Der animalische Magnetismus von Franz Anton Mesmer. Die Mesmer'sche Lehre als Urform der Hypnosetherapie


Seminararbeit, 2004
21 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABSTRACT.

1. EINLEITUNG

2. BIOGRAFIE FRANZ ANTON MESMERS
2.1. Kindheit und Studium
2.2. Erste Behandlungen mit Magneten
2.3. Mesmers Zeit in Paris
2.4. Ende der Karriere und Lebensabend

3. DER ANIMALISCHE MAGNETISMUS
3.1. Entwicklungsgeschichte und Voraussetzungen für Mesmers Lehre
3.2. Die Theorie
3.3. Die magnetische Behandlung
3.4. Wirkung auf die zu magnetisierende Person

4. DIE ENTWICKLUNG DER HYPNOSETHERAPIE.
4.1. Hypnose
4.1.1. Begriffsbestimmungen Hypnose und Suggestion
4.1.2. Hypnosetheorien
4.2. Entwicklung vom animalischen Magnetismus zur Hypnosetherapie
4.3. Elemente der Mesmer'schen Lehre in der Hypnosetherapie

5. ZUSAMMENFASSUNG

LITERATURVERZEICHNIS

ABSTRACT

Animal Magnetism, a term which arose significantly in the eighteenth century, characterized sciences and the progression of energy - based therapy. Franz Anton Mesmer re - discovered the theory of planets influencing the human body and as well as humans influencing each other through an energized fluid flowing through the living organism. An irregular spreading of the fluid could be the cause of all kinds of diseases. Thus, he invented the theory of „animal magnetism“ to describe the effect and therapy of illnesses. For his magnetic treatment, he used magnets to stimulate the energetic fluid in order to spread consistently until he found out to be magnetic himself. This revolutionary discovery allowed him to produce a magnetic sleep, a condition in which he had full control over the patient's body.

Magnetic treatment became the antecedent for further development of hypnotic treatment. Mesmer used „passes“, certain movements of the hands to induce the required magnetic sleep to cure all kinds of illnesses and also other techniques which can be found in modern hypnosis. After his death, numerous scientists experimented on the basis of Mesmer's magnetism and, for instance, developed the theory of suggestion, a basic element in modern hypnotic therapies. Franz Anton Mesmer became pioneer in the development of modern therapies.

1. EINLEITUNG

Im aufkommenden Zeitalter der Aufklärung (Mitte des 17. Jahrhunderts bis Anfang des 19.

Jahrhunderts) wandten sich die Bürger gegen Ungleichheit der Stände und die schlechte wirtschaftliche Lage zur Zeit des Absolutismus; eine Revolution der Gedanken hinsichtlich der medizinischen Entwicklung schritt allmählich voran. In dieser Zeit wurde der 1734 geborene Franz Anton Mesmer zum Vorläufer der Körper- und Hypnosetherapie.

Kenntnisse über einen heilsamen Magnetismus und die Verbindung zwischen Himmelskörpern und dem belebten Organismus gab es bereits in der Antike. Mesmer war fasziniert von dieser Art der Beeinflussung und entwickelte daraufhin eine neuartige Theorie: die Theorie des animalischen Magnetismus (Fluidumtheorie). Ihm zufolge bestünde eine Beeinflussung zwischen Himmelskörpern und dem menschlichen Organismus (sowie Menschen untereinander) durch ein Fluidum, das durch den Körper fließe. Bei einer ungleichmäßigen Verteilung des Fluidums entstünden Krankheiten, welche mithilfe von Magnetkuren geheilt werden könnten. Mit seiner (Wieder-) Entdeckung des Magnetismus behandelte er unzählige, unheilbar geglaubte Menschen erfolgreich und wurde, nicht nur positiv gesehen, zum Mittelpunkt der damaligen Wissenschaft. Durch die am 16. März 1784 vom französischen König Ludwig XVI. einberufenen Kommissionen zur Überprüfung der magnetischen Kuren und die folgende Ablehnung der Theorie erhielt die Karriere des Arztes einen (zumindest von wissenschaftlicher Seite betrachtet) schwerwiegenden Rückschlag, durch den die Existenz des Fluidums stark angezweifelt wurde. Mitte bis hin zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden weitere zahlreiche Schriften über die Theorie Mesmers veröffentlicht1 ; oftmals mit erschütternden Stellungnahmen und Ergebnissen hinsichtlich der medizinischen Relevanz und Korrektheit.

