Das Motiv des Ehebruchs. Erörterung der Schuldfrage in Fontanes "Effi Briest"


Hausarbeit, 2014

11 Seiten, Note: 2,7

Bahar Ilk (Autor:in)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Charakterzüge der Effi
2.1. Effis Ehe aus der Sicht der Briests
2.2. Effis Verhältnis zu Innstetten
2.3. Das Duell: Ein Gesellschaftszwang
2.4. Die Zersplitterung

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

Einleitung

In der vorliegenden Ausarbeitung wird der Ehebruch aus dem Roman „Effie Briest“ von Theodor Fontane, verfasst im Jahre 1895, untersucht. Die zentrale Untersuchung fokussiert sich auf die Schuldfrage in dem Roman. In Bezug auf die These, dass Effi den Ehebruch veranlasst hat, bin ich der festen Überzeugung, dass sie allein hierfür nicht verantwortlich gemacht werden kann. Die Gesellschaft und daraus resultierend, ihr prinzipienfester Ehemann haben Effi dazu gebracht, Ehebruch zu begehen. Sie hat lediglich einen Ausweg aus ihrer Verzweiflung gesucht und den fand sie in ihrer Affäre, die sie nicht ganz ohne ein schlechtes Gewissen geführt hat. Der Roman spielt im 19. Jahrhundert des Preußentums zu einer Zeit, in der die Ehen der Adelschichten ausschließlich Konventionsehen und keine Liebesheirat waren. Die Frau war wirtschaftlich und gesellschaftlich vollkommen von ihrem Mann abhängig. Der Roman Effi Briest illustriert die damalige Situation anhand der Figuren Effi und Innstetten. Sie symbolisieren die soziokulturellen Anlässe, aus denen heraus in die Ehe eingewilligt wurde. Die Protagonistin selbst, heiratet entgegen ihres Verlangens nach einer bedeutsamen Liebe, einen doppelt so alten Mann aus dem Motiv des gesellschaftlichen Ehrgeizes. Die Ehe unterzieht sich den konventionellen Regeln der Gesellschaft. Der hauptsächliche Grund, weshalb ich dieses Thema ausgewählt habe, liegt an meiner Neigung zum Thema Liebe. So wollte ich das Liebesverständnis und die Eheschließung in Effi Briest erforschen und herausfinden, wer verantwortlich für den Ehebruch in diesem Roman ist. Laut bisherigen Untersuchungen spielt das Thema Liebe, vor allem die verunglückte Liebe, eine zentrale Rolle in diesem Roman. Diese Feststellung wurde größtenteils durch das Fontane Handbuch von Christian Grawe und Helmuth Nürnberger ermittelt.

