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Gotthold Ephraim Lessings "Minna von Barnhelm" als Reflexion über die individuelle Handlungsfreiheit in der „besten aller möglichen Welten“

Corriger la fortune

Titel: Gotthold Ephraim Lessings "Minna von Barnhelm" als Reflexion über die individuelle Handlungsfreiheit in der „besten aller möglichen Welten“

Hausarbeit , 2014 , 26 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Thomas Franz (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Neben den Bezügen zum zeitgeschichtlichen politischen Kontext des Dramas "Minna von Barnhelm" finden sich in der Reflexion auf Glück und Zufall in der „besten aller möglichen Welten“ Aspekte eines über einen konkreten Zeitbezug hinauswirkenden Diskurses, der sich mit der Theodizee-Frage beschäftigt und Fragen nach den Grenzen von Subjektautonomie aufwirft.

Das Zitat „Corriger la fortune“ illustriert einen Kerngedanken des Dramas, indem es den Reflexionsprozess über die Mittel, Möglichkeiten und Berechtigungen, dem Schicksal auf die Sprünge zu helfen, als das Streben nach Subjektautonomie darstellt.

In dieser Arbeit soll die These untersucht werden, dass Lessings Drama Minna von Barnhelm auf die Bedingungen der Möglichkeit von Subjektautonomie reflektiert. Lessing untersucht mit seiner Minna von Barnhelm die Bedingungen der Möglichkeit von Subjektautonomie, indem er eine Experimentalanordnung schafft, in der die Protagonisten Wege suchen, um ihre eigenen Interessen (z. B. die Realisierung ihrer Liebe in einer Liebesheirat) auch gegen gesellschaftliche Widerstände zu verwirklichen. Konkret zeigt sich dieser Konflikt zwischen Subjektautonomie und hauptsächlich sozialen Widerständen in einem dem Lustspiel zugrunde liegenden Spannungsverhältnis von gesellschaftlichen Normen und individueller leidenschaftlicher Liebe, die als der stärkste Ausdruck des Willens eines Individuums nach Selbstverwirklichung interpretiert werden kann.

Im Rahmen der Hausarbeit soll zunächst der zeitgenössische Ehrdiskurs insbesondere auf seine Folgen für intersubjektive leidenschaftliche Liebe hin untersucht werden. Dabei soll besonderes Augenmerk auf die Folgen für die Möglichkeit individueller Selbstverwirklichung gelegt werden. Die leidenschaftliche Liebe zwischen Minna und Tellheim bietet dabei ein lohnendes Untersuchungsfeld. Artikuliert sich doch gerade in der leidenschaftlichen Liebe der individuelle Wille zur Selbstverwirklichung.

Daran anschließend soll in einem Folgeschritt Lessings Vorstellung von einer neuen sozialen Moral auf der Basis des Mitleids und der (Nächsten-)Liebe dargestellt werden und anhand des Dramentextes nachgewiesen werden, dass dem Mitleid und der leidenschaftlichen Liebe des empfindsamen Liebesdiskurses gerade keine geschichtsverändernde Macht zur Versöhnung von Mensch und Welt, Individuum und Geschichte zuerkannt werden. Der glückliche Ausgang des Dramas verdankt sich einer Häufung von Zufällen, die nicht der...

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. „Die Ehre ist – die Ehre“ – Das Ehrprinzip als soziales und politisches Regulativ

2.1. Ehre als Kapital – Liebe im Spannungsfeld von Allianzpolitik und Leidenschaft

2.2. „Das Gespenst der Ehre“ - Minnas Technik der Desavouierung des Ehrprinzips

3. „Vielleicht würde mir Ihr Mitleid gewähret haben, was mir Ihre Liebe versagt.“ - Lessings Vorstellung von einer neuen sozialen Moral auf der Basis des Mitleids und die Funktion der Liebe als säkularisierte Religion

3.1. Überwindung der durch Machtpolitik geschaffenen gesellschaftsinternen Trennungen - Die Funktion der Liebe als Kompensation für den durch Modernisierung entstandenen Sinnverlust

