Evangelikale auf dem Weg zum verwässerten Evangelium? Selbstverständnis und Anliegen der missional-transformatorischen Theologie bei Tobias Faix und deren Kritik


Seminararbeit, 2016

31 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation
1.2 Fragestellung und Methode
1.3 Persönliches Interesse

2 Verortung der Transformation in der evangelikalen Missiologie
2.1 Lausanne 74: Forderung eines ganzheitlichen Missionsverständnisses
2.2 Wheaton 83: Mission als Transformation

3 Elemente von Mission als Transformation
3.1 Gesellschaftstransformation: Eine Begriffsklärung
3.2 Transformation als komplementäre Mission
3.2.1 Transformation auf drei Ebenen
3.2.2 Ziel und Inhalt der Transformation
3.2.3 Eine komplementäre Missionstheologie

4 Theologie der Transformation und ihre Kritik
4.1 Faktoren des Vorbehalts
4.2 Diskussion der Eschatologie
4.2.1 Transformatorisches Verständnis nach Faix
4.2.2 Kritik von Gäckle
4.2.3 Entgegnung
4.2.4 Resümee

5 Fazit: Es gibt noch viel zu tun!
5.1 Definition von Transformation in der Missionstheologie
5.2 Vorsicht vor Einseitigkeiten
5.3 Mehr Theorie
5.4 Mehr Praxis

6 Literaturverzeichnis

7 Anhang

1 Einleitung

1.1 Ausgangssituation

In der evangelikalen Theologie findet ein Diskurs statt zwischen sogenannten missional-transformatorischen[1] Theologen und deren Kritikern (Faix 2014b; Gäckle 2014b). Erstere wollen Boschs Warnung vor einem abgespeckten Evangelium (2011:263–274), das die Erlösung ausschliesslich in der Vergebung persönlicher Sünden erblickt und soziales Handeln im besten Fall als Mittel zum Zweck sieht, ernst nehmen. Sie sehen die Evangelisationsbemühungen des Westens als gescheitert und das evangelikale Christentum durch eine zu starke Jenseitsorientierung als irrelevant für die Gesellschaft (Reimer 2009:246–248). Mit einer Theologie der Transformation soll die Ganzheitlichkeit des Heils neu in den Blick gebracht und durch soziales Handeln strukturelle Veränderungen herbeigeführt werden (Faix & Stängle 2009:14).

Die Kritiker hingegen befürchten ein verwässertes Evangelium (Bosch 2011:275–285), das sich der ökumenischen Missionstheologie angleicht. Die Heilsgeschichte werde durch das Transformationsverständnis von der Weltgeschichte absorbiert, das soziale Handeln überbetont und dabei der konfrontative Charakter des Evangeliums vernachlässigt (Beyerhaus u.a. 2013). Neben der Verhältnisbestimmung von Verkündigung und sozialem Engagement spielt der Begriff der Transformation in dieser Debatte eine wesentliche Rolle und rasch stellt sich die Frage, was durch wen und wieso transformiert werden soll.[2]

1.2 Fragestellung und Methode

Ich befasse mich in vorliegender Arbeit mit dem Thema der Transformation in der Missiologie. Dazu untersuche ich hauptsächlich Literatur aus dem deutschsprachigen Raum, insbesondere von Tobias Faix und dem Theologenkollektiv des Instituts für Transformationsstudien (ITS) in Kassel[3]. Durch Konsultation von kritischer Literatur und dem Bezug zu den Anfängen der Transformationstheologie bei Vinay Samuel und Chris Sugden will ich herausfinden, was in der missionalen Theologie unter dem Containerbegriff Transformation verstanden wird, welche theologischen Prämissen diesem Verständnis zugrunde liegen und welche Aspekte kritisiert werden.

