Der Offenbarungsbegriff in der Systematischen Theologie. Karl Barth und Emil Brunner im Vergleich


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

Einleitung

Darstellung des Themas

Hintergrundinformationen zu Karl Barth

Essay zur Position von Karl Barth für das Proseminar Systematische Theologie

Hintergrundinformationen zu Emil Brunner

Die Position von Emil Brunner

Vergleich der Positionen von Karl Barth und Emil Brunner

Schluss

Quellen / Anhang:

Einleitung

Im Rahmen des Seminars „Proseminar Systematische Theologie“ unter der Leitung von Richard Janus haben wir uns vor allem mit Offenbarung auseinander gesetzt und uns hierbei verschiedene Positionen genauer angeschaut.

Ich werde mich in dieser Hausarbeit ausführlich mit den Positionen von Karl Barth und Emil Brunner beschäftigen und diese kritisch hinterfragen. Dabei werde ich auch den Hintergrund der beiden Theologen betrachten. Im Kontext dieser Positionen werde ich anschließend den Versuch unternehmen, einen Vergleich zu erarbeiten. Daran anschließend werde ich ein Schlussfazit ziehen.

Besonders interessant an Karl Barth und Emil Brunner ist, dass die beiden Theologen auch eine langjährige Freundschaft verband. Immer wieder gab es Spannungen und Uneinigkeiten im Hinblick auf ihre theologischen Ansichten, bis es schließlich auch zum Bruch kam. Dennoch hörten sie nie auf, sich Briefe zu schicken, welche ich ebenfalls für meine Hausarbeit herangezogen habe. Ungefähr 50 Jahre lang führten sie diese Brieffreundschaft. Ebenfalls betrachtet habe ich Karl Barths „Kirchliche Dogmatik“, Emil Brunners Werk „Der Mittler“ und weitere Quellen. Hierbei sollen folgende Aspekte untersucht werden: Das Offenbarungsverständnis, die Rolle von Jesus Christus und weitere Stärken der jeweiligen Positionen. Geschichtlich und theologisch ist Karl Barth der bekanntere und auch bedeutsamere der beiden Theologen. Es wird also angenommen, dass er den stärkeren Standpunkt entwickelt hat. Das Ziel meiner Hausarbeit ist, dies zu beurteilen und zu überprüfen und herauszufinden, ob er diesen Titel auch verdient hat und welche der beiden Positionen als die bessere erscheint. Wissenschaftlich gesehen halte ich es für sehr interessant zu betrachten, wie sich zunächst so ähnliche Haltungen in so unterschiedliche Richtungen entwickeln konnten.

Darstellung des Themas

Die „Systematische Theologie“ ist einer der vier wichtigen Teilbereiche der Theologie, die noch aus der biblischen, historischen und praktischen Theologie besteht. In ihr geht es um die Lehre und die Ethik, sowie um das Verhältnis zu anderen Religionen und die wissenschaftstheoretischen Grundlagen. Grundlegendes Thema der Systematischen Theologie ist die Offenbarung.

Zunächst möchte ich den allgemeinen Wortsinn des Offenbarungsbegriffes erläutern: Etwas offenbaren kommt aus dem lateinischen und bedeutet so viel wie etwas Verhülltes aufdecken (Praktisches Bibel Lexikon, S. 826), also etwas offenlegen. Wenn ein Mensch einem anderen etwas offenbart, so ist damit nach dem allgemeinen Verständnis gemeint, dass er ihm ein Geheimnis erzählt. Die Offenbarung im theologischen Sinn ist die Selbsterschließung Gottes, wobei Gott sowohl Sender als auch Inhalt ist.

