Mir gehört die Welt - Die Figur Hynkel in Chaplins 'Der große Diktator' und ihr Traum von der Weltherrschaft


Hausarbeit, 2004

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Charlie Chaplin
1.1 Kurzbiographie

2. „Der große Diktator“
2.1 Inhaltsangabe
2.2 Entstehung und Geschichte
2.3 Chaplins erster Dialogfilm

3. Adenoid Hynkel
3.1 Hynkels Charakter

4. Der Tanz mit der Weltkugel
4.1. Inhaltsangabe
4.2. Hynkels Größenwahn

Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

Charlie Chaplins „Der große Diktator“ darf zu Recht als einer seiner erfolgreichsten, wenn nicht als der erfolgreichster Film überhaupt gelten. Trotz anfänglicher Kritik wurde die Qualität dieses Meisterwerkes schnell erkannt und noch bis heute erfreut sich „Der große Diktator“ großer Beliebtheit.

Der Film stellt einen lockeren Umgang mit der Thematik Hitlers und seiner Schreckensherrschaft da – oft kritisiert, ist dies jedoch ebenfalls eine mögliche Art, sich den Geschehnissen Mitte des letzten Jahrhunderts zuzuwenden.

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass „Der große Diktator“ bereits in den Jahren 1939/1940 entstanden ist – Chaplin schien ein gutes Gespür für das zu haben, was in den folgenden Jahren in der Welt geschehen würde.

Mit dem gesprochenen Wort taucht in „Der große Diktator“ „ein ganz neuer Aspekt von Komik“[1] auf. Der Humor liegt hier eher im Dialog und der Situation, als in Pantomime und Gags. Doch obwohl „Der große Diktator“ die Möglichkeiten des Tons ausschöpfen konnte und es auch tat, kommt eine der virtuosesten Szenen völlig ohne Sprache aus – der Tanz mit der Weltkugel.

Diese Szene verbildlicht wie wohl keine andere den wahnhaften Traum des Diktators, die Welt zu beherrschen. Sein Spiel mit der Weltkugel erlaubt dem Zuschauer tiefe Einblicke in die Welt des Adenoid Hynkel. Welche Aspekte dieser Szene einen direkten Bezug zum Seelenleben des Diktator haben, soll im folgenden geklärt werden.

1. Charlie Chaplin

1.1 Kurzbiographie

Charles Spencer Chaplin wurde am 16. April 1889 als Sohn der Sängerin Hannah Chaplin in London geboren – nur vier Tage, bevor Adolf Hitler das Licht der Welt erblickte.

Chaplins Vater, ein Alkoholiker, starb, als Charlie neun Jahre alt war. Die Familie geriet dadurch und durch die sich verschlechternde Stimme der Mutter in eine finanzielle Notlage und endete schließlich im Armenhaus.

1897 sammelte Chaplin erste Bühnenerfahrungen bei einer Holzschuhtänzergruppe, mit 12 hatte er seine erste Rolle als Schauspieler. 1906 schloss er sich einer Clowntruppe an und sammelte dort erste Erfahrungen als Komiker. Im selben Jahr erhielt er ein Engagement bei Karno, dem damals wohl berühmtesten englischen Slapstick-Pantomimen. Als Mitglied dieser Gruppe trat er schließlich 1910 zum ersten Mal in den USA auf.

Charlie blieb in Amerika und drehte dort einige Filme, doch „not until the end of 1914, with the Release of ‚Tillie’s Punctured Romance’ did Chaplin’s name become widely known. By 1915 he had become and was to remain the most popluar figure in motion pictures.”[2]

Zu diesem Zeitpunkt arbeitete Chaplin bei den Keystone Studios, wo er fünfunddreißig Filme drehte. Bereits zu dieser Zeit entstand das später weltberühmte Tramp-Kostüm – die Kunstfigur Charlie war geboren. Chaplin entwickelte sich rasch weiter, „Caught in the Rain“ war 1914 der erste Film, bei dem er alleine Regie führte.

In den darauf folgenden Jahren wechselte er oft die Filmstudios, seine Gagen wuchsen stetig – und doch war er nie richtig zufrieden. Am 19.01.1919 gründete Charlie Chaplin gemeinsam mit D.W. Griffith, Douglas Fairbanks und Mary Pickford die United Artists, seine eigene Produktionsfirma.

Chaplins Erfolg – oder vielleicht besser gesagt: Der Erfolg des Tramps – wuchs stetig, auch bis weit in die 30er Jahre hinein.

Die vierziger Jahre, als die Dekade, in der Chaplin sich langsam vom Tramp entfernte, schließlich brachten Chaplin, neben seinem größten finanziellen Erfolg mit „Der große Diktator“, „lawsuits, violent press attacks“[3] und „general unfavorable publicity“[4].

1952 kehrte er aus den USA nach Europa zurück, zunächst nur für eine Reise, doch nachdem er sich Verdächtigungen bezüglich vermeintlicher kommunistischer Verbindungen gegenübersah, zog er es vor, Amerika den Rücken zu kehren. Er ließ sich am Genfer See nieder.

Am 25.10.1977 starb Charles Chaplin im Alter von 88 Jahren in Manoir de Ban (Schweiz), er wurde in Vevey beigesetzt. Als Tramp geliebt, galt Chaplin als „selfish, self-centered, eratic, moody and vaguely dissatisfied with life“[5] in seinem Privatleben.

Charlie Chaplin war vier Mal verheiratet, doch nur die Ehe mit Oona O Neil, mit der er bis zu seinem Tode zusammenlebte, erwies sich als dauerhaft. Die Scheidungen von Mildred Harris, Lillita McMurray und Paulette Goddard folgten meist nur einige Jahre nach der Eheschließung.