1.3 Persönliches Interesse

Die Arbeit soll mir als Studienleiter beim theologischen Bildungsinstitut IGW[4] helfen, das vielbenutzte Schlagwort Transformation und die daran geübte Kritik einordnen und allfällige Schlagseiten erkennen zu können. Zusätzlich erarbeite ich mir damit die theologische Grundlage für eine exemplarische Arbeit im Fach empirische Forschungsmethoden, bei der ich mittels qualitativer Interviews feststellen will, ob IGW seiner erklärten Aufgabe nachzukommen vermag, Leiter mit einem transformativen Lebensstil auszubilden (IGW 2015b). Dazu erstelle ich im Anhang eine stichwortartige Übersicht zu Merkmalen, die bei einer Leitungsperson mit transformatorischem Verständnis erwartet werden können. Schliesslich arbeite ich im Team eines missionalen Projektes mit stark sozialer Ausrichtung. Die Beschäftigung mit der Thematik bietet mir die Möglichkeit zur theologischen Reflexion unserer praktischen Tätigkeit.[5]

2 Verortung der Transformation in der evangelikalen Missiologie

2.1 Lausanne 74: Forderung eines ganzheitlichen Missionsverständnisses

Bis in die 1960er Jahre waren die Evangelikalen „eher sozial desinteressiert“ (Reimer 2009:249).[6] Dies im Gegensatz zur ökumenischen Missionstheologie, bei der sich bereits ab 1890 eine schrittweise Verschiebung vom Primat der Evangelisation hin zu sozialem Engagement zeigte (Bosch 2012:380). An verschiedenen Kongressen in Latein- und Nordamerika in den 60er und 70er Jahren wurde jedoch auch bei den Evangelikalen der Ruf nach Übernahme von sozialer Verantwortung immer dringlicher. Diesbezügliche Versäumnisse wurden erkannt und darüber Busse getan.[7]

Anlässlich des Lausanner-Kongresses 1974 hielten René Padilla und Samuel Escobar „leidenschaftliche Plädoyers für die Integration der sozialen Aufgabe in den Missionsauftrag“ (Hardmeier 2009:239).[8] Spontan formierte sich eine Gruppe, die während dem Kongress eine Erklärung verfasste und sich darin für ein ganzheitliches Heilsverständnis aussprach. Im Artikel 5 der Lausanner-Verpflichtung wurde dieses Anliegen schliesslich aufgenommen und „führte dazu, dass das Missionsverständnis der evangelikalen Bewegung in den auf Lausanne folgenden Jahren auf Transformation hin verändert wurde“ (:239). Obwohl aus dem Dokument noch immer das Primat der Evangelisation hervorgeht, wurde die Pflicht zu sozialem Engagement deutlich akzentuiert (vgl.Lausanner Bewegung Deutschland 2000). Aus der in Lausanne entstandenen Gruppierung formierten sich die radikalen Evangelikalen, welche sich wesentlich durch ein Engagement für Frieden und Gerechtigkeit auszeichneten, ohne dabei auf einen persönlichen Glauben zu verzichten (Tizon 2008:3).[9] Die radikalen Evangelikalen traten fortan für das Anliegen eines ganzheitlichen Missionsverständnisses im Evangelikalismus ein.[10]

2.2 Wheaton 83: Mission als Transformation

Einen weiteren Meilenstein setzte das Schlussdokument The Church in Response to Human Need (Wheaton 83 1987) des Track 3 vom Kongress in Wheaton 1983. Bei dessen Entstehung nahmen René Padilla und Vinay Samuel eine massgebliche Rolle ein. In dieser Verlautbarung wurde nicht mehr das Verhältnis von Evangelisation und sozialer Aktion festgehalten, sondern es wurde darüber hinausgehend Mission als Transformation beschrieben und gefordert. Der Terminus Transformation wurde erstmals offiziell in den Zusammenhang der christlichen Mission gestellt und sollte den Begriff development ersetzen:

„Moreover, the term ‚transformation‘ unlike ‚development‘, does not have a suspect past. It points to a number of changes that have to take place in many societies if poor people are to enjoy their rightful heritage in creation“ (:257).