Mesmer selbst war während seiner gesamten Karriere vom animalischen Magnetismus als Methode zur ganzheitlichen Heilung von Krankheiten überzeugt; seine Patienten erschienen täglich zur Magnetkurbehandlung. Durch die Französische Revolution und den Verlust seines Vermögens zog er sich schließlich nach vielen Jahren aus der Öffentlichkeit zurück; seine von ihm und weiteren Personen gegründeten „Sociétés de l'Harmonie“, magnetische Heilstätten, wurden größtenteils zerstört oder aufgelöst.

Das Modell der Lebensenergie gilt bis dato als Vorläufer der Hypnosetherapie, denn unter anderem nutzte Mesmer sogenannte Mesmersche Striche (Handbewegungen) zur Magnetisierung eines Subjektes; bei der heutigen Hypnose werden ähnliche Bewegungen zur Tranceinduktion eingesetzt. Ebenso gewinnt der Magnetiseur volle Kontrolle über seinen Patienten während des sogenannten magnetischen Schlafes; ein Zustand, der sich auch in der Hypnosetherapie in ähnlicher Form finden lässt.

Nach seinem Tod gab es trotz aller Opponenten und Kritik viel Zuspruch für seine Fluidumtheorie und viele Wissenschaftler nutzten die gewonnenen Erkenntnisse als Grundlage eigener Experimente. Somit widerlegte zwar der ehemalige Schüler Mesmers Marquis de Puys é gur die Theorie seines Lehrers, nutzte den Magnetismus jedoch als Grundlage zur Erforschung des von ihm entdeckten künstlichen Somnambulismus, Element der modernen Hypnosetherapie. Diese Seminararbeit gibt einen Überblick über das Leben und die Theorie des Franz Anton Mesmers, die Wirkung des animalischen Magnetismus, Behandlungsweisen und schildert die Entwicklung des Mesmerismus bis hin zur heutigen Hypnosetherapie; einschließlich Begriffserläuterungen, Hypnosetheorien und einer Veranschaulichung der Elemente des Magnetismus, die sich bis heute in der hypnotischen Therapie wiederfinden lassen.

2. BIOGRAFIE FRANZ ANTON MESMERS

2.1. Kindheit und Studium

Franz Anton Mesmer wurde am 23. Mai 1734 als drittes von neun Kindern in Iznang am Bodensee geboren, sein Vater war Wildhüter und im kirchlichen Dienst tätig. Zur Zeit des damaligen Absolutismus bestimmten Ausbeutung der Bauern, die schlechte wirtschaftliche Lage und die stetig wachsende Kluft zwischen arm und reich das Leben.

Die Kindheit des jungen Mesmers wurde von der Natur begleitet; er wuchs frei und mit einer starken Bindung zu seiner Umgebung auf und forschte bereits in jungen Jahren mit Vorliebe. Er wurde zunächst in einer Dorfschule unterrichtet, dann erhielt er in einem Kloster Musik- und Lateinunterricht und von 12 bis 16 Jahre war er Schüler am Jesuitenkolleg Konstanz und studierte anschließend an der Universität Dillingen Philosophie und Theologie. Er sollte ebenso wie sein Bruder Pfarrer werden, schrieb sich jedoch im November 1754 an der Jesuitenuniversität in Ingolstadt für das Theologiestudium ein, brach dieses womöglich jedoch ab um Philosophie zu studieren.2 Nach fünf Jahren promovierte er und beschäftigte sich zusätzlich mit Mathematik, Physik, Französisch und Astronomie.

