Die Theorie des geplanten Verhaltens. Hintergrund und kritische Beurteilung


Seminararbeit, 2015

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Abbildungsverzeichnis

II Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen der Theorie des geplanten Verhaltens
2.1 Hintergrund der Verhaltensforschung
2.2 Einführung in die Theorie des überlegten Handelns
2.3 Charakterisierung der Theorie des geplanten Verhaltens

3 Anwendung der Theorie des geplanten Verhaltens

4 Kritische Beurteilung und Fazit

III Literaturverzeichnis

IV Eidesstattliche Erklärung

I Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Grafische Darstellung der Theorie des geplanten Verhaltens

II Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Einer der bedeutungsvollsten Untersuchungsgegenstände, mit der sich die psychologische Forschung seit langem auseinander setzt, ist die Voraussage und Analyse menschlichen Verhaltens.[1]

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der von Icek Ajzen entworfenen Theorie des geplanten Verhaltens [2] (TGV) , welche sich mit der Vorhersage von Verhalten aufgrund von Einstellungen auseinandersetzt.

Die Zielsetzung besteht darin, die theoretischen Grundlagen der TGV zu ergründen. In erster Linie soll herausgestellt werden, welche Determinanten den Zusammenhang zwischen Einstellung und Verhalten bestimmen beziehungsweise (bzw.) erhöhen und somit für ein vorhersehbares Verhalten ausschlaggebend sind.

Des Weiteren sind wesentliche Unterschiede und Ergänzungen aufzuzeigen, durch die sich der weiterentwickelte Ansatz Ajzens von dem Grundmodell Theorie des überlegten Handelns [3] (TÜH) abgrenzt.

Ein weiterer beachtlicher Aspekt des Konzeptes ist der regelmäßige Einsatz in der angewandten Forschung. Anhand von ausgewählten Beispielen soll die geläufige Anwendung der Theorie auf Sachverhalte und Zustände in der Realität verdeutlicht werden.

Die TGV soll schließlich auf Basis der kennzeichnenden Charakteristika kritisch betrachtet und beurteilt werden.

Kongruent zu der Zielsetzung setzt sich der Aufbau der Arbeit wie folgt zusammen: Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen und beinhaltet die Abschnitte Entstehungshintergrund und Beschreibung des Modells. Darauf aufbauend wird die häufige Anwendung des Modells in der Realität anhand von einem ausgewählten Fallbeispiel im dritten Kapitel verdeutlicht. Der Fokus des vierten Kapitels liegt auf einer kritischen Beurteilung der TGV, wobei auf die zentralen Merkmale eingegangen wird. Abschließend werden die fundamentalen Erkenntnisse in Fazit und Ausblick zusammengefasst.

2 Theoretische Grundlagen der Theorie des geplanten Verhaltens

2.1 Hintergrund der Verhaltensforschung

Im Zeitverlauf des 20. Jahrhunderts haben Forscher diverse Untersuchungen und Studien durchgeführt, welche sich mit dem Zusammenhang zwischen Einstellungen und Verhalten beschäftigen. Die Ergebnisse sind enttäuschend ausgefallen: es konnte keine enge Verbindung festgestellt werden.[4]

Eine der bekanntesten Untersuchungen [5] diesbezüglich wurde 1934 von dem Soziologieprofessor LaPiere publiziert.[6] Hauptbestandteil der Studie ist eine Reise LaPieres quer durch die Vereinigten Staaten von Amerika, in Begleitung eines chinesischen Ehepaars.[7] Zu dieser Zeit war die Einstellung der Amerikaner gegenüber den Asiaten sehr voreingenommen und LaPiere befürchtete, dass die chinesischen Teilnehmer des Experimentes in Restaurants und Hotels auf Abneigung stoßen würden.[8] Seine Erwartungen bestätigten sich nur in einer der 251 besuchten Gaststätten und Unterkünften.[9] Ein halbes Jahr nach der Reise nahm der Professor, in Form von schriftlichen Fragebögen, Kontakt zu den besuchten Häusern auf und erhielt von 128 Befragten Rückmeldungen.[10] Auf die Frage, ob Menschen chinesischer Herkunft als Gäste willkommen seien, verneinten 92% der Befragten.[11] Demzufolge stehen die Antworten in einem deutlichen Widerspruch zu dem vorab gezeigten Verhalten und ein bestehender Zusammenhang zwischen Einstellungen und beobachtbarem Verhalten konnte somit nicht von LaPiere nachgewiesen werden.[12]