In der Bibel stoßen wir an vielen Stellen auf Offenbarungen Gottes. In Genesis 28, 10-22 zum Beispiel zeigt sich Gott Jakob im Traum und verspricht ihm viele Nachkommen, denen einmal Bethel gehören soll. Sehr bekannt ist Exodus 3,1 bis 4,17, die Stelle in der Gott zu Mose aus einem brennenden Dornbusch spricht und ihm den Auftrag erteilt, Israel aus Ägypten zu retten. Auch die Berufung der Propheten erfolgt immer in einer persönlichen Anrede Gottes, ein Beispiel hierfür ist die Berufung Jonas: „Es geschah das Wort des HERRN zu Jona […] und sprach: Mache dich auf und gehe in die große Stadt Ninive und predige wider sie! Denn ihre Bosheit ist heraufgekommen vor mich.“ Dies sind nur einige Beispiele für die vielen Bibelstellen, in denen sich Gott offenbart, ein weiterer Hinweis auf die Wichtigkeit dieses Themas. Aus diesem Grund möchte ich mich auf den nächsten Seiten auch näher mit der Offenbarung beschäftigen. Es gibt zwei verschiedene Arten der Offenbarung: Die allgemeine und die besondere Offenbarung. Die allgemeine Offenbarung wird auch die natürliche oder Ur-Offenbarung genannt. Sie besagt dass „Gott sich in seiner Schöpfung zeigt und jedem Menschen durch natürliche Anlagen und Vernunft zugänglich ist“ (vgl. S. 18[1] ). Durch die Schöpfung hat also jeder Mensch eine angeborene Gotteserkenntnis. Dies hat keine Bedeutung für das eigene Heil, diesen Standpunkt vertritt die natürliche Theologie. Die besondere Offenbarung hingegen geschieht durch Jesus Christus und ist die „Grundlage des christlichen Glaubens (S. 19)¹“. Hierbei ist die heilige Schrift die Quelle und Norm, da sie durch Gott inspiriert ist. Es handelt sich also um eine erworbene Gotteserkenntnis und ist heilsrelevant. Die zentrale Bedeutung von Jesus Christus für unsere Religion ist meiner Meinung nach jedem bewusst – schließlich nennen wir uns ja auch „Christen“ – und auch deshalb habe ich mich dafür entschieden, auf seine Rolle ebenfalls näher einzugehen. Diese besondere Offenbarung in Jesus Christus ist für einige Christen auch die einzige wahre Offenbarung, daher stammt auch der Partikel „solus Christus“, was so viel bedeutet wie „allein durch Christus“. Dieser ist einer von vier „sogenannten Exklusivpartikeln, die die reformatorische Lehre zusammenfassen (S.19)¹“, die anderen drei heißen: „sola fide“, allein durch Glauben; „sola scriptura“, allein durch die Schrift und „sola gratia“, allein durch Gnade. Durch die Offenbarung kann Gott erkannt werden. Doch wie kann diese Selbstoffenbarung Gottes vom Menschen wahrgenommen werden? Es gibt drei Grundmodelle, die diese Frage nach der „Gotteserkenntnis“ beantworten: Entweder muss der Mensch bereits zuvor glauben, um Gott erkennen zu können; oder er beginnt erst zu glauben, sobald er Gott erkannt hat. Die dritte Möglichkeit ist, dass Gott unerkennbar ist. Es gibt folgende Offenbarungsmerkmale: Einen Offenbarungsurheber, -mittler, -empfänger, Offenbarungsvermittlung, -inhalt und –mittel, diese können sich auch miteinander verschränken[2]. Außerdem lässt sich unterscheiden zwischen der Offenbarung als Wissen (Glaubensinhalt) und der Offenbarung als Vermittlung von Wissen (Glaubensakt). Natürlich ist bei der Selbstoffenbarung Gottes Gott selber der Offenbarungsurheber und außerdem auch der Offenbarungsinhalt. Offenbarungsempfänger sind verschiedene biblische Personen, oder auch alle Menschen, in dem Fall tritt Jesus als Offenbarungsmittler ein. Die Offenbarung kann direkt oder indirekt geschehen. Bei der direkten Selbstoffenbarung erscheint der Offenbarungsurheber in einer Gestalt die seinem Wesen entspricht persönlich, bei der indirekten Selbstoffenbarung erscheint er verhüllt. Die Offenbarungen Gottes in der Bibel geschehen meistens indirekt, wie – um die zuvor genannten Beispiele noch einmal aufzugreifen – durch einen Dornbusch. Hierbei sagt Gott sogar explizit, dass er nicht gesehen werden möchte: „Komm nicht näher (Ex 3)!“ In seltenen Fällen, wie bei dem Treffen Jakobs mit Gott in seinem Traum, erscheint Gott aber auch direkt, das bedeutet er erscheint in einer Gestalt, die seinem Wesen entspricht. Wenn man eine Offenbarung weiter betrachten möchte, kann man auch auf die Beziehung der Mittlers zum Urheber näher eingehen, auf die Person des Offenbarungsurhebers, -Mittlers oder –Empfängers, oder auf die vielen verschiedene Offenbarungsarten, wie zum Beispiel die „Uroffenbarung, die sukzessiv-dynamische, pädagogische, ergänzende, aktualisierende, enthüllende und rekonstruierende Offenbarung (vgl. S.111-114)“². Zuletzt ließe sich auch noch das Offenbarungsmittel genauer untersuchen, zumeist geschehen die Offenbarungen über die Sprache, eine schriftliche oder inspirierte Offenbarung ist auch möglich, oder sogar über die Natur und ähnliche Geschehnisse.

