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Die Funktionen der Gewalt in Heinrich von Kleist "Penthesilea" und "Die Herrmannsschlacht"

"Empörung! Rache! Freiheit!"

Título: Die Funktionen der Gewalt in Heinrich von Kleist "Penthesilea" und "Die Herrmannsschlacht"

Tesis (Bachelor) , 2014 , 57 Páginas , Calificación: 1,1

Autor:in: Thomas Franz (Autor)

Filología alemana - Literatura alemana moderna
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Heinrich von Kleists Texte verstören. Niemals sind sie banal oder einfach. Seine Poetik der Irritation wird als "Erschütterungskunst" empfunden, die ihre Leser oft ratlos zurücklässt. Die irritierende und verstörende Wirkung hat verschiedene Gründe. Neben nicht aufgelösten Inkonsistenzen und Widersprüchen in den Texten, die von Kleist gewollt sind, um die "gebrechliche Einrichtung der Welt" in ihrer ganzen Komplexität, Opazität und Widersprüchlichkeit darzustellen, zeichnet auch die Ubiquität der Gewalt verantwortlich für die Irritationswirkung der Texte.

In der Forschungs- und Rezeptionsgeschichte stand die Erforschung der Funktion und Bedeutung der Gewaltdarstellung nicht selten im Fokus des Interesses an den Texten. Gewalt ist eines der zentralen Themen bei Kleist. Es wird in nahezu jedem Text verhandelt. Gewalt in ihrer zutiefst abstoßenden Form von seelischer oder körperlicher Grausamkeit ist omnipräsent. Im Rahmen der Ubiquität der Gewaltdarstellung ist eine monokausale Erklärungsperspektive nicht zielführend. Kleist verhandelt Gewalt vielmehr in verschiedenen Diskursfeldern. Exemplarische Diskursfelder sind die Verquickung von Gewalt und Revolution als Befreiungskampf, der Nexus zwischen Gewalt und Recht sowie das diskursive Verknüpfungsfeld von Gewalt und Liebe oder Liebe als Geschlechterkampf.

Insbesondere die Dramen 'Die Herrmannsschlacht' als das "Hohelied des dämonischen Hasses" und 'Penthesilea' als das "Hohelied des Sadismus" erregen die Gemüter bis heute und lassen den Leser zweifeln, ob Gewalt für Kleist einen Wert an sich darstellt, der Ausfluss eines Menschenhasses Kleists ist und der seine Weltwahrnehmung und literarische Darstellung in unlauterer Weise prägt und verzerrt.

Methodisch werde ich so vorgehen, dass ich mich zunächst für jedes der beiden Dramen separat den drei Funktionen der Gewaltdarstellung widme und diese nah am Text im Einzelnen zu belegen versuche, um dann in einem Folgeschritt die ästhetische, d.h. die formale, Umsetzung der Gewaltdarstellung zu untersuchen und den als Strukturelement in den Texten eingeschriebenen Nexus von Liebe, Gewalt und Sprache aufzuzeigen. Am Ende soll im Rahmen von die Arbeit abrundenden Schlussbetrachtungen eine vergleichende Perspektive gewagt werden und im Rahmen einer Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse der Beweis für meine These von der Funktionstrias der Gewaltdarstellung als Fortführung der Aufklärung, als Aufklärungskritik und als Didaxe der Macht erbracht werden.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Penthesilea - Liebe und Gewalt

2.1. Gewaltdarstellung als sozialkritische Weiterführung der Aufklärung

2.2. Gewaltdarstellung als Aufklärungskritik

2.3. "Der Tanais Asche, streut sie in die Luft!" - Gewaltsame Veränderung repressiver Verhältnisse

2.4. "Und schärf´ und spitz es mir zu einem Dolch" - Sprache und Gewalt

3. Die Herrmannsschlacht - selbstkritische Reflexion der "größten Partisanendichtung aller Zeiten"

3.1. Die négritude von Herrmanns Germanen - Gewalt als Produkt imperialer Ausbeutung und des Kriegs als Ausnahmezustand

3.2. "Hass als Amt" und "Rache als Tugend". "Er hat zur Bärin mich gemacht!" - Kleists negative Anthropologie als Form einer Aufklärungskritik

3.3. "Nun denn, ich glaubte, Eure Freiheit wär´s." - Didaxe der Macht

3.4. Sprache als Gewalt und poetische Reflexion über Propaganda - Drama der Metapropaganda

4. Schlussbetrachtungen

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die funktionale Bedeutung der Gewaltdarstellung in Heinrich von Kleists Dramen Penthesilea und Die Herrmannsschlacht und stellt die These einer Funktionstrias auf, welche Gewalt als Fortführung der Aufklärung, als Aufklärungskritik sowie als Didaxe der Macht begreift.

