Die Verfassung von 1791. Umsetzung der Menschen- und Bürgerrechte? (11. Klasse, Grundkurs Geschichte)


Unterrichtsentwurf, 2015
16 Seiten, Note: 2

Leseprobe

1. Einordnung der Stunde in die Unterrichtseinheit:

Die Französische Revolution – Revolution der Gleichheit oder Despotismus der Freiheit?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Kompetenzen und Standards der gezeigten Stunde

Der RLP Geschichte sieht für die Jahrgangsstufe 11 das Themenfeld: „Die Herausbildung moderner Strukturen in Gesellschaft und Staat von der frühen Neuzeit bis ins 19. Jahrhundert“, ferner als Inhalt „Bürgerliche Revolutionen in England, den USA, Frankreich und Deutschland“ vor1. Die folgenden, auf diese Stunde zutreffenden Standards sind ebenfalls diesem entnommen und werden hinsichtlich der Kompetenzentwicklung der SuS für diese Stunde wie folgt ausgeführt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Lerngruppenanalyse

In dem Grundkurs der Klasse 11, den ich seit Beginn des Schuljahres eigenverantwortlich unterrichte, lernen 16 SuS, davon 3 Mädchen und 13 Jungen.

Das Leistungsniveau der Lerngruppe ist sehr heterogen. Es gibt einige SuS, die durch eine Vielzahl qualitativ hochwertiger Beiträge das Unterrichtsgeschehen voranbringen und stets interessiert den Unterricht verfolgen. Andere Schüler beteiligen sich jedoch kaum und zeigen wenig Interesse am Unterricht.

Die Lerngruppe ist sehr diszipliniert; Unterrichtsstörungen kommen selten vor. Einzig Xxxx, ist leicht abzulenken, regt aber oft die Unterrichtsdiskussion durch viele Fragen an.

Ferner arbeiten die SuS weitestgehend selbstständig, benötigen jedoch meist bei dem Beginn der Erarbeitungsphase Hilfestellungen.

4. Individuelle Kompetenzentwicklung der Lernenden

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

5. Sachstrukturanalyse/ Didaktische Reduktion

Grundlage für die neue revolutionäre Ordnung in Frankreich wurde am 26. August 1789 in der Nationalversammlung die Erklärung der Mensch- und Bürgerrechte. Diese sollten der neuen Verfassung vom 03. September 1791 vorangestellt werden. Besonders die Menschrechtserklärung der amerikanischen Kolonie Virginia diente dabei als Vorbild.

Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte war ein Meilenstein auf dem Weg zur modernen bürgerlichen Gesellschaft, denn die alte Ständeordnung wurde beseitigt und der König blieb nicht länger der Eigentümer des Staates. Als Ursprung der staatlichen Souveränität galt nun die Nation; die Gesetze sollten den allgemeinen Willen zum Ausdruck bringen. Auch wurde durch die Menschenrechtserklärung die zivile Gleichberechtigung der Bürger, Steuergleichheit, Meinungs-, Presse- und Glaubensfreiheit sowie das Recht auf Privateigentum garantiert2.

Nach zweijähriger Beratung verabschiedete die Nationalversammlung schließlich am 3. 9. 1791 die Verfassung. Sie wandelte Frankreich in eine konstitu­tionelle Monarchie um; die Idee der Volkssouveränität und das Prinzip der Gewaltenteilung bildeten ihre Grundlagen. Der König wurde an die Verfassung und an die Gesetze gebunden und durfte nur in ihrem Rahmen die Regierung führen („Beamter der Nation“), erhielt aber ein aufschiebendes Einspruchsrecht in der Gesetzgebung (suspensives Veto). Das Volk wählte als seine Vertretung die Gesetzgebende Ver­sammlung; diese tagte in Permanenz und durfte vom König nicht aufge­löst werden. Auch die Richter sollten gewählt werden. Wichtige Einzel­entscheidungen aus der Kirchengesetzgebung wurden in die Verfassung hineingenommen, desgleichen die-Verwaltungseinteilung und die An­nullierung der ehemaligen Feudalrechte und Privilegien, ebenso die Aufhebung der Zünfte, der Korporationen und des Adels.

Das Wahl­recht übten allerdings nur die Aktivbürger aus; das Aktivbürgertum war gebunden an Alter, Beruf, männliches Geschlecht, Zensus und den Nachweis positiver Einstellung zum neuen Staat; Bediente - einige Millionen - waren z. B. vom Wahlrecht ausgeschlossen. Die Bestim­mungen über den Ausschluss der steuerschwachen und der in Dienstver­hältnissen lebenden Staatsbürger gingen auf die Vertreter des zu Ver­mögen gelangten bäuerlichen und städtischen Mittelstandes zurück und boten der Agitation der radikalen, auf weitergehende Gleichheit drän­genden Gruppen eine willkommene Angriffsfläche3.

