Mit dem Wort Empowerment werden innerhalb der Sozialen Arbeit häufig die Begriffe Selbstbefähigung und Stärkung der eigenen Autonomie verbunden. Aber das Empowerment-Konzept ist deutlich umfangreicher und vielschichtiger und es ist keine einzelne Methode oder Technik, sondern eine Grundhaltung.
In gängigen Wörterbüchern wird Empowerment mit den Begriffen „Bevollmächtigung“, „Ermächtigung“, „Stärkung“ und „Unterstützung“ übersetzt. Heringer (2014) bezeichnet damit die Stärkung von Eigenmacht und Autonomie, erklärt aber auch, dass der Begriff Empowerment „eine offene normative Form“ ist, ein „Begriffsregal, das mit unterschiedlichen Grundüberzeugungen, Werthaltungen und moralischen Positionen aufgefüllt werden kann“. Empowerment findet sich als Schlagwort in vielen Konzepten der Sozialen Arbeit wieder, wobei der Fokus darauf liegt, den Klienten/Betroffenen wieder in die Lage zu versetzen selbständig handeln und durch Wiedergewinnung von Handlungsfähigkeit das eigene Leben autonom und aktiv gestalten zu können.
Ziel dieser Arbeit ist, die Komplexität des Begriffs Empowerment zu erläutern. Historische und theoretische Hintergründe werden betrachtet und die spezifische Bedeutung und die damit verbundene Grundhaltung von Empowerment herausgearbeitet. Konkretisiert wird das anhand des Praxisfeldes der stationären Behindertenhilfe.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärung
2.1 Historischer Ursprung
2.2 Theoretischer Hintergrund
3. Grundhaltung des Empowerment
4. Bedeutung für die Soziale Arbeit
4.1 im allgemeinen
4.2 für den Bereich der stationären Behindertenhilfe
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht das Empowerment-Konzept als zentrale Handlungsmaxime in der Sozialen Arbeit, mit einem spezifischen Fokus auf dessen praktische Anwendung und Herausforderungen in der stationären Behindertenhilfe. Ziel ist es, die Vielschichtigkeit des Begriffs jenseits einfacher Techniken als professionelle Grundhaltung darzustellen.
- Historische Entwicklung und theoretische Verankerung von Empowerment
- Differenzierung der verschiedenen Definitionsebenen von Empowerment
- Analyse der professionellen Haltung und des Rollenwandels von Helfern
- Übertragung des Modells auf die stationäre Behindertenhilfe
- Diskussion institutioneller Grenzen und Rahmenbedingungen
Auszug aus dem Buch
4.2 für den Bereich der stationären Behindertenhilfe
Die Wurzel des Empowerment Begriffs in der Behindertenhilfe stammt ebenfalls aus den USA. Die Independent-Living Bewegung ein Zusammenschluss von Eltern behinderter Kinder oder der People first, einer Selbstvertretungsgruppe von Menschen mit geistiger oder intellektueller Behinderung, orientieren sich an den Inhalten der schwarzen Bürgerrechtsbewegung und übertragen diese auf ihre Bedürfnisse. Im Vordergrund stand dabei die selbständige Aneignung von Wissen, um somit eigene Bedürfnisse, aber auch Rechtsansprüche für sich durchsetzen zu können (Theunissen, 2002, 46f.).
Innerhalb der Behindertenhilfe bedeutet die Umsetzung von Empowerment nicht den Menschen als Ansammlung seiner Defizite zu betrachten, sondern seine Kompetenzen, Ressourcen und Stärken zu sehen (vgl. Greving, Ondracek, 2010, S. 159). Mit Empowerment ist daher die Entwicklung einer professionellen Haltung mit dem Ziel gemeint, für Menschen Möglichkeiten zu schaffen, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten. „Dies bedeutet eine Selbstorganisation des Alltags im Hinblick auf die Prozesse der Lebensbewältigung und -gestaltung.“ ( ebd. S. 157).
