Von der "diversité" zur "uniformité". Sprachpolitik in der Französischen Revolution

Inwiefern widersprechen die Eingriffe der französischen Regierung der Revolutionszeit in die Sprachpolitik dem heutigen europäischen Vielfaltsprinzip?


Hausarbeit, 2011
18 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsangabe

Vorwort

1. Inwiefern widersprechen sich die Eingriffe der französischen Regierung der Revolutionszeit in die Sprachpolitik mit dem heutigen europäischen Vielfaltsprinzip?
1.1 Historischer Hintergrund

2. Welche Schritte wurden eingeleitet um eine Vereinheitlichung der Sprache zu erreichen?
2.1 Sprachpolitik der Revolution
2.2 Nationalgefühl und Ideologie
2.3 Phase der „diversité“

3. Wie trug die „langue nationale unique“ zur Vereinheitlichung des Landes bei?
3.1 Konzept der Nationalsprache
3.2 Phase der „unifomité“
3.3 Politische Veränderungen
3.4 Folgen

4. Wie schafft es Europa trotz seiner Mehrsprachigkeit zu funktionieren?

5. Konklusion:

6. Quellenangabe:

Vorwort

Am Ende des 18. Jh. beseitigte die Große Französische Revolution das Ancien Régime. Die französische Aufklärung hatte ihren Anteil an der Entwicklung und am Ausbau der revolutionären Gesinnung[1]. Die Folgen daraus auf die sprachlichen und kommunikativen Verhältnisse in Frankreich sind bis heute noch spürbar.

Die grundlegenden Veränderungen äußern sich vor allem in der Auseinandersetzung mit der, zeitweise auch widersprüchlichen, Norm- und Sprachpolitik unter Einbezug der gesamten Nation. Die Sprache erhält im Laufe der Epoche viele bedeutungstragende Aufgaben und Titel, wie zum Beispiel „langue de la libérte“ oder „Sprache der Menschenrechte“, und wird somit für die Regierung zum Mittel der Verbreitung eines neuen zentralistischen, revolutionären Idealismus.

Das Prestige der Sprache Französisch erhält seinen Höhepunkt mit der Erhebung von der Sprache der Höfe zur Nationalsprache. Die Verbreitung der Neuordnung der innerstaatlichen Verhältnisse und ihrer sprachpolitischen Veränderungen für Frankreich war eine vorerst schwierige Aufgabe, denn eine Bestandsaufnahme machte deutlich, dass von ungefähr 25 Millionen Franzosen und Französinnen nur etwa die Hälfte, und zwar oftmals nur rudimentär, Französisch spricht.[2] Nachdem man diesem Missstand zuerst mit einer Übersetzungspolitik beikommen wollte, setzte man später auf eine Politik der sprachlichen Vereinheitlichung des Landes.[3]

Einheit im Sinne von Einheitlichkeit war dagegen für Europa nie charakteristisch. Der vielräumige Kontinent „Europa“ ist geprägt von kultureller wie sprachlicher Pluralität, deren Differenzen weniger als Kritikpunkte, die man beseitigen muss- im Vergleich zum damaligen Frankreich- gelten, sondern als wichtigste Charakteristika, schon sozusagen Voraussetzungen, für den intensiven kulturellen Austausch und Transfer.[4]

Ich werde in den folgenden Arbeit versuchen, einen geschichtlichen Rückblick über die sprachpolitischen Maßnahmen der Revolution von der Phase der „diversité “ ausgehend, über die Phase der Übersetzungspolitik, bis zur „uniformité“ zu erläutern und die daraus resultierenden Auswirkungen auf den Sprachgebrauch des Volkes zusammenzufassen. Schlussendlich werde ich diese spezielle Phase der französischen Sprachpolitik mit dem europäischen Prinzip der Mehrsprachigkeit vergleichen.

Besonders die Unterschiede beider Sprachpolitiken werden dargestellt.

1. Inwiefern widersprechen sich die Eingriffe der französischen Regierung der Revolutionszeit in die Sprachpolitik mit dem heutigen europäischen Vielfaltsprinzip?

1.1 Historischer Hintergrund

Die Französische Revolution im Jahre 1789 war das für Frankreich folgenreichste Ereignis der neuzeitlichen Geschichte. Zu der Zeit der bis dato größten Wirtschaftskrise bereitete vor allem das verschwenderische Leben des Adels Unruhen im Volk.

Des Weiteren wurde der Aufschrei nach Gleichheit unter allen Ständen und generell die Umsetzung der gepredigten Werte und Ideen der Aufklärung zum Ziel. Das beinhaltete den Wunsch grundlegender macht- und gesellschaftspolitischer Veränderungen, wie die Alleinherrschaft des König Louis 14. zu beenden und somit auch das Ancien Régime.

Jedoch der größte politische Umbruch, zu dem als Auslöser fungierenden Ereignissen die Ausrufung der Generalstände und dem Sturm auf die Bastille (14. 7. 1789) zählten, kam es durch die nationale Hungersnot und dem immer stärker werdenden Drang nach Gerechtigkeit.

