Charlie Chaplins „Der große Diktator“ darf zu Recht als einer seiner erfolgreichsten, wenn
nicht als der erfolgreichster Film überhaupt gelten. Trotz anfänglicher Kritik wurde die
Qualität dieses Meisterwerkes schnell erkannt und noch bis heute erfreut sich „Der große
Diktator“ großer Beliebtheit.
Der Film stellt einen lockeren Umgang mit der Thematik Hitlers und seiner
Schreckensherrschaft da – oft kritisiert, ist dies jedoch ebenfalls eine mögliche Art, sich
den Geschehnissen Mitte des letzten Jahrhunderts zuzuwenden.
Bemerkenswert ist die Tatsache, dass „Der große Diktator“ bereits in den Jahren
1939/1940 entstanden ist – Chaplin schien ein gutes Gespür für das zu haben, was in den
folgenden Jahren in der Welt geschehen würde.
Mit dem gesprochenen Wort taucht in „Der große Diktator“ „ein ganz neuer Aspekt von
Komik“1 auf. Der Humor liegt hier eher im Dialog und der Situation, als in Pantomime und
Gags. Doch obwohl „Der große Diktator“ die Möglichkeiten des Tons ausschöpfen konnte
und es auch tat, kommt eine der virtuosesten Szenen völlig ohne Sprache aus – der Tanz
mit der Weltkugel.
Diese Szene verbildlicht wie wohl keine andere den wahnhaften Traum des Diktators, die
Welt zu beherrschen. Sein Spiel mit der Weltkugel erlaubt dem Zuschauer tiefe Einblicke
in die Welt des Adenoid Hynkel. Welche Aspekte dieser Szene einen direkten Bezug zum
Seelenleben des Diktator haben, soll im folgenden geklärt werden.
1 Chaplinaden. Texte zu sechs ausgewählten Charlie Chaplin-Filmen. Hrsg. Von atlas film + av. Duisburg:
atlas film + tv 1987. Seite 44.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Charlie Chaplin
1.1 Kurzbiographie
2. „Der große Diktator“
2.1 Inhaltsangabe
2.2 Entstehung und Geschichte
2.3 Chaplins erster Dialogfilm
3. Adenoid Hynkel
3.1 Hynkels Charakter
4. Der Tanz mit der Weltkugel
4.1. Inhaltsangabe
4.2. Hynkels Größenwahn
Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung des Diktators Adenoid Hynkel in Charlie Chaplins Film „Der große Diktator“. Ziel ist es, durch die Analyse spezifischer Filmszenen – insbesondere des „Tanzes mit der Weltkugel“ – aufzuzeigen, wie Chaplin psychologische Aspekte wie Größenwahn und Kindlichkeit nutzt, um das Wesen des Diktators zu entlarven und eine satirische Auseinandersetzung mit den zeitgenössischen politischen Geschehnissen zu führen.
- Die Biografie von Charlie Chaplin und seine Entwicklung als Künstler.
- Die Entstehungsgeschichte und die filmhistorische Bedeutung des Werks „Der große Diktator“.
- Die Charakterisierung der Figur Adenoid Hynkel und ihre Spiegelung von Hitler.
- Die Analyse der symbolträchtigen Szene des Tanzes mit der Weltkugel als Ausdruck von Machtwahn.
Auszug aus dem Buch
Der Tanz mit der Weltkugel
Das Ballett, das Hynkel mit der Weltkugel aufführt, lässt vieles von Hynkels Charakter und seinem Wahn von der Weltherrschaft erahnen. Er spielt mit der Welt, tritt sie – sie liegt ihm zu Füßen. Die ganze Szene scheint wie aus einem Traum. In ihr erfüllt Hynkel seine geheimsten Wünsche. Das große, ernste Thema der Weltherrschaft wird hier in spielerischer Form durch einen eigentlich lächerlichen Tanz mit einem Ballon, der zufällig wie eine Weltkugel aussieht, dargestellt.
Durch sein Spiel beherrscht er die Welt. Er spielt mit ihr, tritt sie weg und sie kommt zu ihm zurück. Er hat Macht über die Welt – spielt Gott.