  • Analyse von Gewalt als Mittel der Sozialkritik und Produkt verkehrter gesellschaftlicher Verhältnisse.
  • Untersuchung von Gewalt als Ausdruck einer negativen Anthropologie und Kritik am rationalistischen Menschenbild.
  • Reflexion über die Instrumentalisierung von Sprache und Propaganda in Kleists Dramatik.
  • Erörterung des Zusammenhangs von Gewalt, Liebe und Macht.
  • Einordnung der Dramen in den historischen Kontext um 1800 und die Rezeption der Französischen Revolution.

Auszug aus dem Buch

Die Funktionalität der Gewalt bei Kleist

Der durch die Gewalt erzeugte Schrecken, der sich durch nichts mehr als in Märchen, Traum oder Fiktionsspiel bannen lässt, ist der pechschwarze und bitterböse Hintergrund dieser beiden Dramen, die in Kleists Gesamtwerk gerne als das Skandalon der Kleistrezeption bezeichnet werden. Gerade in der hier verfolgten Perspektive der Frage nach der Funktionalität der Gewalt bei Kleist kommt man bei genauer Lektüre zu dem bemerkenswerten Befund, dass die Verbindungen zwischen der Herrmannsschlacht und der Penthesilea enger sind als zwischen der Penthesilea und dem Käthchen von Heilbronn ("sie gehören ja wie das + und das - der Algebra zusammen") und der nationalistischen Vereinnahmung von der Herrmannsschlacht und dem Prinzen Friedrich von Homburg. In dieser Perspektive, welche die Gewaltdarstellung nach ihrer Funktionalität befragt, sind die beiden ausgewählten Dramen die wahren Gegenstücke, die in ihrer Aussage korrespondieren.

In den beiden hier betrachteten Dramen ist die irritierende Wirkung einer zutiefst abstoßenden grausamen Gewalt meist Produkt der für Kleist charakteristischen Dramaturgie einer Inszenierung wörtlich genommener Sprachbilder als realistisches Geschehen. So fungiert einerseits in der Penthesilea der Akt des physischen Zerreißens in seiner ritualisierten Form des Sparagmos als Manifestation der seelischen Zerrissenheit der Heldin und andererseits in der Herrmannsschlacht die körperliche Zerfleischung der Hally als Appell zur nationalen Insurrektion oder die Zerreißung des Ventidius durch die "Bärin" Thusnelda als Ausdruck bestialischer inhumaner Rache. Hier wird in beiden Fällen "wahrhaft Wort für Wort getan", wovon anderen Orts nur geredet wird. In beiden Dramen realisieren sich die leitmotivische Metaphorik der Jagd und der Diana-Aktäon-Mythos in einer exzessiven und bestialischen Grausamkeit, die Achill und Ventidius, den vertrauensunwürdigen und wortbrüchigen Verführen, nicht nur ihre Leben kostet, sondern deren körperliche Gestalt bis zur Unkenntlichkeit vollständig vernichtet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in Kleists „Erschütterungskunst“ und die Ubiquität der Gewalt in seinem Werk ein, um die Forschungsfrage nach deren funktionaler Bedeutung zu begründen.

2. Penthesilea - Liebe und Gewalt: Das Kapitel untersucht die Gewalt in Penthesilea als Produkt verkehrter sozialer Verhältnisse, als Kritik am rationalistischen Aufklärungsbild und als politisches Mittel.

2.1. Gewaltdarstellung als sozialkritische Weiterführung der Aufklärung: Hier wird Gewalt im Kontext des Rechtsbegriffs und als Reflexion über gesellschaftliche Zwänge und deren repressive Wirkung auf das Individuum analysiert.

2.2. Gewaltdarstellung als Aufklärungskritik: Dieser Abschnitt beleuchtet Gewalt als Ausdruck einer negativen Anthropologie und das Scheitern intersubjektiver Verständigung durch Sprache.

2.3. "Der Tanais Asche, streut sie in die Luft!" - Gewaltsame Veränderung repressiver Verhältnisse: Das Kapitel analysiert Gewalt als befreiendes politisches Mittel zur Aufhebung unterdrückender Machtstrukturen.

2.4. "Und schärf´ und spitz es mir zu einem Dolch" - Sprache und Gewalt: Hier steht die ästhetische Umsetzung der Gewalt im Zentrum, insbesondere wie Sprache als unzureichendes Medium durch handlungsorientierte Gewalt ersetzt wird.

3. Die Herrmannsschlacht - selbstkritische Reflexion der "größten Partisanendichtung aller Zeiten": Die Untersuchung fokussiert auf die Funktion der Gewalt als Mittel zur nationalen Befreiung und sozialkritische Reflexion imperialistischer Ausbeutung.

