Am 10. Oktober 1912 wird der junge Blaise Cendrars zu einer wichtigen Vernissage der Pariser Galerie La Boétie eingeladen. Von 31 Künstlern – in der Hauptsache Kubisten – werden 185 Bilder ausgestellt. Cendrars fällt an diesem Abend insbesondere ein großgewachsener, stämmiger Mann auf, der wie ein Bauer aus der Normandie aussieht: Fernand Léger.
Zwei Tage später besucht er ihn in seinem Atelier. Der Maler findet den sechs Jahre jüngeren Dichter sympathisch und beantwortet bereitwillig seine unzähligen Fragen. Der Grundstein für ihre – wenn auch mit Unterbrechungen – mehr als vierzig Jahre überdauernde Freundschaft, die sich auch in einer künstlerisch fruchtbaren Zusammenarbeit äußern wird, ist hiermit gelegt.
Inhaltsverzeichnis
1. Blaise Cendrars und Fernand Léger
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die über vier Jahrzehnte andauernde, künstlerisch fruchtbare Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen dem Maler Fernand Léger und dem Schriftsteller Blaise Cendrars. Dabei wird analysiert, wie sich ihr gegenseitiger Austausch auf die Entwicklung moderner Ausdrucksformen, insbesondere im Kontext des Simultanismus und der Wahrnehmung der beschleunigten Moderne, auswirkte.
- Die biographische Entwicklung und Begegnung von Cendrars und Léger.
- Die gegenseitige Beeinflussung der Künste (Literatur, Malerei, Film).
- Die Bedeutung des Begriffs der Simultaneität für die Avantgarde.
- Gemeinsame künstlerische Projekte und deren zeitgeschichtlicher Kontext.
- Die Verarbeitung von Kriegserfahrungen und Technisierung in ihrer Ästhetik.
Auszug aus dem Buch
Blaise Cendrars und Fernand Léger
Der engen und mehr als vier Jahrzehnte andauernden Freundschaft zwischen dem Maler Fernand Léger (1881 – 1955) und dem Schriftsteller Blaise Cendrars (1887 – 1961) ist seitens der Kunsthistoriker und Literaturwissenschaftler bisher kaum Beachtung geschenkt worden.
Der am 1. 9. 1887 als Frédéric Louis Sauser in La Chaux-de-Fonds in der Schweiz geborene Autor Blaise Cendrars führt seit seiner Jugend ein abenteuerreiches Leben, das ihm den Beinamen „Marco Polo des zwanzigsten Jahrhunderts“ einträgt und ihn zum Kosmopoliten macht, der aber ebenso gerne immer wieder in seine Wahlheimat Frankreich zurückkehrt. Für sein schriftstellerisches Werk wird er wenige Tage vor seinem Tod im Jahre 1961 mit dem „Grand Prix littéraire de la Ville Paris“ ausgezeichnet.
Im Jahre 1911 lernt der junge Schriftsteller Cendrars auf Vermittlung seines Freundes Emil Szittya Marc Chagall kennen. Dieser lebt und arbeitet in der Rotonde „La Ruche“ im Künstlerviertel des Montparnasse zusammen mit Künstlerkollegen wie Amedeo Modigliani und Fernand Léger, die zu der Zeit alle noch arm und unbekannt sind.
Zusammenfassung der Kapitel
Blaise Cendrars und Fernand Léger: Diese Einleitung beleuchtet die historische Vernachlässigung der engen Freundschaft zwischen Cendrars und Léger und skizziert ihre biografischen Hintergründe sowie die künstlerische Aufbruchstimmung der Pariser Avantgarde vor dem Ersten Weltkrieg.
Schlüsselwörter
Blaise Cendrars, Fernand Léger, Avantgarde, Simultanismus, Moderne, Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft, Kubismus, La Ruche, Gemeinschaftsprojekte, Transsibirienexpress, Filmtheorie, Malerei, interdisziplinäre Zusammenarbeit, Ästhetik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die langfristige Freundschaft und den intellektuellen Austausch zwischen dem Schriftsteller Blaise Cendrars und dem Maler Fernand Léger.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die gegenseitige Beeinflussung der Künste, die Bedeutung der Moderne für ihr Werk sowie gemeinsame Projekte wie Filme und illustrierte Bücher.
Was ist das primäre Ziel dieser Untersuchung?
Das Ziel ist es, die bisher wenig beachtete Zusammenarbeit und die ästhetischen Parallelen zwischen Cendrars und Léger wissenschaftlich aufzuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt kunsthistorische und literaturwissenschaftliche Methoden, um sowohl biografische Fakten als auch die inhaltlichen Analogien in ihren Werken zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich den verschiedenen Ebenen ihrer Beziehung: von der ersten Begegnung bis hin zu gemeinsamen Projekten wie "La Création du monde" und der Rolle des Krieges in ihrer Wahrnehmung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Simultanismus, Avantgarde, interdisziplinäre Ästhetik und die künstlerische Verarbeitung der modernen Technisierung.
Wie wirkte sich der Erste Weltkrieg auf das Schaffen der beiden Künstler aus?
Cendrars und Léger betrachteten den Krieg als Beschleuniger des modernen Lebens, was zu einer fragmentierteren und dynamischeren Sichtweise in ihrer Kunst führte.
Welche Bedeutung hatte das Werk "Prose du Transsibérien" für Cendrars?
Dieses "simultane Buch" thematisiert den radikalen Umbruch der optischen Wahrnehmung durch die Geschwindigkeit des modernen Lebens, symbolisiert durch den Transsibirienexpress.
- Arbeit zitieren
- Gabriele Eschweiler (Autor:in), 2002, Die Freundschaft zwischen dem Dichter Blaise Cendrars und dem Maler Fernand Léger, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317560