Warum Bertrand Russel kein Christ war. Seine kritische Sicht auf die Weltreligionen


Studienarbeit, 2014

15 Seiten, Note: 80%


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung. 4

2. Russells Kernpunkte einer grundlegenden Religionskritik. 5

2.1 Ursachen und Ursprünge der Religion. 5
Angst. 5
Wunsch nach Wissen und Allmacht. 6
Erhöhtes Selbstwert- und Gerechtigkeitsgefühl 6
Emotionen. 6

2.2 Die Existenz Gottes. 6
Der Beweis einer ersten Ursache („kosmologischer Gottesbeweis“). 6
Der Beweis durch das Naturgesetz. 7
Der teleologische Gottesbeweis. 8
Die moralischen Gottesbeweise. 8
Das Argument der ausgleichenden Gerechtigkeit. 9
Religiöse Erfahrung. 10
Die Beweislast. 11

2.3 Willensfreiheit. 11

3. Fazit. 13

4. Literaturverzeichnis. 15

Ich behaupte nicht, beweisen zu können, daß es keinen Gott gibt. Ebensowenig kann ich beweisen, daß Satan eine Fiktion ist. Vielleicht gibt es einen christlichen Gott wirklich, vielleicht die Götter des Olymp, des alten Ägyptens oder Babylons. Keine dieser Hypothesen ist wahrscheinlicher als die andere: Sie liegen außerhalb des Bereichs eines auch nur wahrscheinlichen Wissens, und es gibt daher keinen Grund, eine davon gelten zu lassen.

Bertrand Russell[1]

1. Einleitung

„Warum ich kein Christ bin“, so der für viele durchaus provokante Titel von Bertrand Russells Schriftensammlung, welche zugleich die Grundlage zu dieser Arbeit bildet. Entgegen der hierdurch naheliegenden Vermutung, sein Text würde eine kritische Untersuchung speziell nur auf das Christentum bezogen verfolgen, zeigt das eingangs erwähnte Zitat doch die Universalität der meisten seiner Argumente, welche letztendlich auf alle Weltreligionen zu einem gewissen Grad zutreffen. Es handelt sich hierbei also nicht schlicht um einen Abtrünnigen des Christentums, der sein Glück in einer anderen Religion fand, sondern um grundsätzliches Nachdenken aus agnostischer Perspektive, mit atheistischen Tendenzen.

Bertrand Russell bewertet Religion dezidiert nicht anhand ihrer positiven oder negativen Auswirkungen auf die Menschen, sondern allein anhand ihres Wahrheitsgehalts, wobei er es sich nicht nehmen lässt, gelegentlich auch konsequenzialistische Argumente am Rande zu streifen. Russell ist bestrebt, der Religion gänzlich nüchtern und sachlich, nur auf Vernunftargumente sowie Beweise gestützt, zu begegnen und alles pflichtgemäße bzw. dogmatische Glauben strikt abzulehnen, ebenso wie rein emotionale Begründungen, welche den Wahrheitsgehalt einer Aussage nicht erst zu ergründen beabsichtigen.[2] Konkret sagt er: „Ich kann Achtung vor Menschen empfinden, die das Argument vorbringen, die Religion sei wahr und deshalb sollte man daran glauben, aber diejenigen, die sagen, man sollte an die Religion glauben, weil sie nützlich sei, und die Frage nach ihrem Wahrheitsgehalt sei nur eine Zeitverschwendung, kann ich sittlich nur zutiefst verurteilen.“[3] In seinem Werk stellt er jedoch sowohl Nützlichkeit als auch Wahrheit der Religion in Frage.

Nach einer kurzen Abhandlung über mögliche Ursachen der Religion, widmet sich die Arbeit verstärkt den Gründen und Gegengründen für eine Existenz Gottes, wobei Russell alle Gottesbeweise zu widerlegen versucht. Nichtsdestotrotz klammert er den einflussreichen ontologischen Gottesbeweis vermutlich angesichts dessen Komplexität aus, welcher als einziger seiner Art einen A-Priori-Ansatz verfolgt und gerade dadurch für Russell als Rationalist äußerst interessant ist, weshalb er von ihm entsprechend an anderer Stelle abgehandelt wurde.[4]

Eine kurze Diskussion über das Thema des freien Willens sowie zuletzt ein persönliches Fazit runden die ohnehin sehr subjektive und aus Platzgründen selektive Arbeit ab.

