Diese Arbeit möchte untersuchen, wie der Export der Ressource Erdöl die wirtschaftliche Entwicklung des Irak in der Vergangenheit determiniert hat und welchen Einfluss der Erdölexport angesichts der gegenwärtigen wirtschaftlichen Entwicklung in der Zukunft einnehmen wird.
Die fossile Ressource Erdöl nimmt im heutigen globalisierten Zeitalter eine herausragende Position im internationalen Wirtschafts- und Handelssystem ein – ein Versorgungsausfall dieses „Treibstoffes der Weltwirtschaft“ brächte das globale Streben nach wirtschaftlicher Entwicklung und Wohlstand zum Kollabieren. Keine andere international gehandelte Ressource kann Erdöl auf kurze Sicht als bedeutendsten Energieträger ablösen.
Diese Monopolstellung ist im Zusammenhang mit dem steigenden Welterdölverbrauch und der Konzentration ungeförderter Erdölreserven in politisch überwiegend instabilen Weltregionen eine explosive Mischung, welche das Erdöl nicht zuletzt zur Ursache politischer und militärischer Auseinandersetzungen sowohl auf nationalem und internationalem Niveau werden lässt.
Im Rahmen der OPEC-Staaten, welche nicht weniger als zwei Drittel der noch verfügbaren weltweiten Erdölreversen auf sich vereinigen, nimmt der Irak als Land mit den weltweit drittgrößten Erdölvorkommen und einer bisherigen Explorationsrate von nur 10% eine herausgehobene Stellung ein. Angesichts dieser Bilanz ist es verwunderlich warum der Irak trotz seines Erdölreichtums in der Vergangenheit dieses gigantische Entwicklungspotential nicht nutzen konnte, um zu wirtschaftlichem Wohlstand zu gelangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Erdöl im Irak - Das Schwarze Gold als Wohlstandsgarant
3. Theorie des Ressourcenfluches
4. Der Irak als Post-Konflikt Nation – Die Entwicklung des Erdölsektors seit 1927
4.1 Die Anfänge der Erdölindustrie
4.2 Der Vormarsch der irakischen Erdölindustrie von 1968 – 1980
4.3 1980-2003 - Einbruch der Erdölexporte durch Krieg und Sanktionen
5. Entwicklung des irakischen Erdölsektors nach dem Irakkrieg 2003
5.1 Der prognostizierte Anteil der Erdölexporte beim Wiederaufbau
5.2 Reale Entwicklung des Erdölexporte
5.3 Status der Öleinnahmen
5.4 Hindernisse auf dem Weg zur weiteren Exportsteigerung
5.4.1 Das neue Ölgesetz und die Rolle internationaler Ölgesellschaften
5.4.2 Die zukünftige Rolle internationaler Ölgesellschaften
6. Can Iraq overcome the oil curse?
7. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss des Erdölexports auf die wirtschaftliche Entwicklung des Iraks in der Vergangenheit und bewertet dessen Rolle für die künftige ökonomische Stabilität des Landes unter Berücksichtigung des Ressourcenfluches.
- Historische Analyse der irakischen Ölindustrie seit 1927
- Theoretische Betrachtung des Ressourcenfluches
- Entwicklung des irakischen Ölsektors nach 2003
- Rechtliche und politische Rahmenbedingungen der Erdölförderung
- Rolle internationaler Ölgesellschaften und Investitionen
Auszug aus dem Buch
4.1 Die Anfänge der Erdölindustrie
Als die Arabisch Sozialistische Baath-Partei 1968 nach mehreren gescheiterte Versuchen (1959, 1963) durch einen Militärputsch gewaltsam die Führung im Land übernahm, befand sich der Irak in einer tiefen wirtschaftlichen Rezession und einer Phase großer Instabilität, in welcher der Irak nach Hippler „noch keine (Nation), sondern eine Verknüpfung heterogener sozialer und ethno-religiöser Subsysteme [darstellt], die durch einen unzureichend gefestigten Staatsapparat notdürftig zusammengehalten wurden“23. Diese Beurteilung kann als Resultat früherer Entwicklungen gesehen werden24: Durch die Zerschlagung des Osmanischen Reiches am Ende des 1. Weltkrieges 1918, in dem Syrien, Israel, Jordanien, Saudi Arabien, Ägypten und der Irak als geopolitische Einheit existierten, wurden zwischen diesen arabischen Territorien erstmalig politische Grenzlinien gezogen25 und unter den imperialistischen Besatzern, Frankreich und England, aufgeteilt. „Auf traditionelle Siedlungsgebiete der Völker der Regionen, religiöse Gegebenheiten, sinnvolle ökonomische Zusammenhänge […] wurde keine Rücksicht genommen“26. Insbesondere die erdölreichen Siedlungsgebiete der Kurden hatten hierunter zu leiden, denn sie wurden durch die Verteilung auf die Türkische Republik, das französische Kolonialgebiet (Syrien) und das englisches Kolonialgebiet (Irak und Iran) gevierteilt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Bedeutung des Erdöls für die Weltwirtschaft und Formulierung der Forschungsfrage zum irakischen Entwicklungspotenzial.
