Die Wirtschaftsprüfung in der jetzigen Form existiert in Deutschland seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Ab diesem Zeitpunkt herrschte eine Prüfungspflicht für Unternehmen, so dass diese externe Wirtschaftsprüfer, für die Kontrolle der Buchhaltung, einsetzen mussten. Die Prüfungspraxis hat sich in den letzten Jahrzehnten stark weiterentwickelt. Eine reine transaktionsorientierte Prüfung, wie es früher üblich war, kann heutzutage aus Kosten- und Personalgründen nicht mehr durchgeführt werden. Aufgrund dessen, sind Jahresabschlussmanipulationen im Zuge von Unternehmenskrisen und im Vorfeld von Unternehmensinsolvenzen keine Seltenheit mehr geworden. Einer der bekanntesten Bilanzskandale der letzten Jahre war der Fall Enron. Auch in Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise ist davon auszugehen, dass die Zahl der Fälschungen von Jahresabschlüssen weiter gestiegen ist bzw. steigen wird. Aufgrund gesetzlichen und berufsständischen Regelungen ist der Abschlussprüfer zur Verhinderung und Aufdeckung von wirtschaftskriminellen Handlungen verpflichtet.
Anlässlich dieser aktuellen Diskussionen ist es das Ziel dieser Arbeit, einen Überblick über einen risikoorientierten Prüfungsansatz im Rahmen der Jahresabschlussprüfung zu geben und diesen anschließend kritisch zu hinterfragen. Die gewonnene Transparenz gibt Aufschluss, inwieweit dieser Prüfungsansatz geeignet ist, Jahresabschlussmanipulationen aufzudecken.
Einleitend wird auf allgemein gültige Grundlagen der Jahresabschlussprüfung eingegangen. Hierbei wird der Begriff Prüfungssubjekte und -objekte sowie die Ziele der Jahresabschlussprüfung dargestellt. Im Kern der Arbeit wird das Konzept einer risikoorientierten Prüfung aufgezeigt. Hier geht es vor allem darum, mögliche Risiken in der Abschlussprüfung zu erkennen und aufzudecken. Anschließend werden die einzelnen Prüfungshandlungen, die nötig sind um ein ausreichend sicheres Prüfungsurteil zu erhalten, betrachtet. Die Arbeit schließt mit einem Fazit zum risikoorientierten Prüfungsansatz im Rahmen der Jahresabschlussprüfung.
Inhaltsverzeichnis
1 EINFÜHRUNG
1.1 Problemstellung der Arbeit
1.2 Vorgehensweise der Untersuchung
2 GRUNDLAGEN DER JAHRESABSCHLUSSPRÜFUNG
2.1 Prüfungssubjekte
2.2 Prüfungsobjekte
2.3 Ziele und Funktionen der Jahresabschlussprüfung
3 DAS KONZEPT EINER RISIKOORIENTIERTEN ABSCHLUSSPRÜFUNG
3.1 Zielgrößen im Prüfungsprozess
3.2 Das Prüfungsrisiko und seine Komponenten
3.2.1 Definition des Begriffs Prüfungsrisiko
3.2.2 Inhärente Risiko
3.2.3 Kontrollrisiko
3.2.4 Entdeckungsrisiko
3.2.5 Risikomodell
3.3 Grundsatz der Wesentlichkeit
3.4 Analyse der Geschäftstätigkeit des Unternehmens
3.5 Gewinnung eines Verständnisses von dem internen Kontrollsystem
4 ARTEN VON PRÜFUNGSHANDLUNGEN
4.1 Aufbauprüfungen
4.2 Funktionsprüfungen
4.3 Aussagebezogene Prüfungshandlungen
4.3.1 Analytische Prüfungshandlungen
4.3.2 Einzelfallprüfungen
4.4 Zusammenfassung der einzelnen Prüfungshandlungen
5 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, einen umfassenden Überblick über den risikoorientierten Prüfungsansatz im Rahmen der Jahresabschlussprüfung zu geben, diesen kritisch zu hinterfragen und zu evaluieren, inwieweit er zur Aufdeckung von Manipulationen geeignet ist.
- Grundlagen und rechtliche Rahmenbedingungen der Jahresabschlussprüfung
- Konzeption und Komponenten des risikoorientierten Prüfungsansatzes
- Methodik der Risikobeurteilung und Wesentlichkeitsfestlegung
- Systematische Analyse von Prüfungshandlungen (Aufbau-, Funktions- und aussagebezogene Prüfungen)
- Kritische Würdigung der Wirksamkeit des Risikomodells
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Definition des Begriffs Prüfungsrisiko
Im Rahmen einer risikoorientierten Abschlussprüfung wird das Prüfungsrisiko als die Wahrscheinlichkeit definiert, dass der Prüfer den Jahresabschluss akzeptiert, obwohl wesentliche falsche Angaben vorliegen. Man spricht auch vom Risiko einer irrtümlichen Annahme bzw. einem β-Fehler. Die Gefahr einer irrtümlichen Ablehnung, d.h. eines α-Fehlers, ist dagegen nicht ausdrücklicher Gegenstand des risikoorientierten Prüfungsansatzes. Der Abschlussprüfer muss deshalb seine Prüfungshandlungen so gestalten und durchführen, dass das Prüfungsrisiko möglichst gering bleibt.