2. „Der große Diktator“

2.1 Inhaltsangabe

Die Handlung von „Der große Diktator“ beginnt im Jahr 1918. Das Land Tomanien kämpft im Krieg. Charlie, einer der Soldaten, rettet den verletzten Kampfflieger Schultz und flieht mit ihm in einem Flugzeug. Der Maschine geht der Kraftstoff aus und die beiden legen in einer Sumpflandschaft eine Bruchlandung hin.

Zwanzig Jahre später: Tomanien hat den Krieg verloren. Charlie leidet seit seinem Flugzeugabsturz an Amnesie und hat die letzten zwei Jahrzehnte im Krankenhaus verbracht. Somit hat er auch nichts vom Aufstieg des Diktators Hynkel mitbekommen, dem er zum verwechseln ähnlich sieht.

Nichtsahnend kehrt Charlie wieder in seinen Frisiersalon zurück, in dem er bereits vor dem Krieg gearbeitet hat. Er legt sich mit einem Ordnungshüter an, der das Wort „Jude“ auf sein Schaufenster malt. Ein Streit beginnt, in dem Charlie zunächst den kürzeren zu ziehen scheint. Hannah, ein Mädchen aus der Nachbarschaft, hilft ihm schließlich und rettet ihn so.

Währenddessen baut Hynkel seine Macht weiter aus. Er gewinnt die Bürger Tomaniens mit flammenden Reden für sich. Sein Vertrauter Garbitsch redet ihm ein, dass er die ganze Welt beherrschen könne. Zunächst verschreckt dieser Gedanke Hynkel, doch schließlich steigert er sich immer weiter in einen Machtrausch hinein, der seinen Höhepunkt im Tanz mit der Weltkugel findet.

Im jüdischen Ghetto nehmen unterdessen die Übergriffe auf die Bewohner zu. Gerade als Charlie, der sich erneut mit dem Sturmtrupp angelegt hat, gelyncht werden soll, kommt ihm Schultz zu Hilfe. Er erinnert sich daran, dass im Charlie im Krieg das Leben gerettet hat.

Kurz darauf lässt Hynkel Schultz verhaften und in ein KZ bringen, da er einem Juden geholfen hat und seine politischen Ansichten sich nicht mehr mit denen Hynkels vereinbaren lassen. Die Soldaten jagen nun auch Charlie, in dem sie einen Verbündeten des Verräters Schultz sehen. Schultze flieht sehr bald aus dem KZ und versteckt sich im jüdischen Ghetto. Bei einer Razzia werden er und Charlie verhaftet.

Hynkel unternimmt nach einem mehr oder weniger gelungenen Treffen mit seinem Rivalen Napoloni einen Angelausflug, bei dem er darüber nachdenkt, wie er in Osterlich einmarschieren kann, ohne dass Napoloni es bemerkt. Ganz in der Nähe gelingt zur gleichen Zeit Charlie und Schultz in gestohlenen Offizieruniformen erneut die Flucht. Während sie in Richtung Osterlich wandern, wird Hynkel in der Nähe des KZ aufgrund seiner verblüffenden Ähnlichkeit mit dem Barbier für diesen gehalten und von seinen eigenen Truppen verhaftet.

Der Barbier hingegen wird in Osterlich als Hynkel und Schultz als sein wieder eingesetzter Vertrauter begrüßt – die entwendeten Uniformen machen die Verwechslung perfekt.

Der Barbier muss nun als Hynkel eine Ansprache an das osterliche Volk richten, die über Rundfunk in der ganzen Welt zu hören ist. Er nimmt seinen ganzen Mut zusammen und hält eine „flammende Rede, in der er sich für Menschlichkeit, Liebe und Frieden einsetzt“. Die letzten Worte widmet er der verzweifelten Hannah, die mit ihrer Familie nach Osterlich geflohen ist. Sie hört ihn dort über den Rundfunk und schöpft wieder neuen Mut und Hoffnung.

2.2 Entstehung und Geschichte

„Der große Diktator“, Chaplins erster Film, der von allen Möglichkeiten des Tons Gebrauch machte, ist eine „beißende Satire auf Hitler und Nazideutschland und attackiert damit das konkreteste Ziel von all seinen Filmen“[6]. Doch dieser Film darf „nicht ausschließlich auf das Dritte Reich“[7] bezogen werden, vielmehr persifliert er „alle größenwahnsinnigen Diktatoren“[8].

[...]


[1] Chaplinaden. Texte zu sechs ausgewählten Charlie Chaplin-Filmen. Hrsg. Von atlas film + av. Duisburg: atlas film + tv 1987. Seite 44.

[2] Huff, Theodore: Charlie Chaplin. New York: Arno Press 1972. Seite 4.

[3] Huff, Theodore: Charlie Chaplin. S. 280

[4] Ebd.

[5] Ebd. Seite 7.

[6] Rororo Filmlexikon. Filme A-J. Hrsg. Von Liz-Anne Bawden. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag 1978. Seite 266.

[7] Chaplinaden. Texte zu sechs ausgewählten Charlie Chaplin-Filmen. Seite 40.

[8] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Mir gehört die Welt - Die Figur Hynkel in Chaplins 'Der große Diktator' und ihr Traum von der Weltherrschaft
Hochschule
Universität Bielefeld
Veranstaltung
Filmkomödie: amerikanisch - deutsch - sowjetisch: Die zwanziger bis vierziger Jahre
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V31755
ISBN (eBook)
9783638326643
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Welt, Figur, Hynkel, Chaplins, Diktator, Traum, Weltherrschaft, Filmkomödie, Jahre
Arbeit zitieren
Claudia Sieber (Autor), 2004, Mir gehört die Welt - Die Figur Hynkel in Chaplins 'Der große Diktator' und ihr Traum von der Weltherrschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31755

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