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Selbstverletzung bei jungen Frauen und Mädchen - Ritzen

Title: Selbstverletzung bei jungen Frauen und Mädchen - Ritzen

Seminar Paper , 2004 , 20 Pages , Grade: 1.7

Autor:in: Andrea Schulze (Author)

Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
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Summary Excerpt Details

Magersucht und Bulimie sind schon lange zum Alltag geworden, diese Krankheiten werden toleriert
und akzeptiert. Die Gesellschaft kann sie verstehen, weiß um deren Ursachen, deren Symptome und
kennt die Opfer. Doch seit ein paar Jahren wird die Reihe der psychosomatischen Krankheiten, die in
diesen Fällen vor allem junge Frauen und Mädchen betrifft, noch um eine Weitere ergänzt. Immer
mehr junge Frauen leiden unter dem Zwang, sich selbst zu verletzen. Mit einem tiefen Schnitt in ihr
eigenes Fleisch lindern sie ihre Seelenqualen. Doch jede Verwundung, jeder Schnitt ist zugleich auch
ein Hilfeschrei an die Außenwelt. Eine Art der Kommunikation, die ausspricht, was sich die Mädchen
nicht trauen, die Gefühle zeigen, welche sich tief in ihrem Inneren befinden. Ein Schnitt, zwei
Schnitte, drei, sie machen weiter. Die Muster auf ihren Armen symbolisieren ein Tagebuch, den
Seelenzustand. Auf jeden Fall provozieren sie. Kümmert euch um mich, ich habe etwas zu sagen.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Selbstverletzung. Als Grundlage dient das
Buch von Kristin Teuber „Ich blute, also bin ich“. Kristin Teuber studierte Psychologie an der
Ludwig-Maximilian-Universität München mit dem Schwerpunkt Sozialpsychologie. Ihre Arbeit in
einer Zufluchtstelle für Mädchen und junge Frauen in München bildete die Grundlage für ihr Interesse
und das spätere Schreiben ihrer Diplomarbeit zu dem Thema. Das o.g. Buch ist eine geringfügig
überarbeitete Version ihrer Diplomarbeit , die im Mai 1994 an der Ludwig-Maximilian-Universität
München, Institut für Psychologie , eingereicht wurde. Kristin Teuber fasste den Entschluss zu dieser
Diplomarbeit während eines Praktikum in einer Zufluchtstelle für junge Mädchen und junge Frauen.
Die Mädchen, welche dort um Aufnahme ersuchen, wurden fast alle sexuell missbraucht, geschlagen
oder kommen aus einer deprivierenden Situation zu Haus. Die Zufluchtsstelle stellt eine Art
Schutzraum dar, in dem die Mädchen erst einmal Ruhe und Hilfe finden sollen. Hier lernt Teuber zwei
sich ritzende Mädchen kennen. Sie schafft es mit ihnen eine vertrauensvolle Basis zu bilden, wobei
das Ritzen immer ein Problem für sie darstellte. Der Umgang mit den Mädchen, wenn sie
ritzten/geritzt haben und das Nichtwissen über die se Problematik erschütterten sie. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Selbstverletzendes Verhalten (SVV)

3. Ursachen des SVV

3.1. Wissenschaftliche Betrachtungsweise der Ursachen

4. Drei Mädchen – eine Diagnose

4.1. Vanessa 17 Jahre

4.2. Serafin 16 Jahre

4.3. Anniangel 16 Jahre

5. Ritzen als typisch weibliches Verhalten?

6. Phänomenologie des Ritzens

6.1. Die Selbstverletzungssituation

6.2. Verhalten der Angehörigen und Ärzte

7. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Selbstverletzung (insbesondere das „Ritzen“) bei jungen Frauen und Mädchen, um die Hintergründe, Ursachen und die gesellschaftliche Wahrnehmung dieses Verhaltens besser zu verstehen und einzuordnen.