In den darauf folgenden Jahrzehnten kam der Gedanke auf, spezifischere Fragestellungen zu erforschen.[13] Als Beispiel kann hierzu die Frage „Welche Faktoren bestimmen die Stärke des Zusammenhangs zwischen Einstellungen und Verhalten?“ angeführt werden.[14] Es stellte sich heraus, dass Verhalten durch Einstellungen vorausgesagt werden kann, jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen.[15] Hierbei gilt es zu beachten, ob das zu prognostizierende Verhalten geplant oder ungeplant ist.[16] Die geschilderte Studie LaPieres hat ausschließlich das spontane Verhalten thematisiert.[17]

Im Jahr 1975 gelang es den Wissenschaftlern Martin Fishbein und Icek Ajzen ein Modell zur Vorhersage und Erklärung überlegten Verhaltens zu entwickeln, die sogenannte TÜH.[18] In den folgenden Abschnitten wird ein Überblick zu dem Ursprungsmodell TÜH gegeben und das Erweiterungsmodell TGV ausführlich charakterisiert.

2.2 Einführung in die Theorie des überlegten Handelns

Der wesentliche Grundgedanke der TÜH besteht in „… der Vorhersage von Handlungen, über deren Ausführung oder Unterlassung eine Person nachdenkt“[19]. Folglich thematisiert die TÜH, wie überlegtes, geplantes Handeln von Menschen vorausgesagt und erklärt werden kann.[20] Dabei wird unterstellt, dass Menschen rational agieren, die komplette willentliche Kontrolle über die fragliche Vorgehensweise besitzen und diese ohne Schwierigkeiten ausführen können.[21] Nach Fishbein und Ajzen sind Personen nur in der Lage, Verhaltensabsichten erfolgreich zu verwirklichen, wenn sie eine ausreichende willentliche Kontrolle darüber haben.[22]

[...]


[1] vgl.: Sonnenmoser, M.; Umweltbewußtes Einkaufen; Eine Studie zur Anwendung der „Theorie des geplanten Verhaltens“; Landau; 1997; S. 24

[2] im Original: Theory of Planned Behavior

[3] im Original: Theory of Reasoned Action

[4] vgl.: Frey, D.; Stahlberg, D.; Gollwitzer, P.; Einstellung und Verhalten; Die Theorie des überlegten Handelns und die Theorie des geplanten Verhaltens; in: Frey, D.; Irle, M. (Hrsg.); Theorien der Sozialpsychologie; 2. Aufl.; Bern; 1993; S. 361-398; hier S. 361 und Rossmann, C.; Theory of Reasoned Action – Theory of Planned Behavior; Baden-Baden; 2011; S. 12

[5] Ein vergleichbares Experiment mit ähnlichem Resultat führten Kutner, Wilkins und Yarrow 1952 durch, bei dem die Teilnehmergruppe aus dunkel- und hellhäutigen Personen gebildet wurde (vgl. hierzu: Triandis, H. Ch.; Einstellungen und Einstellungsänderungen; Weinheim; Basel; 1975; S. 20)

[6] vgl.: LaPiere, R. T.; Attitudes vs. Actions; in: Social Forces; 2/13; S. 230-237; hier S. 231 ff.

[7] vgl.: ebenda

[8] vgl.: Frey, D.; Stahlberg, D.; Gollwitzer, P.; Einstellung und Verhalten; a. a. O.; S. 361

[9] vgl.: LaPiere, R. T.; Attitudes vs. Actions; a. a. O.; S. 232 f.

