Slowenen in Kärnten. Die Folgen auf sprachpolitischer und dialektaler Ebene

Diskriminierung, Bilinguales Schulwesen, Ortstafelkonflikt


Hausarbeit, 2015

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

2 Einleitung

3 Geschichtlicher Hintergrund

4 Die Folgen auf sprachpolitischer Ebene
4.1 Diskriminierung der Slowenen bei Volkszählungen
4.2 Bilinguales Schulwesen
4.3 Ortstafelkonflikt

5 Die Folgen auf dialektaler Ebene

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Einteilung der Wahlzonen

Abbildung 2: Ergebnisse der Volkszählungen bis 2001

Abbildung 3: Geographische Einteilung der Kärntner Slowenisch Dialekte

2 Einleitung

Diese Proseminararbeit gibt einen Überblick über den Sprachkontakt zwischen den Slowenen und den Kärntnern. Dabei wird vor allem auf drei Bereiche näher eingegangen: auf den geschichtlichen Hintergrund, die Folgen in sprachpolitischer Hinsicht und die Folgen in dialektaler Hinsicht. Im ersten Kapitel werden die Anfänge des Sprachkontaktes bis hin zur Unterzeichnung des Staatsvertrages im Jahr 1955 illustriert. Darauf folgen die Folgen auf der sprachpolitischen Ebene, welche die Diskriminierung der Slowenen bei Volkszählungen, das bilinguale Schulwesen und den Ortstafelkonflikt näher veranschaulichen. Anschließend wird genauer auf die Folgen auf dialektaler Ebene eingegangen. Hier erfolgt eine Übersicht über die slowenischen Dialekte mit besonderem Bezug auf die slowenischen Dialekte, die in Kärnten gesprochen werden. Des Weiteren werden in diesem Kapitel einige Lehnwörter aus dem Slowenischen in den Kärntner Dialekten vorgestellt. Nicht exakt wird in dieser Proseminarbeit auf die einzelnen Untergruppierungen der Kärntner Slowenisch-Dialekte, wie beispielsweise auf den Jauntaler Dialekt, Bezug genommen, da zu wenig Literatur mit linguistischem Schwerpunkt vorhanden ist. Die Ergebnisse der Arbeit werden zum Abschluss im Fazit behandelt. Diese Proseminararbeit stützt sich hauptsächlich auf das Werk von Gero Fischer – Das Slowenische in Kärnten: Bedingungen der sprachlichen Sozialisation – Eine Studie zur Sprachenpolitik. Das Thema Slowenen in Kärnten wurde gewählt, da von meiner Seite ein persönlicher Bezug zu dieser Materie besteht. Aufgrund der Tatsache, dass ich in Kärnten aufgewachsen bin, entwickelte sich Neugierde und Interesse für dieses sprachpolitische Thema. Ziel dieser Arbeit soll es sein, die Erforschung auf dem Gebiet der einzelnen Kärntner Dialekte mit slowenischem Einfluss voranzutreiben und den Ausbau der Minderheitenrechte anzukurbeln.

