Migranten in den Medien. Eine Untersuchung der medialen Darstellung in den Printmedien


Hausarbeit, 2011

16 Seiten, Note: 1,7

Elias Bern (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 2

2. Ansätze der Medienwirkungsforschung ... 3

3. Die Darstellung der Migranten in den Medien ... 4
3.1 Fremdenfeindlichkeit in den Medien ... 5
3.2 Der Ethnolekt – die repräsentative Sprache der Migranten? ... 7
3.3 Integrationsdebatten in den Medien ... 10
3.4 Der Islam als Medienthema ... 12

4 Schluss ... 15

Literaturverzeichnis ... 16

1. Einleitung

Untersuchungsgegenstand der vorliegenden Ausarbeitung ist die Vertiefung von Migranten in den Medien. Es steht die mediale Darstellung der Migranten in den Printmedien im Vordergrund. Im ersten Kapitel werden Ansätze der Medienwirkungsforschung vorgestellt. Hierbei soll auf einer theoretisch fundierten Basis gezeigt werden, welche Wirkung die Medien auf die Rezipienten erzielen. Im zweiten Kapitel erfolgt die Darstellung der Migranten in den Medien. Zunächst wird die Fremdenfeindlichkeit in den Medien thematisiert. Im weiteren Verlauf erfolgt die Präsentation des Sprachgebrauchs „Ethnolekt“ im medialen Migrationsdiskurs und geht weiterhin über zu den Integrationsdebatten in den Medien. Der letzte Unterpunkt des dritten Kapitels befasst sich mit dem Thema Islam in den Medien. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema und ein Fazit runden die Ausarbeitung ab.

Die Printmedien, wie Zeitungen, Zeitschriften oder Magazine, besitzen einen sehr großen Stellenwert in unserer Gesellschaft und tragen sowohl bei Erwachsenen als auch bei Jugendlichen durch die Thematisierung von aktuellen Ereignissen, der Vermittlung von Normen und Werten und der Konstruktion von Bildern der sozialen Realität zur gesellschaftlichen Integration und zur Entwicklung einer eigenen Identität bei.[1] Die Medien nehmen in unserer heutigen Zeit in vielen Fällen die Funktion der primären Informationsquelle ein. Ein Großteil des Wissens, dass die Menschen sich aneignen, stammt aus den Medien. Niklas Luhman kommentierte den Einfluss der Medien folgendermaßen: „Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien.“[2] Bei der Wissensaneignung in Bezug auf die Migranten ist dies nicht anders. Den Medien kommt eine zentrale Bedeutung bei der Strukturierung gesamtgesellschaftlicher Diskurse zu und tragen somit wesentlich an der Konstruktion der Wirklichkeit bei. Die Macht der Medien besteht in der individuellen Berichterstattung. Sie können die Berichte nach ihren eigenen Kriterien selektieren, thematisieren, hervorheben und kommentieren. Trotz ihrer Filterfunktion, eröffnen die Medien die Tür zur Außenwelt.

2. Ansätze der Medienwirkungsforschung

Die Kernfrage mit der sich die Medienwirkungsforschung beschäftigt lautet „Welche Wirkungen haben die Medien auf den Rezipienten?“. Wissenschaftliche Studien beschäftigen sich seit Anfang des 20.Jahrhunderts mit dieser Frage. Allerdings gibt es keine einheitliche Antwort auf die Wirkungsfrage. Der Grund hierfür liegt darin, dass nicht genau beantwortet werden kann, was Medienwirkung bedeutet. Es wird zum Einen zwischen unterschiedlichen Wirkungsbereichen, wie z.B. Wirkungen auf das Verhalten, auf das Wissen, auf Meinungen und Einstellungen und auf Emotionen und zum Anderen zwischen Wirkungsphasen unterschieden, die die Wirkungen vor, während und nach Aufnahme einer Aussage feststellen.

