John Rawls und die Theorie der Gerechtigkeit. Kritik am Utilitarismus und Bedeutung für die Soziale Arbeit


Hausarbeit, 2015

11 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Biographie von John Rawls

3 Die Theorie der Gerechtigkeit in ihrem wesentlichen Gehalt

4 John Rawls‘ Kritik am Utilitarismus

5 Die Theorie der Gerechtigkeit und ihre Bedeutung für die Soziale Arbeit

6 Quellenverzeichnis
6.1 Bücher
6.2 Internetquellen

1 Einleitung

In dieser Hausarbeit wird es darum gehen, die Theorie der Gerechtigkeit nach John Rawls in ihrem wesentlichen Gehalt darzustellen und aufzuzeigen in wie fern sie eine Gegentheorie zum Utilitarismus darstellt, der durch Anhänger vertreten wird, die auf den praktischen Nutzen bedacht sind und den Wert einer Handlung oder auch deren Unterlassen danach bemessen, welchen Nutzen sie dadurch für das Wohlergehen aller Menschen in einer Gemeinschaft erreichen können. Dem eigentlichen Kern meiner Hausarbeit, den meine Ausführungen zur Theorie der Gerechtigkeit und zur Kritik von John Rawls am Utilitarismus bilden, möchte ich eine kurze Biographie voranstellen. Abschließend möchte auf die Bedeutung der Theorie der Gerechtigkeit für die Soziale Arbeit eingehen. Vorsorglich wird angemerkt, dass im Rahmen dieser Hausarbeit ausschließlich auf männliche Formen des Sprachgebrauchs oder neutrale Begrifflichkeiten zurückgegriffen wird. Dies geschieht ausschließlich aus Gründen der besseren Lesbarkeit und nicht um das weibliche Geschlecht auszugrenzen oder gar zu diskriminieren.

2 Biographie von John Rawls

Geboren wurde der amerikanische Philosoph John Rawls in Baltimore, Maryland als zweites von fünf Kindern, am 21. Februar 1921. Ab 1939 besuche er die Princeton University, wo sein Interesse erstmals der Philosophie galt. 1943 machte er seinen Bachelor of Arts und ging zur Armee. Während des zweiten Weltkrieges diente er auf den Philippinen, Neuguinea und in Japan. 1946 verließ Rawls als Private die Armee, weil er Hiroshima nach dem Abwurf der Atombombe besucht hatte. Die dort gewonnen Eindrücke veranlassen ihn dazu den Dienst zu quittieren und er promoviert an der Princeton University im Fach Moralphilosophie. Rawls heiratet Margaret Fox 1949. Nach dem Doktorat lehrt Rawls in Princeton, bis er 1952 ein Fullbright-Stipendium für das Christchurch College der englischen Universität Oxford erhält. Dort kommt er in Kontakt mit Isaja Berlin, einem politischen Philosophen, der ihn stark beeinflussen soll. Nach seiner Rückkehr in die USA arbeitet er zunächst als Assistent und ab 1962 schließlich als Professor für Philosophie an der Cornell Universität. Er erhält Anfang der 60iger Jahre ein Angebot für eine weitere Lebensstellung am Massachusetts Institute of Technologie. Dieses nimmt er jedoch nicht an und zieht ab 1964 die Harward Universität vor. Dort verbeibt er fast vierzig Jahre und veröffentlicht in dieser Zeit auch die Theory of Justice, die 1971 erscheint. 1995 erleidet er den ersten von mehreren Schlaganfällen, die in bei seiner Arbeit sehr behindern. Nichts desto trotz kann er sein letztes Werk: The Law of peoples vollenden, indem er seine wesentlichen, völkerrechtlichen Standpunkte offenbart. Er verstirbt am 24. November 2002 in Lexington Massachusetts, (vgl. http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/John_Rawls.html, abgerufen am 11.03.2015, um 02.36 Uhr)

