Differenzierung im Sportunterricht. Notwendigkeit und Möglichkeiten der Umsetzung


Referat (Ausarbeitung), 2009
11 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitende Aspekte zur Begriffsklärung von Differenzierung

2. Notwenigkeit und Gründe der Differenzierung
2.1 Differenzbegriff basiert auf Gleichheit
2.2 Folgen eines nichtdifferenzierten Unterrichts
2.3 Zur Zielsetzung differenzierten Unterrichts

3. Ebenen der Differenzierungsmöglichkeiten
3.1. Äußere Differenzierung
3.2. Innere Differenzierung
3.2.1. Didaktische Differenzierung
3.2.2. Methodische Differenzierung

4. Schlussbemerkungen

5. Literaturverzeichnis:

1. Einleitende Aspekte zur Begriffsklärung von Differenzierung

Bereits bei der simplen Fragestellung nach den Zielen die Sportunterricht erfüllen soll, steigt man in das Zentrum der gesamten Differenzierungsproblematik ein. Denn wenn das Ziel von Sportunterricht, insbesondere vor dem Hintergrund einer immer stärker werdenden Heterogenität der Schülerschaft (z.B. in ihren körperlichen Vorraussetzungen) „in der optimalen Entwicklung aller körperlichen Anlagen, Fähigkeiten und Begabungen des Schülers zu sehen“ (Söll, 1976, S. 20) ist, dann erscheint die Anwendung von differenzierenden Lehr- und Lernmethoden als nicht umgänglich, um SchülerInnen trotz differenter Leistungsfähigkeitsvoraussetzungen und Interessenlagen individuell optimal körperlich und geistig im sportlichen Sinne fördern und entwickeln zu können. Diese unaufhebbare Differenz jedes Einzelnen gegenüber den anderen Individuen, lässt die daraus resultierende ’Differenzierung’ zunehmend „zu einem Kern- und Schlüsselbegriff der modernen Bildungspolitik“ (Söll, 1976, S. 11) werden und verleiht ihr den Rang eines des wichtigsten und komplexesten pädagogischen Prinzips, das im heutigen Schulsport von durchgehender unterrichtspraktischer Bedeutung ist.

Es „wird geradezu zum Zauberwort für den Eintritt in ein pädagogisches Paradies“ (Söll, 1979, S. 67) gehandhabt, denn allein schon an der Weite der Definition des Begriffes ’Differenzierung’ lässt sich erkennen, dass dieser gerade zu als maßgebliche und allseitig problemlösende pädagogische Formel glorifiziert wird:

„Der Begriff der Differenzierung umfasst alle organisatorischen und methodischen Bemühungen, die darauf abzielen, den individuellen Begabungen, Fähigkeiten, Neigungen und Interessen einzelner Schüler oder Schülergruppen innerhalb einer Schule oder Klasse gerecht zu werden“ (Söll, 1976, S.14 nach Klafki, 1976).

Besonders wenn Heymen betont, dass „Differenzierung [...] in der Variation von Zielen, Inhalten, Methoden und Medien“ (Heymen, 2000, S.104) besteht, wird klar, dass „hier wie in keinem anderen Begriff alle pädagogischen und didaktischen, alle soziologischen, lern- und entwicklungspsychologischen, [...] alle organisatorischen Probleme schneiden und gleichsam zu einem Knoten vereinigen“ (Söll, 1976, S. 11).

Diese Hausarbeit soll daher Anlass geben, diese entscheidende Stellung im gesamten Prozess der Unterrichtsplanung und –durchführung, durch eine im Punkt 2 durchgeführte Analyse der Notwendigkeiten, Gründe und Zielsetzungen, eingehender zu begründen, um auf dieser Basis im Punkt 3 einen Überblick über die Differenzierungsmöglichkeiten zu geben, die im Entscheidungsspielraum jeder einzelnen Lehrperson bzw. der Institution Schule liegen, um adäquat auf Differenz reagieren zu können.

2. Notwenigkeit und Gründe der Differenzierung

Die Notwenigkeit von Differenzierungsmaßnahmen leitet sich einfacher Weise aus der bildungspolitischen Zielsetzung unseres Schulsystems her, jedem Schüler und jeder Schülerin eine größtmögliche Förderung ihrer individuellen Entwicklungsmöglichkeiten zu garantieren. Differenzierung wäre vor dem Hintergrund dieser Forderung nur dann unnötig, wenn „alle Schüler mit gleichem motorischen Fertigkeitsniveau, mit gleichem Lerntempo, mit gleicher Motivation und gleichen Interessen am Unterricht teilnähmen“ (Heymen, 2000, S.105).