Die so genannte „Stimulus-Response(S-R)-Theorie“ gehört zu den älteren Wirkungsmodellen und besagt, dass mediale Reize jeden Menschen auf gleicher Art und Weise erreichen. Es wird davon ausgegangen, dass jeder Rezipient jede Aussage gleich wahrnimmt und eine identische Reaktion darauf zeigt. Der heutige wissenschaftliche Stand beweist, dass die damaligen Annahmen nicht richtig waren. Die Dissonanztheorie hat nämlich festgestellt, dass

Medieninhalte nicht nur unterschiedlich wahrgenommen werden, sondern dass sie auch einer ganz subjektiven Interpretation unterliegen. Einen weiteren aktuellen Ansatz stellt der Nutzen- und Belohnungsansatz (Uses and Gratifications Approach) von Katz/ Blumler dar, welcher aussagt, dass Menschen Medien nutzen, um daraus einen subjektiven Nutzen zu ziehen. Dieser Nutzen, welcher auch als Belohnung (Gratifikation) gekennzeichnet wird, lässt sich als zielorientiertes Handeln definieren und ordnet den User somit in die aktive Rolle zu. Es geht also nunmehr um die Frage „Was machen die Menschen mit den Medien?“, statt „Was machen die Medien mit den Menschen?“.[3] Hierbei wird die Perspektive des aktiven Rezipienten in den Fokus gestellt. Der Mensch orientiert sich in dem großen Inhaltsspektrum der Medienwelt nach seiner individuellen Bedürfnislage.

Im aktuellen Forschungstand steht es außer Frage, dass Medien in unserer Gesellschaft als starke Beeinflussungsinstanzen anerkannt werden. Die Macht der Medien besteht sowohl in der Wissensvermittlung, als auch in der Beeinflussung der Einstellung und des Verhaltens, wie das u.a. Zitat von Butterwegge kenntlich macht.

„Medien tragen entscheidend dazu bei, dass sich bestimmte Diskurse zu ‚dominanten Diskursen‘ formieren und andere, wie beispielsweise jene, in denen die Alltagserfahrungen zum Ausdruck kommen, marginalisiert werden. [...] Massenmedien setzen Themen in einer ganz bestimmten Weise auf die Tagesordnung, bringen sie in Umlauf und leisten auf die Weise einen wesentlichen Beitrag zur Konstruktion und Wahrnehmung der Wirklichkeit. Sie bestimmen nicht nur, was zu einem Zeitpunkt als wichtig und diskussionswürdig erachtet wird, sondern auch die Art und Weise, wie darüber gesprochen oder gedacht wird.“[4]

Die Agenda-Setting-Theorie gilt als einer der wichtigsten Wirkungsmodelle unserer heutigen Zeit. Der zentrale Gedanke dieser Theorie ist, dass die Medien zunächst einmal Einfluss darauf nehmen müssen, worüber Menschen nachdenken. Erst dann kann im weiteren Verlauf untersucht werden, welche Wirkung Medien auf die Denkweise der Menschen haben. Aufgrund der unglaublichen Fülle von Tagesereignissen, müssen die Medien eine bestimmte Auswahl von Themen treffen, um diese dann an das Publikum als Medienrealität zu berichten. Es werden nach individuellen Selektionsmustern ‚dringende‘ Themen auf die Tagesordnung (Agenda) gesetzt. Diesen Akt bezeichnet Luhmann als „Themenuniversum“[5], welches „die Prioritätensetzung und Themenstrukturierung beim Rezipienten als Publikumsagenda bzw. soziale Realität bestimmt.“[6] Die Themenstrukturierungsfunktion ist der Grund, dass den Medien kognitive Effekte zugeschrieben werden. Inzwischen gibt es drei Modelle, die diesen Prozess in der Agenda-Setting-Theorie näher beschreiben. Die Kernaussage des Awareness-(Aufmerksamkeits-)Modells lautet, dass einige Themen dann erst für die Menschen interessant werden, wenn die Medien darüber berichten. Das zweite Modell, das Salience-(Hervorhebungs-)Modell, besagt, dass die Rezipienten die Wichtigkeit der Themen nach der unterschiedlichen Hervorhebung durch die Medien reguliert. „Das Prioritäten [Rangfolge-] Modell führt schließlich zu der Annahme, dass sich die Themen-Rangfolge in der Medienagenda spiegelbildlich in einer ebensolchen Publikumsagenda niederschlägt.“[7]

Die Medienwirkungsforschung hat festgestellt, dass den Printmedien, vor allem den Tageszeitungen, der Themenstrukturierungseffekt besser gelingt als dem Fernsehen. Die Zeitungen können aufgrund ihrer Aufbereitung und Strukturierung nämlich bestimmte Themen besser in den Mittelpunkt stellen bzw. ins Abseits drängen.