3.2. „Mitleid als die Tochter der Liebe“ - Die Rolle des Mitleids

4. Tragödie der Theodizee oder Aufklärungsmärchen über den Sieg der zur Anmut gewordenen ratio?

4.1. Extreme Glücks- und Zufallsregie, Sprache „des Herzens“, militärische Metaphorik und die antagonistische Form des Dramas als Strukturprinzipien

4.2. Der Komödienschluss und der „Deus ex machina-Coup“ – Lessings Konzept einer ästhetischen Theodizee

5. Schlussbetrachtungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Gotthold Ephraim Lessings Drama "Minna von Barnhelm" hinsichtlich der Bedingungen und Grenzen der Subjektautonomie. Dabei wird analysiert, inwieweit das Individuum seine Interessen gegen gesellschaftliche Normen durchsetzen kann und ob der Komödienschluss eine tatsächliche Lösung der Theodizee-Problematik oder nur ein zufallsbedingtes "Happy End" darstellt.

  • Reflexion über die Bedingungen von Subjektautonomie im 18. Jahrhundert.
  • Analyse des Ehrbegriffs als soziales und politisches Regulativ.
  • Untersuchung der Funktion von Mitleid und Liebe als neue soziale Moral.
  • Kritische Betrachtung der "Zufallsregie" und der Theodizee-Frage im Drama.

Auszug aus dem Buch

2.1. Ehre als Kapital – Liebe im Spannungsfeld von Allianzpolitik und Leidenschaft

Im Rahmen dieser Arbeit soll zunächst das Ehrprinzip als soziales und politisches Regulativ untersucht werden. Dabei soll besonders der Aspekt beleuchtet werden, dass Ehre das bedeutendste Kapital des Adels im aufgeklärten Absolutismus darstellt, weil sich Ehre als guter Name und Loyalitätsbeweis direkt in fürstliche Gunstbeweise (Hofämter, Offiziersstellen) und damit in bare Münze umsetzen ließ. Der Ehrverlust bedeutet entsprechend den finanziellen und gesellschaftlichen Ruin. Die Situation Tellheims spiegelt diesen Aspekt wider: „V. TELLHEIM Wohl denn; so hören Sie, mein Fräulein – Sie nennen mich Tellheim; der Name trifft ein. – Aber Sie meinen, ich sei der Tellheim, den Sie in Ihrem Vaterlande gekannt haben; der blühende Mann, voller Ansprüche, voller Ruhmbegierde; der seines ganzen Körpers, seiner ganzen Seele mächtig war; vor dem die Schranken der Ehre und des Glückes eröffnet standen; der Ihres Herzens und Ihrer Hand, wann er schon ihrer noch nicht würdig war, täglich würdiger zu werden hoffen durfte. – [...] – Ich bin Tellheim, der verabschiedete, der an seiner Ehre gekränkte, der Kriepel, der Bettler. – Jenem, mein Fräulein, versprachen Sie sich: wollen Sie diesem Wort halten? – “

Tellheim, der sich im Siebenjährigen Krieg für die Ehre und den König aufopferte, befindet sich nach seiner Entlassung in einer psychischen und materiellen Notsituation. Die Vorwurf der Untreue lastet schwer auf Tellheim, der nach Ansicht der preußischen Administration im Krieg, den sächsischen Ständen eine nur minimale Kontributionszahlung abverlangt haben soll, im Gegenzug dafür aber von den dankbaren sächsischen Ständen mit einer Bestechungssumme belohnt worden sein soll.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit skizziert die Fragestellung nach der Möglichkeit individueller Subjektautonomie in Lessings "Minna von Barnhelm" und verortet das Drama im Kontext des zeitgenössischen Theodizee-Diskurses.

2. „Die Ehre ist – die Ehre“ – Das Ehrprinzip als soziales und politisches Regulativ: Dieses Kapitel beleuchtet, wie Ehre als soziales Kapital fungiert und Tellheims Handlungsspielraum durch den Ehrenkodex und daraus resultierende gesellschaftliche Zwänge massiv einschränkt.