Das Prüfungsrisiko setzt sich aus inhärente-, Kontroll- und Entdeckungsrisiko zusammen. Durch die Aufspaltung des Gesamtrisikos wird das Risikobewusstsein des Prüfers geschärft. Die getrennte Bearbeitung von Risikokomponenten trägt dazu bei, dass Einzelaspekte genauer analysiert und konkrete Risiken regelmäßig besser eingeschätzt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINFÜHRUNG: Die Einleitung beleuchtet die historische Entwicklung der Wirtschaftsprüfung, begründet die Notwendigkeit risikoorientierter Ansätze und definiert die Forschungsziele der Arbeit.
2 GRUNDLAGEN DER JAHRESABSCHLUSSPRÜFUNG: Hier werden die gesetzlichen Prüfungspflichten, die Prüfungsobjekte sowie die zentralen Funktionen der Abschlussprüfung (Kontroll-, Informations-, Beglaubigungs- und Präventivfunktion) dargelegt.
3 DAS KONZEPT EINER RISIKOORIENTIERTEN ABSCHLUSSPRÜFUNG: Dieses Kapitel erläutert die Zielgrößen im Prüfungsprozess und detailliert die Komponenten des Prüfungsrisikos, den Grundsatz der Wesentlichkeit sowie die Notwendigkeit der Analyse von Geschäftstätigkeit und internen Kontrollsystemen.
4 ARTEN VON PRÜFUNGSHANDLUNGEN: Die Systematik der Prüfungsdurchführung wird in Aufbauprüfungen, Funktionsprüfungen und aussagebezogene Prüfungshandlungen unterteilt und deren jeweilige Eignung zur Fehlerminderung diskutiert.
5 FAZIT: Das Fazit bewertet den risikoorientierten Ansatz als effektives und effizientes Instrument zur Bewältigung komplexer Prüfungssachverhalte, weist jedoch auf die theoretischen Limitationen des Risikomodells hin.
Schlüsselwörter
Jahresabschlussprüfung, Risikoorientierter Prüfungsansatz, Prüfungsrisiko, Inhärentes Risiko, Kontrollrisiko, Entdeckungsrisiko, Wesentlichkeit, Internes Kontrollsystem, Prüfungshandlungen, Aufbauprüfung, Funktionsprüfung, Analytische Prüfungshandlungen, Bilanzskandale, Fehlerrisiko, Wirtschaftsprüfer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der methodischen Konzeption einer risikoorientierten Abschlussprüfung in Deutschland, um der steigenden Komplexität in der Wirtschaftsprüfung gerecht zu werden.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Definition des Prüfungsrisikos, die Analyse des Geschäftsumfelds, die Prüfung interner Kontrollsysteme und die Differenzierung verschiedener Prüfungshandlungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den risikoorientierten Prüfungsansatz transparent darzustellen und kritisch zu prüfen, inwieweit dieser zur Aufdeckung von Jahresabschlussmanipulationen effektiv ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung auf Basis aktueller Fachliteratur, relevanter IDW-Prüfungsstandards (PS) und gesetzlicher Regelungen wie dem HGB.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen des Risikomanagements in der Prüfung sowie die praktische Anwendung verschiedener Aufbau- und Funktionsprüfungsmethoden.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Risikoorientierte Prüfung, Prüfungsrisiko, Wesentlichkeit und Internes Kontrollsystem.
Welche Rolle spielt das Risikomodell innerhalb der Prüfung?
Das Risikomodell dient der Komplexitätsreduktion, indem es das Gesamtrisiko in inhärente Risiken, Kontrollrisiken und das vom Prüfer beeinflussbare Entdeckungsrisiko aufteilt.
Wie unterscheidet sich eine Aufbauprüfung von einer Funktionsprüfung?
Während die Aufbauprüfung die theoretische Eignung der Kontrollstruktur untersucht, dient die Funktionsprüfung dem Nachweis, dass diese Kontrollen auch in der Praxis über den Prüfungszeitraum hinweg effektiv angewendet wurden.
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- Stefan Amrhein (Author), 2015, Der risikoorientierte Prüfungsansatz im Rahmen der Jahresabschlussprüfung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317147