Theoretische Grundlagen und exemplarische Demonstration eines Konzeptes zur Entwicklung der Fertigkeit Hören im DaF


Hausarbeit, 2002
24 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Allgemeines

2 Begriffsbestimmung Hörverstehen

3 Begriffsbestimmung
3.1 Lernen / Lernziel und Lehren / Lehrziel
3.2 Lehr- und Lernziele im Fremdsprachenunterricht Deutsch
3.3 Lehr- und Lernziel des Hörverstehens

4 Methoden zur Herausbildung fremdsprachlichen Könnens im Hören

5 Konzept einer Aufgaben- und Übungseinheit
5.1 Lehr- und Lernziel
5.2 Vorraussetzungen für die Unterrichtseinheit
5.3 Prinzip der Konzeption
5.4 Einordnung der Lerneinheit in den Stoffkomplex
5.5 Ausgangstext
5.6 Analyse des Textes
5.7 Hörverständnistraining
5.7.1 Vor dem Hören
5.7.2 Während des Hörens
5.7.3 Nach dem Hören
5.8 Der Zieltext
5.9 Zusammenfassung

6 Literaturverzeichnis

1 Allgemeines

Die Fertigkeit Hören soll in dieser Arbeit bevorzugt als Hörverstehen bezeichnet werden, denn das reine Hören unterscheidet sich definitorisch vom Hörverstehen. Im Lexikon wird für das Hören folgende Begriffsbestimmung angeführt: „Hören ist das Wahrnehmen von Schallwellen, wobei eine Umwandlung der Schallwellen in nervale Reize erfolgt, die zum Gehirn weitergeleitet und dort in einen Höreindruck umgewandelt werden.“[1]

Der Abschnitt wird fortgesetzt mit einer genaueren biologischen Erläuterung des Hörprozesses.

Es wird nichts von dem umfangreichen Ablauf des Hörverstehens, also des Verarbeitens des „Höreindrucks“, angemerkt weswegen zum einen zu schlussfolgern ist, dass Hören und Hörverstehen nicht dasselbe ist und zum anderen nachfolgend eine Definition zum Hörverstehen anboten werden soll.

2 Begriffsbestimmung Hörverstehen

Zunächst soll geklärt werden, was das Hörverstehen überhaupt ist, was es bedingt und wie umfassend es ist. Dazu eignet sich gut die Auslegung des Begriffs Hörverstehen nach Adelheid Schumann ( in Bausch / Christ / Hüllen / Krumm (Hrsg): „Handbuch Fremdsprachenunterricht“. Tübingen: A. Francke Verlag GmbH, 1989, S. 201), da diese alle wichtigen Aspekte vereint:

„Dem Hören fällt im Kommunikationsprozess eine zentrale Rolle zu. Es umfasst die Wahrnehmung, das Verstehen, Interpretation von Sprechäußerungen und ist damit Voraussetzung für alle Interaktion. Deshalb zählt das Hörverstehen in der Fremdsprachendidaktik zur Basisfertigkeit“ und bildet die Grundlage für den Spracherwerbsprozess.“[2]

Das Hörverstehen ist einerseits sprachliche Aktivität, die in engem Zusammenhang mit dem Sprechen steht. Es kann direkt im interaktiven Kommunikationsvorgang und indirekt beim Hören von Radio, oder Sehen von Fernsehsendungen, spontan und unspontan, authentisch, d.h. im realen Kontext einer Kultur, und nicht-authentisch, also künstlich-didaktisch sein.

Diese Kategorien zur Kennzeichnung erlauben eine Einteilung für den Fremdsprachenunterricht in leicht und schwer.[3]

Beim komplexen Prozess des Hörverstehens wirken folgende Komponenten zusammen:

Zum einen die auditive Komponente, die das Wahrnehmen der akustischen Signale und die Bestimmung der einzelnen Phoneme, Morpheme, Wörter und Sätze mit ihren prosodischen Elementen umfasst. Zum andern die semantische Komponente, die das Sinnverstehen von Lexemen, Wörtern und Wortkombinationen umfasst. Außerdem die syntaktische Komponente, die in dem Beziehungserfassen der Wortketten, dem Durchschauen der Textorganisation, d.h. der Abhängigkeit der einzelnen Satzteile voneinander besteht. Dann die pragmatische Komponente, die die Funktionsbestimmung der Sätze in ihrem kommunikativen Kontext, d.h. Erkennen von Sprechsituationen bewirkt und letztlich die kognitive Komponente, die auf den Kenntnissen, der Textverarbeitung gesprochener Sprache, sowie der Differenzierung ihrer spezifischen Textsorten und deren syntaktischen und lexikalischen Besonderheiten beruht.[4]

