diese Arbeit untersucht im Folgenden, inwiefern Russland von seinen natürlichen Ressourcen bzw. von deren Exporterlösen seit 1991 profitieren konnte. Es soll geklärt werden, ob Russland eine typische Ressourcenökonomie ist, die unter dem „Fluch der Ressourcen“ leidet. Die wirtschaftlichen Probleme aufgrund der Rohstoffabhängigkeit sollen ebenso aufgezeigt werden, wie deren Bedeutung für die wirtschaftspolitische Struktur und Entwicklung. Außerdem sollen die Maßnahmen der Regierung, aufgezeigt werden, die das Ziel eines langfristigen Wirtschaftswachstums verfolgen.
Russland ist das größte Land der Erde und verfügt über einen enormen Ressourcenreichtum. Dieser Reichtum an natürlichen Ressourcen hat schon in den frühen Jahren eine zentrale ökonomische Rolle in dem Riesenreich gespielt. Wurden früher eher mit Pelzen, Holz, Gold und Kohle gehandelt, so sind heute die Energierohstoffe, die sich überwiegend in der Schatzkammer des Landes, in Sibirien oder auch in arktischen Regionen befinden wichtig für die russische Wirtschaft.
Schon seit der Förderung in Baku waren die Einnahmen aus den Erdölexporten wichtig für den Staatshaushalt. In der Vergangenheit haben hohe Rohstoffpreise zu einem hohem Wachstum und voller Staatskasse geführt. Doch trotz der hohen Gewinne aus dem Rohstoffexport leidet Russland immer noch unter wirtschaftlicher Rückständigkeit. Die Exportstruktur des Landes entspricht eher einem Entwicklungsland als die einer Großmacht, die Russland unter Putin wieder versucht zu werden.
Diese Arbeit soll die folgenden Fragen beantworten:
Profitiert Russland von seinen Bodenschätzen oder werden diese zum Fluch wie in anderen ressourcenreichen Staaten schon zu beobachten war? Was wird mit den hohen Deviseneinnahmen gemacht? Wer profitiert von Ihnen? Wie hat sich Russland seit 1991 wirtschaftlich und politisch entwickelt? Wie wird es vermutlich weitergehen? Bleibt Russland auf seine Rohstoffexporte angewiesen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Rahmen
2.1 Definitionen von Ressourcen, Reserven, Rohstoffen
2.2 Ressourcenökonomie und das Phänomen des Ressourcenfluches
2.3 Chancen und Möglichkeiten für Ressourcenökonomien
2.4 Gefahren und Risiken eines ressourcenbasierten Wachstums
2.4.1 Rent-Seeking
2.4.2 Anfälligkeit gegenüber externen Schocks
2.4.3 Holländische Krankheit
2.4.4 Korruption
2.4.5 Andere Gefahren
2.5 Maßnahmen gegen den Ressourcenfluch
3. Russland als Ressourcenökonomie
3.1 Russlands Ressourcenreichtum
3.1.1 Erdöl
3.1.2 Erdgas
3.1.3 Kohle
3.1.4 Metalle
4. Russlands Wirtschaft
4.1 Geschichte des russischen Rohstoffsektors
4.2 Wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen in Russland
5. Chancen für Russland als Ressourcenökonomie
6. Gefahren und Risiken eines ressourcenbasierten Wachstums
7. Auswirkungen des Ressourcenreichtums in Russland und Maßnahmen gegen Ressourcenfluch seit 1991
8. Ausblick und Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, inwiefern Russland seit 1991 von seinem natürlichen Ressourcenreichtum und den daraus resultierenden Exporterlösen profitieren konnte, ob das Land Anzeichen einer Ressourcenökonomie aufweist, die unter dem sogenannten „Fluch der Ressourcen“ leidet, und welche politischen Maßnahmen zur Förderung eines langfristigen Wirtschaftswachstums implementiert wurden.
- Analyse des Ressourcenreichtums Russlands (insbesondere Erdöl, Erdgas, Kohle und Metalle)
- Untersuchung des Phänomens des „Ressourcenfluches“ und der „Holländischen Krankheit“ in Russland
- Bewertung der Rolle des Staates, der Privatisierung und der aktuellen Energiepolitik
- Diskussion der Auswirkungen von Rent-Seeking, Korruption und wirtschaftlicher Abhängigkeit
- Evaluation von Maßnahmen gegen die Rohstoffabhängigkeit wie Stabilisationsfonds und Diversifizierung
Auszug aus dem Buch
2.4.3 Holländische Krankheit
Eine der negativen wirtschaftlichen Folgen von großen Rohstofffunden ist die so genannte Holländische Krankheit, auch Dutch Disease genannt.
Der Name entstammt den wirtschaftlichen Folgeerscheinungen, die die Entdeckung großer Erdgasfunde Ende der 50er Jahre bis Anfang der 60er Jahre in der Nordsee in der Region Groningen in den Niederlanden mit sich brachte. Mit der Erholung des Ölpreises nach dem ersten Ölschock 1973 stieg der daran gekoppelte Gaspreis ebenfalls stark an. Die unerwartet hohen Deviseneinnahmen aus dem Erdgasexport wurden zur Finanzierung der Staatsausgaben benutzt. Dies führte zu stetig steigenden Ausgaben und einer Aufwertung des Guldens, was zu einer Abnahme des Exports von Industrie- und Konsumgütern und der Rentabilität der verarbeiteten Industrie geführt hat. Die Niederlande erholten sich aber wieder schnell von der Krankheit. Der Name „Holländische Krankheit“ blieb allerdings erhalten und wurde erstmals 1977 im Economist als „Dutch Disease (holländische Krankheit)“ bezeichnet.