Diese unrealistische Darstellung verdeutlicht die Präsenz von Differenzen zwischen SchülerInnen, die sich nach Laging (2004) sowohl in ihren differenten Entwicklungsverläufen und Möglichkeiten unterscheiden, aber auch in Bezug auf soziale und ökonomische Lebens- und Aufwachsensverhältnisse differieren. Ersteres impliziert vor allem Differenzen in der Leistungsfähigkeit der SchülerInnen (z.B. Lernerfolg, -tempo, -schwierigkeiten), also der Leistungshöhe, die sie auf Grund von anlage- und entwicklungsbedingten Leistungsvoraussetzungen (physische, psychische und kognitive Leistungsfaktoren) erreichen können - seinen diese z.B. durch körperliche Beeinträchtigungen, (orthopädisch, internistisch, ...) generell oder partiell leistungsschwach. Der zweite Aspekt macht auf die Leistungsfähigkeit in einem soziokulturellen Zusammenhang aufmerksam, wenn nämlich diverse sozialisationsbedingte Faktoren leistungsfördernd oder –hemmend in Erscheinung treten. Aus dieser Perspektive heraus können eventuell vorhandene „soziale Barrieren“ erheblichen Einfluss auf den Zugang zur sportlichen Aktivitäten haben. Ein dritter wichtiger Aspekt, der die Herausbildung verschiedener Persönlichkeiten fördert und damit die Heterogenität in einer Lerngruppe noch verschärft, stellen die individuell-unterschiedlichen Interessenlagen, Lernvorlieben und subjektive Präferenzen für bestimmte Lernstrategien dar.

2.1 Differenzbegriff basiert auf Gleichheit

Diese Gegebenheiten fordern neben der Wahrnehmung und Antizipation von Differenz zwischen den Lernenden durch die Lehrperson, besonders die Integration sich daraus als notwenig ergebender kompensatorischer Differenzierungsmaßnahmen in den Sportunterricht, wie sie durch eine „individuelle leistungs- und interessenbezogene Variationen sportlicher Möglichkeiten“ (Laging, 2004, S.5 nach Trebels, 2001) erreicht werden können.

Es kommt bei diesem Grundgedanke der Differenzierung in besonderer Weise darauf an sich zu vergegenwärtigen, dass Differenzierung im Sinne eines reinen Kompensierens von Unterschieden eine nicht hinreichende pädagogische Zielsetzung darstellt. Vielmehr muss sie im Rahmen eines dialektischen Ansatzes an den Maximen der Gleichheit orientiert und reflektiert werden, sodass nicht die Differenz an sich, sondern die Gleichbehandlung von SchülerInnen mit differenten Voraussetzungen, als Erfüllung der im Grundgesetz veranschlagten Bildungs- und Chancengleichheit, im Vordergrund steht. Laging (2000) argumentiert hier aus einem fortschrittlichen Blickwinkel, wenn er feststellt, dass ein gleiches Lernangebot für alle SchülerInnen in unterschiedlichen Leistungen resultieren, diese aber gemessen an einer obligatorischen Durchschnittswertungsnorm, keinerlei

„Gleichheit in den Chancen für eine individuelle Entwicklung, [zu lässt] die nicht bei der durchschnittlichen Leistungsnorm endet. Entwicklungsfördernde Differenzierung sind dagegen auf Lernarrangements gerichtet, die das Besondere des Einzellernens gegenüber dem Gleichen aller einer Lerngruppe herausstellen“ (Laging, 2000, S.6).

Durch diese Herleitung gewinnt der Begriff des Lernens eine neue Dimension, denn als individueller Prozess, kann er nur als Auseinandersetzung an und mit der Differenz des Einzelnen zum jeweils anderen stattfinden, die im gemeinsamen Gleichen (dem thematischen Rahmen) erfolgt muss. Dies beinhaltet, dass Differenzierung aber nur dann als „Gewinn und Motor des Lernprozesses“ (Laging, 2000, S.6) gelten kann, wenn es der Lehrperson gelingt, den Lernenden durch Offenheit in der Aufgabenbewältigung und in den Lernangeboten differente Zugangsweisen zu einem Themenfeld möglich zu machen, um „eine optimale Passung zwischen den Lernvoraussetzungen und Lernanforderungen“ (Laging, 2000, S.6) zu schaffen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Differenzierung im Sportunterricht. Notwendigkeit und Möglichkeiten der Umsetzung
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Sportwissenschaften)
Veranstaltung
Grundlagen der Fachdidaktik
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
11
Katalognummer
V316959
ISBN (eBook)
9783668160286
ISBN (Buch)
9783668160293
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Differenzierung, Sportunterricht, Binnendifferenzierung, Sport, Leistungsvoraussetzungen
Arbeit zitieren
Saskia Helm (Autor), 2009, Differenzierung im Sportunterricht. Notwendigkeit und Möglichkeiten der Umsetzung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316959

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