In der Bibel gibt es zwei Arten, wie der Mensch die Offenbarung erfahren kann. Einmal natürlich über die Sprache, meistens über die Propheten, die Gottes Worte verkünden. Oder aber er erlebt das Handeln Gottes an seinem Volk oder sich selbst. Ein Beispiel dafür wäre die Befreiung Israels aus Ägypten.[3] Nach dieser ausführlichen Erläuterung zum Thema Offenbarung möchte ich mich nun zunächst mit Karl Barth und seiner Position hierzu beschäftigen.[4]

Hintergrundinformationen zu Karl Barth

Karl Barth war einer der wichtigsten Theologen des 20. Jahrhunderts, wenn nicht sogar der wichtigste. Er ist am 10. Mai 1886 in Basel geboren und hat Theologie studiert. Ab 1911 war er dann Pfarrer und verfasste 1918 ein Kommentar zum Römerbrief, in dem er den Graben zwischen der Botschaft von Gott und dem Menschen herausarbeitete. Barth war der Meinung, dass Gott so ganz und gar anders als der Mensch ist, dass er für den Mensch völlig unerreichbar ist. Er wurde, genau wie Brunner, Vertreter der neuen theologischen Richtung, die „Theologie der Krise“ oder auch „Dialektische Theologie“ genannt wurde und sprach sich für den eigenen Entschluss zur Taufe aus[5].

Daraufhin wurde Barth als Theologieprofessor nach Göttingen berufen, obwohl er nur ein einfacher Landpfarrer war, da seine Gedanken so neu und radikal waren. Er lehrte an verschiedenen Universitäten und begann an seinem großen theologischen Lebenswerk zu arbeiten, der Kirchlichen Dogmatik. Diese erschien in verschiedenen Teilen zwischen 1932 und 1967 und umfasst 9000 Seiten. Er war Mitglied der Bekennenden Kirche und verweigerte den Treueeid auf Hitler, den Beamte 1934 leisten mussten. Daraufhin verlor er seinen Lehrstuhl und wurde mit Redeverbot belegt. Aus diesem Grund kehrte er in die Schweiz zurück und lehrte nun in seiner Heimatstadt Basel wieder als Theologielehrer. Er war seit 1913 verheiratet und hatte mit seiner Frau Nelly Barth-Hoffmann drei Kinder, verliebte sich aber 1924 in eine weitere Frau, die anschließend zu der Familie zog. Bis zu seinem Tod am 10. Dezember 1968 führten sie eine Beziehung zu dritt.

[...]


[1] Seitenabgabe bezieht sich auf das Buch „Systematische Theologie“, siehe Quellen

[2] Vgl. mit G. Wießner: Offenbarung, S. 110-117

[3] Vgl. mit „Praktisches Bibel Lexikon“, S. 830

[4] Die folgenden Informationen stammen aus dem Buch „500 Jahre Protestantismus“, siehe Anhang

[5] Vgl. S.24, Systematische Theologie

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der Offenbarungsbegriff in der Systematischen Theologie. Karl Barth und Emil Brunner im Vergleich
Hochschule
Universität Paderborn  (Evangelische Theologie)
Veranstaltung
Proseminar Systematische Theologie
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
20
Katalognummer
V317607
ISBN (eBook)
9783668166912
ISBN (Buch)
9783668166929
Dateigröße
654 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Systematische Theologie, Offenbarung, Karl Barth, Emil Brunner
Arbeit zitieren
Luisa Dietsch (Autor), 2014, Der Offenbarungsbegriff in der Systematischen Theologie. Karl Barth und Emil Brunner im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317607

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