Entscheidungsverhalten von Akteuren auf den Finanzmärkten ist ein sehr interessanter und zentraler Aspekt in den Wirtschaftswissenschaften. In dieser Arbeit soll herausgefunden werden, inwieweit finanzmarktorientierte Entscheidungen der Akteure auf rein rationaler Ebene basieren oder aber von anderen Faktoren, wie beispielsweise affektiven Einflüssen, den Beobachtungen der Anleger selbst sowie privaten Informationen determiniert werden. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Phänomene, die für die Erklärung des menschlichen Entscheidungsverhaltens auf Finanzmärkten von Bedeutung sind. In dieser Arbeit sollen folgende dieser Phänomene thematisiert werden: Selbstüberschätzung der Anleger, Dispositionseffekte, Herdenverhalten, Spekulationsblase, Ankeraffekte sowie Heuristiken.
Im zweiten Kapitel dieser Arbeit soll zunächst darauf eingegangen werden, was der Begriff der Entscheidung bedeutet und aus welchen Komponenten sie besteht. Außerdem sollen die Begrifflichkeiten der Einzelentscheidung, der Gruppenentscheidung, der Entscheidung bei Sicherheit sowie der Entscheidung bei Unsicherheit und der Kaufentscheidung kurz erläutert werden. Im dritten Kapitel sollen anschließend die beiden klassischen Entscheidungstheorien, nämlich die normative (präskriptive) Entscheidungstheorie und die deskriptive (empirische) Entscheidungstheorie dargestellt werden. Im letzten Kapitel soll schließlich das Entscheidungsverhalten der Menschen auf den Finanzmärkten analysiert werden. Hierfür sollen zu-nächst Informationen über die Börse und ihre Abläufe vermittelt werden. Anschließend soll auf das Thema des Anlegerverhaltens eingegangen werden. Im Zuge dessen sollen der Reihenfolge nach folgende Themen behandelt werden:
- Informationsnutzung durch Anleger
- Affektive (emotionelle) Einflüsse auf das Anlageverhalten
- Selbstüberschätzung der Anleger
- Soziale Einflüsse auf das Anlageverhalten.
- Repräsentativitätsheuristik
- Verankerungsheuristik
- Sowie Verfügbarkeitsheuristik
Abschließend sollen die Ergebnisse der in dieser Arbeit analysierten Aspekte resümiert und als Fazit formuliert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Entscheidung
2.1 Komponenten von Entscheidungsproblemen
2.1.1 Optionen
2.1.2 Ereignisse
2.1.3 Konsequenzen
2.1.4 Ziele
2.1.5 Gründe
2.2 Einzelentscheidungen
2.3 Gruppenentscheidungen
2.4 Entscheidung bei Sicherheit
2.5 Entscheidung bei Unsicherheit
2.6 Kaufentscheidungen
3 Klassische Entscheidungstheorien
3.1 Normative (präskriptive) Entscheidungstheorie
3.1.1 Subject Expected Utility Theory (SEU-Theory)
3.1.1.1 Nutzen und Unsicherheit
3.1.1.2 Fokus Wahl
3.1.1.3 Voraussetzungen des SEU-Modells
3.1.2 Homo Oeconomicus
3.1.2.1 Besitztumseffekt
3.2 Deskriptive (empirische) Entscheidungstheorie
3.2.1 Die Prospect-Theorie
3.2.1.1 Die ursprüngliche Theorie
3.2.1.1.1 Editierung
3.2.1.1.2 Entscheidung
3.2.1.2 Die Entscheidungsgewichtfunktion
3.2.1.3 Der Referenzpunkt
3.2.1.4 Die kumulative Theorie
4 Entscheidungsverhalten in Bezug auf Finanzen
4.1 Die Börse
4.2 Anlegerverhalten
4.3 Informationsnutzung durch Anleger
4.4 Affektive (emotionale) Einflüsse auf Anlegerverhalten
4.5 Selbstüberschätzung bei Anleger
4.6 Soziale Einflüsse auf Anlegerverhalten
4.7 Repräsentativitätsheuristik
4.8 Verankerungsheuristik
4.9 Verfügbarkeitsheuristik
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das menschliche Entscheidungsverhalten unter besonderer Berücksichtigung von Anlegerverhalten auf den Finanzmärkten. Die zentrale Forschungsfrage beschäftigt sich damit, inwieweit finanzmarktorientierte Entscheidungen auf rein rationaler Ebene basieren oder durch affektive Einflüsse, individuelle Beobachtungen und soziale Faktoren determiniert werden.