2. Charakterzüge der Effi

Effi ist eine lebenslustige 17-jährige junge Frau, die mit einem über doppelt so alten Mann, namens Innstetten vermählt wird (vgl. Grawe 2000, 635). Effi verinnerlicht die bürgerlichen Werte und ihre neue Rolle als Frau, trotzdem tritt sie als leichtsinnige junge Frau in eine „[...] rigorose, provinzielle, konservativ-preußische Gesellschaft ein, die ihrem Wesen widerspricht [...]“ (Grawe 2000, 634). Als junges Mädchen sehnt sie sich nach einer glänzenden gesellschaftlichen Stellung. Diese Einstellung steht ganz im Einklang mit der gesellschaftlichen Haltung. Geprägt durch die Gesellschaft und überzeugt von ihren Eltern kennt Effi nur Ehen, die gesellschaftliche Vorteile bringen. So zeigt sie keinen Widerstand gegen diese Konventionsehe und äußert ihre gesellschaftlichen Erwartungen dazu wie folgt: „Und wenn es Zärtlichkeit und Liebe nicht sein können, weil Liebe, wie Papa sagt, doch nur ein Papperlapapp ist [...], nun, dann bin ich für Reichtum und ein vornehmes Haus, ein ganz vornehmes [...] (33)“ (Greif 1992, 173). Trotz allem erwähnt sie die Liebe an erster Stelle, weil sie sich innerlich danach sehnt und eigentlich in ihrer Ehe auch Zärtlichkeit erhofft. Außerdem träumt sie davon, durch die Ehe ein märchenhaftes Leben als „Prinzessin“ zu leben, welches in der Realität scheitert (vgl. Greif 1992, 173). Anders als erhofft, leidet sie in ihrer neuen Umgebung und Gesellschaft in Kessin unter Kontaktarmut und durch diese Isolierung zeigt sie physische Krankheitssymptome auf, die darauf hinweisen, dass Effi einen nach außen gerichteten, geselligen Charakter hat (ebd.). Effi wird auch als „Tochter der Luft“ geschildert, weil sie eigensinnig und lebenslustig ist. Sie liebt das Schaukeln, weil sie dabei mit der Gefahr spielt. Durch diese Eigenschaften passt sie in das Frauenschema ihrer Zeit nicht hinein (vgl. Greif 1992, 173). Die Konventionsehen sind in der Regel so konstruiert worden, dass man sich nicht kannte. Gleichermaßen verlief es auch bei Effi und Innstetten. Aus diesem Anlass spielte bei deren Eheschließung weder Neigung noch Erotik eine Rolle. Aus Effis Sicht war es eine reine Vernunftsehe, aber Innstetten verwirklichte durch diese Ehe seinen ehemaligen Traum, den er mit Luise nicht verwirklichen konnte, und verbindet sich durch Effi familiär mit Luise. Diese Vorgehensweise stellt ein Resultat einer traumatischen Verletzung dar, die auf zwanzig Jahre zurückblickt (vgl. Grawe 2000, 640). Effi wird „in das noch nicht abgeschlossene Drama ihrer Mutter und deren ehemaligen Bewerbers hineingezogen“ (Grawe 2000, 640). Innstetten heiratet Effi nur aus Ehrgeiz, um ihr anstelle des Namens Briest seinen eigenen zu verleihen, den er Luise nicht verleihen konnte. „Du glaubst gar nicht, wie ehrgeizig ich bin. Ich habe dich eigentlich bloß aus Ehrgeiz geheiratet.“ (I. 4. 82) (Grawe 2000, 642). Daraus resultiert, dass Effi die Beziehung ihrer Mutter mit Innstetten charakterisiert und als mütterliches Erbe übernimmt (vgl. Bindokat 1984, 27). Diese Gegebenheit belastet Effi psychisch, genauso wie die Geschichte mit dem spukenden Chinesen. Auch ihr Verhältnis zu Crampas wird durch die Entsagung ihrer Liebesgeschichte mit Innstetten belastet (ebd.). Innstetten wird von Effi, genauso wie Briest von Luise, aus materiellen Gründen gewählt, die mit der Persönlichkeit nichts zu tun haben. So entsteht eine entpersonalisierte, ideologische Eheschließung, in der keine Liebe vorhanden ist. Die Eheschließung der beiden findet nur durch die gesellschaftliche Veränderung Innstettens statt, jedoch ist er durch diese Veränderung nicht mehr imstande seine Frau zu befriedigen. Er legt lediglich Wert auf seine äußerliche Erscheinung, so wirkt er „edel“ auf Effi, jedoch emotionslos und lieblos (vgl. Bindokat 1984, 29). Diese Aporie bildet sogar einen Teilgrund der gescheiterten Ehe. Sein Erfolg stellt seine menschliche Niederlage dar (vgl. Grawe 2000, 642).

2. 1. Effis Ehe aus der Sicht der Briests

Die Tatsache, dass diese Ehe nicht gut ausgehen kann, „[...] wird mehrfach in den lebendigen und halb scherzhaften, doch gespannten Gesprächen der Briests über die Tochter angedeutet“ (Grawe 2000, 641). Damals hatte Luise Innstetten nur aus gesellschaftlichen Gründen abgelehnt und nun wird Innstetten von Effi nur aus gesellschaftlichen Gründen akzeptiert, ohne Wert auf seine Persönlichkeit zu legen (vgl. Grawe 2000, 640). Luise selbst ist durch ihre Konventionsehe nicht recht glücklich, trotz dessen rät sie ihrer Tochter eine ähnliche Konventionsehe nicht ab, sondern zu. Der egoistische Gedanke nach Erfüllung ihrer früheren Wünsche, erfüllt die Mutter Luise mit der Vermählung Effis. Die Tochter erlebt dasselbe Dilemma wie ihre Mutter und entscheidet sich ebenfalls, unter Einfluss ihrer Eltern, die sie mit Aufstiegschancen und einem Leben in Stand und Ehren locken, gegen ihre „Liebe“ zu Dagobert, obwohl er sie erheitert (vgl. Grawe 2000, 647). Diese Einstellung wurde durch die Gesellschaft geprägt und verursachte ihr Leid, Trauer und gar den Tod (vgl. Bindokat 1984, 172). Durch ihre eigenen ehrgeizigen Pläne und Erwartungen übersehen die Eltern das Bedürfnis und die Sehnsucht Effis nach wahrer Liebe. Die Tatsache, dass Effi sich vor Innstetten fürchtet, beunruhigt die Eltern vor der Hochzeit nicht (vgl. Bindokat 1984, 36). Effis Vater ist neugierig und macht sich gewiss Sorgen um seine Tochter, ob sie denn glücklich sei. Er fragt Luise, wie es mit Effi steht und ob sie in der Lage ist, ihren Ehemann zu lieben. Diese fühlt sich überfordert und hat keine genaue Auskunft über das Liebesleben ihrer Tochter. Effi weiht ihre Mutter in ihre Geheimnisse nicht ein, dadurch kann Luise ihrem Mann auch keine befriedigende Antwort liefern (vgl. Bindokat 1984, 29). Da Luise bereit ist „[...]ihre Tochter ihren eigenen ehrgeizigen gesellschaftlichen Plänen zu opfern [...]“(Bindokat 1984, 36) verfügt sie nur eine begrenzte Einsicht in das Wesen ihrer Tochter (vgl. Bindokat 1984, 36). Bei Vater Briest herrscht im Nachhinein Reue, seine Tochter mit Innstetten vermählt zu haben. Ihm ist bewusst, dass Innstettens Karriere Effis Ehrgeiz befriedigen wird, aber ihr Hang nach Spiel und Abenteuer bleibt unerfüllt. So wirft Vater Briest seiner Frau vor, dass sie zu Innstetten besser gepasst hätte als Effi (vgl. Greif 1992, 174f). „Sie hatte es nicht sein können, nun war es statt ihrer die Tochter - alles in allem ebenso gut oder vielleicht noch besser“ (Bindokat 1984, 27). Ihre Gedanken kreisen um die Erfüllung ihres innerlichen Wunsches durch Effi. Luise richtet sich nur nach gesellschaftlichem Status. Für sie ist nur der Machterhalt wichtig. „Alte Familien halten immer zusammen, und wo was is, kommt was dazu“(Bindokat 1984, 27). Diese Äußerung spiegelt die Gedanken einer gewinnsüchtigen Person wider, statt einer vorsorglichen Mutter, die sich um das Wohlbefinden und Beglückung der Tochter kümmert. Demzufolge ist zu erschließen, dass Luise ihrer Mutterrolle tendenziell versagt und durch Gutheißung der Ehe, ihre Tochter eigenwillig ins Verderben treibt.

