Die Bacchanalienaffäre


Seminararbeit, 2001

14 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Der Bacchanalienkult

Die Bedeutung der Religion für die römische Gesellschaft und die Politik der Regierung

Reaktion auf den Kult der Bacchanalien

Zusammenfassung

Einleitung

Das Thema der vorliegenden Hausarbeit ist die Bacchanalienaffäre. Als Lektüre standen mir drei Aufsätze zur Verfügung. Trotz intensiver Recherche konnte ich zu diesem Thema bedauerlicherweise keine Literatur weiter finden. So sind die drei Texte meine einzige Grundlage zu diesem Thema, also bitte ich darum, eine eventuelle Einseitigkeit zu entschuldigen. Nach dem Lesen der Aufsätze stellte sich mir die Frage, welches Bearbeitungsthema die Hausarbeit erhalten soll. Eine ziemlich gute Frage, wie ich finde, denn nur über den Bacchanalienkult zu schreiben wäre zu wenig gewesen und eine Affäre, wie wir sie heutzutage kennen, war es ja auch nicht. Das wäre ja spannend gewesen.

Trotz alldem habe ich mir folgende Gliederung aufgestellt. Im ersten Teil der Arbeit werden sozusagen nur Fakten die den Bacchanalienkult betreffen dargestellt; wer beteiligt war und ähnliches. Im zweiten und längsten Teil der Arbeit versuche ich zu erklären welche Bedeutung die Religion für die Gesellschaft der römischen Bevölkerung und für die Politik der römischen Staatsführung hatte. Darauf aufbauen soll der dritte Teil. In ihm soll es mir hoffentlich gelingen zu zeigen, wie man auf politischer Ebene auf den Kult reagierte, zudem warum Menschen sich dem Kult zuwanden Außerdem möchte ich darstellen warum es notwendig war, auf die Entwicklung des Bacchanalienkultes zu reagieren.

Der Bacchanalienkult

Um 186 v. Chr. brachte ein griechischer Priester und Wahrsager den sogenannten Bacchanalienkult nach Etrurien[1], die heutige Toskana. Bei den Aktionen dieses Kultes handelte es sich um geheime nächtliche Treffs denen viele Anhänger beiwohnten und bei denen Gebete gesprochen wurden, „in denen frevlerische Verschwörung zu Verbrechen und Ausschweifung aller Art enthalten war“[2]. Der Name der bei diesen Zusammenkünften angebeteten Gottheit wurde allerdings in keiner Quelle genannt[3].

Dem Kult waren vor allem Frauen zugetan aber auch Männer, die allem Anschein nach homosexuell waren oder wenigstens diesbezügliche Neigungen hatten[4]. Die Altersgrenze für alle Teilnehmenden war auf 20 Jahre festgelegt[5].

Die öffentliche Aufmerksamkeit und die der Staatsführung wurde auf den Kult erst durch eine Privatanzeige gelenkt, welche von P. Aebutius aufgegeben wurde. Er wurde von seiner Mutter und seinem Stiefvater um sein Vermögen betrogen. Außerdem hatten Mutter und Stiefvater vor, Aebutius durch Einweihung bei den Bacchantinen zu korrumpieren oder gar zu beseitigen. Doch Aebutius’ Geliebte, eine freigelassene Prostituierte, warnte den denselbigen. Er wendete sich an den Consul Spurius Postumius und so kam es zur Anzeige und Öffentlichwerdung des Kultes[6].

Die Bedeutung der Religion für die römische Gesellschaft und für die Politik der Regierung

In der Rede des Consul Spurius Postumius Albinus, wiedergegeben im 39. von 142 Geschichtsbüchern des Titus Livius, einem römischen Geschichtsschreiber, wurde deutlich, „dass für römische Bürger religiöse und gesellschaftliche Loyalität untrennbar miteinander verbunden“[7] waren. Ein Römer hatte sich an die gesellschaftlichen Normen in der Ausübung religiöser Rituale zu halten und mit seinem persönlichen Glauben andere nicht zu beeinflussen. Tat er dies und verbreitete seine Meinung in der Öffentlichkeit, dann war das „für die Gemeinschaft der Bürger nicht mehr tolerabel“[8].

Die römische Staatsreligion konnte man nur gemeinschaftlich ausüben. Das tat man nicht als Einzelner mit einer persönlichen Emotionalität in der Glaubenseinstellung und in der Durchführung der religiösen Riten, sondern als Mitglied einer sozialen Gemeinschaft. Das heißt, „eine separierte Praktizierung der Religion durch den Einzelnen“[9] konnte es nicht geben. Religiöse und soziale Handlungen überschnitten sich so, dass es eine Trennung von beiden gar nicht geben konnte. Sie bildeten eine Einheit in vielerlei Hinsicht. „Eine Kultausübung im Sinne der römischen Religion war ohne die gemeinschaftlichen Strukturen der res publica nicht möglich“[10]. Die Götter waren ein Teil dieser Gemeinschaft, „deren Regeln sie akzeptierten und durch ihre übermenschlichen Kräfte garantierten“[11]. Durch die Wirkung ihrer Kräfte waren die Gottheiten für die Römer fassbar. Die Götter wurden immer mit erhofften Wirkungen verbunden, wodurch sie sich für die Römer manifestierten. Die Römer glaubten, wenn sie die Götter anbeteten und Opfer brachten, eben die Riten genau befolgten, dann würden ihre Hoffnungen und Wünsche erfüllt. Deswegen war für den Römer in der „Erfüllung der religiösen Normen“[12] nicht die private Haltung zu den Göttern wichtig, sondern vielmehr und besonders die „korrekte Einhaltung vorgegebener Verhaltensvorschriften“[13]. Diese Verhaltensvorschriften waren von allen einzuhalten, Riten gemeinschaftlich übereinstimmend durchzuführen. Man bat auch nicht für sich und um sein eigenes geistiges oder körperliches Wohl, sondern für das der Gemeinschaft. Deswegen waren die Riten auch konform auszuüben.