1759 ging er nach Wien, um Medizin zu studieren und legte 1766 seine Dissertation mit dem Titel „De influxu planetarum in corpus humanum“ („Der Einfluss der Planeten auf den menschlichen Körper“) vor, die schon Ansätze seiner späteren Theorie enthielt. Obwohl er für diese Arbeit den Doktortitel erhielt, konnte seine Theorie bereits schon zu dieser Zeit keinen Anklang finden. Er ließ sich nach der Promotion als Arzt in Wien nieder.

Durch die Eheschließung mit der reichen und zehn Jahre älteren Witwe Maria Anna von Posch im Januar 1768 stieg Mesmer in die Wiener Elite auf und hatte regelmäßig bedeutende Musiker wie Haydn oder die Mozart Familie als Gäste. Er selbst spielte die Glasharfe und setzte dieses weitläufig in Vergessenheit geratene Instrument auch bei seinen Ritualen ein.

2.2. Erste Behandlungen mit Magneten

Nach der Veröffentlichung seiner Dissertation und der Heirat wagte er mit Hilfe von Magneten3 erste Heilungsversuche zur Befreiung des Patienten von den Symptomen.4 Bei diesem Heilungsprozess befestigte er Eisenmagneten am Körper des Kranken; zur Intensivierung der Wirkung platzierte er zusätzlich dazu auf seinem eigenen Körper Magnete. Einige Jahre später stellte er fest, dass eine ähnliche Wirkung auch ohne extra Magnete eintrat und es kam die Vermutung auf, dass er und somit generell der menschliche Organismus, magnetisch sei; die Theorie des animalischen oder auch tierischen Magnetismus gewann für Mesmer an Bedeutung.5 Auch Franz Anton Mesmer selbst erlangte zunehmende Popularität in der Bevölkerung; seine außergewöhnliche Heilmethode fand in ganz Europa Zuspruch und Anerkennung. Mediziner experimentierten mit der entwickelten Methode, allerdings wuchs in diesem Umfeld überwiegend Skepsis und Kritik gehörte fortan zum ständigen Begleiter des jungen Heilers. 1775 übernahm Mesmer den Fall der jungen Pianistin Maria Theresa Paradies (1759 - 1824), die unheilbar blind war. Sie zog zur Behandlung durch die magnetische Kur für insgesamt fünf Monate zu Mesmer, während der Therapie verspürte die junge Frau ein Zittern in den Gliedmaßen, Überdehnung des Genicks, diverse Arten von Kopfschmerz, Schwindelgefühl und andere Symptome.6 Es trat jedoch ein Erfolg bei der Wiederherstellung des Augenlichts auf, den er umgehend der Öffentlichkeit mitteilte. Da die Behandlung durch einen Disput zwischen dem Vater der 18- Jährigen und dem Heiler zwangsläufig abgebrochen werden musste, kehrte die Blindheit zurück und Mesmer erhielt durch diesen Misserfolg starke Kritik und wurde des Betruges beschuldigt, woraufhin er Wien verließ und in Paris einkehrte.

2.3. Mesmers Zeit in Paris

Im Jahr 1779 veröffentlichte er die Abhandlungüber die Entdeckung des thierischen Magnetismus 7 , in der er seine Theorie des Magnetismus in 27 Leitsätzen zusammenfasste. Trotz der Behandlungserfolge innerhalb der Bevölkerung stieß Mesmer auch in Paris auf Gleichgültigkeit und Skepsis seiner Therapie gegenüber; die erhoffte Anerkennung durch medizinische Institutionen blieb zunächst aus. Die Anzahl seiner Patienten in seiner Praxis wuchs jedoch stetig; er behandelte neben Aristokraten, Mitgliedern des Königshofes und anderen vermögenden Patienten auch die Mittellosen täglich kostenlos. Durch die massive Inanspruchnahme seiner Therapie entwickelte er ein sogenanntes Banquet 8 zur Behandlung mehrerer Patienten gleichzeitig. Die Methode hatte großen Erfolg und verschaffte dem Heiler großen Reichtum, allerdings blieb eine Anerkennung auf wissenschaftlicher Basis nach wie vor aus. Nach weiteren Rückschlägen fasste Mesmer den Entschluss, eine eigene Schule zu gründen. Die „Sociétés de l'Harmonie“ (die harmonischen Gesellschaften) verbreiteten sich in ganz Europa; gegen eine Aufnahmegebühr konnte jeder in die Lehre des animalischen Magnetismus und dessen Praxis eingeführt werden. Durch diese recht simple Möglichkeit verbreiteten sich unweigerlich Betrüger und der Ruf des Magnetismus wurde stark beschädigt.9