Die Holländische Krankheit beschreibt also eine Situation, in der ein Land seinen Rohstoffreichtum plötzlich entdeckt und schnell anfängt große Mengen dieser Rohstoffe zu exportieren. Die hohen zusätzlichen Erlöse aus dem Rohstoffexport treiben sowohl den Wechselkurs des entsprechenden Landes als auch dessen durchschnittliches Lohnniveau nach oben, weil die Rohstoffindustrie tendenziell höhere Löhne zahlen kann. Dies wiederum führt zu erhöhtem Druck auf die Wettbewerbsfähigkeit anderer exportorientierter Wirtschaftssektoren, deren Produkte durch die Verteuerung der inländischen Währung auf den internationalen Märkten nun zu teuer sind. Die Anpassung des Lohnniveaus an den Rohstoffsektor schwächt ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich. Andererseits werden Importwaren günstiger. Dies führt dazu, dass die heimische verarbeitende Industrie nur noch mit finanziellen Transferleistungen oder günstig zur Verfügung gestellten Rohstoffen existieren kann. Daraus folgt dann schließlich ein Abnehmen der verarbeitenden Industrie bis hin zu einer unaufhaltsamen De-Industrialisierung, die zu einer völligen Abhängigkeit von Rohstoffexporten führt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Arbeit analysiert die ökonomische Abhängigkeit Russlands von seinen natürlichen Ressourcen seit 1991 und prüft das Phänomen des Ressourcenfluches.
2. Theoretischer Rahmen: Es werden grundlegende Begriffe definiert und die ökonomischen Konzepte des Ressourcenfluches, des Rent-Seekings, der Holländischen Krankheit und Korruption theoretisch hergeleitet.
3. Russland als Ressourcenökonomie: Dieses Kapitel gibt einen detaillierten Überblick über Russlands enorme Vorkommen und Fördermengen bei Erdöl, Erdgas, Kohle und Metallen.
4. Russlands Wirtschaft: Es erfolgt eine historische Einordnung der wirtschaftlichen Entwicklung Russlands, mit Fokus auf die Transformation nach 1991 und die heutige Struktur.
5. Chancen für Russland als Ressourcenökonomie: Die Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Modernisierung durch sinnvolle Reinvestition der Rohstoffrente werden beleuchtet.
6. Gefahren und Risiken eines ressourcenbasierten Wachstums: Eine kurze Darstellung der Gefahren, die Russland im Kontext einer rohstoffbasierten Volkswirtschaft drohen.
7. Auswirkungen des Ressourcenreichtums in Russland und Maßnahmen gegen Ressourcenfluch seit 1991: Die theoretischen Ansätze werden konkret auf Russland angewendet, inklusive einer Analyse staatlicher Maßnahmen wie Stabilisationsfonds.
8. Ausblick und Schlussfolgerung: Die Arbeit schließt mit einer Bewertung der russischen Zukunftsperspektiven und der dringenden Notwendigkeit struktureller Reformen.
Schlüsselwörter
Rohstoffexport, Russland, Ressourcenreichtum, Ressourcenökonomie, Ressourcenfluch, Rent-Seeking, Holländische Krankheit, Erdöl, Erdgas, Korruption, Diversifizierung, Stabilisationsfonds, Wirtschaftswachstum, Transformation, Investitionspolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der wirtschaftlichen Situation Russlands seit 1991 unter besonderer Berücksichtigung der Abhängigkeit von Rohstoffexporten und deren Auswirkungen auf die Entwicklung des Landes.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen des Ressourcenfluches, die Analyse von Russlands Ressourcenreichtum sowie die Untersuchung von politischem Rent-Seeking, Korruption und den Herausforderungen der Diversifizierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu untersuchen, ob Russland von seinem Rohstoffreichtum profitiert oder an einem Ressourcenfluch leidet, und inwieweit politische Maßnahmen bisher zu einer langfristigen wirtschaftlichen Stabilisierung beitragen konnten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit ist als deskriptive, theoriegeleitete Ausarbeitung konzipiert, die bestehende theoretische Modelle nutzt, um die spezifischen Entwicklungen in der russischen Wirtschaft zu verstehen und einzuordnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine theoretische Fundierung, einen Überblick über Russlands Ressourcenausstattung (Erdöl, Gas, Kohle, Metalle), eine historische Analyse der russischen Wirtschaft und die Bewertung staatlicher Maßnahmen zur Steuerung der Rohstoffeinnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Rohstoffexport, Ressourcenökonomie, Ressourcenfluch, Holländische Krankheit, Korruption, Diversifizierung und Stabilisationsfonds.
Wie wirkt sich das sowjetische Erbe auf die heutige russische Wirtschaft aus?
Laut der Autorin belastet das sowjetische Erbe die Wirtschaft signifikant, da es kaum eine wettbewerbsfähige Konsumgüterindustrie gibt und Strukturen wie staatliche Kontrolle und mangelnde Innovationsfähigkeit fortbestehen.
Welche Rolle spielen Sanktionen bei der wirtschaftlichen Entwicklung Russlands?
Die Sanktionen von EU und USA erschweren den Zugang zu Finanzmärkten und Technologien, was insbesondere die Erschließung neuer, technologisch anspruchsvoller Vorkommen wie arktischer Off-Shore-Ressourcen verzögert oder verhindert.
- Citar trabajo
- Linda Woog (Autor), 2015, Russland als Ressourcenökonomie. Rohstoffexport aus Russland seit 1991, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316814