Die heutige Relevanz von Sigmund Freuds Theorie der Phasen der psychosexuellen Entwicklung


Hausarbeit, 2013

19 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Gliederung

1 Sigmund Freud als Begründer der Psychoanalyse

2 Begriffsklärung
2.1 Der Trieb
2.2 Die Libido
2.3 Die Erogene Zone

3 Die „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ nach Freud

4 Das Modell der psychosexuellen Entwicklung
4.1 Orale Phase
4.1.1 Die Rolle der Mundzone als erogene Zone
4.1.2 Störungsmöglichkeiten
4.1.3 Einfluss auf die Entwicklung des Kindes
4.2 Anale Phase
4.2.1 Die Bedeutung des Afterbereichs als erogene Zone
4.2.2 Störungsmöglichkeit und ihr Einfluss auf die Entwicklung
4.3 Phallische Phase
4.3.1 Die Relevanz der Genitalregion als erogene Zone
4.3.2 Ödipus-Konflikt
4.3.3 Störungsmöglichkeiten
4.3.4 Einfluss auf die Entwicklung des Kindes
4.4 Latenzperiode
4.5 Genitale Phase

5 Kritik an Freuds Phasenlehre

6 Bedeutung des Freud'schen Ansatzes

7 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Sigmund Freud als Begründer der Psychoanalyse

Sigismund Schlomo Freud wurde am 6. Mai 1856 als Sohn eines jüdischen Wollhändlers in Freiberg (Mähren) als das Älteste von acht Kindern geboren. Nach dem Umzug in die Stadt Wien begann der spätere Begründer der Psychoanalyse seine akademische Laufbahn mit einem Medizinstudium, was ihn trotz großer späterer Erfolge zunächst auch vor Herausforderungen stellte. (vgl. Altenthan et al. 2002, S.107) (vgl. Miller 1993, S.114)

Infolge seines im Jahre 1881 erworbenen Doktorgrades praktizierte er erstmals als Nervenarzt mit besonders großem Interesse an psychisch bedingten Erkrankungen, wie etwa der sogenannten Hysterie. Als solche wird eine neurotische Störung bezeichnet, die sich laut Miller durch „Lähmungserscheinungen, Krampfanfälle, Schielen und Zittern“ (Miller 1993, S.115) ausdrückt. Ebendiese Faszination auf dissoziative Störungen, also das Unvermögen des Gehirns, Handlungen zu koordinieren, führte Sigmund Freud schließlich nach Frankreich. Im Laufe seines Pariser Aufenthalts traf er auf den französischen Neurologen Jean-Martin Charot, der seine Patienten mit einem zu dieser Zeit neuartigen Verfahren behandelte, der Hypnose. Altenthan beschreibt diese in seinem 2002 veröffentlichten Werk „Pädagogik“ als „[e]ine durch Beeinflussung herbeigeführte Bewusstseinsänderung, wobei alle bewussten Funktionen eingeengt sind und Reize der Außenwelt nur über den Kontakt mit demjenigen aufgenommen werden können, der die Hypnose durchführt.“ (vgl. Altenthan et al. 2002, S.107) (Miller 2000, S.115) (vgl. Altenthan et al. 2002, S.107)

Freud beschloss, nachdem er in enger Zusammenarbeit mit Charot die Technik der Hypnose verinnerlichte, nach Wien zurückzukehren und mit seinem damaligen Kollegen Josef Breuer weitere Forschungen bezüglich der Hysterie zu betreiben. Während der Auseinandersetzung mit dieser Thematik schwand auch deren anfängliches Interesse an Charots Therapie. Denn resultierend aus Breuers Entdeckung, dass hysterische Symptome ebenso durch das Sprechen „über die emotional besetzten Erfahrungen [der] Kindheit“ (Miller 2000, S.115) zurückgingen, machte die Hypnose überflüssig. Aus diesem Grund entwickelten Freud und Breuer ihre eigene Therapieform zur Heilung von psychischen Störungen. Darüber hinaus verfasste Sigmund Freud sein wohl bekanntestes Werk, die Psychoanalyse, die noch heute einen wesentlichen Teil der modernen Psychologie beeinflusst. Der Begründer der Psychoanalyse „betrachtete Menschen als Subjekte, die durch in der Vergangenheit erlebte und bisher nicht bewältigte Konflikte krank wurden“. (vgl. Bamler et al. 2010, S.36) (vgl. Miller 1993, S.115)