2. Russells Kernpunkte einer grundlegenden Religionskritik

2.1 Ursachen und Ursprünge der Religion

Angst

Ähnlich wie schon Thomas Hobbes (1588-1679), der in der natürlichen Furcht vor Unbekanntem die Grundursache von Religion sieht[5], glaubt auch Russell, dass besonders die Angst vor Tod, Niederlagen, der Natur sowie dem Geheimnisvollen für das Entstehen der Religionen verantwortlich sei. Gleichsam sei Furcht auch ursächlich für alle Gräueltaten, welche stets mit der Religion einhergingen. Anstatt sich zu fürchten und nach göttlicher Hilfe zu suchen, solle man an das Unbekannte einfach mit wissenschaftlichen Methoden herantreten, wozu es heutzutage schließlich mehr Möglichkeiten denn je gäbe[6]: „Die Wissenschaft kann uns helfen, die feige Furcht zu überwinden, in der die Menschheit seit so vielen Generationen lebt. Die Wissenschaft, und ich glaube auch unser eigenes Herz, kann uns lehren, nicht mehr nach einer eingebildeten Hilfe zu suchen und Verbündete im Himmel zu ersinnen, sondern vielmehr hier unten unsere eigenen Anstrengungen darauf zu richten, die Welt zu einem Ort zu machen, der es wert ist, darin zu leben, und nicht zu dem, was die Kirchen in all den Jahrhunderten daraus gemacht haben.“[7] In dieselbe Kerbe schlägt er schließlich, wenn er über die Religion sagt: „Ich betrachte sie als Krankheit, die aus Angst entstanden ist, und als Quelle unnennbaren Elends für die menschliche Rasse.“[8]

Wunsch nach Wissen und Allmacht

Oftmals gerade entsprungen aus Ängsten, nennt Russell auch den Drang nach Allmacht und Beherrschung der Natur als Antrieb religiöser Dogmen. So erhoffe man sich einerseits, Teile der göttlichen Allmacht mittels von Gott erhörten Gebeten auf die Menschen übertragen zu können, andererseits plausible Erklärungen für von der Wissenschaft noch nicht ergründbare Phänomene geliefert zu bekommen.[9]

Erhöhtes Selbstwert- und Gerechtigkeitsgefühl

Nach Russell mache des Weiteren eine gesteigerte Selbstachtung einen besonderen Reiz der Religionen aus, welcher dadurch erwächst, dass der Mensch sich nicht als winziger Punkt im Universum zu fühlen brauche, sondern als Individuum, das vom Schöpfer geliebt und umsorgt wird. Russell nennt es ein „Kompliment der Wichtigkeit“, dass den Menschen entsprechend ihres Betragens paradiesische Zustände für ihre Zukunft in Aussicht gestellt werden.[10]

Emotionen

Allgemein gesprochen bilde – wie auch aus den vorhergehenden Abschnitten zu entnehmen – nicht vernunftbasiertes Sinnieren die Grundlage für religiöse Überzeugungen, sondern stets Gefühlsmomente, welche bestenfalls im Nachhinein um eine rationale Rechtfertigung bemüht werden.[11] Dennoch sieht es Russell als seine Aufgabe, Religion auf vernünftiger Basis zu diskutieren, wie hier im weiteren Verlauf dargelegt wird.

[...]


[1] Russell, 1974, S. 59.

[2] vgl. zu diesem Absatz ebenda, S. 41.

[3] ebenda, S. 211.

[4] siehe hierzu Landini, 2009 oder Russell, 1905.

[5] Hobbes, 1984, S. 81: „[D]iese Furcht vor unsichtbaren Dingen ist der natürliche Keim dessen, was jedermann bei sich selbst Religion nennt, bei den anderen aber, die diese Macht auf andere Art verehren oder fürchten, Aberglauben.“

[6] vgl. zu diesem Abschnitt Russell, 1974, S. 33f, S. 51 und S. 61. Für weitergehende Betrachtungen zum Thema der Ursachen von Religiosität, insb. zu evolutionären Untersuchungen, siehe auch Dawkins, 2007, S. 269ff.

[7] Russell, 1974, S. 34.

[8] ebenda, S. 35.

[9] vgl. zu diesem Absatz ebenda, S. 61f.

[10] vgl. zu diesem Kapitel ebenda, S. 51.

[11] vgl. ebenda, S. 31f.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Warum Bertrand Russel kein Christ war. Seine kritische Sicht auf die Weltreligionen
Hochschule
Frankfurt School of Finance & Management
Note
80%
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V317562
ISBN (eBook)
9783668166752
ISBN (Buch)
9783668166769
Dateigröße
695 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
philosophie, christentum, atheismus, religionsphilosophie, dawkins, agnostizismus, russel, gottesbeweise
Arbeit zitieren
Tobias Zepf (Autor), 2014, Warum Bertrand Russel kein Christ war. Seine kritische Sicht auf die Weltreligionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317562

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