Der französische König Ludwig XVI. rief am 16. März 1784 2 Kommissionen aus Medizinern und Wissenschaftlern (Société Royale, Académie des Sciences, Académie de Médicine) zur theoretischen und praktischen Untersuchung der magnetischen Kuren zusammen; die Kommissionsmitglieder führten eigene Experimente durch und lehnten die Theorie Mesmers letztendlich ab. Eine (physikalische) Existenz des animalischen Fluidums konnte nicht nachgewiesen werden, daher ging man bei der heilsamen Wirkung von der Kraft der Imagination des Patienten aus. Da Mesmer jedoch die geprüften Behandlungen nicht selbst durchführte, konnte ihm kein Verbot der weiteren Behandlung der Patienten durch Magnetkuren erteilt werden; es besuchten trotz des negativen Urteils der Untersuchungskommissionen weiterhin reichlich Patienten die Praxis und auch die Harmoniegesellschaften fanden zahlreiche Anhänger. Der langjährige Aufenthalt in Paris trieb Mesmers Karriere rasant voran und wurde zu der wohl bedeutendsten Zeit seiner Etablierung als Heiler.

[...]


1 Vgl.: Alvadaro, C. S. (2009). Late 19th- and Early 20th- Century Discussions of Animal Magnetism. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis. S. 366- 381. S. 367.

2 Vgl.: Mielich, S. (2009). Karl Alexander Ferdinand Kluge (1782 - 1844), der „ animalische Magnetismus “ und heutige Hypnosekonzepte. Inaugural - Dissertation. Regensburg. S. 23 f.

3 Der Astronom und Jesuit Pfarrer Hell behandelte Kranke mit Hilfe von magnetischen Stahlseilen, die über den Körper gelegt wurden. Mesmer konnte Gemeinsamkeiten zwischen seiner Theorie und der Behandlungsweise Hells feststellen; daraufhin begann er, mit Magneten zu experimentieren.

4 Die Symptome waren Mesmer zufolge biomagnetische Störungen im Körper.

5 Vgl.: Knapp - Diederichs, V. Franz Anton Mesmer - Pionier der modernen Körpertherapie. S. 3.

6 Vgl.: Lanska, D., Lanska, J. Franz Anton Mesmer and the Rise and Fall of Animal Magnetism: Dramatic Cures, Controversy, and Ultimately a Triumph for the Scientific Method. S. 304.

7 In französischer Sprache: „Mémoires sur la découverte du Magnétisme animal“.

8 Das Banquet war ein mit Wasser gefüllter Eisenbottich, in dem die Patienten saßen und sich an magnetischen Eisenstäben und Seilen festhielten, wodurch sie Mesmers magnetische Kraft aufnehmen konnten. Die Anwesenheit Mesmers war nicht unmittelbar nötig; er konnte jedoch die Wirkung der Behandlung durch Berührung der Patienten oder durch Zuspruch bestärken.

9 Vgl.: Mielich, S. (2009). S. 32.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Der animalische Magnetismus von Franz Anton Mesmer. Die Mesmer'sche Lehre als Urform der Hypnosetherapie
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Veranstaltung
Physis und Text: Das (Natur)Wissen der Literatur
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V316964
ISBN (eBook)
9783668158566
ISBN (Buch)
9783668158573
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Magnetismus, animalisch, Mesmer, Somnambulismus, Franz Anton Mesmer, animalischer Magnetismus, Hypnose, Hypnosetherapie, Fluidumtheorie, künstlicher Schlaf, Marquis de
Arbeit zitieren
Josephine Koch (Autor), 2004, Der animalische Magnetismus von Franz Anton Mesmer. Die Mesmer'sche Lehre als Urform der Hypnosetherapie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316964

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