  • Analyse der psychologischen und soziologischen Ursachen von Selbstverletzung.
  • Untersuchung von Einzelfallbeispielen zur Verdeutlichung individueller Problemlagen.
  • Diskussion der geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Aggressionsverarbeitung.
  • Betrachtung der Rolle gesellschaftlicher Bedingungen und Tabuisierung.
  • Reflexion über den Umgang von Angehörigen und Ärzten mit Betroffenen.

Auszug aus dem Buch

Die Selbstverletzungssituation

Die Selbstverletzungssituation ist natürlich bei jeder Person anders, allgemein beschreiben sie aber viele Mädchen so. Vor dem Ritzen empfinden die Mädchen eine extreme innere Spannung und Unruhe. Sie wollen schmerzliche Gefühle verdrängen, fühlen sich in Folge dessen taub, leer und haltlos. Viele können sich kaum mehr wahrnehmen, sind verlassen und verloren. In ihrer Verzweiflung schaffen sie es nicht mehr mit Jemandem zu reden, um diesem unerträglichen Zustand zu entfliehen, fügen sie sich Schmerzen zu. Sie ritzen sich. Während des Ritzens, welches an sich ein impulsives Geschehen ist, berichten viele Mädchen von einem nebulosem, tranceähnlichen Zustand. Der Körper ist vom Empfinden abgeschaltet und fühlt keinen Schmerz. Die Mädchen haben oftmals einen gewissen Unwillen vor dem ersten Schnitt, fühlen sich aber, sobald das erste Blut fließt, oft erleichtert. Es ist zwar möglich, dass die Mädchen den Schnitt spüren, aber sie sagen, dass es nicht weh tut. Der körperliche Schmerz vertreibt den seelischen und ist in manchen Fällen nur mindergroß. Die meisten Betroffenen berichten von einer partiellen oder totalen Schmerzunempfindlichkeit während der Einschnitte. Eine Untersuchung zeigt, dass nur 10 Prozent der sich selbstverletzenden Frauen starken Schmerz verspürten, 23 Prozent berichten von mäßigem, 38 Prozent von leichtem und 29 Prozent von gar keinem Schmerz. Nach dem Ritzen tritt zumindest eine kurzzeitige Erleichterung und Befriedigung ein. Die Mädchen fühlen nun ihre Wunden und spüren sich somit seit langem auch wieder selbst. Sie erfühlen den Eindruck noch am Leben zu sein. Für viele ist es einfacher wegen körperlicher, als wegen seelischer Schmerzen zu weinen. Jedoch mit weiterem Abstand zu ihrer Tat fühlen sich die meisten Mädchen nur noch schlechter. Sie werten sich ab, weil sie sich wieder verletzt haben, weil sie wieder schwach geworden sind und nichts anderes tun konnten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Thema der Selbstverletzung, Vorstellung der literarischen Grundlage und Darlegung der persönlichen Motivation der Arbeit.

2. Selbstverletzendes Verhalten (SVV): Definition des Begriffs SVV sowie eine Einordnung der Verbreitung in Industrieländern als tabuisiertes Phänomen.

3. Ursachen des SVV: Untersuchung der Ursachen, einschließlich Borderline-Störungen, Traumatisierungen und sexueller Gewalt als zentrale Faktoren.

3.1. Wissenschaftliche Betrachtungsweise der Ursachen: Erläuterung der materialistischen Entwicklungstheorie nach Jantzen und von Salzen im Kontext der frühkindlichen Deprivation.

4. Drei Mädchen – eine Diagnose: Darstellung dreier individueller Fallgeschichten (Vanessa, Serafin, Anniangel), die das Leben und Leiden ritzender Mädchen illustrieren.

4.1. Vanessa 17 Jahre: Porträt von Vanessa, die Ritzen als Bewältigung von innerem Druck und als Ersatz für fehlende Ausdrucksmöglichkeiten nutzt.

4.2. Serafin 16 Jahre: Beschreibung von Serafins Weg durch eine zweigleisige Lebensführung und die Suche nach Ablenkung durch das Ritzen.