Eine weitere Definition aus dem Werk „Didaktik des Fremdsprachenunterrichts“ (DdFU) (Autorenkollektiv unter Leitung von Günther Desselmann und Harald Hellmich: „Didaktik des Fremdsprachenunterrichts. Deutsch als Fremdsprache“. Leipzig: VEB Verlag Enzyklopädie, 1981, S. 198 ff.) soll hier angebracht werden, um die obige Definition zu untermauern und zu zeigen, dass diese Bestimmung des Hörverstehens allgemein anerkannt und nicht „nur“ von einzelnen Autoren vertreten wird. Diese Definition ist sehr umfassend und prägnant, deswegen soll sie nachfolgend unverändert wiedergegeben werden:

„Die Entwicklung des verstehenden Hörens ist Aufgabe jedes Fremdsprachenunterrichts.

Die Lernenden sollen zur Teilnahme an fremdsprachlicher mündlicher Kommunikation befähigt werden. Das wiederum erfordert vom Lernenden die Fähigkeit, fremdsprachig geführte Gespräche oder längere monologische Ausführungen verstehend hören, speichern und gegebenenfalls auf sie reagieren zu können.

Das verstehende Hören ist für die Entwicklung sprachkommunikativen Könnens von grundsätzlicher Bedeutung, da es infolge der Komplexität aller Sprachtätigkeiten auch die Entwicklung der anderen fördert und besonders zur Entwicklung des inneren Sprechens beiträgt.

Das verstehende Hören als kommunikative Handlung ist Teil eines Kommunikationsereignisses, bei dem der Hörer Bewusstseinsinhalte erfasst, dekodiert, speichert und verarbeitet, die von einem Sprecher mittels lautsprachlicher Zeichen mitgeteilt werden. Bei dieser kommunikativen Handlung kann es sich sowohl um ein Hören dialogischer Sprechleistungen als auch ein monologischer lautsprachlicher Äußerungen handeln. Bei der Rezeption fremdsprachlicher Lautsprachezeichen hat der Hörer phonetische, lexikalische und grammatische Erscheinungen mittels der in seinem Gedächtnis gespeicherten sprachlichen Kenntnisse und seines Könnens im verstehenden Hören zu erfassen und ihre Bedeutung zu erkennen. Dabei muss er assimilative Leistungen auch bei unzureichend aufgenommenen Lautsprachezeichen bzw. auftretenden Lücken in der Lautrezeption vollbringen sowie intuitiv-kombinatorische Operationen bei der Erschließung unbekannter sprachlicher Erscheinungen ausführen. Das Hörverstehen wird durch Prozesse der Informationsverarbeitung und -speicherung ergänzt. Es erfordert psychische Aktivitäten, wie beispielsweise Aufmerksamkeit, verschiedene Gedächtnisleistungen und logisches Mitdenken. Der Hörer muss bei Denkoperationen, wie Vergleiche und Verallgemeinerungen nachvollziehen sowie Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung erkennen. Das Hörverstehen ist somit als eine komplexe geistig-sprachliche Leistung zu betrachten, die hinsichtlich der Dekodierungs- und Speicherleistungen als auch bezüglich der logischen Operationen hohe Anforderungen an die Lernenden stellt. Das ist möglich über eine stufenweise Ausbildung des verstehenden Hörens, indem die sprachlichen und inhaltlichen Anforderungen an den Hörer steigen.“[5]

Des weiteren werden in „DdFU“ Faktoren für das Lautsprachverstehen genannt, die das Zustandekommen des Hörverstehens beeinflussen. Es gibt demnach objektive Faktoren, welche sich auf die sprachlichen Zeichen, die außersprachlichen Gegebenheiten und den Inhalt beziehen und subjektive Faktoren, die auf die Voraussetzungen beim Hörer, d.h. das sachliche und sprachliche Wissen und Können, die Erfahrungen, die Weltanschauung, die Besonderheiten des Gedächtnisses, die Denkfähigkeiten, die psychische Aktivität u.ä. zielen.