Um herauszuarbeiten, dass die Menschen- und Bürgerrechte nur partiell in der Verfassung von 1791 umgesetzt worden sind, bietet es sich ein Vergleich an. Aus Reduktionsgründen wurden redundante Stellen der Quelle gestrichen und auf aussagekräftige Passagen gekürzt.

6. Lehr- und Lernstrukturanalyse

Da der Unterrichtsbesuch im zweiten Teil des Blockes liegt, werden in den ersten 45 Minuten die Ursachen für den Ausbruch der Französischen Revolution thematisiert.

In der gezeigten Stunde erfolgt nach der Begrüßung des Besuchs ein motivierender Einstieg über einen Filmausschnitt. Dieser thematisiert die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, regt die SuS zum Nachdenken an anregt und führt direkt in das Stundenthema ein. Im Anschluss an den Filmausschnitt klappt die Lehrkraft die Tafel auf, um die Leitfrage für die SuS sichtbar zu machen, und bittet die SuS aufgrund des Filmausschnitts ein Vorausurteil im Hinblick auf die Stundenfrage zu formulieren.

Ausgehend vom Vorausurteil der SuS schließt sich die Erarbeitungsphase an. In dieser sollen die SuS mithilfe der Verfassung von 1791 und der Menschen- und Bürgerrechte fundierte Sachurteile erarbeiten, die sie Moderationskarten festhalten. Diese kleben sie zur Visualisierung an das von der Lehrkraft an der Tafel vorgegebene Schema. Die vorgegebenen Betrachtungsebenen dienen dabei zur Vorstrukturierung des Themas und geben den SuS gemeinsam mit der Leitfrage Sicherheit bei der Erarbeitung der Arbeitsaufträge.

Die Verwendung von Moderationskarten ist sowohl als Einstiegs-, als auch als Erarbeitungsmethode möglich. Mir erscheint es sinnvoll, sie in der Erarbeitungsphase anzuwenden, da die SuS bereits in der Einstiegsphase ein Vorausurteil bilden, das sie mithilfe der Moderationskarten überprüfen, indem sie dezidierte Sachurteile herausarbeiten. Mit der Anordnung der Karten entsteht in der Auswertung ein Tafelbild bzw. eine Kartengrafik, die über einen längeren Zeitraum der Lerngruppe immer wieder deutlich machen kann, welche Pro und Kontras zu den einzelnen Betrachtungsebenen gefunden werden können. Des Weiteren stellt die Methode eine kooperative Lernform dar, die der Lernpsychologie des Konstruktivismus folgt und somit den SuS dabei hilft, neues Wissen miteinander zu vernetzen und zu strukturieren4.

Die Erarbeitung erfolgt in Form von Gruppenarbeit, da diese Sozialform die Sach-, Urteils-, Methoden- und Sozialkompetenz fördert. Ferner ist diese Methode tragfähig, da sie die Erarbeitung neuen Wissens mit einer unmittelbar darauf folgenden Anwendung verbindet. Ein weiterer Vorteil dieser Methode besteht darin, dass sie alle SuS in das Unterrichtsgeschehen integriert und eine Fülle themenzentrierter Sprechakte parallel und in kurzer Zeit ermöglicht5.

[...]


1 RLP, S. 23.

2 Kursbuch Geschichte. Von der Antike bis zur Gegenwart, Berlin 2011, S.212.

3 Zeeden, Ernst Walter: Europa im Umbruch. Von 1776 bis zum Wiener Kongress, Stuttgart 1982, S.38f.

4 Vgl. Mattes, Wolfgang: Methoden für den Unterricht. Kompakte Übersichten für Lehrende und Lernende, Paderborn 2011 S. 104.

5 Ebd, S.66.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Verfassung von 1791. Umsetzung der Menschen- und Bürgerrechte? (11. Klasse, Grundkurs Geschichte)
Note
2
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V316911
ISBN (eBook)
9783668165038
ISBN (Buch)
9783668165045
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Menschenrechte, Bürgerrechte, Verfassung von 1791, Französische Revolution, Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit, Demokratie
Arbeit zitieren
Olaf Breithecker (Autor), 2015, Die Verfassung von 1791. Umsetzung der Menschen- und Bürgerrechte? (11. Klasse, Grundkurs Geschichte), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316911

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