3. Die Darstellung der Migranten in den Medien

In Europa sind unterschiedliche Umgangsweisen mit Migration zu erkennen. In den skandinavischen Ländern gilt Einwanderung als konstruktives Element. Länder, wie die Niederlande oder Großbritannien sind aufgrund ihrer kolonialen Vergangenheit schon sehr früh mit Einwanderung konfrontiert wurden und besitzen deshalb praktische Vorteile. Ferner bestehen Länder wie die BRD, die eine restriktive Einwanderungspolitik ausüben. Die restriktive Politikeinstellung wiederspiegelt sich auch zum Teil in der medialen Darstellung der Migranten wieder.

3.1 Fremdenfeindlichkeit in den Medien

Medien besitzen eine sehr große Rolle in der Produktion und Reproduktion von Feindbildern. Hierbei greifen die Medien nicht nur auf bestehende Bilder aus der Gesellschaft zurück, sondern sind in der Lage neue Bilder zu konstruieren. Wenn über Ausländer berichtet wird, sind es zumal negative Berichterstattungen. Positive Berichte über Migranten gehören zur Seltenheit in den Medien. Der medial kreierte „Fremde“ ist entweder nutzlos, gefährlich oder beides zugleich. Die multikulturelle Realität wird als Bedrohung oder unzumutbare Belastung für die einheimische Bevölkerung gesehen. Hierzu gehören vor allem Muslime aus der Türkei und den arabischen Ländern. Daniel Müller hat die Ergebnisse seiner Forschung über die Darstellung der ethnischen Minderheiten in den Medien folgendermaßen bewertet: „Sie [Die Migranten] kommen [in den Medien] tendenziell selten vor, und wenn, dann häufig in negativ besetzten Zusammenhängen, insbesondere als Kriminelle und überhaupt als Personen, die Geld kosten und/oder gefährlich sind, kurz: als Belastung für die Gesellschaft.“

Wenn die Rede von Zuwanderung ist, werden überwiegend konventionelle Metaphern aus den Bereichen Krieg, Warenhandel und Wasser verwendet, wie Einmarsch, Ansturm und Welle. Außerdem werden die Migranten in den deutschen Medien vorwiegend als Ausländer bezeichnet. Diese Begriffsbestimmung beinhaltet schon eine Abgrenzung, die den Einheimischen das Gefühl des „Fremden“ verstärkt. Ein weiteres Merkmal der medialen Darstellung der Migranten ist, dass eine sehr genaue Personenbeschreibung stattfindet. Dies gilt vor allem bei Straftaten, in denen die Nationalität und der Name des Täters preisgegeben werden. Dahingegen werden prominente Sportler und Künstler, die Vorteile für den Staat mitbringen, als willkommene Gäste gutgeheißen und als vorbildliche Integrationsbeispiele dargestellt, auch wenn sie nicht der deutschen Sprache mächtig sind. Dieser Gegensatz ist vor allem in den Boulevardpressen zu erkennen, in denen oft die Rede von einer dramatisierenden Ausländerproblematik zu verzeichnen ist. Häufig zu verzeichnende Themen in Verbindung mit Migranten sind Straftaten, wie Mord und Totschlag, Diebstahl, Raub und (Asyl-)Betrug.[8] Georg Ruhrmann spricht von einem „Negativsyndrom“[9] in den Berichterstattungen der deutschen Medien und weist daraufhin, dass dies zur Förderung der desintegrativen Tendenzen führen kann. Wenn solch eine systematische Benachteiligung in den Medien stattfindet, steigt nämlich auch die Wahrscheinlichkeit einer ethnischen Segregation. Eine ethnische Segregation bedeutet dann, wenn der Migrant auf unbegrenzte Zeit im Aufnahmeland bleibt, aber in einer von Landsleuten gebildeten Gesellschaft lebt. Diese ergibt sich hauptsächlich durch ein fremdenfeindliches Klima im Aufnahmeland oder aus dem strikten Festhalten an kulturellen Eigenheiten. Mit der Distanz verstärkt sich auch umgekehrt oft die Fremdenfeindlichkeit, mit der die Einheimischen den Migranten begegnen.