„Die Römer waren sogar der Auffassung, dass gerade in der exakten Befolgung der Ritualvorschriften die Ursache für den Aufstieg des römischen Gemeinwesens zu einer Weltmacht gelegen habe [...]“[14].

Das nahezu sture Beachten der Regeln könnte jedoch dazu geführt haben, laut gängiger Position in der modernen Forschung[15], das die römische Religion letztlich nur noch ein Gestrüpp an Riten bar jeglichen tiefsinnigen Inhalts geworden ist.

Die Möglichkeit mit Hilfe der Religionsthesen einen sinnvollen Platz im Leben und Universum zu finden und Kraft zu schöpfen wurde nahezu völlig unterbunden, indem der Römer nur noch beten sollte um die Vertragsbeziehung zu den römischen Göttern dynamisch zu halten (zum Beispiel: Römer sprachen Gebete und Mars sorgte dafür für den glücklichen Ausgang eines Krieges). „Auf diese Weise seien religiöse Rituale tradiert worden, deren Bezug zur lebendigen gesellschaftlichen Wirklichkeit längst abgestorben sei und nur noch die symbolische Funktion besessen hätten, die Eintracht zwischen der römischen Gesellschaft und ihren göttlichen Mächten zu betonen“[16].

Das alles bedeutet jedoch nicht, dass die Ausübung der Religionsriten etwa völlig emotionslos und steif ablief, weil die Römer immer denselben Vorschriften folgten.

Es gab Riten, für Danksagungen oder Hilfeerbittungen, die den Menschen wahrscheinlich schon zu Herzen gingen. Zum Beispiel die von den Sibyllinischen Büchern angeordneten Riten zur Krisenbehebung infolge des 2. Punischen Krieges, supplicatio und lectisternium. Die supplicatio war eine intensive Form einer Betprozession. Dazu kamen viele Menschen von überall her in das städtische Zentrum, in welchem alle Tempel geöffnet hatten, zogen von einer heiligen Stätte zur nächsten, baten die Götter um Hilfe oder dankten ihnen und brachten ihre Opfer dar. Daran angeschlossen wurde meist ein Festmahl, das lectisternium, welches man quasi mit den Göttern, beziehungsweise ringsum postierten Kultbildern der Gottheiten, gemeinsam einnahm. „Diese für römische Verhältnisse ausgesprochen intensive und hochemotionalisierte Form des religiösen Ritus muss auf die Beteiligten den tiefen Eindruck von der erlebbaren Einheit von Religion und sozialer Gemeinschaft gemacht haben“.[17]

Solche Ereignisse haben wohl einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der römischen Gesellschaft geleistet und damit die Kraft der religiösen Riten unterstrichen.

[...]


[1] Vgl. Cancik-Lindemaier, Hildegard: Der Diskurs Religion im Senatsbeschluss über die Bacchanalia von 186 v. Chr. und Livius (B.XXXXIX), in: Griechische und Römische Religion. Festschrift für Martin Hengel zum 70. Geburtstag. Herausgegeben von Hubert Cancik. Tübingen 1996, S.88

[2] Vgl. Cancik-Lindemaier: Diskurs Religion, S.88

[3] Vgl. Linke, Bernhard: Mos Maiorum. Untersuchungen zu den Formen der Identitätsstiftung und Stabilisierung in der römischen Politik, in HISTORIA 141 (2000), S.269

[4] Vgl. Linke: Mos Maiorum, S.271

[5] Vgl. Cancik-Lindemaier: Diskurs Religion, S.88

[6] Vgl. Cancik-Lindemaier: Diskurs Religion, S.88/89

[7] Vgl. Linke: Mos Maiorum, S.273

[8] Zitiert nach Linke: Mos Maiorum, S.273

[9] Vgl. Linke: Mos Maiorum, S.273

[10] Vgl. Linke: Mos Maiorum, S.274

[11] Zitiert nach Linke: Mos Maiorum, S.274

[12] Vgl. Linke: Mos Maiorum, S.275

[13] Vgl. Linke: Mos Maiorum, S.275

[14] Zitiert nach Linke: Mos Maiorum, S.276

[15] Vgl. Linke: Mos Maiorum, S.277

[16] Vgl. Linke: Mos Maiorum, S.275/276

[17] Vgl. Linke: Mos Maiorum, S.280

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Bacchanalienaffäre
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Alte Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar: Einführung in die Alte Geschichte: Heer und Krieg in Rom
Note
2
Autor
Jahr
2001
Seiten
14
Katalognummer
V31704
ISBN (eBook)
9783638326223
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bacchanalienaffäre, Proseminar, Einführung, Alte, Geschichte, Heer, Krieg
Arbeit zitieren
Johannes Keil (Autor), 2001, Die Bacchanalienaffäre, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31704

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