2 Begriffsklärung

Auch wenn Freuds Werk und all seine darüber hinaus verfassten Texte und Lehrbücher subjektiv betrachtet sprachlich schlicht und somit vergleichsmäßig leicht verständlich verfasst wurden, ist es trotzdem notwendig sich mit den gängigsten Schlüsselbegriffen der Thematik auseinanderzusetzen. Abhängig vom Schwerpunkt der Betrachtung im Rahmen der Psychoanalyse gibt es somit verschiedene Benennungen für zentrale Größen. Die elementarsten Vokabeln im Zusammenhang mit der Psychosexuellen Entwicklung seien unten stehend aufgelistet und kurz umrissen.

2.1 Der Trieb

In Freuds analytischen Modell von der Psyche des Menschen sieht er den Trieb als Ursache und Beweggrund für jedes Handeln und Denken an. Der Terminus „Trieb“ fasst hierbei drei Aspekte zusammen: Die Triebquelle, das Triebziel und das Triebobjekt. (vgl. Altenthan et al. 2002, S.117) (vgl. Klußmann 2000, S. 4)

Die Triebquelle steht für den körperlichen Prozess oder auch das Körperteil, welches den Reiz aussendet und für sämtliche Triebe essentiell ist. Das Triebziel hingegen definiert sich durch „die Erreichung der 'Aufhebung des Reizzustandes an der Triebquelle' und [meint] damit die Befriedigung des Triebwunsches“. (Altenthan S. et al. 2002, S.117) Obgleich die Entladung des Triebwunsches an der eigenen Person, eines Beteiligten, oder sogar eines Gegenstandes stattfindet, definiert man diese Position als Triebobjekt. (vgl. Altenthan. et al. 2002, S.117) (vgl. Klußmann 2000, S. 4)

Den oben stehenden Zugangspunkten für eine objektive Beschreibung des Triebs, welche daher auch Trieblehre genannt werden, liegt eine gewisse psychische Energie zugrunde. Diese entlädt sich im Kindesalter aufgrund der noch eingeschränkten Selbstwahrnehmung oft wahllos, wird aber meist mit fortschreitendem Alter in eine gewisse Richtung geleitet. (vgl. Altenthan et al. 2002, S.118)

2.2 Die Libido

Als Libido wird der Geschlechtstrieb eines Individuums bezeichnet, welcher auf die Befriedigung sexueller Bedürfnisse gerichtet ist. Jedoch muss sich diese sexuelle Appetenz erst entwickeln, indem ein Mensch die Phasen der psychosexuellen Entwicklung durchlebt. In diesen einzelnen Phasen beschäftigt sich das Kind mit dem jeweils dominanten Körperteil, sei es der Mund, der After oder die Genitalien. Die Entstehung der Libido verläuft in einer biologisch festgelegten Abfolge die durch bestimmte Umweltfaktoren, in Bezug auf die Dauer und Ausprägung bestimmter Phasen, individuell variieren kann. (vgl. Altenthan et al. 2002, S.120)

2.3 Die Erogene Zone

Erogene Zonen sind diejenigen körperlichen Bereiche, die sexuelle Erregung verschaffen können. Im Zusammenhang mit der Thematik der psychosexuellen Entwicklung zählen hierzu vor allem – wie oben bereits anhand der Bildung der Libido beschrieben - die orale, anale und genitale Zone des Körpers. Der Begriff muss jedoch dahingehend erweitert werden, dass zunächst auch die gesamte Hautoberfläche als eine erogene Zone betrachtet werden kann.

