Tätigkeiten der Männer zur Zeit des Alten Testaments. Berufe in der Bibel außerhalb der Landwirtschaft


Seminararbeit, 2014

17 Seiten

Anonym


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Allgemeines

2 Hirtenleben

3 Fischfang

4 Jagd

5 Bauhandwerk

6 Metallhandwerk

7 Textilhandwerk

8 Weitere Berufe

9 Literaturverzeichnis

1 Allgemeines

Der Großteil der Israeliten lebte von der Landwirtschaft und Viehzucht. Die bäuerliche Bevölkerung agierte weitgehend autark (vgl. Zwickel, 1997, S. 65), d. h. sie versorgte sich sowohl mit Lebensmitteln als auch handwerklich selbst. Die Frauen bereiteten die Nahrung über das Kochen der Speisen und das Backen von Brot aus den eigenen Erzeugnissen zu, die Männer waren in der Lage Lederwaren sowie einfache Werkzeuge herzustellen und bauten ihre primitiven Häuser mithilfe der Nachbarn (vgl. Volz, 1914, S. 28).

Wenn auch auf dem Land die alten Verhältnisse, daß der Bauer sein eigener Handwerker ist, noch lange bestehen konnten, so forderte und gestattete in der Stadt das Zusammenleben vieler und die größeren Bedürfnisse die Arbeitsteilung, welche allein eine größere Geschicklichkeit auf einem beschränkten Arbeitsgebiet ermöglichte (Benzinger, 1927, S. 149).

Die verschiedenen Handwerke organisierten sich in Zünften und sammelten sich innerhalb einer Stadt in bestimmten Straßen[1] oder bildeten lokale Zentren[2] im Land (vgl. ebd., S. 149 f.). Es sind u. a. „Gilden der Zimmerleute vom Zimmertal[3], der Byssusarbeiter von Beth Asbea[4] und der Töpfer von Netaim […] [und] Gedera[5] “ (ebd., S. 150; Auslassung & Einfügung: T.M.K.) im Alten Testament überliefert. Eigens für den Bedarf des Königs errichtete Werkstätten[6] waren vorhanden. Einige Gewerbe wurden nomadisch betrieben, sodass beispielsweise Waffenschmiede im Land umherzogen (vgl. Volz, 1914, S. 28). Wahrscheinlich wurde, wie bei den Babyloniern üblich, das Handwerk in den Familien vererbt, d. h. der Vater lehrte dem Sohn die notwendigen Fertigkeiten und Kunstgriffe (vgl. Benzinger, 1927, S. 150). Dennoch stand Israel in seiner Entwicklung weit hinter den fortschrittlichen Babyloniern und Ägyptern zurück, mit Heatons Worten formuliert: „Nach modernen Maßstäben steckte die israelitische Industrie noch in ihren Kinderschuhen – oder besser: sie war ein ausgesprochenes Wickelkind“ (1957, S. 92). In sämtlichen Bereichen blieben sie von der Einfuhr jeglicher Rohstoffe aus dem Ausland abhängig[7] und waren wirtschaftlich generell zu schwach, als dass Fortschritt, Innovationen und Aufschwung möglich gewesen wären (vgl. Volz, 1914, S. 28).

2 Hirtenleben

„Der HERR ist mein Hirt, mir mangelt nichts, er weidet mich auf grünen Auen.“[8] Mehrfach begegnet uns die Person des Hirten in der Bildersprache des Alten Testaments. Leicht könnte man geneigt sein diese Tätigkeit dadurch romantisiert wahrzunehmen. Doch beim Beaufsichtigen, Versorgen, Hüten und Pflegen einer zumeist aus einer Vielzahl von Schafen und Ziegen bestehenden Herde handelte es sich um eine raue und anstrengende Beschäftigung (vgl. Heaton, 1957, S. 32). Als Hirten wurden, je nach Anzahl der Tiere, die eigenen Kinder[9] bzw. andere Familienangehörige oder angestellte Personen eingesetzt (vgl. Zwickel, 2013, S. 120). Bei letzteren handelte es sich häufig um Sklaven (vgl. Heaton, 1957, S. 33). Den Lohn für ihre Arbeit erhielten sie in Form von Geld[10] oder Naturalien[11] (z. B. Anteil am Wachstum der Herde, Milch) (vgl. Bertholet, 1919, S. 143). Der Hirte übernahm die Verantwortung für die Herde, sollte für Nachwuchs sorgen[12] und musste bei Verlusten, beispielsweise durch Krankheit, Diebstahl oder Angriff von wilden Tieren, Ersatz leisten.

Erst der Nachweis von einigen Knochen oder selbst einem Ohrläppchen, dass die Hirten dem Löwen oder einem anderen wilden Tier entrissen haben[13], gilt als Beleg dafür, dass sie die Herde nicht im Stich gelassen, sondern unter Einsatz ihres Lebens beschützt haben[14] (Zwickel, 2013, S. 120).

Um bei der Schar von Schafen und Ziegen überhaupt den Schaden feststellen zu können, musste deren Anzahl jeden Morgen oder Abend kontrolliert werden. Dazu zählte der Hirte die Tiere, die er unter seinem Stab hindurchgehen[15] ließ, wenn er sie in die Hürden[16] trieb oder herausführte (vgl. Bertholet, 1919, S. 142). Neben den aus Steinmauern bestehenden Hürden, in denen sich wahrscheinlich mehrere Hirten für die Nacht versammelten und die z. T. mithilfe von Wachtürmen[17] und Hunden[18] geschützt werden konnten, wurden auch Höhlen als Nachtlager für die ansonsten das ganze Jahr hindurch im Freien lebenden Herden genutzt (vgl. Volz, 1914, S. 25 f.). Täglich „berechnet er [der Hirte] die Marschzeiten, die Weidezeiten und Ruhestunden am Wasser“ (ebd., S. 25; Einfügung: T.M.K.) und musste darauf achten, dass seine Tiere nicht überanstrengt werden[19]. Deshalb führte er sie zur Mittagszeit zum Ruhen an einen Wasserplatz[20]. War ein solcher nicht vorhanden, bediente man sich eines Herdenbrunnens mit Tränkrinnen[21]. Nach der Pause musste weitergezogen werden, um rechtzeitig das nächtliche Lager zu erreichen (vgl. ebd.).

