Die Besitzethik des Lukas-Evangeliums

Eine Zusammenfassung


Skript, 2013

10 Seiten


Leseprobe

Die Besitzethik des Lukas-Evangeliums

I) Armut und Reichtum im römischen Imperium

1) Die sozioökonomische Struktur des Imperiums

1. Die Ökonomie

- Sozioökonomischen Lebensbedingungen im gesamten röm. Imperium sehr ähnlich
- Wichtigster Produktionssektor: das Agrarwesen
- Überwiegender Teil der Bevölkerung lebte direkt/indirekt vom Bodenertrag
- Bäuerl. Kleingut maßgebende Agrarform
- Familienbetriebe, die kaum mehr als Selbstversorgung erreichten
- Gegen Ende 1.Jh. von Großgütern (Latif.) als dominante Wirtschaftsform verdrängt
- Gesamtwirtschaftsprodukt nur durch Steigerung der Produktivität im Agrarsektor erhöhbar
- Grundbesitz risikoärmstes und langfristig stabilstes Einkommen
- Gewinne im Handel in Grund und Boden reinvestiert
- Grundbesitz als Quelle jeglichen Reichtums
- Finanzielle Basis für Investitionen in Handel und Geldsektor
- Sozialform des „familialen Hauses“ (Oikos) der Landwirtschaft zugeordnet
- Vom „pater familias“ geleitet
- Aristoteles: Unterscheidung zw. „Oikonomike“ (natürl. Erwerbskunst) u. „Chrematistike“ (gewinnsüchtige Erwerbskunst)
- „Oikonomike“: Versorgungswirtschaft: Bedürfnisse in dieser Wirtschaft beschränkt und Geld reines Tauschmittel
- „Chrematistike“: merkantile Erwerbswirtschaft mit unbeschränkten Bedürfnissen; Geld nicht Tauschmittel allein, sondern treibende Wirtschaftskraft
- Röm. Ökonomie ist eine „Chrematistike“
- Land produziert für die Städte, insbesondere Rom
- Verteilung d. Lebensmittel vom Staat zentralistisch gelenkt

2. Soziale Schichtung

- Röm. Kaiserreich: zwei Klassen: kleine Oberschicht und breite Unterschicht
- Oberschicht
- 1-5% der Bevölkerung
- In drei erbliche Stände geteilt
- Senatoren: am einflussreichsten, nutzten Ämter zur persönl. Bereicherung
- Ritter: öffentl. Laufbahn (Militär, Großhändler, Bankiers)
- Ratsherren: provinziale und lokale Aristokratie
- Unterschicht
- zu ihr jeder zugerechnet, der Lebensunterhalt mit körperl. Arbeit bestreiten muss
- Daseinsfristen knapp über dem Existenzminimum
- Zugehörigkeit zur Unterschicht bedeutete juristische Benachteiligung
- Im Griechischen „Armer“ durch zwei Begriffe wiedergegeben
- πενητες: „besser gestellter Armer“ (harte Arbeit für Lebensunterhalt)
- Großteil der Bevölkerung des röm. Imperiums
- πτωχός: „Bettelarme“ (lebt zeitweise unter Existenzminimum)
- hungernder Personenkreis: Tagelöhner, Bettler, Banditen, verschuldete Bauern, entlaufene Sklaven
- Grenze zw. Ober- und Unterschicht fällt mit Grenze zw. Reichtum und Armut (Macht und Einflusslosigkeit) zusammen

2) Die sozioökonomischen Verhältnisse in Palästina

- Bedeutendster Produktionsfaktor war die Landwirtschaft
- Handwerk genoss in Palästina hohes Ansehen
- Prägender Unterschied zwischen Jerusalem und übrigem Land
- Öknonomische Macht im Jerusalemer Tempel konzentriert
- Hauptarbeitgeber
- Oberschicht: Priester-, Stadt- und Landaristokratie
- Unterschicht (πενητες): Handwerker, Bauern, Händler, Fischer, Pächter
- Unterste soziale Stufe (πτωχόι): Hirten, Tagelöhner, Banditen, Bettler
- In Palästina polit. und wirtschaftliche Macht nicht zu trennen
- Großgrundbesitz stark angewachsen
- Fast gesamter fruchtbarer Ackerboden war im 1. Jh. Großgrundbesitz und gehörte der Oberschicht
- Kleinbauern auf ertragsarmes Bergland ausweichen
- Führte zu sozialen Spannungen
- Jesus von Beruf τεκτων (Zimmermann, Schreiner, Maurer oder Tischler)
- Er ist wohl den πενητες zuzuordnen
- Allerdings: als unselbständiger Arbeiter im Tagelohn wohl eher: πτωχόι
- Jüngerkreis entstammt wohl Milieu der πενητες
- Während Wanderschaft sind ihm Schicht der πτωχόι zuzurechnen
- Jesus und Jünger keine berufsmäßigen bettler, lebten aber während Wanderschaft in äußerster Armut
- Mit Ausnahmen zählte Jesus mit seinen Jüngern und Sympathisanten zur Unterschicht

II) Das Magnifikat (Lk 1,46-55)

1) Sprachliche und formkritische Analyse

- Magnifikat ist ein Danklied aus dem Munde Mariens nach ihrer geistgewirkten Empfängnis
- Obwohl in griech. Verfasst, ist es entsprechend der hebr. Poesie ein kunstvoller Psalm
- Prägend sind seine Parallelismen V46b/V47; V51a/V51b; V52a/V52b; V53a/ V53b
- Diese sind synonym und antithetisch
- In VV. 52f. zwei antithetische Parallelismen miteinander verschränkt
- Da die Mächtigen den Reichen und die Niedrigen den Hungernden entsprechen, sit die Reihenfolge chiastisch
- Kunstvoller Aufbau spricht für VV. 52f. als Herz des Magnifikats
a) Verschränkung bringt sprachlich zum Ausdruck, dass für Lk die
b) „Umkehrung der sozialen und ökonomischen Verhältnisse eng zusammengehört“
- Magnifikat gemäß atl. Gattungsbestimmung ein individuelles Danklied
c) Ankündigung des Dankes: VV 46b-47 μεγαλύνει η ψυχή …
d) Begründende Zusammenfassung: VV 48-49a ότι …
e) Bericht über die Rettung: VV 49b-55

[...]

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Details

Titel
Die Besitzethik des Lukas-Evangeliums
Untertitel
Eine Zusammenfassung
Hochschule
Universität Augsburg  (Lehrstuhl für Neutestamentarische Wissenschaften)
Veranstaltung
Exegese des Lukas-Evangeliums
Autor
Jahr
2013
Seiten
10
Katalognummer
V317638
ISBN (eBook)
9783668166578
ISBN (Buch)
9783668166585
Dateigröße
646 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
besitzethik, lukas-evangeliums, eine, zusammenfassung
Arbeit zitieren
Alexander Winter (Autor), 2013, Die Besitzethik des Lukas-Evangeliums, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317638

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