[10] vgl.: ebenda; S. 233 f. und Triandis, H. Ch.; Einstellungen und Einstellungsänderungen; a. a. O.; S. 20

[11] vgl.: LaPiere, R. T.; Attitudes vs. Actions; a. a. O.; S. 234

[12] vgl.: Bohner, G.; Einstellungen; in: Stroebe, W.; Jonas, K.; Hewstone, M.; Sozialpsychologie; Eine Einführung; 4. Aufl.; Berlin; Heidelberg; 2002; S. 266-315; hier S. 300 f. und Aronson, E.; Wilson, Th. D.; Akert, R. M.; Sozialpsychologie; 8. Aufl.; Hallbergmoos; 2014; S. 238 f. und Wicker, A. W.; Attitudes versus Actions; The Relationship of Verbal and Overt Behavioral Responses to Attitude Objects; in: Journal of Social Issues; 25/4; 1969; S. 41-78; hier S. 42

[13] vgl.: Johnsen, J.; Regionalbewusstes Verhalten; Erklärungsansatz unter besonderer Berücksichtigung der Wirkungen von Regionenmarken; Bern; 2008; S. 59 f.

[14] vgl.: Johnsen, J.; Regionalbewusstes Verhalten; a. a. O.; S. 59 f.

[15] vgl.: Haddock, G.; Maio, G. R.; Einstellungen; in: Jonas, K.; Stroebe, W.; Hewstone, M. (Hrsg.); Sozialpsychologie; 6. Aufl.; Berlin; Heidelberg; 2014; S. 197-229; hier S. 219 und Aronson, E.; Wilson, Th. D.; Akert, R. M.; Sozialpsychologie; a. a. O.; S. 239

[16] vgl.: Aronson, E.; Wilson, Th. D.; Akert, R. M.; Sozialpsychologie; a. a. O.; S. 239

[17] vgl.: ebenda

[18] vgl.: Frey, D.; Stahlberg, D.; Gollwitzer, P.; Einstellung und Verhalten; a. a. O.; S. 367 und Mummendey, H. D.; Die Beziehung zwischen Verhalten und Einstellung; in: Mummendey, H. D. (Hrsg.); Verhalten und Einstellung; Untersuchung der Einstellungs- und Selbstkonzeptänderung nach Änderung des alltäglichen Verhaltens; Berlin; Heidelberg; 1988; S. 1-26; hier S. 7

[19] Frey, D.; Stahlberg, D.; Gollwitzer, P.; Einstellung und Verhalten; a. a. O.; S. 367

[20] vgl.: Aronson, E.; Wilson, Th. D.; Akert, R. M.; Sozialpsychologie; a. a. O.; S. 240 und Haddock, G.; Maio, G. R.; Einstellungen; a. a. O.; S. 223

[21] vgl.: Ajzen, I.; The Theory of Planned Behavior (2012); in: Lange, P. A. M. van.; Kruglanski, A. W.; Higgins, E. T.; Handbook of theories of social psychology; London, UK; 2012; S. 438-459; hier S. 445 und Rossmann, C.; Theory of Reasoned Action – Theory of Planned Behavior; a. a. O.; S. 12

[22] vgl.: Fishbein, M.; Ajzen, I.; Predicting and changing behavior; The reasoned action approach; New York; 2010; S. 64

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Theorie des geplanten Verhaltens. Hintergrund und kritische Beurteilung
Hochschule
Hochschule Ostwestfalen-Lippe
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V317654
ISBN (eBook)
9783668167193
ISBN (Buch)
9783668167209
Dateigröße
830 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
theorie, verhaltens, hintergrund, beurteilung
Arbeit zitieren
Sina Zachert (Autor), 2015, Die Theorie des geplanten Verhaltens. Hintergrund und kritische Beurteilung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317654

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