Entscheidend ist ebenso die Beschaffenheit der Hörtexte, das heißt, die Übereinstimmung von Textniveau und Sprachniveau.[6]

3 Begriffsbestimmung

3.1 Lernen / Lernziel und Lehren / Lehrziel

Lernen ist „der Erwerb, die Aneignung von Kenntnissen und Fähigkeiten, die Änderung von Denken, Einstellungen und Verhaltensweisen aufgrund von Einsicht oder Erfahrung. Der Nachweis von Lernerfolgen ist zu einem Schlüssel der Verteilung sozialer Positionen und Chancen geworden. Man unterscheidet verschiedene Lernarten, die sich nicht nur auf Einsicht- und Kenntnisgewinnung, sondern auch auf die Schulung der Wahrnehmungsfähigkeit und den Spracherwerb, auf die Prägung von Bewegungsabläufen und sozialen Verhaltensweisen beziehen. Der Lernerfolg ist von zahlreichen Faktoren abhängig: Anlagen, Milieueinflüssen, Reife des Lernenden, Motivation, Art der Vermittlung u.a.“.[7]

Folgend auf die Begriffsbestimmung von „Lernen“ nun die Definition „Lernziel“:„Lernziele sind Ziele, die Menschen sich für ihr eigenes Lernen setzen.“[8]

Lehren, das ist die „Weitergabe von Wissen, Kenntnissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Überzeugungen u.ä. an eine oder mehrere Personen.

Lehren hat Lernen zum Ziel, kann dies aber nicht garantieren. Umgekehrt wird vieles angeeignet, ohne gelehrt worden zu sein. Lehren kann mehr oder minder gut geplant sein, aber auch spontan erfolgen“.[9]

Lehren umfasst die „Gesamtheit der Aktionen, die in Absicht stehen, das Lernen von Menschen zu steuern“.[10]

Der Begriff „Lehrziele“ beschreibt „Ziele, die Menschen bei der Steuerung des Lernens anderer Menschen intendieren“.[11]

Bei Lehr- und Lernzielen sind es jeweils Eigenschaften von Menschen, also Kompetenzen, Kenntnisse, Haltungen usw., die angesteuert werden. Lehr- und Lernziele müssen aber freilich nicht identisch synonym sein.[12]

[...]


[1] Meyers Taschenlexikon. Augsburg: Weltbildverlag, 1999, Band 4 S.1201

[2] Vgl.: Bausch / Christ / Hüllen / Krumm (Hrsg): Handbuch Fremdsprachenunterricht. Tübingen: A. Francke

Verlag GmbH, 1989, S. 201

[3] Vgl.: Handbuch, S. 201 ff.

[4] Vgl.: Handbuch, S.202

[5] Vgl.: Autorenkollektiv unter Leitung von Günther Desselmann und Harald Hellmich: Didaktik des Fremdsprachenunterrichts. Deutsch als Fremdsprache. Leipzig: VEB Verlag Enzyklopädie, 1981, S. 198 ff. (DdFU)

[6] Vgl.: DdFU, S. 200 ff.

[7] Vgl.: Brockhaus in Text und Bild. PC-Bibliothek Version 2.0. Mannheim: Bibliographisches Institut und F.A. Brockhaus AG, 1999

[8] Vgl.: Handbuch, S.126

[9] Vgl.: Schülerduden "Die Pädagogik". Mannheim: Bibliographisches Institut und F.A. Brockhaus AG, 1989, S.249

[10] Vgl.: Handbuch, S.126

[11] Vgl.: Handbuch, S.126

[12] Vgl.: Handbuch, S.126

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Theoretische Grundlagen und exemplarische Demonstration eines Konzeptes zur Entwicklung der Fertigkeit Hören im DaF
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Germanistik)
Veranstaltung
Fertigkeiten im Deutschen als Fremdsprache
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
24
Katalognummer
V31705
ISBN (eBook)
9783638326230
Dateigröße
565 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theoretische, Grundlagen, Demonstration, Konzeptes, Entwicklung, Fertigkeit, Hören, Fertigkeiten, Deutschen, Fremdsprache
Arbeit zitieren
Johannes Keil (Autor), 2002, Theoretische Grundlagen und exemplarische Demonstration eines Konzeptes zur Entwicklung der Fertigkeit Hören im DaF, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31705

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