Jean Pierre Melville und Quentin Terrentino. Szenische Parallelen in der Inszenierung der Filme "Les Doulos" und "Reservoir Dogs"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013
20 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einführung:

2. Filmvergleich:
2.1. I) Le Doulos:
2.1.1. Grunddaten I:
2.1.2 Cast I:
2.1.3. Inhalt I:
2.2. II) Reservoir Dogs:
2.2.1. Grunddaten II:
2.2.2. Cast II:
2.2.3. Inhalt II:

3. Thematiken und stilistische Merkmale
3.1 Inhaltliche Parallelen:
3.1.1 Polizei:
3.1.2 Frauen:
3.1.3. Tod und Mord im Film:
3.2. Stilistische Parallelen:
3.2.1 Erzählstruktur
3.2.2 Atmosphäre und Szenerie:
4. Kritik/ Urteil:

5. Titelauswahl

6. Vermächtnis

7. Quellenangabe

» I'm not trying to draw any direct comparisons to other films, but what is "RESERVOIR DOGS" like? » Q.T. « It's like the films of Jean-Pierre Melville, "BOB THE GAMBLER," "LE DOULOS," which is my favorite screenplay of all time, with Jean-Paul Belmondo; it's fantastic. He did "LE SAMURAI" with Alain Delon. He made, like, the coolest gangster films ever. They're, like, fantastic. His films were like he took the Bogart, Cagney, the Warner Brothers gangster films, all right, he loved those, and a lot of times he just took the stories from them and did them with Belmondo or Delon or Jean Gabin and just gave them a different style, a different coolness, you know, they had this French Gallic thing going through it, yet they were still trying to be like their American counterparts, but they had a different rhythm all their own. Then I took those movies and threw an L.A. right-now into them. So it's like a crossbreed, giving birth to this, giving birth to this... “ [1]

Quentin Tarantino im Interview mit Josh Becker, 1992

1. Einführung:

„Il faut choisir, mourir … ou mentir” [2]

Die Inspiration für diese Arbeit ergab sich aus einem Interview von 1992, in dem der Drehbuchautor, Regisseur und Schauspieler Quentin Tarantino (*27. März 1963 in Knoxville, Tennessee) die Aufmerksamkeit von seinem damals neu erschienenen Film „ Reservoir Dogs“ ablenkt um ihn mit den Werken des französisch/ amerikanischen Regisseurs Jean Pierre Melville (eigentlich Jean - Pierre Grumbach , * 20. Oktober 1917 in Paris ; † 2. August 1973) aus den 1960er Jahren zu vergleichen. Dabei betont Tarantino nicht nur die hervorragende Arbeit des Franzosen, sondern auch den Einfluss, den dessen Werke auf Tarantinos eigenes Schaffen nahmen.

In dieser Arbeit wird der Einfluss von Jean Pierre Melvilles Werk „ Le Doulos “ von 1962 auf den fast 30 Jahre später gedrehten Film „ Reservoir Dogs“ beschrieben. Der Aufbau wird aufgeteilt in eine allgemeine Beschreibung der Grunddaten beider Filme samt kurzer Inhaltsangabe, danach folgt ein vergleichender Bericht über Parallelen, Abwandlungen und Gemeinsamkeiten und am Schluss gibt die Arbeit noch ein Überblick zu den jeweiligen Kritiken/ Weiterführungen der Filme.

2. Filmvergleich:

2.1. I) Le Doulos:

2.1.1. Grunddaten I:

- Originaltitel: Französisch: “Le Doulos“
- Deutsch:„Der Teufel mit der weißen Weste“
- Englisch: „The Finger Man“
- Spanisch: „El confidente“
- Buch und Regie: Jean Pierre
- Drehort: Frankreich, Italien 1962
- Stoff: Roman von Pierre Lesou
- Länge: 110 Min.
- FSK: 12 Jahre
- Kinostart: 21.09.1963[3]

2.1.2 Cast I:

- Jean-Paul Belmondo Silien
- Serge Rigianni Maurice Faugel
- René Lefrvre Gilbert Varnove
- Michel Piccoli Nutheccio
- Jean Disailly Kommissar Clain
- Monique Delhaissy Therese
- Fabienne Dali Fabienne
- Jaques de Leon Armand

2.1.3. Inhalt I:

Nach der Verbüßung einer vierjährigen Haftstrafe erschießt der Einbrecher Maurice Faugel (Serge Reggiani) in Paris den früher mit ihm befreundeten Hehler Gilbert Varnove (René Lefèvre), weil dieser seine Freundin Arlette ertränkt hatte, um eine möglicherweise gefährliche Mitwisserin aus dem Weg zu schaffen. Wenige Minuten nach dem Schuss finden die Verbrecher Nuttheccio (Michel Piccoli) und Armand (Jacques De Leon) die Leiche, aber Maurice konnte im letzten Augenblick durch ein Fenster entkommen. Die Mordwaffe sowie die Juwelen und die 2 Millionen Francs aus Varnoves Safe verscharrt er bei einer Straßenlaterne. Dann trifft er sich mit seiner Geliebten Thérèse (Monique Hennessy) und leiht sich von seinem Freund Silien (Jean-Paul Belmondo) Spezialwerkzeug für einen Einbruch bei einem reichen Greis (Charles Bayard), den er zusammen mit seinem Komplizen Remy (Philippe Nahon) plant.