Immer unter freiem Himmel haben sie [die Hirten] ein rauhes und kriegerisches Leben, dem raschen Wechsel von Hitze und Kälte ausgesetzt[22] […], stets in Gefahr, die Herde gegen feindlichen Überfall oder gegen wilde Tiere schützen zu müssen[23] […]. Die Nacht bringt ihnen nicht Ruhe, wenn sie kranke Tiere pflegen, verlorene suchen müssen (ebd., S. 386; Einfügung & Auslassungen: T.M.K.).

Als Hilfsmittel standen ihnen dabei lediglich ein Hirtenstab[24] und eine Steinschleuder zur Verfügung. Der bereits erwähnte Stab diente der Lenkung der Herde und ggf. zur Verteidigung gegen feindliche Tiere oder Räuber. Daneben konnte der Hirte sich bei den langen Wanderungen darauf stützen. Mithilfe der aus Stoff oder Leder bestehenden Steinschleuder konnte die Gefahr schon aus weiter Entfernung verscheucht und zu weit entfernte Herdentiere zurückgetrieben werden. Dazu legte der Hirte einen Stein in eine kleine, zwischen zwei Bändern befindliche Tasche, der dann zielgenau mit einer Geschwindigkeit von ca. 90 km/h geschleudert werden konnte. Populär wurde diese Waffe durch den Hirtenjungen David, der sich damit gegen Goliath verteidigen konnte[25] (vgl. Zwickel, 2013, S. 119 f.). Des Weiteren war der Hirte mit einer kleinen Hirtentasche[26] aus enthaarter Haut eines Lammes ausgerüstet, in der er seinen spärlichen Proviant und eine Hirtenflöte[27] transportieren konnte (vgl. Benzinger, 1927, S. 143). Insgesamt war der Beruf des Hirten ein hoch angesehener und stark verbreiteter. Als bedeutende Vertreter sind der Prophet Amos und König David zu nennen. Auch Jakob war als Hirte tätig und beschrieb zusammenfassend seine Arbeit mit diesen Worten (vgl. Heaton, 1957, S. 31 f.):

Zwanzig Jahre bin ich jetzt bei dir. Deine Schafe und Ziegen haben nicht fehlgeworfen, und die Widder deiner Herde habe ich nicht gegessen. Was von Raubtieren gerissen war, durfte ich dir nicht bringen. Ich selbst musste es ersetzen, von mir hast du es gefordert, ob es mir am Tag geraubt wurde oder in der Nacht. Am Tag verzehrte mich die Hitze und in der Nacht der Frost, und der Schlaf floh meine Augen[28].

Trotz alledem erzählt uns das Alte Testament auch von froheren Stunden der Hirten, in welchen sie auf ihrer Flöte spielen[29] und sich zur Mittagszeit zu mehreren treffen und Gespräche führen[30]. Sie haben eine enge Beziehung zu ihren Tieren, welche ihnen vertrauensvoll folgen. „[U]nd so sind auch die schönsten Bilder göttlicher Fürsorge und Treue für den schwachen Menschen aus dem Hirtenleben entnommen[31] “ (Volz, 1914, S. 386; Anpassung: T.M.K.).

[...]


[1] Jer 37, 21

[2] 1Chr 4, 21; 4, 23

[3] 1Chr 4, 14

[4] 1Chr 4, 21

[5] 1Chr 4, 23

[6] 1Chr 4, 14; 4, 23; 2Sam 12, 31; Neh 11, 35

[7] Ez 27, 12

[8] Ps 23, 1 f.

[9] 1Sam 16, 11; Ex 2, 16

[10] Sach 11, 12

[11] Ez 34, 3

[12] Gen 31, 38

[13] Am 3,12

[14] Ex 22, 9 f.

[15] Lev 27, 32; Ez 20, 37

[16] Num 32, 16; 1Sam 24, 4; Mi 2, 12

[17] Mi 4, 8; 2Kön 17, 9; 18, 8

[18] Hi 30, 1

[19] Gen 33, 13

[20] Ps 23, 2

[21] Gen 29, 2; 30, 38

[22] Gen 31, 40

[23] 1Sam 17, 34 ff.

[24] Ps 23, 4; Mi 7, 14

[25] 1 Sam 17, 40

[26] ebd.

[27] Ri 5, 16

[28] Gen 31, 38-40

[29] Ri 5, 16

[30] Gen 29, 2; Hld 1, 7 f.

[31] Ps 23; Jer 23, 3; Ez 34, 11 ff.

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Details

Titel
Tätigkeiten der Männer zur Zeit des Alten Testaments. Berufe in der Bibel außerhalb der Landwirtschaft
Hochschule
Universität Rostock  (Theologische Fakultät)
Veranstaltung
Biblische Lebenswelt
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V317199
ISBN (eBook)
9783668162648
ISBN (Buch)
9783668162655
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Altes Testament, AT, Bibel, Theologie, Christentum, Beruf, Antike, Lebenswelt, Archäologie, Bibelkunde, Hirte, Fischer, Jagd, Bauhandwerk, Textilhandwerk
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Tätigkeiten der Männer zur Zeit des Alten Testaments. Berufe in der Bibel außerhalb der Landwirtschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317199

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