3.1. Die négritude von Herrmanns Germanen - Gewalt als Produkt imperialer Ausbeutung und des Kriegs als Ausnahmezustand: Das Kapitel verknüpft koloniale Unterdrückung mit der Entstehung von Gegengewalt im Partisanenkampf.

3.2. "Hass als Amt" und "Rache als Tugend". "Er hat zur Bärin mich gemacht!" - Kleists negative Anthropologie als Form einer Aufklärungskritik: Analyse der gezielten Erziehung zum Hass und der Entwertung menschlicher Ideale im Krieg.

3.3. "Nun denn, ich glaubte, Eure Freiheit wär´s." - Didaxe der Macht: Reflexion über die Legitimität revolutionärer Gewalt und deren Umschlagen in dehumanisierende, rassistische Biopolitik.

3.4. Sprache als Gewalt und poetische Reflexion über Propaganda - Drama der Metapropaganda: Untersuchung der instrumentellen Nutzung von Sprache als Waffe und der kritischen Auseinandersetzung mit Propaganda im Drama.

4. Schlussbetrachtungen: Die Ergebnisse werden zusammengeführt, wobei die unterschiedliche Ausprägung der Gewalt in beiden Dramen – affektgeladen versus strategisch – im Kontext der Aufklärung reflektiert wird.

Schlüsselwörter

Heinrich von Kleist, Penthesilea, Die Herrmannsschlacht, Gewalt, Aufklärung, Sozialkritik, Partisanenkrieg, Sprachskepsis, negative Anthropologie, Propaganda, Macht, Subjektkrise, Individuum und Kollektiv, Revolution, Emanzipation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Funktion von Gewaltdarstellungen in Heinrich von Kleists Dramen Penthesilea und Die Herrmannsschlacht.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?

Zentrale Themen sind die Verknüpfung von Gewalt mit Liebe, Politik, Recht und Sprache sowie die kritische Auseinandersetzung mit aufklärerischen Idealen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist der Nachweis einer „Funktionstrias“ der Gewalt bei Kleist: als Fortführung der Aufklärung durch Sozialkritik, als deren Kritik und als Didaxe der Macht.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Es handelt sich um eine textnahe literaturwissenschaftliche Analyse, die sowohl psychoanalytische als auch sprachphilosophische und historische Perspektiven (unter Einbezug von Walter Benjamin und Frantz Fanon) integriert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich detailliert der Untersuchung beider Dramen hinsichtlich der drei genannten Funktionen der Gewalt unter Berücksichtigung von Sprachgebrauch, Körperlichkeit und politischer Ideologie.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Begriffe wie Gewalt, Aufklärungskritik, Partisanenkrieg, negative Anthropologie und Metapropaganda prägen die Analyse.

Wie unterscheiden sich Penthesilea und Thusnelda in ihrer Gewaltanwendung?

Während Penthesileas Gewalt primär affektgeladen aus einer persönlichen Subjektkrise und dem Scheitern der Liebe resultiert, setzen Herrmann und Thusnelda Gewalt in der Herrmannsschlacht strategischer und planvoller als politisches Werkzeug ein.

Welche Rolle spielt die Sprache in Kleists Gewaltverständnis?

Sprache wird bei Kleist als unzureichendes Instrument für das „Innere“ dekuvriert; wo die Mitteilung scheitert, tritt bei den Figuren Gewalt als außersprachliches Mittel zur Selbstdarstellung an ihre Stelle.

Inwiefern ist das Werk als „Aufklärungskritik“ zu verstehen?

Kleist subvertiert das aufklärerische Ideal eines harmonischen, vernunftbegabten Menschenbildes, indem er dessen Schattenseiten – Affekte, Triebe und die Willkür von Macht – offenlegt.

Final del extracto de 57 páginas  - subir

Detalles

Título
Die Funktionen der Gewalt in Heinrich von Kleist "Penthesilea" und "Die Herrmannsschlacht"
Subtítulo
"Empörung! Rache! Freiheit!"
Universidad
University of Hagen  (Institut für Neuere deutsche Literatur - und Medienwissenschaft)
Calificación
1,1
Autor
Thomas Franz (Autor)
Año de publicación
2014
Páginas
57
No. de catálogo
V316981
ISBN (Ebook)
9783668163942
ISBN (Libro)
9783668163959
Idioma
Alemán
Etiqueta
Heinrich von Kleist Penthesilea Herrmannsschlacht Gewalt
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Thomas Franz (Autor), 2014, Die Funktionen der Gewalt in Heinrich von Kleist "Penthesilea" und "Die Herrmannsschlacht", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316981
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