Kurz nachdem Maurice aufgebrochen ist, um zu dem von Thérèse ausgekundschafteten Haus zu fahren, wird diese von Silien überfallen und an einen Heizkörper gefesselt. Silien prügelt ihr die Adresse des alten Mannes heraus, der ausgeraubt werden soll. Während Remy den Tresor aufzubohren versucht, steht Maurice auf der Straße Schmiere. Als er ein Polizeikommando anrücken sieht, rennt er ins Haus, holt Remy und flieht mit ihm. Remy wird von der Polizei erschossen, Maurice von einer Kugel unterhalb der Schulter getroffen. Mit der Pistole seines Komplizen tötet Maurice den Polizeiinspektor Salignari (Daniel Crohem), der sie verfolgte.

Kurz darauf verliert er das Bewusstsein. Erst im Bett seines Kumpels Jean (Philippe Nahon alias Aimé De March) kommt er wieder zu sich. Jeans Geliebte Anita (Paulette Breil) ist im Zimmer, und ein Arzt (Christian Lude) operiert Maurice das Projektil heraus. Kommissar Clain (Jean Desailly) nimmt Silien vorübergehend fest. Er vermutet, dass ein Spitzel kurz vor dem Polizeieinsatz vor der Villa des alten Mannes mit Salignari telefonierte und ihm verriet, wer Varnove erschoss. Clain ist überzeugt, dass Silien der Anrufer war und möchte von ihm mehr erfahren. Silien schweigt, aber Clain zwingt ihn, so lange in Kneipen herumzutelefonieren, bis er Maurice findet. Der wird sogleich festgenommen und beschuldigt, den Hehler ermordet zu haben. Maurice behauptet dagegen, bei seinem Freund Gilbert in der Küche gewesen zu sein, als zwei Männer auftauchten und ihn erschossen. Danach gräbt Silien den von Maurice bei der Straßenlaterne verscharrten Schmuck aus. Weiters sucht er Nuttheccios Ehefrau Fabienne (Fabienne Dali) auf, die er von früher gut kennt. Er behauptet, sie noch immer zu lieben und überzeugt sie, mit ihr ein neues Leben anfangen zu wollen. Nachdem er mit ihr geschlafen hatte, redet er ihr ein, nicht Maurice, sondern Nuttheccio und Armand hätten Gilbert Varnove erschossen, während sie vor dem Haus im Auto auf die beiden gewartet hatte. Die Waffe und der Schmuck befänden sich in Nuttheccios Safe. Mit Fabiennes Schlüssel dringt Silien in Nuttheccios Büro ein und wartet dort mit zwei Pistolen sowie dem von Maurice geraubten Schmuck auf ihn. Silien zwingt Nuttheccio, einige Schmuckstücke anzufassen und den Tresor zu öffnen. Dann erschießt er ihn. Als Armand eintrifft, tötet Silien auch ihn und inszeniert mit den beiden Pistolen eine tödliche Schießerei der beiden Ganoven vor dem offenen Safe, in den er die von Gilbert geraubten Juwelen legt.

Maurice ist überzeugt, dass nur Silien der Polizei verraten haben konnte, wo er mit Remy einbrechen wollte. Deshalb bietet er seinem Mithäftling Kern (Carl Studer), der in Kürze entlassen werden soll, 200 000 Francs für die Ermordung Siliens an. Als Maurice wieder frei kommt, weil ihm nichts nachgewiesen werden kann, und die Juwelen inzwischen bei Nutheccio aufgetaucht sind, erfährt er von Silien, dass er von Thérèse unter Salignari für die Polizei bespitzelt wurde. Jean habe sie deshalb mit ihrem Auto in einen Steinbruch stürzen lassen, berichtet Silien. Das Wrack und die Leiche wurden bereits gefunden. Silien kündigt an, dass er mit Fabienne zusammen ein neues Leben beginnen werde. Kurz darauf leiht Maurice sich Jeans Auto, um zu Silien zu fahren und den von ihm in Auftrag gegebenen Mord zu verhindern.