(http://www.info-magazin.com/?suchbegriff=Erogene%2520Zone)

3 Die „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ nach Freud

Laut Freud „[findet man] in der Literatur [zwar] gelegentlich Notizen über frühzeitige Sexualbetätigung bei kleinen Kindern, […] aber immer nur als ausnahmsweise Vorgänge, als Kuriosa oder als Beispiele voreiliger Verderbtheit angeführt. Kein Autor hat [seines] Wissens die Gesetzmäßigkeit eines Sexualtriebes in der Kindheit klar erkannt, und in den zahlreich gewordenen Schriften über die Entwicklung des Kindes wird das Kapitel »Sexuelle Entwicklung« meist übergangen.“ (Bittner 1998, S.107) Als Grund hierfür kann zwar eine gewisse Selektion angesehen werden, welche sich in der Zurückhaltung der Autoren gegenüber derartigen Themen finden lässt. Ein psychisches Phänomen kann jedoch auch deutlich identifiziert werden: Die infantile Amnesie welche die ersten Kindheitsjahre der meisten Menschen zu verhüllen scheint. (vgl. Bittner 1998, S.107) (vgl. Lebovici & Soulé 1970, S.18)

In seinen „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ die er im Jahr 1905 verfasste und in den kommenden Jahren immer wieder überarbeitete, gelang es Freud durch den Entwurf des Modells der psychosexuellen Entwicklung die infantile Sexualität schlüssig zu beschreiben. (vgl.Bittner 1998, 107)

4 Das Modell der psychosexuellen Entwicklung

Resultierend aus seinen Beobachtungen folgerte der Begründer der Psychoanalyse im Jahre 1989, dass vor allem die ersten Lebensjahre eines Sprösslings von enormer Bedeutung für die Persönlichkeitsentwicklung sind. Des Weiteren entdeckte Freud das schon sexuell motivierte kindliche Verhalten. Aus diesen Erkenntnissen heraus gelang es Freud nicht nur die bisher angenommene These der infantilen Asexualität zu widerlegen, sondern auch ein Stadienmodell der psychosexuellen Entwicklung zu entwerfen. Seine Idee war es, dass Menschen von Geburt an „viele kleine Schritte, [welche] aufeinander aufbauen[...]“ (Charlier 2001, S.64), bestmöglich bewältigen müssen, um ein gesundes Verhältnis zur eigenen Sexualität zu garantieren. Diese 'Etappen' sind in Freuds sogenannten psychosexuellen Phasen impliziert. Dabei beschränkt sich die Sexualität einer Person nicht nur auf seinen Genitalbereich. Auch andere Körperzonen sind in der Lage ein sexuelles Lustempfinden auszulösen. So ist die infantile Entwicklung nach Freud von vier unterschiedlichen Stadien und einer Latenzperiode geprägt, wobei in einer jeden Phase die Triebimpulse nur auf eine Körperregion limitiert sind. (vgl. Charlier 2001, S.64) (vgl. Bamler et al. 2010, S.39)

Anfänglich wird ein Säugling in die orale Phase hinein geboren. Im weiteren Verlauf der Kindheit wird diese erste Etappe der psychosexuellen Entwicklung von einer analen Phase abgelöst, auf welche die Phallische folgt. Mit dem Ende dieser dritten Etappe wird ebenso der Abschluss einer frühkindlichen Sexualität markiert. Schlussendlich kennzeichnet die Latenzperiode im Alter von sechs bis zwölf Jahren eine Periode des Verzichts, um anschließend in die genitale Phase der Adoleszenz überzugehen. „In jeder Phase entstehen neue Bedürfnisse, die von den psychischen Strukturen bewältigt werden müssen.“ (vgl. Miller 1993, S.127)

Als besonders erachtenswert gilt in Sigmund Freuds Augen außerdem die Tatsache, dass die verschiedenen Etappen nicht nur aufeinander aufbauen und fließend ineinander übergehen. Ebenso faszinierend scheint die Unmöglichkeit eine der Phasen jemals gänzlich zu überwinden. (vgl. Miller 1993, S.128)