2. Erdöl im Irak - Das Schwarze Gold als Wohlstandsgarant: Darstellung der geologischen Ressourcenverteilung und des ungenutzten Potenzials der irakischen Ölfelder.
3. Theorie des Ressourcenfluches: Theoretische Herleitung, warum Ölreichtum politische und wirtschaftliche Instabilität fördern kann (Rentier-State-Thesis).
4. Der Irak als Post-Konflikt Nation – Die Entwicklung des Erdölsektors seit 1927: Historischer Überblick über die Entwicklung der Ölindustrie von der kolonialen Grenzziehung bis zum Irakkrieg 2003.
5. Entwicklung des irakischen Erdölsektors nach dem Irakkrieg 2003: Analyse der Nachkriegssituation, der Exportproblematik und der rechtlichen Schwierigkeiten bei der Neugestaltung des Ölsektors.
6. Can Iraq overcome the oil curse?: Kritische Reflexion der These und Zusammenfassung der empirischen Evidenzen für den Ressourcenfluch im Irak.
7. Schlussbetrachtungen: Fazit über die notwendige Diversifizierung der Wirtschaft und die Herausforderungen für die irakische Politik zur Vermeidung des Ölfluchs.
Schlüsselwörter
Irak, Erdöl, Ressourcenfluch, Wirtschaftsentwicklung, Ölsektor, Export, Ölgesetz, Rentierstaat, internationale Ölgesellschaften, Wiederaufbau, Politische Stabilität, Infrastruktur, BIP pro Kopf, Diversifizierung, Investitionen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert, inwieweit der Erdölexport die wirtschaftliche Entwicklung des Iraks beeinflusst hat und welche Rolle er in der Zukunft spielt.
Welche Themenfelder werden behandelt?
Zentral sind die historische Entwicklung der irakischen Erdölindustrie, die ökonomischen Folgen des Ressourcenreichtums und die aktuellen politischen Hürden bei der Ölgesetzgebung.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Untersuchung fragt nach dem Einfluss der Erdölressourcen auf die wirtschaftliche Vergangenheit des Landes und der zukünftigen Bedeutung für dessen Wohlstand.
Welche Methoden werden angewandt?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse auf Basis der Literatur zu Ressourcenökonomie und historischer Wirtschaftsdaten des Iraks.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil beleuchtet die historische Entwicklung seit 1927, die Theorie des Ressourcenfluches sowie die Hindernisse bei der Exportsteigerung nach dem Jahr 2003.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt zusammenfassen?
Die Arbeit fokussiert primär auf Begriffe wie Ressourcenfluch, Rentierstaat, irakischer Ölsektor und wirtschaftliche Transformation.
Warum wird der Irak als „Rentierstaat“ bezeichnet?
Die Arbeit erläutert, dass der irakische Staat seine Einnahmen fast ausschließlich aus Ölrenten statt aus Steuern generiert, was zu einer schwachen Bindung zwischen Staat und Bürgern führt.
Welche Rolle spielen internationale Ölgesellschaften?
Internationale Akteure werden zur Modernisierung der Infrastruktur benötigt, ihr Einfluss ist jedoch durch das fehlende nationale Ölgesetz und die politische Instabilität stark umstritten.
Was schlussfolgert die Arbeit hinsichtlich des „Ölfluchs“?
Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass die These vom Wohlstandsgaranten nicht bestätigt werden kann; stattdessen zeigen sich deutliche empirische Belege für einen Ressourcenfluch.
Welche Maßnahmen werden zur Vermeidung des Ölfluchs empfohlen?
Empfohlen werden eine stärkere Privatisierung des Ölsektors sowie die Nutzung eines Fonds zur intergenerationellen Verteilung der Gewinne, um eine Aufwertung der Währung zu vermeiden.
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- Bachelor of Arts Saskia Helm (Author), 2010, Die wirtschaftliche Entwicklung des Irak. Einfluss des Erdölexports auf die Entwicklung der Vergangenheit und seine Bedeutung für die Zukunft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316895