3 Die Theorie der Gerechtigkeit in ihrem wesentlichen Gehalt

Für John Rawls ist Gerechtigkeit, wie schon für Platon und Aristoteles, die erste Tugend sozialer Institutionen (vgl. Rawls, John: 2012,19). Gerechtigkeit ist für ihn eine Beschaffenheit der Gesellschaft. Sie zeigt sich in der Ausgestaltung von Gesetzen, Institutionen und der Verfassung. Es geht um die Art und Weise, wie die Verteilung von arbeitsteilig hergestellten gesellschaftlichen Gütern und die Zuweisung von Grundrechten und-pflichten geregelt sein soll. Nach welchen Grundsätzen erfolgt diese Verteilung rechtmäßig, ist die Frage die sich Rawls stellt und zwar innerhalb einer geschlossenen Gesellschaft, die keine Verbindung zu anderen Gesellschaften hat. Es ist demnach nicht Rawls Ziel, durch seinen Gerechtigkeitsbegriff zu definieren, wie ein glücklicheres Leben möglich wird. Was braucht es, damit Menschen, die sich in einer arbeitsteilig organisierten Gesellschaft zusammenschließen und somit zum wechselseitigen Vorteil aller Mitglieder in der Gesellschaft eine Kooperation eingehen, faire Verhandlungen und Entscheidungen über die Grundsätze der Gerechtigkeit treffen können, wobei diese Grundsätze so ausgestaltet sein müssen, dass sich alle darauf einlassen können - so die Überlegung John Rawls. Er geht davon aus, dass sich Menschen in einer Gesellschaft nur auf Grundsätze der Gerechtigkeit einigen können, wenn sie als freie und gleiche Menschen in einem theoretischen Urzustand befinden, der gerechte und faire Entscheidungen über die Grundsätze der Gerechtigkeit ermöglicht, auf die sich alle Gesellschaftsmitglieder gleichermaßen einlassen können. Dieser Urzustand ist ein Informationsdefizit und zwar hinsichtlich der eigenen Stellung in der Gesellschaft, hinsichtlich natürlicher Anlagen, hinsichtlich der eigenen Klasse, den eigenen psychischen Neigungen und des eigenen Status (vgl. Rawls, John:2012, 23-29). Weiterhin schreibt John Rawls, dass der Mensch im Urzustand vernünftig ist, d.h. von ihm kann gewöhnlich angenommen werden, dass er ein widerspruchsfreies System von Präferenzen bezüglich der ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten aufstellen kann und dies in einem persönlichen Lebensplan auch getan hat. Diese Präferenzen sind nach der Dienlichkeit für seine Zwecke, so angeordnet, dass möglichst viele von seinen Wünschen erfüllt und eine gute Aussicht auf ihre erfolgreiche Verwirklichung besteht. Der vernünftige Mensch im Urzustand kennt keine antisozialen Einstellungen, wie den Neid und schließt Bedingungen dafür aus, um einer stabilen Gerechtigkeitsvorstellung willen. Vernünftige Menschen im Urzustand haben kein aufeinander gerichtetes Interesse. Die Gesellschaftsmitglieder im Urzustand beabsichtigen weder einander Gutes noch Schlechtes anzutun, sind nicht von Liebe bewegt oder von Hass zerfressen und deshalb auch nicht neidisch. Der vernünftige Mensch im Urzustand denkt nur an seinen Lebensplan hat ein sicheres Selbstwertgefühl und deshalb kein Bedürfnis irgendeines seiner Ziele aufzugeben, falls die anderen Mitglieder der Gesellschaft weniger Mittel zur Verfolgung ihrer Ziele haben. Urzustandsmenschen stellen Grundsätze auf, die ihren Zielen so gut wie möglich dienen. Sie versuchen, möglichst viele gesellschaftliche Grundgüter zu bekommen, denn diese ermöglichen ihnen, ihre relative Vorstellung vom Gelingen, am wirksamsten zu verwirklichen. Er wird notwendigerweise versuchen, seine Freiheiten zu schützen, seine Möglichkeiten auszubauen und die Mittel zur Erreichung seiner Ziele zu vermehren. Der vernünftige Mensch im Urzustand sieht sich nicht als Opfer der Ungerechtigkeit oder des Zufalls und nimmt an, sein Verzicht führt zu sozialem Ausgleich. Er hat bereits im Urzustand einen Gerechtigkeitssinn, der ihn Regeln einhalten lässt, weil er sich als Miturheber der Grundsätze der Gerechtigkeit darauf verlassen kann, dass er die mitgestalteten, selbst auferlegten Grundsätze der Gerechtigkeit versteht und nach ihnen handelt und unterlässt. Ignoriert er die selbst auferlegten Grundsätze der Gerechtigkeit, weiß er um die Folgen. Eine Vorstellung von dem was gerecht ist braucht ihre vernünftigen Urheber im Urzustand, da sie anders instabil und nicht verlässlich wäre. Sie gewinnt ihre Stabilität durch die Menschen, die sie erschaffen haben. Wird sie instabil, weil sich Mitglieder der Gesellschaft über ihre eigenen Grundsätze hinwegsetzen, muss sich auf eine andere Gerechtigkeitsvorstellung geeinigt werden. Menschen die im Urzustand für ihre Gemeinschaft Grundsätze festlegen, sollen also davon ausgehen, dass sie diese auch streng befolgen werden. Da hierfür wünschenswerter Weise eine öffentliche Gerechtigkeitsvorstellung in gegenseitiger Einigung erfolgen muss, mit der sich jeder identifizieren kann und sich am Ende alle auf die damit verbundenen Gerechtigkeitsgrundsätze berufen können sollen und dies auch für sich in Anspruch nehmen, ist es unwahrscheinlich, dass ein Nutzenprinzip zu einem Gerechtigkeitsgrundsatz erwählt werden würde, (vgl. Rawls, John: 2012,165-169). Kein sich als gleicher und freier Teil einer Gesellschaft einstufender, vernünftiger Mensch, der um seiner eigenen Ziele willen, die wirksamsten Mittel einsetzt um diese zu erreichen, erbringt uneigennützig und ausschließlich zum Vorteil der Gesamtgesellschaft eine Leistung oder schränkt sich in seinen Bedürfnissen, Interessen sowie seinen Grundrechten - und- pflichten ein, ohne davon über kurz oder lang einen eigenen Nutzen zu haben, bzw. seinen Eigennützen durch sein Handeln oder Unterlassen zu vergrößern, ausgenommen er hat starke altruistische Beweggründe (vgl. Rawls, John: 2012, 31-32). Der klassische Utilitarismus, würde von Menschen seines Gesellschaftssystems, welches nach seinem Nutzenprinzip funktioniert erwarten, die eigenen Ziele, Wünsche und Interessen, dem staatlichen Gemeinwohl unterzuordnen. Der Mensch eines utilitaristisch geprägten Gesellschaftssystems müsste sein Tun oder Unterlassen in seiner Richtigkeit oder Falschheit danach zu bemessen, ob die Folgen für das Wohlergehen aller von der Handlung oder dem Unterlassen betroffenen optimal sind und damit für die Gemeinschaft die größtmögliche Akkumulation von Nutzen bedeuten (vgl. Kersting, Wolfgang:2008, 97). Da der vernünftige Mensch im Urzustand aber nichts tun würde, woraus er nicht auch einen Nutzen für sich selbst ziehen könnte, zieht er eine Gesellschaft vor, die zu wechselseitigem Vorteil für jedermann kooperiert, insbesondere den schwächsten Mitglieder in der Gesellschaft, damit auch er selbst sicher sein kann, dass auch er davon profitiert und sich nur einschränken muss, wenn er durch diese Einschränkung wiederrum einen Vorteil für sich selbst gewinnen kann (vgl. Kersting, Wolfgang:2008, 40-49). Nach Rawls würden Menschen im Urzustand zwei Grundsätze der Gerechtigkeit (Verteilungsprinzipien) wählen:

„Jedermann soll gleiches Recht auf das umfangreichste System gleicher Grundfreiheiten haben, dass mit dem gleichen System für alle anderen verträglich ist“ (Rawls, John: 2012,81).

Dieses erste Verteilungsprinzip zielt darauf ab rechtliche und politische Gerechtigkeit herzustellen. Rawls gibt dem ersten Gerechtigkeitsgrundsatz den absoluten Vorrang. Recht, Freiheit und Politik gebührt somit der Vorrang vor der Sphäre der Gütererzeugung. Größere gesellschaftliche oder wirtschaftliche Vorteile rechtfertigen keine Verletzung der geschützten gleichen Grundfreiheiten oder wirken gar ausgleichend (vgl. Kersting, Wolfgang:2008,72-74). Der zweite Gerechtigkeitsgrundsatz besagt, dass soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten so zu gestalten sind, dass a) vernünftigerweise zu erwarten ist, dass sie zu jedermanns Vorteil dienen, aber sie sollen unter der Einschränkung des gerechten Spargrundsatzes den am wenigsten Begünstigten, den größtmöglichen Vorteil bringen und b)sie mit Positionen und Ämtern verbunden sind, die jedem gemäß fairer Chancengleichheit offen stehen (vgl. Rawls, John: 2012, 336). Beim zweiten Gerechtigkeitsgrundsatz, den Rawls auch Differenzprinzip nennt unterscheidet er zwei Fälle zum einen den, der durch eine Besserstellung der Begünstigten tatsächlich eine maximale Verbesserung der Lage des schwächsten Mitgliedes der Gesellschaft bewirkt und zweitens den Fall, dass die Aussichten aller Bevorzugten zumindest zur Verbesserung der Lage des schwächsten Gesellschaftsmitgliedes beitragen. Im Falle der tatsächlichen maximalen Verbesserung für die schwächsten Mitglieder in der Gesellschaft spricht Rawls vom „vollkommen gerechten Zustand“ und im Falle von einem Beitrag zur Verbesserung der Lage, der schwächsten M itglieder der Gesellschaft spricht Rawls von einem „durchweg gerechten Zustand“, der das Maximum noch nicht erreicht hat aber es kann davon ausgegangen werden, dass, wenn sich die Aussichten der Bevorzugten weiter verbessern würden, so würde sich dadurch auch die Lage der am stärksten Benachteiligten der Gesellschaft verbessern.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
John Rawls und die Theorie der Gerechtigkeit. Kritik am Utilitarismus und Bedeutung für die Soziale Arbeit
Note
2.0
Autor
Jahr
2015
Seiten
11
Katalognummer
V317578
ISBN (eBook)
9783668176485
ISBN (Buch)
9783668176492
Dateigröße
1036 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
john, rawls, theorie, gerechtigkeit
Arbeit zitieren
Stephan Walk (Autor), 2015, John Rawls und die Theorie der Gerechtigkeit. Kritik am Utilitarismus und Bedeutung für die Soziale Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317578

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