4.1 Orale Phase

Der Terminus „Oral“ wird von dem lateinischen Wort „os“ (durch den Mund) abgeleitet und weist damit schon auf die erogene Zone der ersten psychosexuellen Phase eines Kindes hin. Der Mund wird als das primäre Lustzentrum eines Säuglings bezeichnet, durch welches die noch unbekannten sexuellen Bedürfnisse im ersten Lebensjahr befriedigt werden. (vgl. Schenk-Danzinger 1988, S.73) (vgl. Charlier 2001, S.66)

4.1.1 Die Rolle der Mundzone als erogene Zone

Die vorrangige Aufgabe des Mundes besteht zuerst in der Nahrungsaufnahme und dem damit verbundenen Lustgewinn eines Kindes. Doch ist dies nicht die einzige Gelegenheit zum Stillen der sexuellen Bedürfnissen. So ist das Baby in diesem Alter ebenso zu einer „autoerotischen“ Befriedigung, „durch Fingerlutschen und durch Saugen an Ersatzobjekten, die zur Beruhigung angeboten (Schnuller) oder selbst gefunden werden“ (Charlier 2001, S.66), in der Lage. (vgl. Charlier 2001, S.66)

Anfänglich kann ein Säugling nur minder zwischen Finger und Mutterbrust differenzieren. Deshalb ist die Nahrungssituation, die den ersten zwischenmenschlichen Kontakt mit der Mutter herstellt, von so großer Relevanz. Durch ebendiese Verbindung zwischen Mutter und Kind wird ein Ur-Vertrauen geschaffen, welches den weiblichen Elternteil zur Hauptbezugsperson des Babys bestimmt. Das Ur-Vertrauen basiert jedoch auf der Verarbeitung der Ur-Angst die ein jeder Mensch in sich trägt, die Furcht vor dem Verlassen-werden. Erst indem der Säugling seine Angst überwindet und die Mutter ihre Verlässlichkeit über einen längeren Zeitraum unter Beweis stellt, kann sich diese Basis des Vertrauens entwickeln. (vgl. Schenk-Danzinger 1988, S.73ff) (vgl. Charlier 2001, S.66)

4.1.2 Störungsmöglichkeiten

Nicht immer verlaufen die Phasen der psychosexuellen Entwicklung ohne Komplikationen, da auch negative Beeinträchtigungen einer Phase, unter anderem durch unzureichende oder exzessive Befriedigung der Triebwünsche, auftreten können. (vgl. Altenthan et al. 2002, S.126)

Übertriebenes Stillen des Lustempfindens in der oralen Phase durch die Mutter zeigt sich vor allem in Form der Verwöhnung, der „orale Vergewaltigung“, oder aber in der übertriebenen Fürsorge dem Kind gegenüber. Eine unzureichende Befriedigung hingegen drückt sich beispielsweise in einem plötzlichen Abstillen oder langem Hungernlassen aus. Auch die mütterliche Ablehnung des Säuglings, sowie die Versagung als Pflichtmutter kann schwere psychische und körperliche Auswirkungen mit sich bringen, auf die im Folgenden weiter eingegangen werden soll. (vgl. Klußmann 2000, S.9f)

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die heutige Relevanz von Sigmund Freuds Theorie der Phasen der psychosexuellen Entwicklung
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Veranstaltung
Psychoanalytische Grundlagen
Note
1,7
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V317505
ISBN (eBook)
9783668166431
ISBN (Buch)
9783668166448
Dateigröße
743 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychoanalyse, Sigmund Freud, psychosexuelle Entwicklung, Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, orale Phase, anale Phase, phallische Phase, Ödipus-Konflikt, Entwicklung des Kindes, Latenzperiode, Genitale Phase, Phasenlehre
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Die heutige Relevanz von Sigmund Freuds Theorie der Phasen der psychosexuellen Entwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317505

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