In Siliens Haus wartet Kern, bis er in der Terrassentüre die Silhouette eines Mannes erblickt. Kern schießt ihn nieder – und merkt erst dann, dass es sich nicht um Silien, sondern um seinen Auftraggeber Maurice handelt. Wenige Minuten später kommt Silien nach Hause und stößt auf seinen sterbenden Freund, der ihn gerade noch warnen kann. Silien durchlöchert mit seinem Revolver einen Paravant, hinter dem er den Mörder vermutet. Die Sichtblende kippt um, Kern taumelt hervor und stürzt zu Boden. Augenscheinlich wurde er tödlich getroffen. Als Silien sich jedoch über Maurice beugt, schießt Kern ihm mit letzter Kraft in den Rücken. Silien schleppt sich zum Telefon, um Fabienne ruhig und gelassen mitzuteilen, dass er am Abend nicht zu ihr kommen könne. Dann bricht auch er neben den beiden anderen Leichen tot zusammen[4].

2.2. II) Reservoir Dogs:

2.2.1. Grunddaten II:

- Originaltitel: siehe Titelbeschreibung Seite
- Buch und Regie: Quentin Tarantino
- Drehort: USA
- Stoff: Quentin Tarantino wurde inspiriert von « Le Doulos »
- Länge: 95 Min.
- FSK: 18 Jahre
- Kinostart: 1992

2.2.2. Cast II:

- Harvey Keitel: Mr. White/Larry Dimmick
- Tim Roth: Mr. Orange/Freddy Newendyke
- Michael Madsen: Mr. Blonde/Vic Vega
- Steve Buscemi: Mr. Pink
- Edward Bunker: Mr. Blue
- Chris Penn: Nice Guy Eddie („der nette Eddie“)
- Quentin Tarantino: Mr. Brown
- Lawrence Tierney: Joe Cabot
- Kirk Baltz: Marvin Nash, Polizist

2.2.3. Inhalt II:

Sechs Gauner sitzen in einem Schnellimbiss und genehmigen sich noch eine Stärkung, bevor sie zu ihrem nächsten Coup, einem Bankraub, aufbrechen. Dabei diskutieren sie über den tieferen Sinn des Madonna-Songs “Like a virgin” und die amerikanische Sitte des Trinkgeldgebens.

In der nächsten Szene fährt Mr. White, dessen wahrer Name Larry Dimmick lautet , seinen schwer verwundeten Komplizen Mr. Orange (Freddie Newandyke) nach einem offenkundig nicht optimal verlaufenen Überfall zum vereinbarten Treffpunkt in einer Lagerhalle. Ein weiterer Kollege, Mr. Pink trifft extrem aufgeregt ein und eine hitzige Diskussion über den Grund des schiefgegangenen Plans beginnt. Da die Polizei viel zu schnell, das heißt, direkt am Tatort war, kommen sie zu der Überzeugung, dass es einen Verräter unter ihnen geben muss. Mr. Orange liegt währenddessen bereits ohnmächtig und schwer angeschossen auf dem Boden und droht zu verbluten. In dem Lagerhaus wollten sie sich mit dem “netten Eddie”, dem Sohn des Chefs treffen, doch allmählich verlieren sie die Nerven. Während den langwierigen Diskussionen erfährt der Zuseher in mehreren Rückblenden mehr über die einzelnen Verbrecher, die alle Farben als Decknamen benutzen (Mr. Brown, Mr. White, Mr. Pink, Mr. Blue, Mr. Blonde und Mr. Orange).

Mr. Blonde (Michael Madsen), der praktischerweise einen Polizisten (Kirk Baltz) entführt hat, taucht ebenfalls in der Lagerhalle auf. Nun wollen sie den Polizisten verhören und den Namen des Verräters aus ihn herausprügeln.

[...]


[1] http://www.beckerfilms.com/reserve.html

[2] Zitat von L.-F. Céline : 80 grands success du cinéma policier français; S.37

[3] http://www.dieterwunderlich.de/Melville-teufel-weissen-weste.html

[4] http://www.dieterwunderlich.de/Melville-teufel-weissen-weste.html

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Jean Pierre Melville und Quentin Terrentino. Szenische Parallelen in der Inszenierung der Filme "Les Doulos" und "Reservoir Dogs"
Hochschule
Universität Wien  (Romanistik)
Veranstaltung
Medienwissenschaftliches Proseminar 2
Note
2
Autor
Jahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V316885
ISBN (eBook)
9783668159945
ISBN (Buch)
9783668159952
Dateigröße
1036 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Französische Zitate
Schlagworte
Jean Pierre Melville, Les Doulos, Mexican Stand-Off, Reservoir Dogs, Quentin Tarantino, Filminterpretation, Filmvergleich, Szenenvergleich
Arbeit zitieren
Madita Wegerer (Autor), 2013, Jean Pierre Melville und Quentin Terrentino. Szenische Parallelen in der Inszenierung der Filme "Les Doulos" und "Reservoir Dogs", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316885

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