3 Geschichtlicher Hintergrund

Die uns heute bekannten Alpenslawen, welche ursprünglich zwischen Dnjepr und Weichsel angesiedelt waren, erweiterten ihr Siedlungsgebiet auf das Innere von Österreich, nachdem im Jahr 568 die Langobarden dieses Gebiet verlassen hatten. Durch die linguistische Namensforschung konnte das Ausmaß des neuen Siedlungsgebietes gut rekonstruiert werden. Es erstreckte sich vom Quellgebiet der Drau über den Großglockner, den Lungau, zum Toten Gebirge und endete bei der Donau (vgl. Fischer, 1980, S. 30.). Im 7. Jahrhundert bildete sich auf diesem Gebiet das Fürstentum Karantanien. Sein politisches Zentrum lag im Zollfeld, welches im heutigen Kärnten liegt. Das Fürstentum Karantanien war bis zur Eingliederung ins Frankenreich im 8. Jahrhundert unabhängig. Unter der Herrschaft des Frankenreiches fanden im Fürstentum Karantanien zahlreiche Missionierungsversuche statt. Aufgrund dieser Christianisierung entstanden die ersten schriftlichen slowenischen Denkmäler. Im Jahr 819 unterstützten die Karantanen Ljudevit Posavski bei seinem Kampf gegen die Franken. Da dieser Aufstand scheiterte, wurde Karantanien zur Gänze ins Herzogtum Bayern integriert (vgl. Universität Graz, o.A., S. 1f.). Durch die fränkische Feudalisierung, welche zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert erfolgte, verlor der slawische Adel seine politische und ökonomische Macht. Von diesem Zeitpunkt an galt Slowenisch als Sprache der Unterdrückten. Das Mittelalter und die frühe Neuzeit waren geprägt durch Türkeneinfälle und zahlreiche Bauernaufstände auf slowenischsprachigem Boden. Bei einem dieser Bauernaufstände setzten die Bauern auf Kaiser Maximilian, welcher die Wiederherstellung des ‚alten Reiches‘ versprach. Kaiser Maximilian hinterging die Bauern und ließ den Bauernaufstand durch Hauptmann Dietrichstein in Kärnten und der Steiermark blutig zu Ende bringen. Weniger Aufstände wurden dennoch nicht verzeichnet. Die Bauernaufstände zwischen 1566 und 1713 waren sehr bedeutend für die Herausbildung des slowenischen Gemeinschaftsgefühls (vgl. Fischer, 1980, S. 33f.). Der Bedarf an Bildung stieg im 18. Jahrhundert unter der slowenischen Bevölkerung. Durch die Erweiterung des Kapitalismus und der Beendigung der Leibeigenschaft wurden die slowenischen Bauern erstmals mit Handelsbeziehungen vertraut. In diesen Kreisen war die deutsche Sprache allgegenwärtig und die slowenische Bevölkerung war gezwungen, sich die deutsche Sprache anzueignen. Ein Assimilierungsdruck entstand, bei dem die deutsche Sprache einen höheren Status als die slowenische Muttersprache erlangte. Viele junge Leute zogen deshalb in die deutschsprachigen Städte (vgl. Pleterski, 1996, S. 18ff.).

Kaiser Karl kündigte auf der Grundlage des Oktobermanifestes von 1918 eine Umstrukturierung des Reiches an. Daraufhin besetzten zahlreiche SHS-Einheiten[1] Bereiche Unterkärntens. Trotz der Ablehnung seitens der Wiener Regierung setzte man sich gegen diese Besetzung zur Wehr. Dieser Widerstand ist heute als ‚Kärntner Abwehrkampf‘ bekannt.

Obwohl man einen Gegenangriff startete, wurden große Teile Kärntens von den SHS Truppen besetzt und eingenommen. Kurz darauf wurde im Friedensvertrag von St. Germain eine Volksabstimmung angeordnet (vgl. Fischer, 1980, S. 34). Die Volksabstimmung sollte darüber entscheiden, zu welchem Territorium Südkärnten zukünftig zählen sollte. Insgesamt wurde in 51 zweisprachigen Gemeinden abgestimmt, welche in Zone A und B unterteilt wurden (Fischer, 1980, S. 35):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Einteilung der Wahlzonen

Von den über 22.000 Wahlberechtigten entschieden sich über 59 Prozent für den Verbleib bei Österreich. Dieses Ergebnis konnte primär durch die 12.000 Stimmen aus der slowenisch-sprachigen Gesellschaft erzielt werden. Doch auch die Propaganda seitens der Kärntner Landesregierung hatte Einfluss auf das Ergebnis. Die Landesregierung versprach Änderungen im wirtschaftlichen, politischen, sozialen und hauptsächlich im zweisprachigen Bereich. Damit wurde der slowenischen Bevölkerung erstmals eine gerechte Gleichbehandlung versprochen, wenn für den Verbleib bei Österreich abgestimmt wird (vgl. Universität Graz, o.A., S. 5f.). Nach der Volksabstimmung kam es zu keiner Einhaltung der Versprechen, sondern zu zahlreichen Kündigungen von slowenischen Berufstätigen. Vollends wurden 58 Lehrerinnen und Lehrer und 28 Priester entlassen. Zahlreiche andere der slowenischen Mitbürger wurden versetzt oder gerichtlich verfolgt (vgl. Fischer, 1980, S. 36f.).