4.3. Anniangel 16 Jahre: Darstellung von Anniangels Geschichte, geprägt von häuslicher Gewalt und der Bewältigung von Traumata.

5. Ritzen als typisch weibliches Verhalten?: Diskussion der geschlechtsspezifischen Aggressionsverarbeitung und gesellschaftlicher Erwartungshaltungen.

6. Phänomenologie des Ritzens: Analyse der Ausprägungen, Werkzeuge und der subjektiven Bedeutung des Ritzens für die Betroffenen.

6.1. Die Selbstverletzungssituation: Detailreiche Schilderung des rituellen Charakters und des mentalen Zustands während der Selbstverletzung.

6.2. Verhalten der Angehörigen und Ärzte: Problematisierung des oft hilflosen Umfelds und Plädoyer für Zuhören und Verständnis statt Vorurteilen.

7. Schluss: Reflexion über den Erkenntnisgewinn durch die Arbeit und ein Appell für einen achtsameren, unterstützenden Umgang mit Betroffenen.

Schlüsselwörter

Selbstverletzendes Verhalten, SVV, Ritzen, Autoaggression, Psychosomatik, Borderline, Trauma, Jugendliche, Sozialpädagogik, Bewältigungsstrategien, Identitätsbildung, Tabuisierung, Adoleszenz, Depression, Körperlichkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Thematik der Selbstverletzung (insbesondere „Ritzen“) bei Mädchen und jungen Frauen, wobei die Ursachen, Erscheinungsformen und gesellschaftliche Hintergründe analysiert werden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zu den zentralen Themen gehören die psychologischen Ursachen wie Traumata, die geschlechtsspezifische Aggressionsverarbeitung, der rituelle Charakter der Selbstverletzung und der Umgang mit diesem Tabuthema in der Gesellschaft und im sozialen Umfeld.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für betroffene Mädchen zu schaffen, die Hintergründe ihres Handelns aufzuzeigen und die Notwendigkeit von Empathie und Unterstützung anstelle von Stigmatisierung hervorzuheben.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert primär auf einer Literaturanalyse, ergänzt durch Fallbeispiele und Interviews mit Expertinnen sowie Erfahrungen aus der Praxis, die in der verwendeten Fachliteratur dokumentiert sind.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Ursachenforschung, die Darstellung dreier konkreter Fallbeispiele, die Analyse des Ritzens als geschlechtsspezifisches Phänomen sowie eine phänomenologische Untersuchung der Selbstverletzungssituation.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind unter anderem Selbstverletzendes Verhalten (SVV), Ritzen, Autoaggression, Trauma, Adoleszenz, psychische Belastung und soziale Unterstützung.

Welche Rolle spielt die „materialistische Entwicklungstheorie“ in diesem Text?

Diese Theorie wird genutzt, um das Verhalten als Folge von frühkindlichen Deprivationserfahrungen und einer gestörten Mutter-Kind-Beziehung zu erklären, bei der Sicherheit und Grundbedürfnisse nicht ausreichend gestillt wurden.

Warum betonen die Fallbeispiele die Rolle von „Ritualen“ beim Ritzen?

Die Fallbeispiele verdeutlichen, dass das Ritzen für viele Betroffene kein impulsiver Selbstmordversuch ist, sondern ein kontrolliertes, rituelles Handeln, das dazu dient, inneren Druck abzubauen, sich wieder „lebendig“ zu fühlen oder Kontrolle über das eigene Ich zurückzugewinnen.

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Details

Title
Selbstverletzung bei jungen Frauen und Mädchen - Ritzen
College
LMU Munich  (Fakultät für Pädagogik)
Course
Jung und auffällig
Grade
1.7
Author
Andrea Schulze (Author)
Publication Year
2004
Pages
20
Catalog Number
V31765
ISBN (eBook)
9783638326711
Language
German
Tags
Selbstverletzung Frauen Mädchen Ritzen Jung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andrea Schulze (Author), 2004, Selbstverletzung bei jungen Frauen und Mädchen - Ritzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31765
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