3. „Vielleicht würde mir Ihr Mitleid gewähret haben, was mir Ihre Liebe versagt.“ - Lessings Vorstellung von einer neuen sozialen Moral auf der Basis des Mitleids und die Funktion der Liebe als säkularisierte Religion: Es wird untersucht, ob Mitleid und Liebe als "neue Moral" die starren Standesgrenzen überwinden können oder ob sie lediglich als kompensatorische Konzepte fungieren.

4. Tragödie der Theodizee oder Aufklärungsmärchen über den Sieg der zur Anmut gewordenen ratio?: Der Fokus liegt hier auf der formalen Struktur des Dramas, insbesondere der "Zufallsregie", die den Glauben an eine vernünftige Weltordnung infrage stellt.

5. Schlussbetrachtungen: Das Fazit resümiert, dass das Drama die Geschichtsohnmächtigkeit seiner Protagonisten illustriert und die Subjektautonomie als begrenzt oder nur unter dem Vorbehalt des Zufalls existierend darstellt.

Schlüsselwörter

Minna von Barnhelm, Gotthold Ephraim Lessing, Subjektautonomie, Ehrprinzip, Theodizee, Aufklärung, Mitleid, Liebe, Zufallsregie, Absolutismus, Soziale Moral, Identität, Gesellschaftskritik, Individuum, Dramenanalyse

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie Lessings Drama "Minna von Barnhelm" die Möglichkeiten und Grenzen der Selbstbestimmung des Individuums ("Subjektautonomie") in einer von gesellschaftlichen Normen geprägten Welt reflektiert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind der zeitgenössische Ehrdiskurs des Adels, die Funktion von Mitleid als neue soziale Moral sowie das Spannungsfeld zwischen aufgeklärtem Rationalismus und dem Einfluss des Zufalls.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage zielt darauf ab, zu ergründen, ob die Protagonisten des Dramas tatsächlich autonom handeln können oder ob sie letztlich Spielbälle einer unkontrollierbaren Schicksalsfügung bleiben.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse des Dramentextes durchgeführt, die diskurstheoretische Ansätze mit zeitgenössischen Diskursen (Ehrdiskurs, Empfindsamkeit) verknüpft.

Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?

Der Hauptteil analysiert die soziale Funktion der Ehre, die Rolle der Liebe als säkularisierte Religion und die "extreme Zufallsregie" als strukturelles Merkmal, das den Theodizee-Optimismus der Frühaufklärung infrage stellt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Subjektautonomie, Theodizee, Ehrdiskurs, Aufklärung, Zufallsregie und soziale Moral charakterisieren.

Wie bewertet der Autor den Komödienschluss des Stücks?

Der Autor interpretiert den Ausgang als ironisch gebrochen; er ist kein logisches Resultat menschlicher Vernunft, sondern ein Ergebnis glücklicher Zufälle, was die Ohnmacht des Individuums gegenüber äußeren Verhältnissen unterstreicht.

Welche Rolle spielt die "Ringintrige" im Kontext der Subjektautonomie?

Die Ringintrige dient Minna als Mittel, um Tellheim aus seiner Verblendung durch den Ehrenkodex zu befreien, wobei ihre Wirksamkeit jedoch zeigt, dass selbst ein aufklärerisches Handeln an der Unwägbarkeit der Welt scheitern kann.

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Details

Titel
Gotthold Ephraim Lessings "Minna von Barnhelm" als Reflexion über die individuelle Handlungsfreiheit in der „besten aller möglichen Welten“
Untertitel
Corriger la fortune
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Institut für Neuere deutsche Literatur - und Medienwissenschaft)
Note
1,0
Autor
Thomas Franz (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
26
Katalognummer
V316983
ISBN (eBook)
9783668164062
ISBN (Buch)
9783668164079
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lessing Minna von Barnhelm Reflexion Theodizee Drama
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Thomas Franz (Autor:in), 2014, Gotthold Ephraim Lessings "Minna von Barnhelm" als Reflexion über die individuelle Handlungsfreiheit in der „besten aller möglichen Welten“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316983
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  26  Seiten
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