- Grundlagen der Entscheidungstheorie (normativ vs. deskriptiv)
- Konzepte der Rationalität und Abweichungen (z. B. Prospect-Theorie)
- Psychologische Aspekte des Anlegerverhaltens (Heuristiken, Selbstüberschätzung)
- Soziale und emotionale Einflüsse auf Finanzentscheidungen
Auszug aus dem Buch
3.1.1.1 Nutzen und Unsicherheit
Durch die erste Möglichkeit lässt sich erst ermitteln, für welche Stadt sich Person A entscheiden wird, wenn die subjektiven Wahrscheinlichkeiten mit den zugehörigen Nutzenwerten der einzelnen Konsequenzen gemäß der Formel des SEU-Modells multipliziert werden. Es gibt sehr unterschiedliche Methoden bzw. Verfahren, mit deren Hilfe sich feststellen lässt, wie wahrscheinlich es für Person A ist, das der Großvater sein Vermögen an A (E1) oder an die Universität (E2) vererbt. Mit Hilfe der oben in der Tabelle stehenden Informationen kann man folgende Gleichung aufstellen: p(E2)= 1- p(E1). Hierbei kann man die SEU-Werte für die beiden Optionen X und Y bestimmen und prognostizieren, welche Option von Person A vorgezogen wird. Diese Option wird also diejenige sein, die für die Person A den höheren Nutzen (Wert) hat (vgl. Jungermann et al. 2010, S 206-207).
Misst man sowohl die Nutzenwerte und ihre Normierung als auch die subjektiven Wahrscheinlichkeiten auf einem Intervall zwischen 0 und 1, ergibt sich folgende Tabelle:
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der menschlichen Entscheidungsfindung ein und skizziert die Gliederung der Arbeit, welche sich mit den theoretischen Grundlagen der Entscheidungstheorie sowie deren Anwendung auf das Finanzmarktverhalten befasst.
2 Entscheidung: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Entscheidung und analysiert dessen zentrale Komponenten wie Optionen, Ereignisse, Ziele und Konsequenzen, differenziert nach verschiedenen Entscheidungssituationen.
3 Klassische Entscheidungstheorien: Hier werden die normative SEU-Theorie sowie die deskriptive Prospect-Theorie gegenübergestellt, um die Diskrepanz zwischen rationalen Modellen und tatsächlichem menschlichen Verhalten zu beleuchten.
4 Entscheidungsverhalten in Bezug auf Finanzen: Das Hauptkapitel wendet die zuvor erläuterten Theorien auf Finanzmärkte an und untersucht Faktoren wie Informationsnutzung, Heuristiken und soziale Einflüsse auf das Verhalten von Anlegern.
5 Fazit: Das Fazit resümiert, dass menschliches Verhalten im Finanzkontext oft von irrationalen, emotionalen und sozialen Faktoren geprägt ist, die über das rationale Modell des Homo Oeconomicus hinausgehen.
Schlüsselwörter
Entscheidungsverhalten, Anlegerverhalten, Entscheidungstheorie, SEU-Theorie, Prospect-Theorie, Homo Oeconomicus, Heuristiken, Besitztumseffekt, Finanzmärkte, Rationalität, Begrenzte Rationalität, Selbstüberschätzung, Informationskaskaden, Behavioral Finance.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert menschliches Entscheidungsverhalten im Allgemeinen und dessen Übertragung auf Anlegerentscheidungen an Finanzmärkten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören Entscheidungstheorien, die Differenzierung zwischen rationalem und realem Verhalten, Finanzmarktpsychologie und diverse psychologische Effekte bei Anlegern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob finanzmarktorientierte Entscheidungen rein rational begründet sind oder von anderen Faktoren wie Emotionen und sozialen Einflüssen beeinflusst werden.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt Literaturanalyse, vergleicht normative und deskriptive Theorien und führt Fallbeispiele sowie empirische Befunde aus der Wirtschaftspsychologie an.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt klassische Entscheidungstheorien, Konzepte wie den Homo Oeconomicus, die Prospect-Theorie und detailliert das Verhalten von Anlegern auf Finanzmärkten inklusive diverser Heuristiken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Entscheidungsverhalten, Prospect-Theorie, Finanzmärkte, Behavioral Finance, Heuristiken und rationale versus irrationale Entscheidungsfindung.
Was besagt der Besitztumseffekt?
Der Besitztumseffekt beschreibt die Erkenntnis, dass Menschen einem Gut einen höheren Wert beimessen, sobald sie es besitzen, als wenn sie es erwerben würden.
Was ist die Kernbotschaft zum Anlageverhalten?
Die Kernbotschaft ist, dass Anleger auf Finanzmärkten häufiger irrationale als rein rationale Entscheidungen treffen, beeinflusst durch Emotionen, soziale Netzwerke und kognitive Verzerrungen.
- Arbeit zitieren
- Master of Science Zülfi Yildiz (Autor:in), 2013, Entscheidungsverhalten unter besonderer Berücksichtigung von Anlegerverhalten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317525