Sehr bemerkenswert ist ebenfalls das riesige Sonnensymbol im Hintergrund, lange goldene Strahlen gehen vom Bild der Sonne aus. Hynkel spielt dem Ballon, stößt ihn hoch – bis er sich für einen Moment in der Mitte des Sonnensymbols befindet, genau dort, so sonst die Sonne steht: Im Zentrum des Universums. Der Diktator hat seine Welt zum Zentrum des Universums gemacht und ist damit nicht mehr nur Herrscher über die Welt sondern über alles.
Die Welt ist Hynkels, er umarmt sie, liebkost sie. Er will sie mit niemandem teilen. Doch seine Umarmung ist zu stürmisch, der Ballon zerplatzt. Er bricht weinend über seinem Schreibtisch zusammen. Der Traum ist, wie der Ballon, zerstört.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Bedeutung und den Erfolg von Chaplins „Der große Diktator“ sowie die Thematisierung des Wechsels von Pantomime zum Tonfilm.
1. Charlie Chaplin: Ein Überblick über das Leben des Regisseurs und Hauptdarstellers von der Kindheit in London bis zu seinem weltweiten Ruhm und der Gründung der United Artists.
2. „Der große Diktator“: Analyse der Handlung, der Entstehung unter dem Eindruck des aufziehenden Krieges sowie der kritischen Auseinandersetzung mit dem Medium Tonfilm.
3. Adenoid Hynkel: Untersuchung des psychologischen Profils der Diktator-Figur, geprägt von Narzissmus, Unberechenbarkeit und Größenwahn.
4. Der Tanz mit der Weltkugel: Detaillierte Betrachtung der Schlüsselsequenz des Films als symbolische Darstellung des größenwahnsinnigen Traums von der Weltherrschaft.
Schluss: Zusammenfassende Reflexion über die kindlichen Wesenszüge Hynkels und die Bedeutung der Identifikation mit Hitler durch Mimik und Gestik.
Schlüsselwörter
Charlie Chaplin, Der große Diktator, Adenoid Hynkel, Weltherrschaft, Größenwahn, Satire, Nationalsozialismus, Filmkomödie, Tonfilm, Tanz mit der Weltkugel, Hitler-Parodie, Macht, Charakteranalyse, Filmgeschichte, Identifikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit Charlie Chaplins Spielfilm „Der große Diktator“ und fokussiert sich dabei besonders auf die Charakterisierung der Hauptfigur Adenoid Hynkel.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der filmischen Umsetzung der Hitler-Satire, der psychologischen Analyse des Diktators und der Bedeutung symbolischer Schlüsselszenen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll analysiert werden, wie Chaplin durch die Darstellung von Hynkel und dessen Größenwahn den Diktator als „jämmerliche Figur“ entlarvt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine filmwissenschaftliche Text- und Szenenanalyse angewandt, die durch historische Kontexte und zeitgenössische Kritiken ergänzt wird.
Was bildet den inhaltlichen Kern im Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Biografie Chaplins, die Entstehungsgeschichte des Films, die psychologische Charakterisierung Hynkels und eine detaillierte Analyse der Tanz-Sequenz mit der Weltkugel.
Welche Schlüsselbegriffe sind für das Verständnis essenziell?
Begriffe wie Größenwahn, Satire, Identifikation, der Übergang vom Tramp zum Tonfilm und die psychologische Spaltung der Figur sind zentral.
Welche Bedeutung hat das „Sonnensymbol“ im Film?
Es dient als visuelle Metapher, die Hynkel im Zentrum des Universums positioniert und so seinen absoluten Anspruch auf Weltherrschaft unterstreicht.
Warum wird die „Tanz-Szene“ als so wichtig eingestuft?
Sie gilt als die eindringlichste Szene, da sie den ernsten politischen Machtwahn in eine spielerische, fast kindliche Ballett-Choreografie übersetzt und so die Absurdität des Diktators bloßstellt.
- Quote paper
- Claudia Sieber (Author), 2004, Mir gehört die Welt - Die Figur Hynkel in Chaplins 'Der große Diktator' und ihr Traum von der Weltherrschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31755