Mit diesem Dokument konnte sich in der evangelikalen Welt eine „sozialpolitisch orientierte Missionstheologie durchsetzen“ (Hardmeier 2015:124). Damit gelang den radikalen Evangelikalen eine wichtige Synthese vom humanitären Anliegen des ÖRK und der Befreiungstheologie in Kombination mit einer expliziten Christozentrik und ohne den konfrontativen Charakter des Evangeliums preiszugeben (vgl:Wheaton 83 1987:256). Wort und Tat gehören zusammen, die Spannung wird nicht einseitig aufgelöst: „The mission of the church includes both the proclamation of the Gospel and its demonstration. We must therefore evangelize, respond to immediate human needs, and press for social transformation“ (:260). Samuel definiert Mission als Transformation schliesslich folgendermassen:

Transformation is to enable God’s vision of society to be actualised in all relationships, social, economic, and spiritual, so that God’s will may be reflected in human society and his love be experienced by all communities, especially the poor (Sugden 2000:vii).

Tizon hält fest, für welche Merkmale die Befürworter einer Mission der Transformation einstehen:

Proponents of Mission as Transformation refuse to understand evangelization without liberation, a change of heart without a change of structures, vertical reconciliation (between God and people) without horizontal reconciliation (between people and people), and church planting without community building. They point to the biblical paradigm of the reign or kingdom of God as the source and driver for his holistic understanding of mission (Tizon 2008:6).

Mission ist damit nicht länger auf Verkündigung und individuelle Seelenrettung konzentriert, sondern umfasst mehrere Heilsdimensionen, lenkt den Fokus stärker auf soziale und institutionelle Strukturen und ist geprägt von einer Reich-Gottes-Theologie. Soziales Engagement und Verkündigung bilden ein untrennbares Ganzes. Transformation umfasst daneben mehrere Schlüsselelemente wie eine kontextuelle Theologie und ein kontextuelles Verständnis von Mission, den Einsatz zur Befreiung von Armen aus destruktiven Sozialbezügen, versöhnendes Handeln, Solidarität und die Entstehung von Gemeinschaften (Kirche), welche sich für diese Veränderungen einsetzen (Samuel & Sugden 1999:xvi). In diesem Zusammenhang geht man nicht länger von einem pragmatischen Missionsverständnis aus, das genau weiss, was in welcher Situation zu tun ist und welche Methode angewandt werden kann (Bosch 2012:374). Vielmehr stellt sich die Frage, wo Gottes Geist wirkt, wen er bereits für seine Absichten braucht und wie sich Individuen und die Gemeinschaft der Kirche ebenfalls darin einsetzen können (Samuel 1999:232).

Es folgten diverse weitere Kongresse, bei denen es zum Teil zu heftigen Diskussionen zwischen traditionellen und radikalen Evangelikalen kam, nicht zuletzt aufgrund eines gewissen anti-ökumenischen Reflexes (Ott 2007:197), der bis heute nachhallt.[11] Seit Pattaya 2004 jedoch kann Transformation als Ziel in der globalen evangelikalen Mission mindestens in der Theorie vorausgesetzt werden. Auf dieser Konferenz traten denn auch theologische Erörterungen in den Hintergrund und es wurde vermehrt auf strategische Fragen zur Umsetzung von Transformation eingegangen (Hardmeier 2015:158–160; Zwick 2007:167). Mit Boschs 1991 erschienenem opus magnum Transforming Mission (2014) gehört Transformation in der Missiologie zu einem Standardbegriff, dies obschon Bosch kein evangelikaler Theologe ist.[12]