„Solche Feindbilder wurden [bzw. werden] über viele Jahre hinweg kontinuierlich aufgebaut. [...] Die Erzeugung eines Feindbildes ist ein längerer und komplizierter Prozess. Ein Medium ist nicht allein bestimmend, sondern steht immer im Verhältnis zu anderen Medien. Nur eine Rede reicht nicht aus, um die ganze westliche Welt für brutale Kampfhandlungen bereit zu machen“[10]

Seref Ates bemerkt zu Recht, dass die Konstruktion eines Feindbildes ein langer Prozess ist und durch mehrere Medien zugleich stattfinden muss, um die bestehenden Vorurteile der Bürger aufrechtzuerhalten und zu verstärken. Dadurch wird auch der Grundbaustein für die Rechtfertigung der politisch eintreffenden Maßnahmen gegenüber den Migranten gelegt. Die Untersuchungen von Christoph Butterwege zeigen die Konstanz und die Aufrechterhaltung der medialen Diskriminierung in den Zeitungen und Zeitschriften. Interessant ist in diesem Kontext, dass nicht nur Boulevardpressen, sondern auch Fachpressen durchaus desintegrative Beiträge liefern. Die Fachzeitschrift Spiegel fällt insbesondere mit fremdenfeindlichen Titelblättern und den dazugehörigen Kapiteln auf. Die Ausgabe 2/2003 vom Spiegel Special erschien mit dem Aufdruck „Allahs blutiges Land. Der Islam und der Nahe Osten“. Im Hintergrund der Beschriftung sind verschleierte Muslime, blutverschmierte bärtige Fanatiker und die Pilgerfahrtsstelle Mekka abgebildet. Auf diesem Titelblatt werden alle Vorurteile, die gegenüber dem Islam herrschen, aufgelistet. Der Islam wird in dieser Darstellung als brutal, dunkel und gefährlich dargestellt. In einer anderen Ausgabe vom 17.Juni.2002, indem es um die Zuwanderung von Migranten nach Europa geht, heißt es auf dem Titelblatt „Ansturm der Migranten: Europa macht dicht“. Zu der metaphorischen Überschrift wurde ein überladenes Transportschiff abgebildet, in dem die Menschen kaum Platz auf dem Deck haben. Diese

[…]


[1] Bonfadelli, H. (2008): Jugend, Medien und Migration. Empirische Ergebnisse und Perspektiven. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften

[2] Bonfadelli 2008, S.39

[3] Schenk, M. (2007): Medienwirkungsforschung. 3.Auflage. Tübingen: Mohr Siebeck, S.651

[4] Yildiz, E. (2006): Stigmatisierende Mediendiskurse in der kosmoplitanen Einwanderungsgesellschaft. In: Butterwegge, C.: Massenmedien, Migration und Integration. 2. Auflage. Wiesbaden: GWV Fachverlage, S.40

[5] Bonfadelli, H. (2004): Medienwirkungsforschung I. Grundlagen und theoretische Perspektiven. Konstanz: UVK, S.237

[6] Bonfadelli 2004, S.237

[7] Schenk 2007, S.448

[8] Butterwegge, C. (2006): Migrationsberichterstattung, Medienpädagogik und politische Bildung. In: Butterwegge, C.: Massenmedien, Migration und Integration. 2. Auflage. Wiesbaden: GWV Fachverlage S.190

[9] Butterwegge 2006, S.233

[10] Ates, S. (2006): Das Islambild in den Medien nach dem 11.September:2011. In: Butterwegge, C.: Massenmedien, Migration und Integration. 2. Auflage. Wiesbaden: GWV Fachverlage, S.155

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Migranten in den Medien. Eine Untersuchung der medialen Darstellung in den Printmedien
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (DaZ)
Veranstaltung
Fremd in der Heimat – Migration und ihre gesellschaftlichen Folgen
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V317554
ISBN (eBook)
9783668167711
ISBN (Buch)
9783668167728
Dateigröße
662 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medien, Islam, Ethonolekt, Integration
Arbeit zitieren
Elias Bern (Autor), 2011, Migranten in den Medien. Eine Untersuchung der medialen Darstellung in den Printmedien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317554

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