Von großer gesellschafts- und machtpolitischer Bedeutung sind unter anderen der Erfolg der gewünschten Neubildungen einer nun demokratischen Regierung, der generellen Abschaffung der Ständeklausel und der Verfassung der „ Déclaration des droits de l’homme et du citoyen “ (1791), die für alle Menschen „Gleichheit vor Gesetz und Recht“ garantieren sollte.

Die Sprachpolitik der Revolution wird als „bedeutendster staatlicher Eingriff in die Kommunikation“[5] beschrieben. Die verschiedenen politischen Organe, von der Assemblée Nationale über die Convention zu den Comités, haben sich wiederholt mit dem Sprachthema befasst und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Verbreitung nur dann erfolgreich verlaufen kann, wenn man sie in Kontext der Ideologie und der kulturellen Identität Frankreichs setzt.

Am Höhepunkt des jakobinischen Terreurs werden auch andere Revolutionäre zu aktivem Handeln inspiriert. Besonders drei Namen stechen hervor: Françoise -Urbain Domergue, der professionelle Linguist oder besser der „ grammairien- patriote “, der neue wissenschaftliche Expertisen entwickelt, Abbé Henri Grégoire, der Kulturpolitiker, der sich im Rahmen eines umfassenden geografischen Projekts mit der Sprachen- und Sprecheranzahl befasst, und Bertrand Barère, der „Generalist“, der in einem entscheidenden Moment die Sprachenfrage aufwirft.

2. Welche Schritte wurden eingeleitet um eine Vereinheitlichung der Sprache zu erreichen?

2.1 Sprachpolitik der Revolution

Eingriffe in Kommunikationsverhältnisse sind Akte von Sprachpolitik, sie drückt sich in Form von Gesetzen und Verordnungen, sowie ihrer Durch- und Ausführung aus. Sie werden von den jeweiligen Machthabern bewusst genutzt, um damit klare Struktur zu geben über die Sprache, welche man, wie, in den bestimmten Kommunikationssituationen benutzen muss. Eingriffe wären zum Beispiel das Veranlassen eines neuen Gesetzes im Rahmen der Nationalsprache, Erstellung neuer Lexika und Gebrauch von Neologismen, in der Schulpolitik, oder auch das Verbot bestimmter Sprachen/ Dialekte im öffentlichen Bereich.[6]

Die Französische Revolution setzte den Startschuss für eine neue politische Ära- die erste Republik wurde annonciert.

Von da an bemühte man sich sehr stark um das Mitwirken der vormaligen „ sujets“ des Königs, die nun durch die aufklärerische Idee der égalité zu „ citoyens“ aufgestiegen sind, in gesellschaftliche Prozesse. Man suchte nach einer Möglichkeit um selbst die einfachsten Bürger zum aktiven Mitdenken in gemeinsamen Lebensbereichen zu motivieren. Man wollte somit Zugehörigkeitsgefühle wecken, kulturellen Austausch fördern, und natürlich auch den Menschen das Selbstvertrauen zu geben, eine Persönlichkeit zu entwickeln.

Tatsächlich legen die Revolutionäre nun verstärkt auf die Symbolik und das Prestige des Französischen als Mittel zum Zweck wert.

« Nulle part ailleurs qu‘en France (…) la langue en‘a été portée en aussi haute estime, jusqu‘au rang de symbole du génie national (…) l‘indéracinable superstition selon laquelle parler français signifiait exprimer les valeurs que la France admirait […] le langage était censé refléter le bon sens et la clarté d‘esprit que tous les Français auraient hérité de Descartes. » [7]

Somit entstand das sprachliche Ideal einer Einheit von Sprache und Nation als Ausdrucksform der Gleichheit der Franzosen und Französinnen. Ein Volk zeichnet sich durch eine gemeinsame Sprache und Kultur aus uns stellt dadurch eine Nation dar.[8]

[...]


[1] Vgl.:„Französische Sprachgeschichte“, S. 152

[2] Vgl:„Französische Sprachgeschichte“, S. 153

[3] Vgl: „Der Gallische Herkules“, S. 33

[4] Vgl: „Die Vielfalt Europas“, S.1

[5] Vgl.: „Sprache und Politik in Frankreich“, Folie 32

[6] Vgl: „Sprache und Macht“, S. 19

[7] Zit nach.: Theodor Zeldin, „Sprache und Nation“, S. 57

[8] Vgl: „Sprache und Nation“, S. 57

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Von der "diversité" zur "uniformité". Sprachpolitik in der Französischen Revolution
Untertitel
Inwiefern widersprechen die Eingriffe der französischen Regierung der Revolutionszeit in die Sprachpolitik dem heutigen europäischen Vielfaltsprinzip?
Hochschule
Universität Wien  (Romanistik)
Veranstaltung
Sprachwissenschaftliches Proseminar 2
Note
2
Autor
Jahr
2011
Seiten
18
Katalognummer
V316930
ISBN (eBook)
9783668157347
ISBN (Buch)
9783668157354
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
französische Sprachrevolution, Europa, unité, diversité, Sprachwissenschaft, romanische Sprachzusammenführung, Frankreich, Sprachpolitik, 18.Jahrhundert
Arbeit zitieren
Madita Wegerer (Autor), 2011, Von der "diversité" zur "uniformité". Sprachpolitik in der Französischen Revolution, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316930

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