3 Elemente von Mission als Transformation

3.1 Gesellschaftstransformation: Eine Begriffsklärung

Der Terminus Gesellschaftstransformation führte in der Vergangenheit öfter zu Missverständnissen und Irritationen. Wird Gesellschaftstransformation als theologischer Begriff verstanden, impliziert er das Machbare des Menschen, der die Gesellschaft aus eigener Kraft verändern will (Badenberg & Knödler 2013:152). Gesellschaftstransformation beschreibt jedoch eine wissenschaftliche Disziplin, die im Rahmen der Interdisziplinarität Theologie und Soziologie miteinander ins Gespräch bringt und will nicht als theologischer Begriff verstanden werden (Badenberg & Knödler 2013:150–151; Faix 2009:128).[13] Mit dieser Kombination wird ein Anliegen von Bosch aufgegriffen, welcher vermehrt das Gespräch der Theologie mit den Sozialwissenschaften, anstelle der Philosophie forderte, um die missionarische Dimension der Theologie zu fördern (Bosch 2012:584).

Unter der Bezeichnung Gesellschaftstransformation besteht ein Studienprogramm an der CVJM-Hochschule in Kassel, das im Wesentlichen durch Tobias Faix und Tobias Künkler verantwortet wird. Das Studienprogramm fragt nach einer kontextualisierten Form des Evangeliums in einer sich stark verändernden Gesellschaft. Gesellschaftstransformation befasst sich also auf theologischer Seite mit Mission als Transformation und stellt diese in einen weiteren Zusammenhang. Um Transformation in der Gesellschaft Wirklichkeit werden zu lassen, beschäftigt sie sich andererseits mit der Soziologie. Faix räumt ein, dass der Terminus Gesellschaftstransformation missverständlich ist, zumal ein bestehender Begriff aus der Soziologie übernommen und mit theologischen Inhalten gefüllt wurde (Badenberg & Knödler 2013:57–58).

Der Studiengang richtet sich an Christen, die in der Gesellschaft Verantwortung übernehmen, diese mit anderen prägen und, mit Newbigin gesprochen (1989:20u.ö.), den Glauben aus dem Kokon der Werte wieder vermehrt auf die Ebene der Tatsachen bringen wollen (Badenberg & Knödler 2013:150–151).[14] Die verändernde Kraft Gottes bringt sich damit durch die Kirche kritisch-konstruktiv in das Leben von Einzelnen und in die Strukturen einer säkularisierten Gesellschaft ein: „Diese Veränderungsprozesse versuchen [sic] ‚Gesellschaftstransformation‘ auf unterschiedliche Weise aufzunehmen, zu deuten und zu verstärken“ (Faix 2013:49).

Bei der Gesellschaftstransformation hat man es also mit einer jungen wissenschaftlichen Disziplin und innovativen Theologen und Soziologen zu tun, die den heutigen Linksevangelikalen zugeordnet werden können. Diese vertreten evangelikale Grundpositionen u.a. im Schriftverständnis, setzen sich aber ein für eine „transformatorische Relevanz“ des Glaubens in der Öffentlichkeit (Meier 2009:72). Durch die zahlreichen Veröffentlichungen in kurzer Zeit hat die Gesellschaftstransformation rasch eine gewisse Breitenwirkung in evangelikalen Kreisen und darüber hinaus erlangt.[15]

3.2 Transformation als komplementäre Mission

3.2.1 Transformation auf drei Ebenen

Samuel brachte den Begriff der Transformation in die Missiologie ein, weil ihm dieser unbelasteter erschien als das Wort „Entwicklung“. Jedoch ist auch die Transformation heute verschieden konnotiert und wird von unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen mit je eigenen Akzenten verwendet. Faix verwendet Transformation dezidiert im Verständnis von Samuel und der erwähnten Wheaton-Verlautbarung und sieht seine Auffassung davon in einer Linie mit der Entwicklung seit Lausanne 74 (Faix 2013:20-10; 26-27). Transformation geschieht nach Faix durch die Kraft Gottes, den Heiligen Geist als prophetischem Helfer, immer aber im Zusammenspiel mit dem Menschen, der Gott seine Kraft zur Verfügung stellt, offene Türen wahrnimmt und sich an der Bibel orientiert. Ziel ist es, den Glauben in Wort und Tat sichtbar zu machen, nicht nur bei Individuen, sondern auch in Gemeinschaften und Strukturen (Faix 2013:57–58; Faix & Stängle 2009:12). Faix definiert Transformation wie folgt:

Transformation (dt. Umwandlung / Veränderung) beschreibt das Heilshandeln Gottes an einer sich veränderten [sic] Welt (Missio Dei), das den Menschen als Ganzes (Geist, Seele und Leib) und in all seinen Bezügen (geistlich, geistig, psychisch, sozial, ökologisch etc.) erfasst und nachhaltig verändert. (Faix 2013:43; Hervorh. i.O.).

Damit schliesst er sich im Wesentlichen der Definition von Samuel an. Allerdings kommen die Transformation von Strukturen und der explizite Einsatz für die Armen darin nicht klar zum Ausdruck. Andernorts wird jedoch die Transformation von Strukturen deutlich. Faix und Stängle unterscheiden drei Ebenen (Faix & Stängle 2009:12; Faix 2013:45):

- Die Mikroebene umfasst die persönliche Veränderung und die unmittelbaren sozialen Bezüge wie Familie, berufliches Umfeld oder die Nachbarschaft.
- Die Mesoebene beinhaltet Veränderungen auf der Ebene von Institutionen, Parteien und auch Kirchen. Die Kirche nimmt ihre Rolle als versöhnende Gemeinschaft ein, das „angebrochene Reich Gottes“ zeigt sich in Wort und Tat durch gerechtes Handeln, Nächstenliebe und Evangelisation.
- Die Makroebene schliesslich umfasst Veränderungen auf gesamtgesellschaftlicher Ebene. Diese können sich äussern in prophetischer Kritik im Sinne einer Anklage struktureller Sünden und der Mitarbeit an Transformationsprozessen in einer globalisierten Welt.

[...]


[1] Jede transformatorische Theologie ist auch missional. Transformation ist Grundanliegen einer missionalen Theologie, wird jedoch in der Literatur missionaler Theologie nicht überall gleich stark betont, mit anderen Begriffen umschrieben oder nur implizit erwähnt. Siehe zur Begriffsbildung von „missional-transformatorisch“: Meier 2009:75–77. Ich verwende in vorliegender Arbeit die Begriffe „transformatorisch“ und „missional-transformatorisch“ synonym.

[2] So u.a. der Präses des Gnadauer Verbandes, Michael Diener (2013:8).

[3] Das ehemals dem MBS (Marburger Bibelseminar) angegliederte ITS ist seit 2015 der CVJM-Hochschule in Kassel zugehörig. Das Studienprogramm „Gesellschaftstransformation“ führt zu einem MTh. Neben Faix dozieren u.a. Tobias Künkler, Johannes Reimer oder auch René Padilla und Vinay Samuel (Transformationsstudien 2015).

[4] IGW (Institut für Gemeindebau und Weltmission) will die missionale Theologie im Unterricht und durch Publikationen aktiv fördern. Siehe dazu auch die Vision, welche von Umgestaltung von Menschen, Kirche und Gesellschaft spricht. Wobei Umgestaltung in diesem Kontext synonym für Transformation verstanden werden kann (IGW 2015a).

[5] Samuel betont, wie wichtig das theologische Verständnis als Grundlage für eine ganzheitliche Mission ist. Wird Evangelisation der sozialen Aktion vorgeordnet betrachtet, kann es rasch zu Spannungen zwischen der Theologie einer Organisation oder eines Werkes und dem praktischen Handeln des Missionars in seinem Kontext kommen (Samuel 1999:233–234). Siehe dazu auch Spohn, der die Praxis von Missionsgesellschaften im Ausland generell als holistisch bezeichnet. Die theologische Begründung bleibe jedoch oft defizitär (2009:98).