Achtzehn Jahre später erfolgte der zweite große Assimilierungsdruck auf die slowenische Bevölkerung. Im Zuge der nationalistischen Herrschaft wurde beschlossen, alle slowenischen Bürger, welche nicht anpassungswillig waren, auszusiedeln. 1942 wurden nach der Anordnung Himmlers 947 Slowenen in Kärnten abgeschoben. Neben der Abschiebung von zahlreichen Slowenen wurde auch die slowenische Sprache in der Öffentlichkeit verboten. Im Anschluss an den Krieg besetzte eine slowenische Armee zwei Wochen lang Südkärnten. Durch britische Forderungen mussten sie sich zurückziehen. Erst zehn Jahre später bei der Unterzeichnung des Staatsvertrages schien es erstmals in der Geschichte der Kärntner Slowenen eine Chance auf Gleichberechtigung zu geben (vgl. Universität Graz, o.A., S. 6f.).

4 Die Folgen auf sprachpolitischer Ebene

4.1 Diskriminierung der Slowenen bei Volkszählungen

Schon zu Beginn der Volkszählungen in Kärnten wurden diese durch die Monarchie beeinflusst. Tatsächliche ethnische Zustände wurden missachtet und stattdessen nach Meinung der mächtigsten Völkergruppen modifiziert. Vor allem die slowenische Minderheit in Kärnten litt stark darunter. Beispielsweise wurden im Jahr 1846 103.236 Slowenen in Kärnten gezählt. Dies waren ungefähr 91 Prozent der Wohnbevölkerung. Dagegen wurde 1910 ein Rückgang auf 65.661 Slowenen verzeichnet. Wiederum dreizehn Jahre später betrug die Zahl der Kärntner Slowenen nur noch 26.796. Durch die offensichtliche Diskriminierung legten zahlreiche Kärntner Slowenen Beschwerde beim Völkerbund ein (vgl. Rat der Kärntner Slowenen, o.A., S. 8). Im Jahre 1939 wurde erstmals eine Volkszählung mit der Unterscheidung zwischen Slowenisch und Windisch durchgeführt.[2] Die Zahl der slowenisch-sprachigen Bevölkerung umfasste 43.179 Personen. Die Volkszählungen von 1951, 1961 und 1971 wurden unter denselben Kriterien organisiert. Hier wurde die Umgangssprache der Personen angegeben. Bei der Volkszählung von 1961 stellte sich heraus, dass in 23 Gemeinden unkorrekte Zählungen vorgenommen wurden (vgl. Fischer, 1980, S. 119f.). Eine ‚Volkszählung besonderer Art‘ fand 1976 statt. Der Bund und das Land versuchten die Minderheitenfeststellung zu ignorieren und sämtliche Plakate diesbezüglich zu meiden. Eine Sprachenerhebung war geplant, welche die slowenische Minderheit ausgrenzen sollte. Offizielle Ergebnisse der Sprachenerhebung wurden nie veröffentlicht. Die Zählung aus dem Raum Zell/Sele mit einer hohen slowenischen Bevölkerungszahl wurde verbrannt (vgl. ebd., 1980, S. 123ff.). Bis zum Jahr 2001 nahm die Anzahl der slowenischen Muttersprachler in Kärnten stetig ab, welches die folgende Abbildung demonstriert (Malle/Entner, o.A., S. 6f.):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Ergebnisse der Volkszählungen bis 2001

Im Jahr 2011 wurden nur noch 3.412 Slowenen in Kärnten gezählt (vgl. Medienservicestelle, 2011, S. 1.).

[...]


[1] Als SHS-Einheiten werden Truppen aus dem damaligen Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen bezeichnet.

[2] Windisch und Slowenisch gehen ursprünglich auf eine einheitliche Bedeutung zurück, jedoch wurde der Begriff Windisch später für die Sprechergruppe verwendet, welche eine österreichisch-slowenische Mischsprache gesprochen haben. Beispielsweiße wären somit Kärntner Slowenisch Dialekte als Windisch zu verstehen.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Slowenen in Kärnten. Die Folgen auf sprachpolitischer und dialektaler Ebene
Untertitel
Diskriminierung, Bilinguales Schulwesen, Ortstafelkonflikt
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V317614
ISBN (eBook)
9783668168893
ISBN (Buch)
9783668168909
Dateigröße
1146 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziolinguistik, Minderheitensprache, Slowenen, Kärnten, Sprachpolitik
Arbeit zitieren
Tamara Terbul (Autor), 2015, Slowenen in Kärnten. Die Folgen auf sprachpolitischer und dialektaler Ebene, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317614

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