Die Behindertenhilfe hat in den vergangenen Jahren einen Paradigmenwechsel erlebt, was sich auf das Menschenbild ausgewirkt hat. Der Mensch mit Behinderung wird nicht mehr als Objekt der Rehabilitation und Fürsorge gesehen, sondern als autonomes und selbstbestimmtes Subjekt. Empowerment fügt sich daher gut als Handlungskonzept der professionellen Arbeit innerhalb der Behindertenhilfe ein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik des Empowerments ein, betont die Bedeutung von Selbstständigkeit und Autonomie und definiert das Ziel der Arbeit, das Konzept theoretisch und praktisch für die Behindertenhilfe zu erörtern.
2. Begriffsklärung: Dieses Kapitel definiert Empowerment als vielschichtiges "Begriffsregal", beleuchtet den historischen Ursprung in der Bürgerrechtsbewegung und skizziert den theoretischen Hintergrund durch verschiedene Zugangsweisen.
3. Grundhaltung des Empowerment: Es wird die notwendige Abkehr vom defizitorientierten Expertenblick hin zur Stärkenorientierung und zu einem partnerschaftlichen Menschenbild in der Sozialen Arbeit beschrieben.
4. Bedeutung für die Soziale Arbeit: Das Kapitel erläutert den professionellen Rollenwandel von Helfern und überträgt das Konzept konkret auf die Anforderungen und Herausforderungen der stationären Behindertenhilfe.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Empowerment ein multidimensionaler Ansatz zur Förderung von Autonomie und gesellschaftlicher Partizipation ist, der eine kooperative Haltung erfordert.
Schlüsselwörter
Empowerment, Soziale Arbeit, stationäre Behindertenhilfe, Selbstbestimmung, Ressourcenorientierung, Lebensweltorientierung, Partizipation, soziale Gerechtigkeit, Autonomie, Hilfeplanung, Expertenblick, Menschenstärke, Selbsthilfe, Advocacy, Kompetenzentwicklung
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Kern der Arbeit?
Die Arbeit behandelt das Empowerment-Konzept als grundlegende Haltung der Sozialen Arbeit, die darauf abzielt, die Autonomie und Partizipation von Klienten zu stärken, anstatt sie primär über ihre Defizite zu definieren.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themenfelder umfassen die theoretische Herleitung von Empowerment, den Wandel professioneller Rollenbilder und die praktische Implementierung in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe.
Welches Ziel verfolgt die Autorin?
Das primäre Ziel ist es, die Komplexität des Begriffs zu erläutern und eine Brücke zwischen der Theorie des Empowerments und der konkreten Anwendung im Alltag der stationären Behindertenhilfe zu schlagen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Konzepte und Definitionen sowie der Verknüpfung dieser theoretischen Ansätze mit Praxiserfahrungen in der stationären Behindertenhilfe.
Was umfasst der Hauptteil der Untersuchung?
Der Hauptteil analysiert die begrifflichen Zugänge (politisch, lebensweltlich, reflexiv, transitiv), die professionelle Grundhaltung sowie die spezifische Anwendung und die institutionellen Grenzen des Konzepts in der Behindertenhilfe.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Schlagworten zählen Empowerment, Ressourcenorientierung, Selbstbestimmung, Paradigmenwechsel in der Behindertenhilfe und die kritische Auseinandersetzung mit institutionellen Strukturen.
Wie verändert Empowerment die Rolle des Helfers in der Behindertenhilfe?
Der Helfer wandelt sich vom Experten, der Lösungen vorgibt, hin zu einem Berater, Moderator und Ressourcenmobilisierer, der den Menschen als "Experten in eigener Sache" anerkennt.
Welche spezifischen Grenzen sieht die Autorin bei der Umsetzung?
Die Autorin identifiziert institutionelle Strukturen wie Schichtdienst, straffe Zeitpläne und das Leitbild der Einrichtung sowie die persönlichen Einstellungen der Mitarbeiter als potenzielle Barrieren für eine echte Empowerment-Praxis.
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- Petra Meyer-Eppa (Author), 2015, Die Bedeutung des Empowerment-Konzeptes für die Soziale Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317306