[6] Diese Äusserung von Reimer ist etwas verallgemeinernd, kommt es doch sehr darauf an, wohin man bei diesem Urteil seinen Blick richtet. Sozialdiakonisches Engagement war oft prägend im Evangelikalismus. So z.B. sogar in der Wiederaufbauarbeit der US-Evangelikalen nach dem 2. WK Krieg in Europa. Allerdings wurde solches Handeln durch die Helfenden wohl stärker der Ethik, als der Mission zugeordnet.

[7] Einen Überblick über die Kongresse und ihre Verlautbarungen bietet Hardmeier 2015:36–74. Siehe dazu auch Berneburg 1997:40–71.

[8] Padilla sprach in seinem Referat „Evangelisation und die Welt“ u.a. von der Sünde als sozialem Problem: „Sünde ist darum ein soziales, ja weltumspannendes Problem und absolut kein individuelles“ (Padilla 1974:152).

[9] Die radikalen Evangelikalen waren u.a. beeinflusst durch die Wiederentdeckung des AT, einer Identifikation mit den Leidenden, einer umfassenden Christologie und einer Spiritualität in Aktion. Eine wichtige Rolle nahm die Theologie der Täufer mit den Schriften von J.H. Yoder, die Theologie des Social Gospel und die ökumenisch-missiologische Diskussion mit der Betonung einer kontextuellen Theologie und einem erweiterten Reich-Gottes Verständnis ein. Siehe dazu: Hardmeier 2009:240–244 und Reimer 2009:249–252.

[10] Samuel und Sugden beschreiben Lausanne 74 als Wasserscheide für das evangelikale Verständnis vom Zusammengehen von Wort und Tat (Samuel & Sugden 1986:190).

[11] Ott betont die Opposition gegen den Weltkirchenrat v.a. für den deutschen Evangelikalismus. Das Phänomen kann aber auch im nordamerikanischen Evangelikalismus beobachtet werden. Exemplarisch dafür steht Francis Schaeffer mit seiner Kritik an der Ökumene. Vgl. dazu: Jäggi 2013.

[12] Bosch definiert in Transforming Mission allerdings die Transformation nirgends explizit.

[13] Faix selber verwendet Gesellschaftstransformation allerdings unterschiedlich und auch synonym für den theologischen Begriff Transformation. Damit ist nicht immer klar, ob der Begriff nun theologisch gebraucht oder als Bezeichnung einer wiss. Disziplin verwendet wird. Dies verstärkt verständlicherweise die Irritation bei den Kritikern (vgl: Faix 2013:30).

[14] Siehe dazu die durch Faix dargestellte Beziehung zwischen Transformation und öffentlicher Theologie als theologische Teildisziplin, die darauf zielt, „die öffentliche Relevanz und Sprachfähigkeit von Theologie und Kirche zu fördern“ (Faix & Künkler 2015:19; vgl. auch: Faix 2015:121–122).

[15] Siehe z.B. den Artikel von Faix (2014c) im Handbuch für Kirchen- und Gemeindeentwicklung, das im universitären Kontext herausgegeben wurde.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Evangelikale auf dem Weg zum verwässerten Evangelium? Selbstverständnis und Anliegen der missional-transformatorischen Theologie bei Tobias Faix und deren Kritik
Hochschule
Theologisches Seminar Bienenberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
31
Katalognummer
V317055
ISBN (eBook)
9783668162839
ISBN (Buch)
9783668162846
Dateigröße
708 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mission, Theologie, Missiologie, Missional, Transformation, Tobias Faix, Volker Gäckle, Evangelikal
Arbeit zitieren
David Jäggi (Autor), 2016, Evangelikale auf dem Weg zum verwässerten Evangelium? Selbstverständnis und Anliegen der missional-transformatorischen Theologie bei Tobias Faix und deren Kritik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317055

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