2. 2. Effis Verhältnis zu Innstetten

Innstetten kümmert sich kaum um seine Frau und nimmt keine Rücksicht auf ihre Bedürfnisse. Ihm ist sein Dienst auf dem pommerschen Landsitz des preußischen Ministerpräsidenten und des deutschen Kanzlers viel wichtiger. Dabei ist ihm die Vernachlässigung seiner Frau gleichgültig, da bei ihm die Gesellschaft und sein Dienst die höchste Priorität tragen. Durch die von Innstetten herbeigeführte Spukangst kann Effi während seiner Abwesenheit nachts nicht gut schlafen. Sie leidet ständig unter dieser Spukangst und vernimmt schauderhafte Geräusche im obigen Zimmer (vgl. Grawe 2000, 636). Er spielt ein gefährliches Spiel mit Effis Emotionen aus Mangel an Sensibilität, Vertrauen und Diskretion (vgl. Bindokat 1984, 124). Er misstraut seiner Frau und verwendet diese Spukgeschichte, um sie in seiner Abwesenheit zu kontrollieren. Dieses Vorgehen trägt auch dazu bei, dass er ihre Angst nicht ernst nimmt und keine Anstalten macht, diese zu beseitigen. Daher verursacht ihr diese Angst Ungeborgenheit, sodass Effi sich in ihrer neuen Umgebung nicht entspannt und heiter, wie vor der Hochzeit bei ihren Eltern, fühlen kann (ebd.). Effi heiratet einen Mann, der sich weniger wie ein Liebhaber als ein Erzieher benimmt. Er hätte der Vater von Luises Kind sein wollen und nun durch die Eheschließung bekommt er die Gelegenheit, Effi anstelle ihrer Eltern zu erziehen. So übt Innstetten durch die Spukgeschichten eine unbarmherzige Erziehungsmaßnahme aus (vgl. Grawe 2000, 646). Aber diese Maßnahme soll auch einen anderen Zweck erfüllen. Innstetten benutzt den Spuk als einen Angstapparat, um seine Frau dadurch zu ehelicher Treue zu erziehen. Da er als Landrat viel unterwegs ist und sie allein zu Hause bleibt, möchte er sie während seiner Abwesenheit durch den Spuk unter Kontrolle halten (vgl. Bindokat 1984, 31). Effis Liebhaber Major Crampas, der etwas älter als ihr Mann ist und eine unglückliche Ehe mit zwei Kindern führt, ist ein Frauenversteher und im Gegensatz zu Innstetten ein Romantiker. Er verführt die gelangweilte und sexuell unerfüllte Effi in eine romantische Welt. Dabei trägt er ihr Gedichte von Heinrich Heine vor (vgl. Grawe 2000, 636). Das traurige an Effis Affäre ist, dass sie ihren Liebhaber auch nicht liebt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Das Motiv des Ehebruchs. Erörterung der Schuldfrage in Fontanes "Effi Briest"
Note
2,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
11
Katalognummer
V316821
ISBN (eBook)
9783668165519
ISBN (Buch)
9783668165526
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
motiv, ehebruchs, erörterung, schuldfrage, fontanes, effi, briest
Arbeit zitieren
Bahar Ilk (Autor:in), 2014, Das Motiv des Ehebruchs. Erörterung der Schuldfrage in Fontanes "Effi Briest", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316821

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